Frage von HoneyMouse1, 88

Minijob kein Geld erhalten, Anklage?

Hallo, es ist ein bisschen kompliziert. Dezember 2015 habe ich einen Minijob begonnen. Ich wurde ordnungsgemäß bei der Sozialversicherung gemeldet (habe Bescheinigung), habe direkt jedoch keinen Vertrag bekommen (mir wurde gesagt, den bekomme ich noch), die wesentlichen Sachen wurden mündlich festgehalten. Da aufgrund von Krankheit und von dem Weihnachtsgeschäft dort im Dezember so viel zu tun war, baten mich meine Vorgesetzten, länger da zu bleiben. Ich habe mehrfach gesagt, dass ich so über meine 450 Euro Job Stunden drüber komme, jedoch sagte man mir, dass sie das dann auf andere Monate überschreiben würden bzw. mir einen anderen angepassten Vertrag dann machen würden. Das ist mein erster Minijob gewesen und daher habe ich gedacht, dass das wohl schon so ginge. Im Dezember habe ich somit über das doppelte verdient. Ende Januar wurden dann fast alle Mitarbeiter (auch die für mich "zuständig" waren bzgl. meines Gehalts) vom Chef gekündigt. Ende Januar wurde mir dann gesagt, dass meine Anmeldung auf November vorgezogen wird, damit ich das Geld von Dezember dann so bekommen könne. Ich dachte mir wie gesagt nichts dabei und habe noch den gesamten Januar (diesmal aber für genau 450Euro) und sehr kurz im Februar dort gearbeitet. Danach bin ich nicht mehr gegangen, da ich mein Gehalt von Nov bzw. Dez. nicht erhalten und auch keinen Vertrag bekommen hatte. Bis jetzt habe ich immer noch kein Geld erhalten, Mahnungen, Anrufe etc. beim Arbeitgeber bringen nichts. Abrechnungen für Dezember, Januar und Februar habe ich bekomme, diese sind aber v.a. im Februar fehlerhaft und enthalten viel weniger Stunden wie ich eigentlich gearbeitet habe. Die Dezember Abrechnung besteht nur aus einmal 450 Euro. Man sagte mir den Rest habe man auf die November Rechnung überschrieben (die ich nicht bekommen habe). Eine Bekannte die beim Rechtsanwalt arbeitet hat uns geraten zu klagen beim Arbeitsgericht (da anderen Kollegen das selbst passiert ist und sie auch kein Gehalt bekommen). Ich weiß jedoch nicht, was das dann für mich für Konsequenzen haben kann, kennt sich da jemand aus? Danke

Antwort vom Anwalt erhalten
Anzeige

Schneller und günstiger Rat zum Arbeitsrecht. Kompetent, von geprüften Rechtsanwälten.

Experten fragen

Antwort
von Xipolis, 45

1.) Hast Du denn mittlerweile einen schriftlichen Arbeitsvertrag vorliegen?

2.) Hat Dein Arbeitsverhältnis am 1. Dezember 2015 begonnen?

3.)  Rechtsgrundlage für den Minijob ist § 8 SGB IV. Zu den Überstunden im Dezember: Ein nur gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der monatlichen Arbeitsentgeltgrenze von 450,00 € führt nicht zur Sozialversicherungspflicht. Siehe dazu auch die Aussage der Minijobzentrale (https://www.minijob-zentrale.de/DE/0\_Home/01\_mj\_im\_gewerblichen\_bereich/04\...) unter dem Reiter "Überschreiten der Arbeitsentgeltgrenze". Es wäre also tatächlich kein Problem diese auszuzahlen oder in den Folgemonaten die Überstunden abzubauen.

4.) Fiktiv den Arbeitsbeginn auf November vorziehen mit einer Korrekturmeldung bei der Zentrale? Damit habe ich irgendwie kein gutes Gefühl...

5.) Wann warst Du das letzte Mal arbeiten im Februar?

5.1) Arbeitsverweigerung ist zwar berechtigt, es wäre jedoch besser gewesen dies vorher anzukündigen.

6.) Denke daran, dass Du auch einen Urlaubsanspruch hast, der Auszuzahlen werde.

7.) Schau mal hier: http://www.kluge-recht.de/arbeitsrecht-ratgeber/lohn-gehalt-was-tun-wenn-der-arb... Punkt 2 (Abmahnung), Punkt 6 (Klage erheben) und Punkt 9 (Fristlos kündigen, Verdienstausfall und eine Abfindung verlangen)

Punkt 2 würde ich an Deiner Stelle sofort machen, dann Punkt 9 und Punkt 6.

