Frage von Finniicecream, 51

Mir geht es schlecht und weiß nicht weiter - was kann ich tun?

Kurz zu mir, ich bin 19, wohne bei meinem Vater und überbrücke gerade ein Jahr nach dem Abi, bevor für mich die Ausbildung startet. Allgemein betrachtet ist dieses Jahr ein gutes Jahr. Ich habe viel in meinem Leben erreicht, auch viel verändert und an sich lebe ich mein Leben, was ich vorher nicht tat. Eigentlich teile ich nicht gerne meine Probleme mit der Öffentlichkeit, aber ich habe oft gelesen, dass darüber schreiben und reden sowieso helfen soll. Ich traue mich nur noch kaum meine Freunde mit meinen Problemen zu belasten, weil ich das Gefühl habe es sind Kleinigkeiten und die haben auch ihre Probleme. Zudem erzähle ich sehr oft davon. Meine Freunde sagen, ich kann immer zu ihnen kommen und ich nerve nicht, aber irgendwie kriege ich diesen Gedanken nicht aus meinem Kopf. Meine Mutter hat Depressionen und nimmt dagegen Medikamente. Ich weiß nicht, ob sich depressive Züge weiter vererben, depressiv bin ich nicht. Wenn in meinem Leben etwas gut läuft, dann fühle ich mich auch dementsprechend besser. Ich kann nicht mal sagen, dass es jetzt bei mir schlecht läuft, aber es gibt so einige Dinge, die mich beschäftigen. Zum einen sind meine Großeltern schon sehr alt und ich komme mit Tod überhaupt nicht klar. Jedes Mal, wenn es darum geht fange ich entweder an zu weinen oder ich blocke sofort ab und verdränge alles in die hinterletzte Kammer meines Gehirns. Zunehmend muss ich aber immer häufiger darüber nachdenken, weine auch sehr viel und neige fast zu Panik-Attacken. Ich merke das, wenn mir der Atem weg bleibt und konzentriere mich dann nur auf meine Atmung. Mit meiner Mutter habe ich immer schon Probleme gehabt, aber mittlerweile kann ich damit leben. Nur in letzter Zeit streite ich sehr oft mit meinem Vater und das tut mir überhaupt nicht gut. Mein Vater und ich haben eigentlich ein total gutes Verhältnis, aber wir geraten immer wieder gegeneinander - er hat selber sehr viel um die Ohren. Verschlimmert wird das dadurch, dass ich seit längerem Zeitraum ziemlich durch den Wind bin. Ich lasse viel liegen, vergesse Dinge und kann zum Teil nicht mal richtig grammatikalisch deutsch sprechen - verhaspel mich halt. Mein Vater stört das, aber ich kriege auch nicht wirklich gebacken, mit ihm darüber zu reden. Irgendwie kann ich allgemein zur Zeit schlecht mit ihm reden. Dazu kommt, dass ich extrem schnell gereizt bin und dann echt aggressiv werden kann. Manchmal habe ich den Wunsch alles auseinander zunehmen und rum zu schreien. Man sagte mir, ich solle ein Ventil haben. Ich fahre schon sehr viel Fahrrad und lebe mich mit Musik aus, aber es reicht einfach nicht. Ich habe Angst, mich von meinem kompletten Umfeld zu isolieren. Aber ich ertrage zum Teil nicht die Anwesenheit anderer und Lärm. Dann kommt das wieder mit meiner Oma und meinen Opa dazu, dann kriege ich ein schlechtes Gewissen etc. - eigentlich will ich das ja alles gar nicht. Am Ende meiner Gedanken fühle ich mich wie so ein leerer Kartoffelsack, lustlos und bin extrem erschöpft...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DerDonut, 20

Hi Finnii:)

Glaub nicht, dass du für deine Freunde, oder so, eine Last bist und die nur nervst:) Du hast bestimmt Freunde die dir immer und jederzeit helfen würden, denn du wirkst auf den ersten Eindruck wie eine intelligente Person, die einfach durch viel Stress immoment ein wenig zuviel hat von allem.

Das mit deiner Mutter tut mir leid für dich und es ist sicherlich nicht einfach für dich, aber gut ist, dass du nachwievor durchhälst und alles probierst (mutig auch dich an uns zu wenden:) )

Dein Vater hat bestimmt auch Stress, weil das mit deiner Mutter ist und vllt. weiß er nicht, wie er genau mit dir umgehen soll, da du manchmal aggressiv bist (weil du meintest, dass euer Verhältnis ein bisschen darunter leidet).

