Meinungsdiktatur in der Geschichtsforschung?

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1 Antwort

Es gibt Revisionisten die Geschichtsforschung betreiben

Das ist nicht ganz korrekt ausgedrückt. "Revisionisten" erforschen die Vergangenheit nicht, sondern sie haben von vorneherein ein bestimmtes Ziel, die Ergebnisse ihrer Arbeit stehen vor ihrer sog. "Forschung" schon fest. Dann suchen sie solange nach Quellen, die ihren Vorstellungen entgegenkommen oder zitieren auch unvollständig oder verfälschend Quellen und stützen ihre Arbeit vorallem auf Arbeiten anderer Revisionisten.

Die Geschichtswissenschaft geht anders vor. Sie legt ihrer Arbeit kein Ergebnis, sondern eine Fragestellung zugrunde. Das Ergebnis ist offen, nicht vorher festgelegt, die Beantwortung der Forschungsfrage kann positiv oder negativ ausfallen.

Dies ist im Bezug auf den Holocaust oder anderer Naziverbrechen allerdings verboten.

Herrscht hier nicht eine Art von Meinungsdiktatur?

Nein, keine "Meinungsdiktatur". Gerade Revisionisten versuchen immer wieder, das NS-Regime von seinen ekelhaften Verbrechen "reinzuwaschen". Diese Verbrechen sind durch die intensive Forschung der Geschichtswissenschaft eingehendst erforscht. Die schlimmsten Verbrechen wurden noch nicht einmal von den Nazis, die vor Gerichten gelandet sind, geleugnet! Ein berühmtes Beispiel dafür ist Adolf Eichmann, der den Mord an den Juden nicht abgestritten hat, nur seine eigene Verantwortung auf andere abwälzen wollte. Den Holocaust leugnen also nur Menschen, die damit eine bestimmte Absicht verfolgen, die mit der Gesinnung der Nazis vollkommen übereinstimmt. Und diese Gesinnung ist eben nicht nur unmoralisch und verabscheuungswürdig, sondern grundgesetzwidrig und daher strafbar.

Ist denn wirklich davon auszugehen, dass die Geschichtsschreibung in diesen Thema unwiderlegbar bewiesen ist und nicht angezweifelt werden kann?

Ja, die Forschungsergebnisse der Geschichtswissenschaft sind zuverlässig. Die Forschung ist nicht nur in Deutschland, sondern in allen demokratischen Ländern frei, die Archivbestände sind allen (!) Bürgern unentgeltlich zugänglich. Es gibt zahlreiche ausgebildete Historiker und historisch interessierte Heimatforscher, die alle wesentlichen Quellenbestände, gerade die brisanten und zu sog. "Verschwörungstheorien" geeigneten, zigfach durchforstet und ausgewertet haben, die die wichtigsten Quellen in gewissenhaften Editionen für alle Menschen der Welt frei zugänglich gemacht haben. Aber es kommt noch etwas besonders Wichtiges hinzu: die Historiker arbeiten länderübergreifend zusammen - Globalisierung gibt es eben auch in der Geschichtswissenschaft -, was auch bedeutet, dass sie untereinander ihre Forschungsergebnisse wieder und wieder kontrollieren und überprüfen. Eine Verfälschung von Quellen oder die Veröffentlichung bewusst falscher Forschungsergebnisse wird angesichts dieser vielfältigen Überprüfungen und Kontrollen rasch entlarvt und entsprechend als unwissenschaftlich gekennzeichnet - wie der sog. Revisionismus und seine Vertreter.

Woher wollen denn Generationen die viel später gelebt haben, viel besser wissen, was geschehen ist, als Zeitzeugen?

Das ist einfach zu erklären: du weißt von der heutigen Politik nur das, was öffentlich bekannt wird. Spätere Historiker werden private Aufzeichnungen und ganz besonders die Akten der Regierung einsehen können und damit Zugang zu Informationen und Hintergründe erhalten, über die kein Zeitzeuge verfügen kann!

Glaubt ihr, dass alles richtig ist, was heute in Geschichtsbüchern gelehrt wird, oder haben da nicht vielleicht die ein oder anderen Supermächte ihren Beitrag zu geleistet haben, dass die Geschichte heute zu Gunsten oder zu Lasten von bestimmten Staaten ausfällt und die Neutralität völlig unter den Tisch gefallen ist?

Gewiss gibt es solche Bücher. Aber, wie oben schon dagelegt, werden solche Tendenzen in der Geschichtswissenschaft früher oder später entlarvt.

Ist es sogar möglich dass wir heute sogar ganz viel Unsinn über früher erzählen?

In der Schule ist das durchaus möglich, und zwar aus zwei Gründen: 1. viele Lehrer nehmen ihre Aufgabe, sich auf dem aktuellen Stand der geschichtswissenschaftlichen Forschung zu halten, nicht ernst; 2. auch die Schulbücher sind oft völlig veraltet.

MfG

Arnold

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