Frage von lisavtu, 83

Meinungen zu Glyphosat

Hey, ich persönlich bin gegen den Einsatz von Glyphosat, frage mich aber was die Alternative dazu wäre, andere, giftigere Pestizide? Es werden will kaum alle auf Bio umsteigen..

Würde mich interessieren wie eure Meinung generell zu dem Thema ist

LG :)

Antwort
von Agronom, 49

Es kann durchaus sinnvoll eingesetzt werden, das beschränkt sich aber im Wesentlichen auf ein paar Anwendungen für spezielle Standorte und eine Anwendung als Teil einer Unkrautbekämpfungsstrategie, also nicht als jährlicher alleiniger Wirkstoff.

Unter den Herbiziden gehört es zu denen mit geringsten toxischen Effekten. Ein gänzlicher Verzicht auf Herbizide allgemein würde die Produktivität senken und den Arbeitsaufwand erhöhen, hätte also eine Steigerung der Produktionskoten zur Folge.

Ich denke ein fachgerechter Umgang, das beinhaltet auch eine bedachte Anwendung bezogen auf die Mengen, ist (nach aktuellem Wissensstand zu dem Wirkstoff) unproblematisch.

Kommentar von zetra ,

Agronom, du hast es schwer. Um deine positive Meinung glaubwürdig herüber zu bringen, musst du noch viel Überzeugungskraft in deine Artikel verpacken. Es ging hier ganz langsam los, ich dachte schon dieses Thema Glyphosat wird von anderen Themen überschattet. Jetzt hat es aber Fahrt bekommen und entwickelt sich zum Selbstläufer, ich bin damit auf jeden Fall zu frieden.

Kommentar von Agronom ,

Was ist denn dabei von zweifelhafter Glaubwürdigkeit?

Kommentar von zetra ,

Die Glaubwürdigkeit, das dieses Mittel bei sorgsamen Umgang ungefährlich sein soll, ist ja immer noch auf den Prüfstand.

Jetzt wurde wieder berichtet, die Tiere leiden unter den Giften, Insekten, Schmetterlinge und andere Tierarten verschwinden. Somit bricht die Nahrungskette zusammen, Vögel, Frösche und andere Lebewesen verschwinden für immer dadurch.

Kommentar von Agronom ,

Du darfst hierbei nicht den momentanen Ist-Zustand mit dem von mir "geforderten" Soll-Zustand gleichsetzen.

Das ist doch auch wieder nur die Folge des unsachgemäßen Umgangs, ich weiß jetzt nicht auf welche Berichte du dich genau beziehst, aber eine einzelne Anwendung pro Jahr mit angemessener Aufwandmenge auf einem Acker wird nicht das Leben dort ausrotten. Es kommt vielleicht nicht ganz so rüber, aber ich sage nicht, dass es ungefährlich sein soll, sondern das die Gefahr vertretbar ist.

Antwort
von halbsowichtig, 29

Erstens: Glyphosat ist ein Herbizid, kein Pestizid. Herbizide töten Pflanzen, Pestizide töten Tiere. Man spritzt beides, um sowohl Unkraut, als auch Raupen etc. loszuwerden.

Zweitens: Das Problem mit Glyphosat als Herbizid ist, dass es nicht auf bestimmte Unkräuter spezialisiert ist, sondern pauschal alle Pflanzen tötet. (Mit Ausnahme bestimmter GVOs desselben Herstellers, die in Europa aber nicht zugelassen sind.) Man nennt es deshalb auch ein "Total-Herbizid".

Das hat zwei gefährliche Effekte:

  • Es gibt kaum noch Ackerrandkräuter, also Wildblumen auf dem Grünstreifen neben dem Feld. Der Acker ist eine ökologisch tote "Agrarwüste", neben der weder bestäubende Insekten noch Vogelfutter leben können. Dadurch sind die Bestände an Schmetterlingen und Singvögeln in den letzten 10 Jahren drastisch eingebrochen, viele - auch nützlich - Arten sind plötzlich vom Aussterben bedroht.
  • Einzelne Pflanzen entwickeln per Zufall eine Resistenz gegen Glyphosat. Das funktioniert im Prinzip genauso wie die bekannteren Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika. Diese "Super-Unkräuter" lassen sich mit gar nichts mehr bekämpfen.

Glyphosat wird also über die Jahre wirkungslos, weil das Unkraut resistent wird.

Die bis dahin ausgestorbenen Nützlinge kommen nie zurück.

Gegen das Gift-Drama, das danach kommt, ist jede Krebsgefahr harmlos.

Antwort
von michi57319, 52

Ich finde eine Meinungsbildung schwierig. Wenn Glyphosat verboten wird, kommen andere, sicherlich nicht unbedenklichere Mittel ins Spiel.

Auf der anderen Seite wird es zu einer Verknappung der Lebensmittel führen, wenn sämtliche Unkrautvernichter aus dem Rennen genommen würden. Dadurch wird die Nahrung teurer.