Tot ist nie eine gute Angelegenheit, gehört aber leider dazu. Lass dich davon nicht runterziehen, denn auch wenn Trauer ok ist, solltest du deine Lage nicht noch weiter verschlimmern:(. Du bist bestimmt ein sehr guter und sozial kompetenter Mensch (das verlierst du nicht gleich weil du hin und wieder Aggressionen bedingt durch Stress  hast:) ) und du bist wahrscheinlich auch eine stärkere Person als du denkst:)

Bei den ganzen Sachen, ist es klar, dass man sich doof fühlt und den ganzen Stress den du hast, könnte man als Auslöser dafür sehen.

Klar kannst du dir Hilfe holen, was kein Hals und Beinbruch ist, denn sehr viele Menschen holen sich Hilfe und Depressionen sind natürlich nicht gut für dich.

So wie es sich für mich anhört, bist du ein mitfühlender und empathifähiger Mensch, dem der Stress einfach grad zuviel wird. Mach mal Pause:) Geh raus spazieren, überlege inruhe und nimm dir einfach manchmal Zeit um einfach nachzudenken:)

Und deine Oma und Opa wollen sicher nicht, dass du dich richtig hängen lässt falls etwas ist:( bleib so stark wie du vor der Stressflut warst und versuch einfach mal den Kopf frei zu kriegen (ich weiß einfacher gesagt als getan).

Was jedoch gut ist ist, dass du dich schon mit rationalen Wegen auseinandersetzt. Wenns nicht mehr geht hol dir Hilfe, oder rede echt mal ehrlich mit deinem Vater, oder einer anderen Person. Du wirst wieder und sieh es positiv, denn du wirst nach der Zeit stärker sein als je zuvor:) Glaub mir:)

Ich hoffe, dass ich ein wenig helfen konnte:)

Hab einen schönen Tag und lass den Kopf nicht hängen das wird wieder, gib halt nur nicht auf, denn du bist viel zu schlau und gut dafür (du hast eine sehr gute Art dich auszudrücken:) das impliziert schon dein Können:) )

Kommentar von Finniicecream ,

Danke für deine herzhafte Antwort :) ich wünsche dir auch einen schönen Tag!

Kommentar von DerDonut ,

Danke:) ich hoffe das wird wieder alles:) Du bist nicht umsonst so weit gekommen wie jetzt:) nutz das:D

Antwort
von voayager, 11

Manches klärt sich von selbst, nämlich wenn dein neuer Lebensabschnitt eine Ausbildung beginnt. Das kann recht aufbauend für dich sein, dir neue Ideen und Impulse geben, warte einfach mal ab, was so alles auf dich zukommt.

Antwort
von bikerin99, 26

Du zählst einige Symptome auf, die man bei einer depressiven Episode hat (gereizt, Konzentrationsstörungen, Rückzug, lustlos, Ängste, ...). Überlegenswert wäre, dass du einmal mit einem Arzt sprichst.
Gleichzeitig könntest du dich auch an eine psychosoziale Beratungsstelle wenden und einige Beratungstermine in Anspruch nehmen zur Entlastung.
Möglicherweise ist eine Psychotherapie für dich das Richtige.
Hole dir die Unterstützung, die du im Moment brauchst.

Kommentar von Finniicecream ,

Manchmal im Stillen habe ich auch schon darüber nachgedacht.

Nur jetzt, wo mir das jemand Fremdes sagt kriege ich es doch ein bisschen mit der Angst zu tun. Irgendwie habe ich gerade einen mega dicken Kloß im Hals.

Kommentar von Giwalato ,

Bei einer Lungenentzündung gehst Du doch auch zum Arzt, betrachte das ganze als eine Entzündung der Seele. 

Je früher Du Dir helfen läßt, desto schneller kommst Du aus Deinem Loch wieder heraus.

