Frage von klugshicer, 130

Merkt man das eigentlich, wenn man alkoholabhängig wird?

Wenn jemand zum "Alki" wird, merkt derjenige das eigentlich schon am Anfang oder ist das ein schleichender Prozess, so dass man es erst merkt wenn es zu spät ist?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von GenLeutnant, 22

Der Übergang vom Genusstrinken zum Alkoholiker ist fließend. Es geht dann über verschiedene fast unbemerkte Phasen:

Die voralkoholische Phase: Hier trinke ich schon nicht mehr aus Genuss an einem Glas Wein o.ä. sondern aus psychischen Gründen. Stressabbau, um lustiger zu werden, aus Unsicherheit, weil ich durch Alkohol lockerer werde, vermeintlich stärker bin, besser und freier reden kann.

Die Prodromalphase: Hier merke ich schon das ich den Alkohol brauche. Ich denke häufig an Alkohol, freue mich schon auf den nächsten „Umtrunk“ mit Freunden. Bekomme aber teilweise auch schon Ärger mit meinem Umfeld (Freunde, Familie, Arbeitgeber)

Die kritische Phase: Ab hier beginnt schon der Kontrollverlust. Hier liegt es schon nicht mehr am Willen nichts mehr zu trinken. Es geht manches mal nur Tage ohne Alkohol und dann nur unter eigenem oder fremden Zwang.

Die chronische Phase Hier geht es dann richtig bergab. Alkohol bestimmt mein Leben. Es dreht sich nur noch darum an den nächsten Schub zu kommen z.B. bei einem Pegeltrinker den Pegel zu halten. Ichbin fast nicht mehr nüchtern, trinke schon morgens, weil ich nachts - wenn ich überhaupt schlafe konnte - unter den Pegel rutschte.

Natürlich kann jeder aufhören zu trinken. Aber ab einem gewissen Punkt – der nicht vom Trinkenden erkannt wird – schafft er es nicht mehr und ab hier ist es für mich eine Krankheit. Der Kreislauf hat begonnen.

Trinke ich nicht habe ich Entzugserscheinungen und dann trinke ich weil die Entzugserscheinungen gelindert werden – und das immer wieder. Der Alkohol dient in diesem Moment übertrieben gesagt als Medikament. Ich hab keinen Einfluss mehr darauf. Der Kopf beherrscht den Körper. Körperlich trocken zu werden ist eine relativ einfache Geschichte in einem Krankenhaus mit Hilfe von Medikamenten z.B. Distraneurin, aber dann fängt das wichtigste und langwierigste erst an. Der psychische Entzug.

Antwort
von Tasha, 54

Man merkt irgendwann, dass man ohne regelmäßige Alkoholzufuhr unruhig wird oder sogar Entzugserscheinungen (Zittern, Stress, Unruhe halt) hat. Man merkt, dass man vor bestimmten Situationen oder zu bestimmten Tageszeiten Alkohol trinken "muss".

Ob man das rechtzeitig merkt, hängt sicher auch von der eigenen Wahrnehmung ab. Wenn man schon mal süchtig war oder einen Alkoholiker im näheren Umfeld kennt, wird man eher darauf kommen, als wenn man sich nur als Genusstrinker wahrnimmt. Wenn man regelmäßig über sein Leben nachdenkt, wird man es eher merken, als wenn man nur so vor sich hinlebt.

Dann kommt es noch sehr auf die Eigendefinition an. Viele Menschen, die schon sehr alkoholabhängig sind - jeden Tag trinken müssen, aber nicht saufen - sehen sich selbst immer noch als Genusstrinker, weil sie nicht blind mehrere Flaschen Schnapps runterkippen, sondern entspannt mit ihrem Glas Wein dasitzen, auch wenn es das 15. ist.

Von einigen Senioren kenne ich den Wein/ Sekt "für die Bettschwere". Das heißt, die müssen jeden Abend vor dem Schlafengehen Wein oder Sekt trinken, einige auch eine ganze Flasche, würden sich aber nie als alkoholabhängig betrachten, weil dazu ihrer Meinung nach kopfloses Saufen harten Alkohols aus der Flasche gehört.

Antwort
von LiselotteHerz, 50

Alkoholismus ist in der Regel ein schleichender Prozeß. Erst trinkt man nur mal an den Wochenenden oder anläßlich einer Feier, dann trinkt man auch unter der Woche und dann irgendwann täglich.

Nun ist allerdings nicht jeder, der sein Glas Bier abends trinkt, ein Alkoholiker. Das merkt man spätestens dann, wenn man morgens zittrig aufwacht und der erste Gang zum Kühlschrank ist ,wo das Bier steht oder man auf härtere Sachen umsteigt.

Als Alkoholiker kann man einen Menschen bezeichnen, der nicht um des Geschmacks willen trinkt, sondern wegen des Rausches, der mehrfach einen BlackOut hatte und sich eine Feier ohne Alkohol nicht mehr vorstellen kann. lg Lilo

Antwort
von daCypher, 30

Das ist meistens ein schleichender Prozess. Fängt erst ganz einfach damit an, dass man am Wochenende mit seinen Kumpels ein Bier trinkt. Dann gönnt man sich hin und wieder mal zu Hause ein Feierabendbier. Daraus wird dann irgendwann jeden Abend ein Feierabendbier, dann mehrere Feierabendbiere, dann wird statt Bier was härteres getrunken, dann trinkt man auch schon während der Arbeit und so weiter. Ab wann man als "Alkoholsüchtig" gilt, ist auch nicht genau definiert. Ist man süchtig, wenn man regelmäßig trinkt? (Einmal pro Woche ist auch schon eine regelmäßigkeit) oder erst wenn man täglich trinkt? Oder erst, wenn regelmäßig auf Arbeit trinkt?

