Frage von Chickenwingsfan, 40

Meinung zu einer selbstgeschriebenen Geschichte!?

Hey Leute, Ich hab heute in meinen Notizen ne selbstgeschriebene Geschichte von mir gefunden die ich "früher" selbst geschrieben hab :D Ich war zu diesem Zeitpunkt vor wenigen Tagen 13 geworden. Nun seid ihr gefragt; Wie findet ihr die Geschichte? Zu Depri :D? Zu übertrieben? Freue mich über ehrliche konstruktive Kritik ^-^ Nehmt euch bitte die Zeit und ließt die Geschichte ganz durch xD

Stille. Der Kalte Wind weht durch ihr langes schwarzes Haar. Der Horizont spiegelt sich in ihren Eisblauen Augen wieder. Ihre Lippen blau wie das weite Meer. Ihre Nase rot wie ihr blutendes Herz. Ihr Gesicht - blass. Sitzend auf dem kalten Asphalt wandert ihr Blick verträumt in das weite Ferne. Gedanken schießen ihr in den Kopf von denen sie niemals gedacht hätte das sie jemals existieren hätte können. Erinnerungen fallen ihr ein die sie schon längst vergessen haben sollte. Schlimme Erinnerungen.

Wie es wohl wäre nicht jeden Morgen mit schlechter Laune aufzuwachen. Wie es wohl wäre ohne den ganzen Stress und den Druck des eigenen Lebens dazu stehen. Wie es wohl wäre nicht jeden Tag durch die Stadt von den eigentlich unnötigen Terminen gehetzt zu werden. Wie es wohl wäre von der ganzen Last des Lebens befreit zu werden. Wunderschön.

Den ganzen Stress, der ganze Druck, das gesamte Leben ist eine einzige Last die jetzt ein für alle Mal weggeworfen werden soll.

Ob sie noch das kalte Nass spüren würde?

Sie formte mit ihrer eiskalten Hand eine Kelle. Das feine Pulver wofür sie bei dem Kerl ihr restliches Nichts dagelassen hatte, häufte sich in ihrer Hand. Ein tiefer Atemzug müsste genügen.

Sie lehnte sich nach vorne. Ihr ganzes Leben spielte sich vor ihren Augen ab. Das große gelbe Haus das ihre Eltern gekauft hatten, ihre große Wundertüte am 1 Schultag, die Geburt ihrer Schwester, ihr erster Freund , die Trennung der Eltern, der Tod ihres Vaters, das Verschwinden ihrer Mutter, das erste Mal als sie das Jugendheim betreten hat, die Nacht an dem sie vergewaltigt wurde, als sie die Schule abbrechen musste wegen ihrer ungewollten Schwangerschaft, als ihre scheinbar gesunde Tochter 3 Tage nach der Geburt verstorben war. Ihre Augen füllten sich mit ihren salzigen, schmerzvollen, kalten Tränen. Sie schluchzte vor sich hin und ließ endlich alles hinter sich.

Sie war frei. Frei von ihrem grauenvollen Leben. Frei von der Trauer. Frei von den ganzen Medikamenten. Stille.

Danke an alle die es sich ganz durchgelesen haben :) <3

Antwort
von Jerne79, 15

Ich würde das mal altersgemäß nennen.

Erfreulich ist, dass du versuchst, mit Sprache zu arbeiten und zumindest nicht mit einem Standard-Weckerklingeln in die Geschichte startest.

Kommen wir zu den Kritikpunkten. Bitte versteh das als konstruktive Kritik, die dir hilft, dich zu verbessern.

Du hast über weite Strecken ganz schlimme Adjektivitis. So gut wie jedes Substantiv wird von einem Adjektiv begleitet. Auch sonst holpert es sprachlich, meist weil du ein wenig zuviel auf einmal willst. Sicher willst du mit wenigen Worten viel ausdrücken, aber an vielen Stellen willst du zuviel.

Eine der wichtigsten Regeln beim Schreiben heißt: Show, don´t tell. Wenn du den Leser mit deiner Protagonistin mitfühlen lässt, wird er weiterlesen, Anteil nehmen.

Deine Absätze kommen quasi völlig ohne Verbindung daher. Beim ersten Absatz, in dem deine Protagonistin völlig passiv daherkommt, dachte ich noch, es läuft auf eine Fantasy-Geschichte hinaus, kurz darauf kommst du mit - so leid es mir tut - altersgerechtem Weltschmerz daher, den du erst erklärst, als als es eigentlich schon zu spät ist. Phasenweise wird es recht pathetisch.

Du versuchst - auf ein Taschenbuch umgerechnet- quasi auf 1-2 Seiten ein umfassendes Bild deiner Protagonistin zu zeichnen, am Ende kommen die wichtigsten Informationen sogar wie am Fließband daher.

Es fehlt an einem Bogen, der sich über den Text spannt, es wird keine Handlung angerissen, es findet kaum eine Aktivität durch die Protagonistin statt. Entweder es geschieht etwas mit ihr oder die Geschehnisse liegen in der Vergangenheit. Das was sie tut, muss man fast erraten. Dass sich das Mädel offenbar umbringt, muss man sich aus mehreren Anreißern zusammenbasteln.

Hart zusammengefasst: Schneewittchen sitzt auf der Straße, denkt nach, spielt mit Pulver, alles doof, Ende.

Gib deinem Leser mehr Möglichkeiten, dir zu folgen. Gib ihm die Chance, deine Protagonistin zu verstehen. Gib ihm genug Informationen, nachvollziehen zu können, was eigentlich passiert, aber bombardiere ihn nicht damit wie mit einem Lebenslauf. Nimm dir mehr Zeit für deine Erzählung. Eine Geschichte braucht auch als Kurzgeschichte einen Spannungsbogen und einen Konflikt. Wenn hier ein Konflikt stattfindet, wurde er schon gelöst, bevor der Leser auf der Bildfläche erschienen ist und definitiv bevor er ihn begreifen kann.

Kommentar von Chickenwingsfan ,

Vielen Dank :)

Kommentar von Jerne79 ,

Weil ich's gestern vergessen hatte:

Ist dir mal aufgefallen, dass du im Präsens beginnst und irgendwann in der Vergangenheitsform weitererzählst, noch bevor du zum eigentlichen Rückblick kommst?

Antwort
von Adnauseam, 14

Prinzipiell ist es gut geschrieben, aber es gibt zwei Formulierungen, die komisch wirken:"Ihr Blick wandert verträumt in die weite Ferne". Zumindest auf mich macht das " verträumt" einen zu positiven Eindruck, in dem Zusammenhang.

"Gedanken [...]von denen sie niemals gedacht hätte, dass sie existieren können". An dieser Formulierung stört mich, dass" existieren" nicht auf jemanden bezogen ist, sondern eine allgemeine Feststellung ist. Ich würde eher sowas wie ",dass sie sie einmal denken würde" schreiben.

Was mir jetzt noch beim nochmaligen Durchlesen auffällt ist, dass der Übergang von den Erinnerungen zu dem Selbstmord sehr plötzlich ist. Aber das sind alles eher Kleinigkeiten und das restliche Erzähltempo passt ausgezeichnet zur Geschichte.

Antwort
von Thomas19841984, 22

unglaublich gut geschrieben, flüssig und spannend,  aber ziemlich fatalistisch ( kein Zögern der Protagonistin) und klischeehaft (Leben läuft in Bildern an). lässt beim Leser kein gutes Gefühl zurück

 

Liebe Grüße

Kommentar von Thomas19841984 ,

aber gut geschrieben, nicht nur mit 13

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