Alles Gute für Dich,

Giwalato 

Kommentar von Finniicecream ,

Danke für eure Hilfe! :)

Kommentar von bikerin99 ,

Was macht dir Angst, wenn jemand dich darauf hinweist, es könnte eine depressive Episode sein? Das heißt ja noch lange nicht, dass es dir einmal so gehen wird, wie deiner Mutter, dass du jetzt möglicherweise doch krank bist und jetzt eine Behandlung und Unterstützung brauchst. Je früher desto besser, erst durch Nichtbehandlung kommen chronische Erkrankungen.

Kommentar von Finniicecream ,

Genau dort liegt ein bisschen meine Angst. Ich möchte nicht von einer Krankheit kontrolliert werden. Und es ist psychisch auch ein großer Schritt für mich einzusehen, dass ich Hilfe brauchen könnte und das nicht alleine schaffe.

Antwort
von comhb3mpqy, 5

Wegen Deiner Angst vor dem Tod:

Ich bin Christ, ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Ich habe keine
große Angst vor dem Tod. Wenn Du einiges wissen möchtest, was mich
überzeugt, dass es Gott und ein Leben nach dem Tod gibt, dann kannst Du
mich z.b. fragen oder auf mein Profil gehen.

Wenn Du manchmal Dinge vergisst, dann kannst Du Dir Zettel schreiben oder einen Wecker in Dein Handy einspeichern, der Dich erinnert.

Kommentar von Finniicecream ,

Das ist sehr lieb von dir, aber ich glaube nicht an Gott :) Trotzdem Danke für deinen Rat.

Antwort
von teafferman, 11

Pubertät. 

Doch.

In der Pubertät stirbt die Kindheit. Gedanken und Auseinandersetzungen mit Tod an sich sind da natürlich. Der Teil der Pubertät ist jetzt also bei Dir voll im Gange. Und sollte auf gar keinen Fall mit einer - meist nicht vererbbaren - Depression in irgendeinen Zusammenhang gebracht werden. 

Dazu passen mangelnde Konzentrationsfähigkeit und so fort. 

Ok. Also erklärst Du Deinem Vater, dass Du gerade dabei bist, einen wichtigen Teil Pubertät zu leben. Und dass dazu nun mal ganz natürlich Schusseligkeit gehört. Diese Phase aber wieder vorbei geht. Schlaue Menschen nehmen diese Phase als einen natürlichen vorübergehenden und wichtigen Entwicklungszustand, anstatt da unnötig Kräfte gegen investieren zu wollen. 

Ok. Gegenmaßnahmen

Schreibe täglich von Hand auf Papier eine gute halbe Stunde Tagebuch. Bestenfalls vor dem einschlafen. 

Sind Deine Großeltern gestorben, führe für jede Person ein Trauertagebuch. Gab es da aufzuarbeitende Erlebnisse, so führe dazu ein oder für jede Person ein eigenes Tagebuch. 

Schaue bei youtube nach

sonnengeflecht - leicht zu erlernende und jederzeit anwendbare gut Übung

hata yoga oder pilates oder thai chi chuang

um den ganzen Körper dehnen und strecken zu können. Suche Dir den für Dich ansprechendsten Weg aus und gehe ihn. 

Hast Du mindestens ein kreatives Hobby? Wenn nicht wird es Zeit. 

Nutze einen Ausweis der öffentlichen Bibliothek. Lasse Dich da von den dort arbeitenden Fachmenschen beraten. Es gibt zahlreiche interessante Lebensgeschichten. Sie können Deinen Horizont zur Thematik arg erweitern. 

Mache Dir einen oder mehrere Pläne zu erledigender Aufgaben und hänge ihn oder sie an Deine Zimmertür. So wirst Du immer wieder erinnert. 

Wie wäre es mit einem Tanzkurs? 

Ehrenamtliche Arbeit in einem Altenheim kann jetzt auch sehr dienlich sein. 

Deine Großeltern sind gestorben? Trauerarbeit ist lebensnotwendig. Wer sie verweigert, wird tatsächlich psychisch krank. Trauer ist aber keine psychische Krankheit sondern ein natürlicher und wichtiger besonderer Zustand. 

Doch, ja. Ich weiß,dass es immer moderner wird in der Psychiatrie, Trauer als psychische Erkrankung zu diagnostizieren. Wenn ich mir aber die Vita der diese These vertretenden näher ansehe, dann wird deutlich, dass die einen massiven Riss in der Schüssel haben. Titel hin, Anerkennung her. 

Freundschaft und lästig fallen sind zwei gegensätzliche Dinge. 

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