Frage von Tasha, 76

Minimalismus: Erfahrungen und Tipps?

Ich versuche seit längerer Zeit, meinen Kram zu reduzieren (Bücher, Kleidung etc., wobei Kleidung schon sehr wenig vorhanden ist). Habe schon sehr viel entsorgt (abgegeben), aber immer wieder volle Schränke. Hat jemand Erfahrungen mit dem Entrümpeln und kann praktische Tipps geben?

Mir stehen 3 Dinge im Wege: 

1. Immer, wenn ich etwas "lichte", denke ich automatisch, dass ich jetzt mehr kaufen kann, da ich ja Platz habe...

2. Mir kommt immer der Gedanke: Ich brauche noch eine Unterbringungsmöglichkeit (Schrank, Regal etc.), die dann größteteils leer sein soll, was nie klappt...

3. Ich habe verhältnismäßig viele Erinnerungsstücke - vor allem Bücher - die ich nie benutze, aber mich nicht wegzugeben traue. Zwar sind auch davon schon viele verschwunden, aber aktuell z.B. noch drei Regalfächer nur mit diesem Kram. Ich versuche, diese auf ein Fach zu reduzieren, das fällt aber schwer, weil alles "wichtig" ist.

Obwohl ich schon viel weggeben habe, überfällt mich immer die Angst, etwas Wichtiges wegzugeben, das ich nie wiederbekomme. Beim letzten Mal sollten 2 Regale geleert werden, die ich NIE benutze, deren Inhalte ich seit 2 Jahren nicht gebraucht habe - und am Ende schaffte ich mit Mühe ca. ein dreiviertel Regal, den Rest "konnte" ich nicht weggeben.

Wie habt ihr das gelöst?

Antwort
von Malavatica, 53

Was du niemals liest, kann so wichtig nicht sein :)

Reduziere deine Bücher um ein Drittel. Warum sind diese Bücher wichtig?  Sind es Erinnerungen?  Das kann auch ein Foto sein, der Rest ist in deinem Kopf. 

Bücher kannst du verkaufen oder spenden. Du musst nichts wegwerfen. 

Stelle dir vor, du ziehst um. Was willst du unbedingt mitnehmen, was ist nur Ballast? 

Bei Gegenstände, wähle das Kellerprinzip. Packe eine Kiste in den Keller. Wenn du nie runtersteigst um etwas rauszuholen, brauchst du sie nicht. 

Thema Kleidung :Wenn du etwas Neues kaufst, entsorge dafür ein anderes Kleidungsstück. Gewöhne es dir an. Aller Anfang ist schwer. 

Übrigens finde ich den Minimalismus gar nicht schlecht. 

Frohes Schaffen! 

Kommentar von Tasha ,

Danke!

Ich werfe nichts weg, sondern bringe Bücher zu einem Sozialladen bzw. in die Bücherei.

Kommentar von Malavatica ,

Mache ich auch so :)

Antwort
von MartinSchuM, 17

Mein Weg ist, dass ich mich immer frage, was mir die Dinge bedeuten und meistens klappt das, weil ich merke, dass es doch nicht so wichtige Sachen sind. Aber bei dir wohl nicht;). Bei den Sachen, bei denen ich auch so Erinnerungs-Gefühle hatte, habe ich Fotos davon gemacht. Aber es stehen auch noch zwei oder drei Kartons mit reinen Erinnerungen herum, die ich nicht loswerden(n will)... Andererseits freue ich mich immer sehr, wenn ich ein Möbelstück loswerde, weil der Stauraum nicht mehr gebraucht wird!

Antwort
von annen44, 7

Oft wird einem geraten, einfach Fotos von Erinnerungsstücken zu machen. Das finde ich Quatsch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Erinnerungsstücke die für mich mal wichtig waren 5 Jahre später Ihre Bedeutung veloren haben. Und dann konnte ich sie auch gut weggeben.

Antwort
von BellaPeninna, 32

Hallo Tasha,

ich habe in den letzten Jahren auch meinen Besitz minimalisiert. Allerdings habe ich generell kaum Probleme etwas wegzugeben.

Trotzdem habe ich einige Tipps gehört/gelesen, die dir vielleicht helfen könnten.

