Frage von SadMelli, 54

Menschen mit geistigen Behinderungen Baumarten beim Spaziergang näher bringen?

Ich arbeite seit einer Woche mit Menschen mit geistigen Behinderungen (erstes Praktikum). Für Samstag habe ich den "Auftrag" bekommen, eine Bewohnerin vormittags zu beschäftigen. Ich hatte vor, mit ihr in den Park zu gehen und Naturmaterialien (überwiegend Blätter) zu sammeln (zum basteln). Außerdem wollte ich ihr während des Spazierganges (wenige) verschiedene Baumarten näher bringen (die,die wir eben unterwegs sehen), mir fällt dazu allerdings keine geeignete Methode ein. Habt ihr vielleicht Ideen wie ich das umsetzen könnte? Vielleicht fällt euch auch was zur Motivation ein? Als Abschluss werde ich die Blätter mit ihr pressen. Danke schon mal im Voraus für eure Ideen.

Expertenantwort
von antnschnobe, Community-Experte für Natur, 15

Es kommt darauf an, wie sehr die Bewohnerin gehandicapt ist.

Wenn es ihr möglich ist, führe sie an den Baum.
Laß sie den Baum anfassen, fühlen, umarmen. Die Rinde, die Äste und Zweige, evtl. noch hängendes Laub berühren.

Auch riechen ist wichtig. Hier eignet sich dann besser das Laub. Alleine damit kann man zwar keine Bäume unterscheiden, doch wenn sie sehen kann, gehe auf die Unterschiede spielerisch ein.
Laubformen und Farben (Jetzt im Herbst leider nicht mehr so gut) unterscheiden.

Versuch vielleicht auch durch eigene Recherche von diesen Bäumen zu erzählen.
Welche Vögel, Insekten und andere Tiere von, mit und in ihnen leben.

Wenn Du das dann noch über's Jahr ziehst - also Frühling - Sommer - Herbst - Winter - könnt ihr feststellen, wie sich die Bäume verändern. Und die darin lebenden Tiere.
Was passiert mit ihnen - z.B. im Winter?
Welche Entwicklung machen die Käfer durch, die dort zu finden waren - und wo sind sie jetzt?
Wo sind die Vögel, die im Frühjahr/Sommer in dem Baum genistet haben? Und so weiter...


Ich habe schon einige Menschen in  Gruppen mit Behinderungen durch das Revier geführt, und bin ganz überrascht und begeistert, wie sehr diese Menschen daran Freude und Interesse zeigten.

Viel Spaß und Freude dabei!


Antwort
von Startrails, 16

Hallo,

wie schwer behindert ist denn die Bewohnerin? Ich machte mal eine ähnliche Fördereinheit mit einer Bewohnerin aus dem schwerst mehrfach-behinderten Bereich - hier kann man natürlich nicht so anspruchsvoll arbeiten wie es mit Bewohnern der Fall wäre welche die WfbM besuchen.

Sorry, nächste Frage - willst du sie einfach nur beschäftigen oder soll das ganze Werk irgendwie bewertet/ benotet werden?

Zum eigentlichen Hauptteil - den würde ich gar nicht so schwierig gestalten. Geh mit ihr hin zu den Bäumen, lass sie die Blätter selbst suchen sofern sie dies kann. Fasst auch mal ruhig den Baumstamm an. Das gab damals bei mir Pluspunkte weil wir den Fokus nicht nur stur auf die Blätter legten. Ihr könnt ja zudem auch noch gucken ob ihr irgendwelche Früchte findet die man so auf Bäumen findet. Äpfel mitnehmen - als Motivation sagen, dass man davon Apfelmus machen kann. Ist ja nicht schwierig zu machen und geht schnell ;-)

Lass die Bewohnerin auch ruhig mal am Laub riechen. So beanspruchst du mehr Sinne.

Man kann auch mal an Ästen schütteln, so dass die Blätter runterfallen. Hier aber nur machen wenn du weißt, dass sich die Bewohnerin davor nicht erschreckt - kann schnell nach hinten losgehen.

Sind irgendwo noch Kastanien zu finden oder solch Kram in dieser Richtung, dann diese auch mitnehmen - Motivation: man kann damit später noch basteln und sich dann ins Zimmer stellen.

Gibt es in dem Park einen Teich? Prima - als Abschluss Enten füttern gehen. Kommt immer gut an.

Wenn man nun wüsste ob du bewertet wirst (siehe oben), müsste man evtl. noch darauf eingehen was du fördern willst und wie man dieses erreichen kann.

Aber ich hoffe, dass ich dir erst mal einen Anfang vermitteln konnte :-)

Kommentar von SadMelli ,

Danke, das hat mir schon sehr geholfen. :)
Nein, ich werde noch nicht bewertet. Es ist ja meine erste Woche dort und mein erstes Praltikum. :)
Wahrscheinlich werde ich den Spaziergang auch mit ihr alleine machen. Meiner Anleiterin möche ich aber trotzdem einiges dazu erläutern, auch was ich damit erreichen will, und danach reflektieren usw.
Den Mitarbeitern geht es im Prinzip nur darum, dass sie beschäftigt wird und (es klingt gemein) quasi "aus dem Weg" ist. :/ Also hab ich mich ihr angenommen.
Vom Wesen her ist sie sehr kommunikativ und kontaktfreudig und ist bei Angeboten eigentlich immer gerne dabei und findet an fast allem Freude, besonders an der Natur, weshalb ich mich auch dafür entschieden habe. Ihr Wortschatz ist ziemlich eingeschrängt, weshalb ich mir auch das Ziel gesetzt habe, diesen etwas zu erweitern und eben Gespräche mit ihr führen wollte.
Dass ich alle Sinne einsetze war auch mein Gedanke, besonders Fühlen und Sehen.
Einen Fluss mit Enten gibt es auch, Enten füttern werden wir am Ende auch. :)

Antwort
von kordely, 8

Zeige ihr auch die Kruste, und lass sie ertasten. Sucht ist nach Früste, und bespreche, warum ihr keine Früste nicht gefunden hat.

Antwort
von rafaelmitoma, 17

das machst du schon richtig so, wichtig ist, daß du die Dame nicht überforderst, bei behinderten menschen ist weniger mehr.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community