Frage von SonyVaioUser01, 64

Mir fehlt etwas bei der Kunst...Erkenne ich es nicht oder gibt es das "Es" nicht?

Also in letzter Zeit habe ich mir viele Gedanken über mein Leben gemacht. Dabei habe ich dann über mein Talent nachgedacht. Und zwar kann ich zeichnen/malen. Ich übe zur Zeit aber mehr. Nun habe ich mich gefragt was ich damit machen kann. Ich will etwas erreichen, ich will meine Ergebnisse präsentieren, nicht um Anzugeben oder so, aber irgendwie suche ich nach diesem Moment, in dem man etwas hinter sich gebracht hat, dieses Gefühl von Erleichterung und Zufriedenheit. Sowie es zum Beispiel bei einem Musikauftirtt ist oder wenn man Fußballer ist. Man lebt für dieses einen Moment in dem man im Mittelpunkt steht, und versucht was zu erreichen. man trainiert/übt die ganze Zeit für diesen einen Moment, in dem man in Aktion ist. Und genau das finde ich beim Zeichnen/Malen nicht. Man sitzt lange an einem Schrebttisch hat dann ein Ergebnis, das vielleicht gut ist, aber dieses Gefühl fehlt mir :(. Ich habe meine Motivation zum Zeichnen verloren und wünsche mir sogar manchmal eine andere Begabung... :/...Jetzt wollte ich hier fragen ob ihr mir auf die Sprünge helfen könnt? Sehe ich es nicht oder gibt es sowas in der Kunst nicht ? Was ist Kunst eigentlich für euch und was wollt ihr damit erreichen?..Ich hoffe ihr wisst was ich meine.

Vielen Dank! :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von purushajan, 12

mir ging es in deinem alter ähnlich. ich wusste, dass ich mich ausdrücken möchte, aber ich grübelte immer, was denn überhaupt als kunst gilt und was nicht.

von dem weisen inder maharishi bekam ich dann folgende antwort: "kunst ist ausdruck des lebens. je tiefere bereiche die kunst ausdrückt, desto länger bleibt sie erhalten."

ich habe dann jahrzehntelang als meditationslehrer gearbeitet und meine kunst immer nur nebenbei betrieben, um zu bestimmten gelegenheiten etwas beizutragen oder freunde damit zu beglücken. inzwischen bin ich 70 und seit jahren dabei, genau das zu verwirklichen, was mir schon mit 13 jahren vorgeschwebt hat. dazu fällt mir ein ausspruch von goethe ein: "was in der jugend du wünschst, hast du imm alter in fülle."

und rilke warnt in seinem buch "die aufzeichnungen des malte laurids brigge": "wenn du dichter werden willst, hüte dich, zu früh zu veröffentlichen, denn die erwartung der menge nagelt dich fest."

das war für mich mit ein grund, lieber zu warten, bis sich eine gewisse reife eingestellt hat und ich wirklich weiß, was ich sagen und bewirken will. früher habe ich mich oft nach einer darbietung oder einer veröffentlichung geschämt, weil mir plötzlich etwas an meiner eigenen aussage auffiel, was ich inzwischen nicht mehr vertreten konnte.

also nimm das leben wie es kommt. manch einem ist es bestimmt, schon früh die lorbeeren für sein talent zu genießen, andere müssen ihre zeit abwarten, bis das kleine ego sich beruhigt hat und nicht mehr den gernegroß spielt, sobald das publikum klatscht.

aber zur beruhigung noch ein zitat des weisen: "kein wunsch wird dir gegeben ohne die fähigkeit, ihn auch zu verwirklichen."

Kommentar von SonyVaioUser01 ,

Wow haben sie echt schön gesagt :). Vielen Dank! Durch ihre Antwort hat mich einbisschen Hoffnung erreicht :)...Darf ich fragen was sie dann in der Zeit gemacht haben, als sie noch nicht "reif genug" waren. Aber trotzdem vielen Dank für die Antwort! :)

Kommentar von purushajan ,

kurz nach dem abitur hörte ich einen vortrag über meditation, und dass unser bewusstsein nicht nur nach außen sehen kann, sondern auch nach innen bis zur inneren grenze, und das ist die transzendenz, die aus reinem bewusstsein besteht, aus innerer wachheit ohne gedanken. und auf dem weg nach innen verfeinert sich der geist und wir kultivieren immer feinere gefühle und werden immer bewusster, bis wir nicht mehr 5% wachbewusstsein und 95% unterbewusstsein in unserem geist haben, sondern 100% bewusstsein und freien zugang zur tranzendenz.