Zu 1.) Frag dich immer, wenn du etwas kaufen möchtest, ob du es wirklich brauchst und benutzen wirst bzw. ob es dir wirklich so gut gefällt, dass du dich auch in einem halben Jahr und länger noch darüber freuen wirst. Manche Leute führen mit Absicht nur wenig Bargeld mit sich, um nicht zu sehr zum Kaufen verführt zu werden. Kreditkarten und EC-Karten kann man in einen kleinen Umschlag stecken und darauf Dinge schreiben wie "Brauchst du das wirklich?" oder "Versuchst du gerade, durch Shoppen ein inneres Loch zu füllen?"     

Wenn du ein Regal oder einen Schrank (fast) leer hast, gib es/ihn weg. Ersetze es/ihn gegebenenfalls durch ein kleineres Exemplar. Dann sieht es nicht so leer aus und du hast vielleicht nicht mehr das Gefühl, etwas "füllen" zu müssen. Auf längere Sicht reicht dir eventuell sogar eine kleinere Wohnung oder ein kleineres Haus, was Geld spart.

Zu 2.) Das verstehe ich nicht ganz. Willst du ein leeres Regal haben? Oder denkst du, dass du den Platz vielleicht irgendwann noch einmal brauchst? Oder etwas ganz anderes? Erleuchte mich!

Zu 3.) Ich finde, es kommt immer darauf an, um was für Erinnerungsstücke es sich handelt. Generell würde ich mich fragen, ob ich den Gegenstand wirklich brauche, um mich an meine Grundschulzeit, den tollen Urlaub vor zehn Jahren oder die verstorbene Tante Trude zu erinnern. Zumindest bei mir lautet die Antwort in den meisten Fällen "Nein!". Mit dem Gegenstand gibt man nicht seine eigenen Erinnerungen oder das Andenken an eine geliebte Person weg. Wichtig ist, was du in dir trägst, in deinen Gedanken, Erinnerungen usw.! Ich gehöre zwar nicht zu den ganz großen Kondo-Fans, aber mir gefällt ihre Ansicht zu Geschenken und Erbstücken: Geschenke und Erbstücke haben ihren Zweck erfüllt, wenn sie überreicht werden. Danach kann man sie loslassen, denn ein Weggeben ist keine Beleidigung für die Person, von der man es hat. Wenn man mag, kann man (so Kondo) dem Gegenstand für seinen "Dienst" danken, bevor man ihn weggibt. Fotos und manche Unterlagen kann man digitalisieren. Es gibt Leute, denen es hilft, von einem Gegenstand ein Foto zu machen, bevor sie ihn weggeben.

Es kann dir helfen, jeden Gegenstand in die Hand zu nehmen und ihn in eine von vier Kisten zu sortieren: 1. behalten; 2. wegwerfen (Müll); 3. weggeben (verkaufen, verschenken, spenden); 4. unsicher. Die "unsicher"-Kiste stellst du in den Keller oder einen Abstellraum und wenn du nach einem halben Jahr nichts daraus gebraucht hast, kann der Kram weg. Ausnahme sind Saisonartikel (z.B. Kleidung, Sportausrüstung, Deko). Die sollte man besser ein Jahr stehen lassen, um zu sehen, ob man sie noch braucht. Heißer Tipp: Trag den Termin zum Überprüfen/Entsorgen der "unsicher"-Kiste sofort in deinen Terminkalender ein! Andernfalls steht die Kiste vielleicht noch in 5 Jahren da! Ryan Nicodemus und Joshua Fields-Milburn empfehlen die 20/20 Regel: alles, was du nicht regelmäßig benutzt und was du bei Bedarf innerhalb von 20 Minuten für 20 Dollar (bei uns 20 Euro) oder weniger wieder besorgen kannst, kommt weg.

Und last but not least: entspann dich!

Obwohl ich mich ganz gut von Dingen trennen kann, habe ich bei ein paar Sachen einige Zeit gebraucht bis ich mich von ihnen trennen konnte. Das ist ein Prozess.

Außerdem musst du dich von bestimmten Sachen überhaupt nicht trennen. Mir begegnen immer wieder Leute, die die Vorstellung haben, sie müssten jetzt radikal alles Mögliche weggeben. Warum? Es geht nicht um einen Wettbewerb, den der gewinnt, der am Ende am wenigsten hat, sondern um ein vereinfachtes, glückliches Leben!

Antwort
von luziex, 27

~"Was hältst du eigentlich von Minimalismus?" - "Nichts."

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