Manchmal ist der Prozess auch nicht so schleichend. Beispiel: Man hat einen Autounfall, verliert deswegen seinen Job und daraufhin wird man von seiner Frau verlassen, die die Kinder mitnimmt und das gemeinsame Haus für sich einklagt. Man fällt in eine schwere Depression, die man mit Alkohol erträglicher machen will und fängt gleich mit den harten Sachen an.

Antwort
von Martnoderyo, 76

Es ist eigentlich ein schleichender Prozess.

Sehr selbstkritische Menschen bemerken den und können gegensteuern - während andere ganz langsam aber sicher rein rutschen.

Kommentar von BesterMieter ,

boah, ich bin sehr selbstkritisch!

Kommentar von Martnoderyo ,

Glückwunsch?

Kommentar von BesterMieter ,

ja!, danke

nicht?

Kommentar von Martnoderyo ,

Weiß nicht ob man das beglückwünschen kann/sollte. Bin selber sehr selbstreflektierend und das ist nicht immer das gelbe vom Ei... Aber für dich - Glückwunsch! :*

Kommentar von BesterMieter ,

natürlich ist das das gelbe vom ei

ansonsten gibt man verfahrene dinge zu spät auf und investiert zu viel gutes geld und zeit in eine nutzlose sache


Kommentar von Martnoderyo ,

Aber das schlägt eben auch sehr schnell um. Ich beispielsweise mache mir manchmal über jeden Mist Gedanken und muss mich selbst bremsen ein bisschen "freier" zu Leben.

Grade im Bezug auf die Frage "Was denken andere Menschen von mir?" etc.

Verstehst sicher was ich meine.

Meinte natürlich auch nicht das es nur negative Seiten hat. Die positiven überwiegen, aber es gibt Momente wo ich mir wünsche nicht so viel nachdenken zu müssen. :)

Antwort
von ERIBAU, 25

Hallo!Zu Deiner Frage kann ich Dir nur aus meiner Erfahrung berichten.Ich war selber bis vor wenigen Jahren abhaenig und habe es zu spaet bemerkt!Die meisten Alkeholiker merken es selber das sie abhaengig sind aber reden sich immer alles schoen.Ich habe zum Schluss Zwei Flaschen Whisky getrunken und bin danach noch in meine Stammkneipe gegangen.Bis zu dem grossen Knall.Ich habe an diesem Tag wieder viel getrunken,meine grosse Liebe hatte an diesem Tag die Beziehung bendet,daraufhin bin ich zu ihr gefahren.UM ZUM Punkt zukommen ich wurde mit einer Promillezahl verhaftet die mich selber und die Polizei schokierten!Danach beschloss ich einen kalten Entzug zu machen.Was leider voellig in die Hose ging,ich hatte in einem Supermarkt einen schweren Anfall und lag 2Tage bewusstlos in einer Klinik!Als erstes merkt man es wenn man Nachts nicht schlafen kann denn Alk raubt dem Körper die Muedigkeit!Dann hat man auch kein Hunger mehr staendig innere Unruhe,Zittert,staendig nasse Haende und man richt es an sich selber.So war es bei mir.Mein Rat wenn das alles zutrift such Dir Hilfe bei Deinem Hausartzt der weiss was zutun ist,mach blos kein Kalten Entzug ging wie Du gesehen hast völlig daneben und ich hatte Glück das es nicht in meiner Wohnung pasiert ist,da haette mich niemand gefunden.Ich hoffe ich konnte Dir mit meiner Erfahrung etwas weiterhelfen.Alles Gute

Kommentar von klugshicer ,

Wir benutzen Alkohol nur zum Kochen oder Fenster putzen - habe vor einem Jahr mal eine Flasche Likör geschenkt bekommen (die setzt schon Staub an)

Antwort
von john201050, 15

aus einem gelegentlichen feierabendbier werden regelmäßig 2 bier, dann 3, dann jeden abend blau sein, dann schon in der mittagspause ein bierchen,...

das man eigentlich viel zu viel trinkt realisiert man meist erst wenn es schon viel zu spät ist. auch dank unserem verharmlosenden umgang mit dieser droge.

viele abhängige reden sich ja bis zum schluss ein kein problem zu haben und den alkohol nur als genussmittel zu nehmen. natürlich kann man jeder zeit auf hören. so belügt man sich dann selbst.

Antwort
von NSchuder, 55

Der Prozess ist schleichend und viele merken erst viel zu spät dass sie ein Problem mit dem Alkohol haben - oder gestehen sich das Problem viel zu spät ein.

Antwort
von meinerede, 31

Wenn man´s dann kapiert hat, isses schon zu spät!

Antwort
von Socat5, 26

Das fällt anderen meist zuerst auf. Wenn die dich dann darauf ansprechen und du sagst, ach Quatsch, bist du schon auf dem besten Weg. Das siehst du aber nicht weil du ja denkst und glaubst, ach Quatsch...

Antwort
von amdros, 30

Zum Alkoholiker zu werden..das ist tatsächlich ein schleichender Prozeß.

Es sich aber einzugestehen..kann ein Alkoholiker wahrscheinlich nicht..da ihm der Alk die Hirnwindungen wohl schon gekräuselt hat!? Ironie off

Antwort
von Stromer658, 42

Meißt merkt man es nicht oder erst wenn es zu spät ist.

Wenn Du 3 Monate auf Alk verzichten kannst bist Du noch kein Alk.

Kommentar von Grautvornix ,

Ein sehr trügerischer Selbstest, ich konnte nach meiner ersten Therapie 16 Jahre auf Alkohol verzichten. Alkoholiker bin deswegen trotzdem. Quartalstrinker trinken nicht oft, dann aber heftig

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