Frage von konfettibier, 24

Mietverringerung?

Moin moin, miteinander. 😌 Ich wohne in einer zentralen Einzimmerwohnung in einem Mehrparteienhaus, in dem nun über längeren Zeitraum gebaut wird. Meine Wohnung liegt direkt neben der Baustelle und ich hab eine Arbeit, die fast nur aus Spätschicht besteht, von der ich zwischen 23:00 - 0:00 Uhr heim komme und die Bauarbeiten (bohren, hammern, sägen, klopfen = das ganze Haus schallt, wackelt und vibriert) beginnen morgens um kurz vor 7:00 Uhr. Kann man da für den Zeitraum der Bauarbeiten aufgrund von eingeschränkter Wohnsituation Mietverringerung beantragen? Danke schon mal. :-)

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Antwort
von anitari, 9

Mietminderung beantragt man nicht, man nimmt sie selbst vor.

Um Fehler, die im E-Fall zu Mietschulden führen können, zu vermieden läßt man sich fachlich, am besten von einem Fachanwalt für Mietrecht, helfen.

Antwort
von lobster1234, 15



Rücksichtnahme und Toleranz erleichtern die Situation

Gerade im Mietrecht und im Mietminderungsrecht gilt der Grundsatz der nachbarschaftlichen Rücksichtnahme. Das Zauberwort heißt aber auch Toleranz. Nur wer beide Grundsätze berücksichtigt, kommt zu einer angemessenen Einschätzung der Situation. Vor allem: Irgendwann gehen Bauarbeiten auch mal zu Ende. Natürlich gibt es Grenzen.

Allgemein ist es so, dass ein Mieter ortsübliche und in ihrer Dauer überschaubare Bauarbeiten meist wird akzeptieren müssen. Erst wenn diese im Einzelfall eine gewisse Grenze überschreiten, wird es den Mieter nicht mehr zuzumuten sein, Lärm, Schmutz und optische Beeinträchtigungen zu ertragen.

Dabei kommt es nicht darauf an, dass der Vermieter selbst keinen Einfluss auf die Renovierungsarbeiten in der Nachbarwohnung hat. Maßgebend ist allein, dass er nicht in der Lage ist, den vertragsgemäßen Zustand der Wohnung zu gewährleisten und der Mieter Miete zahlt, für die er keine angemessene Gegenleistung erhält.

Jeder empfindet Lärm anders

Unberücksichtigt bleibt, ob ein bestimmter Mieter unter den Beeinträchtigung besonders zu leiden hat. Maßgebend ist das Empfinden eines objektiv denkenden Durchschnittsmenschen, der die Sachlage vernünftig bewertet.

Auf die Umstände kommt es an

Eine Mietminderung setzt erhebliche Beeinträchtigungen voraus. Gelegentliches Hämmern oder Bohren gehört zum Mieteralltag und ist lebensimmanent. Hämmert der Nachbar nur sonntags oder nur nachts, ist die Beeinträchtigung anders wahrnehmbar, als wenn er in der Woche tagsüber arbeitet. Wo die Grenze zur Zumutbarkeit verläuft, richtet sich nach den Umständen im Einzelfall. Pauschale Vorgaben gibt es nicht.

Zwei Beispielsfälle

In einem Fall des Landgerichts Berlin durfte sich ein Nachbar beim Ausbau des Dachgeschosses durch Kreissägearbeiten, Stemmarbeiten und lautes Bohren gestört fühlen und erhielt 10 % Mietminderung zugesprochen. Die Verschmutzung des Treppenhauses wurde mit 2 % bewertet. (LG Berlin Urt.v. 12.04.1994, 63 S 439/93).

In einem Fall des Landgerichts Hamburg wurden sogar 80 % Mietminderung für angemessen erachtet. Hintergrund war, dass die Wohnung des Mieters direkt unter der Dachgeschosswohnung lag, in der derart intensive Bauarbeiten erfolgten, dass der Aufenthalt in der darunter liegenden Wohnung des Mieters nahezu unmöglich war. Der Einwand des Nachbarn, die Arbeiten seien nicht immer so laut, war unerheblich, da der Mieter nicht wissen konnte, wann laute oder leise Arbeiten anstanden. Außerdem drang intensiver Gestank und Staub durch den Lüftungsschacht ein. Es gab Einbrüche durch Regenwasser sowie Hitzestau infolge der Abdeckung durch Plastikplanen (LG Hamburg Urt.v. 11.01.1996, 307 S 135/95).

Mieter sollte die Situation dokumentieren

Da der Vermieter beweispflichtig ist, sollte er ein Bautagebuch führen und dort alle Beeinträchtigungen eintragen. Informativ sind die genaue Örtlichkeit, Datum, Beginn und Ende der Störungen, Art der Arbeit (Bohren, Baggern, Hämmern, Schleifen) und Intensität der Störungen.

Im Idealfall macht der Mieter Tonaufnahmen oder lässt ein Lärmgutachten erstellen. Hilfreich sind auch Aussagen von Zeugen sowie der Umstand, dass sich alle oder mehrere Mieter des Hauses beschweren und möglichst übereinstimmende Feststellungen treffen.

Keine Duldungspflicht bei Modernisierungsmaßnahmen des Nachbarn

Die Mietrechtsreform zum 1.5.2013 verpflichtet den Mieter, Modernisierungsmaßnahmen seines Vermieters für die Dauer von 3 Monaten zu dulden. In diesem Zeitraum besteht kein Minderungsrecht. Im Verhältnis zum Nachbarn, der seine Wohnung modernisiert und renoviert, gilt diese Vorschrift allerdings nicht. Hier bleibt der Mieter im Verhältnis zum Vermieter minderungsberechtigt.


ich empfehle einen anwalt zu sprechen der dir dann eine angemessene mietminderung vorschlägt ;) jedoch musst du den vermieter schriftlich den grund nennen und die höhe der minderung und die dauer hier: bis ende der bauarbeiten

Kommentar von anitari ,

Quelle?

Kommentar von lobster1234 ,
Kommentar von ChristianLE ,

Quelle immer gleich in der ersten Antwort benennen. Sonst kann es vom Verfasser der Quelle eine auf den "Deckel" geben.

Antwort
von Stevie85, 24

Ich habe tatsächlich mal irgendwo gelesen, dass du das recht hast dazu. Bzw. glaube ich mich daran zu erinnern, dass es hier mal einen Rechtstreit gab und der Mieter hat gewonnen. Dies ist auch der Fall, wenn der Vermieter mit der Baustelle garnicht zu tun hat.

Jedoch wird hier der Vermieter sicherlich erstmal verneinen und evtl. mit Klage drohen, sofern du die Miete reduzierst.

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