Da sich ja schon in Kindern dieser Stoff finden lässt, reichert er sich im Körper an. Bislang wohl ohne Krankheiten auszubilden. Aber niemand weiß, ob andere Krankheiten nicht durch diesen Stoff getriggert werden, oder überhaupt erst ausbrechen.

So lange ein Stoff nicht absolut nebenwirkungsfrei ist, sollte er erst gar nicht zur Massenanwendung kommen.

Mir sind da zu viele Unbekannte im Spiel, als daß ich den weiteren Einsatz befürworten könnte.

Ich bin mir allerdings auch sehr bewußt, daß mit Abschaffung der Pest durchaus die Cholera Einzug halten kann.

Kommentar von Agronom ,

So lange ein Stoff nicht absolut nebenwirkungsfrei ist, sollte er erst gar nicht zur Massenanwendung kommen.

Kein Stoff ist Nebenwirkungsfrei, es ist immer eine Frage der Dosierung.

Kommentar von michi57319 ,

Ist schon klar. Aber was macht der Stoff in nennenswerter Konzentration schon in Kindern, bzw. wie kommt er dort hin?

Wenn er doch angeblich abgebaut wird und weder im Boden, noch in der Frucht steckt?

Kommentar von Agronom ,

Der Abbau variiert extrem, da er von vielen Faktoren abhängig ist. Dazu kommt, dass es in jedem Land unterschiedliche Vorgaben für die Ausbringung gibt, die in den meisten Fällen Nachbesserungsbedarf haben.

Es befinden sich mit Sicherheit auch andere Substanzen in unseren Körpern, die man dort nicht vermuten würde, nach denen man aber einfach noch nicht gesucht hat.

Kommentar von michi57319 ,

Du hast zwar Recht, aber es geht momentan eben um Glyphosat.

Deinem Namen nach zu urteilen bist du landwirtschaftlich involviert? Wie ich schon sagte, finde ich es schwierig, eine klare Meinung zu bilden. Daher bin ich immer interessiert an Daten und Fakten. Aus allen Richtungen.

Kurz noch mal zu den gefundenen Werten im menschlichen Körper, im Bier und wo sonst noch gar nicht gesucht wurde:

Die Dosis macht das Gift, aber es gibt ja noch keine Langzeiterfahrungen, Grenzwerte, etc.

Ich weiß wohl, daß es mit Formaldehyd, Asbest, Teer, etc. ebenso gewesen ist. Da macht m.E. die Lehren, die aus der Vergangenheit gezogen wurden, schon den Unterschied in der kritischen Betrachtung.

Kommentar von Agronom ,

Ich wollte damit nur darauf hinaus, dass ein bloßes Vorhandensein einer Substanz noch keinerlei Aussagekraft hat.

So wie es momentan aussieht wird bei Glyphosat im normalen "Umgang" keine gesundheitlich bedenkliche Dosis erreicht.

Daher finde ich auch, in anbetracht der aktuellen EU-Zulassung, eine Verlängerung dieser mit eingeschränkteren Anwendungsbestimmungen sinnvoll, denn die Alternativen sind in jedem Fall toxikologisch bedenklicher.

Kommentar von michi57319 ,

Ich sehe es ja ebenso, mache mir aber eben auch Gedanken und die möglichen Langzeitschäden.

Kommentar von Agronom ,

Naja der Wirkstoff ist seit den 70ern bekannt und wird seit den 90ern in großem Maße eingesetzt. Inzwischen ist es vermutlich das am besten untersuchte Pflanzenschutzmittel, das schließt natürlich nichts gänzlich aus, aber macht schwerwiegende Langzeitschäden zunehmend unwahrscheinlicher, ich bin da relativ zuversichtlich.

Kommentar von michi57319 ,

Die erste Abstimmung verlief nicht so positiv. Daher bin ich gespannt, wie es sich weiter entwickelt.

Kommentar von Agronom ,

Ja, da die Kommission nicht genug auf die Forderungen des Parlaments eingegangen ist, aber theoretisch kann die Kommission auch ohne Parlamentszustimmung entscheiden, ist aber eher unwahrscheinlich. Wird wahrscheinlich erstmal darauf hinauslaufen, dass die Entscheidung auf Ende des Jahres aufgeschoben wird.

Kommentar von michi57319 ,

Ich habe es als Meinungsmache pur empfunden, daß ausgerechnet zur Abstimmung die Krebslobby aus den Startlöchern kam. Unglaubwürdig noch und nöcher.

Antwort
von Harkoon, 53

Glyphosat ist ein allesvernichtendes Pestizid. Dieses ist ein Teil der Kette die zur Entstehung von "Super-Unkraut" führte welche in den USA ~25mio ha Ackerland zerstört haben.
Nach den letzten TTIP-Leaks sieht es auch hier wohl in naher Zukunft so aus

Antwort
von Dovahkiin11, 52

Eine bessere Mentalität der westlichen Industriestaaten und weniger Verschwendung wären ein Anfang.

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