Kommentar von HoneyMouse1 ,

1)Einen schriftlichen Vertrag habe ich bisher immer noch nicht (habe aber mehrfach darum gebeten).

2)Und ja mein Arbeitsverhältnis hat am 01. Dez. begonnen und wurde dann später wie gesagt rückwirkend auf den 01. November angemeldet (also nicht von mir, ich wusste das erst gar nicht, hab es dann auf der Abrechnung gelesen und dann nachgefragt).

3)Das habe ich auch schon gelesen, dachte aber, dass das Weihnachtsgeschäft vorauszusehen war vom Arbeitgeber...

5) Am 15. Februar... Ich hatte jedoch auch keine festen Arbeitszeiten, geschweige denn dass es jemandem aufgefallen ist, dass ich nicht da war. Da im Januar ja fast alle Mitarbeiter entlassen worden sind habe ich im Februar fast komplett alleine dort gearbeitet und mein Chef war nicht erreichbar und hat sich auch nicht blicken gelassen. Ich hatte auch keinen Kundenkontakt, habe eigentlich die meiste Zeit alleine und selbstständig gearbeitet und Aufgaben übernommen, für die ich eigentlich nicht zuständig war, jedoch kein anderer sie gemacht hat...

6) Das mit dem Urlaubsanspruch wusste ich gar nicht :(
Was steht mir denn da zu?

7) Alles klar. Vielen Dank für die Mühe!!!

Kommentar von HoneyMouse1 ,

Achja, habe noch vergessen zu erwähnen, dass auf der letzten Abrechnung von Februar bereits "abgemeldet zum 29.Feb." drauf steht. Eine schriftliche richtige Kündigung habe ich aber nicht erhalten...

Kommentar von Xipolis ,

Du selbst wirst auch nicht einfach kündigen, sondern Dir bitte erstmal den Beratungsschein beantragen. 

Kommentar von Xipolis ,

Gesetzlicher Urlaubsanspruch bei einer sechs Tage Woche ist 24 Tage, bei fünf Tagen sind es 20 Tage. Das würde man umrechnen auf die Tage die Du im Minijob arbeitest.

Antwort
von teutonix1, 50

Für dich sicher keine, für den Arbeitgeber aber sicherlich. Anders wirst du nicht an dein Geld kommen, dein Anwalt wird dich beraten.

Kommentar von Xipolis ,

Den Anwalt muß aber HoneyMouse1 außergerichtlich und in 1. Instanz selbst zahlen, egal ob sie gewinnt oder verliert.

Kommentar von HoneyMouse1 ,

Mir wurde von unserer Bekannten geraten, dass ich gar keinen Anwalt hinzuziehe, da ich diesen bei einer Anklage beim Arbeitsgericht nicht unbedingt benötigen würde (den könnte ich mir auch nicht leisten). Zudem soll ich dann einen Antrag auf Verfahrens/Prozesskostenhilfe stellen. Ich habe jedoch trotzdem ein bisschen Angst zum Arbeitsgericht zu gehen, weil ich nicht weiß, ob ich wegen der im Dezember zu viel geleisteten Stunden vielleicht Schwierigkeiten bekommen könnte..:/

Kommentar von Xipolis ,

HoneyMouse1, wenn Du keine Rechtsschutzversicherung hast und über ein eher nur geringes Einkommen hast, solltest Du als erstes bei Deinem örtlichen Amtsgericht Antrag auf Beratungshilfe stellen.

Das lässt Du Dir am besten vor Ort beim Amtsgericht erklären. Du musst auch Nachweise mitbringen über Dein Einkommen und Deine aktuellen Kontenstände und auch um was es gehen soll.

Dann bekommst Du einen Beratungsschein und suchst Dir einen Rechtsanwalt der spezialisiert ist auf Arbeitsrecht. Du hast hierbei einen Eigenanteil von 15.- € an den Anwalt zu zahlen.

Das wäre das beste was Du machen kannst Du was Du am besten am heutigen Mittwoch erledigen solltes (Öffnungszeiten beachten).

Da schlimmste was passieren kann, wäre das Dein Antrag abgelehnt wird, aber damit hast Du nichts verloren.

Kommentar von HoneyMouse1 ,

Alles klar, dann werde ich das sofort heute tun. Vielen, vielen Dank für die Hilfe!!!

Kommentar von Xipolis ,

Und ich drücke Dir die Daumen, dass Du die Beratungshilfe bekommst. Den mit Anwalt wird das einfacher.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community