diese transzendenz ist die quelle unserer gedanken, unserer gefühle, unserer wünsche, unseres gesamten ichbewusstseins. sie wird in der heutigen wissenschaft als das einheitliche feld beschrieben und in allen religionen der welt als der ursprung der welt, der schöpfer, gott, allah, zen, tao, der vater, je nachdem, aus welcher kultur man stammt. und in allen kulturen gab es immer menschen, die auf der suche nach ihrem eigenen ursprung waren und den weg nach innen gesucht und gefunden haben.

das war mein weg zur "reife". ursprünglich wollte ich kunst- und deutschlehrer werden, weil diese beiden fächer meine kreativität angeregt haben und ich anderen menschen helfen wollte, ebenfalls kreativ zu werden. zum glück bin ich aber bei der aufnahmeprüfung zur kunstakademie zunächst durchgefallen und dadurch bei einer ausbildung zum meditationslehrer gelandet, wodurch ich gleichzeitig lehrer für die "wissenschaft der schöpferischen intelligenz" wurde. da merkte ich, dass ich tatsächlich der lehrer geworden war, der ich werden wollte, und dass ich mich als lehrer an einer schule und als beamter gar nicht geeignet hätte. denn als meditationslehrer reiste ich pötzlich durch viele kontinente und lehrte an schulen und volkshochschulen, an universitäten und in gefängnissen. das war viel bunter und abwechslungsreicher als ein studienrat an einer schule zu sein.

und die meditationskurse konnte ich dann bereichern mit selbstgeschriebenen märchen, die ich aufgeführt habe, und gedichten und festreden und kleinen sketchen, aber das nomandenleben hat verhíndert, dass ich aus dem vielen geschriebenen bücher zusammenstellen konnte.

das mache ich jetzt, seitdem ich mich als rentner zur ruhe gesetzt habe, und fühle mich dabei jünger als je zuvor. ich merke, dass der satz wirklich stimmt: "kein wunsch wird dir gegeben ohne die kraft, ihn zu erfüllen."

ich wünsche dir ein abenteuerliches und sinnvolles leben.

mehr über mich und meine bücher findest du auf http://www.alfa-veda.com/

Antwort
von Magenta012, 26

Ich denke, in der Kunst gibt es dieses "Es" nicht. Künstler sind doch irgendwie immer Suchende, die nie mit ihrem Werk so ganz zufrieden sind, sei es ein Bild oder Musik etc. Künstlerisch begabte Menschen sind oft hoch sensibel und oft unglücklich ( schau mal, wie viele Künstler sich in Vergangenheit und Gegenwart schon umgebracht haben, Trinken, Drogen nehmen....) Ein Fussballer kann sich erstmal zufrieden hinsetzen und ein Bier trinken, wenn er das entscheidende Tor geschossen hat für die WM oder so, Bamm, erledigt, Ziel erreicht. Bei Künstlern scheint mir das nicht zu funktionieren, auch wenn ich so in die Geschichte zurückschaue. Schau dir z. B. mal VanGogh an, wenn ich nur 1 so ein schönes Bild gemalt hätte wie er ganz viele erschaffen hat, wäre ich dann zufrieden? Nein, ich würde mir vielleicht denken, dass ich die Stimmung nicht ganz richtig widergegeben habe und gleich noch eins malen.....Du hast eine sehr interessante, philosophische Frage gestellt, hoffe, du kannst mit meiner Antwort (die meine persönlich Meinung ist + ein klein wenig Erfahrung als seit Jahren an einem Buch schreibende ;-))was anfangen

Kommentar von SonyVaioUser01 ,

Wow echt tolle Antwort.. Also gibt es das "Es" in der Kunst nicht :/. Was ist dann deine Motivation. Wofür zeichnest du? Warum zeichnest du noch? Aber auf jeden Fall eine tolle Antwort! :)

