Frage von Prinzessle, 50

Mir ist die Entwicklung zu schnell..ich habe dieses Hilfe in den Augen, weil es mir Angst macht.........Geht das Euch auch so?

Ich laufe gegen das Pensinonsalter...und ich stöhne nur noch, weil ich zusehend unselbständiger werde....sobald ich etwas gelernt habe, so mit der Elektronik.....ist sie gleich wieder anders.......mir geht das zu schnell... Dazu muss ich sagen, dass mein Mann ein absoluter Freak ist, so dass hier alles ausgetestet wird, bevor es auf dem Markt erhältlich ist......junge Leute fasziniert sind.....ich hier all diese " Jünger" habe....aber selber keine Ahnung habe von der Materie.....

Sie lieben meine Küche (Essen), sie lieben mein Wissen um den Garten, sie lieben das Wohnliche.......all die einfachen Dinge, die mich ausmachen......aber ich kann ihnen nicht folgen und es nervt mich wird auf unserem Boden ständig neues in die Welt gesetzt... Früher kannte ich Telefonnummern auswendig........heute Passwörter........wo liegt da bitte ein Vorteil?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Kendall, 27

Ich bin zwar ein paar Jahrzehnte jünger, kann aber die Position durchaus erahnen. Es ist ungeheuer schwer, auf dem technischen Stand zu bleiben, wenn ich nur mal bedenke, was sich alles in meiner Lebensspanne verändert hat. Aus Video- und Audiokassetten wurden DVDs und CDs, die sukzessive einerseits durch Blu-Ray, andererseits durch elektronische Speichermedien ersetzt wurden. Mittlerweile konzentrieren sich beide Medien immer mehr auf den Onlinemarkt, wo höchstwahrscheinlich die Zukunft drin liegt.

Als ich zum ersten Mal ins Internet ging, musste man Telefontaktpreise bezahlen und sich über den Telefonanschluß mit einem Modem einwählen, was einen ungeheuren Krach machte. Im Bereich der Computerspiele wurden binnen 20 Jahren aus undetaillierten Figuren, die sich roboterartig bewegten, nahezu kinoreife Charaktere, die fast aussehen wie Menschen. In nochmal 20 Jahren wird es da wohl kaum einen Unterschied mehr geben.

Die 4:3-Fernseher wichen diesen gruseligen Flachbildfernsehgeräten, die mir immer ein bißchen vorkamen, als entstammten sie direkt aus "1984", weil sie in der Raummitte hängen wie ein alles einnehmendes Bild, das immer alles im Blick hat und dem man nicht zu entkommen vermag.

Und dann sind wir Menschen auch noch so furchtbar sicherheitsversessene Tiere - einerseits wollen wir irgendwo ankommen, das Gefühl haben, auf einem angenehmen "Status Quo" zu bleiben, aber dann wiederum sind wir unglaublich ehrgeizige Tiere, die in allem Pionier sein, immer mit dem Kopf durch die Wand wollen.

Die Veränderung ist das einzig Beständige. Wo Du gerade Passwörter und Telefonnummern in Einklang bringst - wie wird sich wohl ein 1860 Geborener gefühlt haben, als die Telefone aufkamen? Was war das nur für ein Schnickschnack für die Reichen! Aber mit der Zeit hat er sich daran gewöhnt und sich immer häufiger über die Vermittlung mit dem Gesprächsteilnehmer verbinden lassen. Aber was wird derselbe Mensch gedacht haben, als Mitte der 20er Jahre in New York City die ersten Wählscheibentelefone aufkamen, mit denen man Lokalgespräche direkt anwählen konnte? Er muss gedacht haben, dass die Welt verrückt geworden ist und die Telefonistinnen der Vermittlung, die ihn darauf hinwiesen, dass er Lokalgespräche jetzt auch direkt anwählen könne, muss er für vollkommen bescheuert gehalten haben, da sie ja daran arbeiten, ihren eigenen Job obsolet zu machen.

Vielleicht ist es einfach richtig und legitim, dass man irgendwann nicht mehr alle Entwicklungen mitmacht, bloß weil sie neu sind. Unter Umständen ist es die beste Strategie, sich die Dinge herauszusuchen, die einem selbst liegen und nützen, die man also haben mag. Ich kannte mal einen Typen, der in den 90er Jahren eine Wohnungseinrichtungssoftware nur deshalb benutzte, um Häuser im Stil der 50er zu bauen, einzurichten und in 3D hindurchzulaufen - das hat ihn an die damalige Zeit erinnert, sie quasi für ihn zurückgeholt. Ich halte diesen Umgang mit dem Fortschritt an sich nicht für schlecht.

Kommentar von Prinzessle ,

Eigentlich wollte ich Dir ein Kompliment machen, aber der Compi war schneller als mein Finger...nun ja, ich kann Dir dann für Deine Antwort, die mir gefiel einen Stern verleihen...

Ich denke, viele Leute merken gar nicht, in welchem Glashaus sie wohnen....mein Mann begann mit dem Programmieren mit Comodore und vieles was heute einfach da ist, stammt aus seiner Feder, er schrieb die Programme...

eben, ich sitze die ganze Zeit einen halben Schritt vor der nächsten Zeit und eben merke, dass bis auf einen Sohn, der gerade in Japan Physik, Mathematik und Robotik studiert, niemand weiss, wie Komplex hier alles ist, er liebt dies und ja natürlich kann ich auf ihn zählen....

ich lebe in dieser Experimentierstube...und eben diese wird immer schneller, so dass ich keine Zeit mehr habe, mich an etwas zu gewöhnen, so dass ich inzwischen weniger kann und weiss als jeder andere Benutzer.....so gesehen lebe ich im Haus von Morgen, dabei habe ich das Haus von Heute gar noch nicht ganz verstanden ! 

Antwort
von Nube4618, 12

Wie schon Kendall gut beschrieben hat, es ist legitim, nicht mehr alles mitzumachen. Es zwingt uns niemand dazu, nur wir selbst entscheiden darüber, wir müssen keine Karriere mehr machen, kommen in das "Letzte Drittel", und das können wir so gestalten wie es eben für uns stimmt. 

Kommentar von Prinzessle ,

Ja, alles was ich anfasse wird zu Gold, wird dies so bleiben, ohne dass ich etwas wirklich verstehe?

Kommentar von Nube4618 ,

Es gibt wichtige Dinge im Leben, z. Bsp. wie gehe ich gut mit anderen Menschen um, wie motiviere ich andere, wie komme ich zu einem schönen Eigenheim, wie kann ich die Natur besser verstehen, Tiere und Pflanzen, wie koche ich etwas Feines. 

Dann gibt es die nicht so wichtigen Dinge, z. Bsp. wie geht e-banking genau, wie bediene ich die neuen elektronischen Geräte, was könnte das Problem sein, wenn es nicht mehr geht. wie sende ich einen Tweed, wie lade ich Musik runter, und und und...

Bei all diesen nicht so wichtigen Dingen die sich immer wieder ändern kann dir sowieso jemand helfen, und du könntest es auch lernen, wenn es dir den Aufwand wert ist. Bei den wirklich  wichtigen Dingen ändert nur wenig, Natur bleibt Natur, gesunder Menschenverstand und Achtsamkeit sind immer noch gleich nützlich wie sie es vor 100 Jahren waren!

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