Kommentar von Magenta012 ,

Danke! Ich glaube, man kann das nicht verallgemeinern. Ich kenne Künstler, die arbeiten Aufträge ab. Z.B. ein Maler bekam den Auftrag, für eine neu eröffnete Anwaltspraxis 5 Bilder zu malen, in den und den Farben, abstrakt, beruhigend. Er hat das gemacht, die Bilder abgeliefert, viel Geld dafür bekommen und ist zufrieden. Sein "Es" ist, dass die Kasse stimmt und er weiterempfohlen wird. Er ist ein guter Künstler, aber kein Suchender. Ich schreibe an einem Buch. Warum ich immer weiter mache? Es ist mir ein Bedürfnis, diese Geschichte zu erzählen und irgendwann anderen Menschen zum Lesen anzubieten. Ich schreibe, dann lese ich mir das Ganze durch und finde es nicht gut. Vielleicht bin ich zu kritisch, es erfüllt nicht meine Anforderungen. Vielleicht würde es anderen Leuten vollkommen reichen. Aber für mich ist es eben nicht gut genug. Wenn ich z. B. einen Fachartikel schreiben muss, dann ist das ein Auftrag, so und so ein Thema, so und so viele Wörter, Fotos, bis zu dem und dem Tag. Das tipp ich dann runter, liefere den Artikel ab und weiß, das war "Es" in diesem Fall. Aber bei meinem Buch ist das nicht so einfach, vielleicht kommt es nie. Ich mache trotzdem weiter, weil es mir Freude macht. Der Weg ist da mein Ziel ;-)

Kommentar von SonyVaioUser01 ,

Wow schön *-*...Ich habe mir auch mal überlegt ein Buch zu schreiben bzw. einen Manga zu schreiben/zeichnen, um meiner Begabung (Fluch) gerecht zu werden ...Aber das "Es" fehlt mir trotzdem. Ein guter Schreiber bin ich aber sowieso nicht...Denken kann ich, aber meine Gedanken in Worte zu fassen fällt mir sehr schwer...Außerdem bin ich "erst" 14...Deswegen mache ich auch viele Fehler in meinen Texten. Abgesehen davon frage ich mich wie ich den Lesern eine Antwort zu geben wenn ich selbst keine finde.. Das ist schon ziemlich kompliziert. Trotzdem wünsche ich mir ein "Es" in meinem Leben. Das ich es mit meiner einigen Fähigkeit nicht bekomme ist schon ziemlich traurig. Naja mal sehen wie es weiter geht. Mir fehlt Momentan sowieso noch das Können für einen solchen Manga/ solches Buch. Dir wünsche ich auf jeden Fall noch viel Glück bei deinem Buch..Wenn es so weit ist würde ich mich freuen, wenn du mir den Titel sagen könntest :). Einen Leser hast du schonmal gewonnen :3!

Antwort
von Melialia, 34

vielleicht solltest du dich mal auf eine ausstellung bewerben? vielleicht solltest du mit kreide auf die straße bilder als botschaft malen? vielleicht solltest du demos unterstützen? vielleicht solltest du darauf hinarbeiten, dich später erfolgreich auf einer Kunstakademie zu bewerben? Die Frage ist auch natürlich immer, wo du letztlich damit hinwillst?

Klar ist verständlich, was du meinst. Jeder braucht mit seinem Talent Momente, in denen er es anwenden kann und es einen Sinn hat, eine Rückmeldung bekommt, die ausdrückt, dass viele es schön finden, es vielen etwas sagt beziehungsweise es einem guten größeren Zweck gedient hat.

Kommentar von SonyVaioUser01 ,

Ich weiß nicht wo ich damit hinwill, weil ich leider nicht weiß wo ich damit hin kann :/.. Aber Danke für deine Antwort! :)

Kommentar von Melialia ,

dann schau dir an, was du kannst, schau, was man alles mit kunst machen kann und überlege, was dich interessiert. hole dir rat bei jemandem, der ahnung davon hat, von diesem speziellen gebiet und befolge die ratschläge, um dich zu verbessern. ich glaub, sowas wie einen mentor zu haben würde dir echt gut tun :)

Antwort
von Wissbegieriger2, 36

Deiner Werke scannen und auf Seiten wie deviantart hachladen, da bekommst du Aufmerksamkeit.

Kommentar von Wissbegieriger2 ,

Äh Rechtschreibung.

Kommentar von NorthernLights1 ,

Oder mal in arztpraxen oder Behördeneingängen fragen, ob du deine werke dort zeitweise hinhängen darfst.

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