Frage von IHasCakes, 27

Meint ihr Konzerne wie Microsoft, General Motors, Siemens, und und und können überhaupt durch einen Skandal insolvent gehen?

Also bestes Beispiel VW... die begehen so einen riesigen Betrug am Kunden und stecken das IM PRINZIP locker weg... normalerweise würde man davon ausgehen, dass einem das das Genick bricht, aber nein ^^..... sind solche Konzerne einfach unantastbar, weil sie finanziell so gut abgesichert sind? Meint ihr es wird in den nächsten 200 Jahren einer dieser riesigen Weltkonzerne pleite gehen (nicht nur die, die ich aufgezählt habe...alle die es so gibt!)

Antwort
von Unsinkable2, 10

Konzerne gehen in der Regel nicht "nicht pleite", weil sie Skandale "locker wegstecken", sondern weil sie die Politik korrumpieren.

Mit anderen Worten: Konzerne gehen auch pleite. Doch meistens, weil das Management seit vielen Jahren schwere Fehler gemacht hat. Skandale sind sehr selten Ursache eines Untergangs.

Beispiel Volkswagen: In den USA bekommt jeder betrogene VW-Kunde dank der Behörden zumindest einen 5000-Dollar-Gutschein und 1000 Dollar auf die Hand, um die Wertminderung des Fahrzeugs einigermaßen auszugleichen. In Deutschland bekommt jeder betrogene VW-Kunde dank unseres Verkehrsministers einen Rückruf.

Dabei hatte der Konzern bereits Rücklagen für den Fall, dass er auffliegen würde, gebildet. Man wusste also, dass man vorsätzlich betrügt. Den Staat. Den Steuerzahler. Den Käufer. Die Gesellschaft. 

Und mehr noch: Nicht nur, dass unser Verkehrsminister zukünftig diesen Betrug legalisieren will; es gibt auch ein ganzes Betrugs-Kartell. Tatsächlich ist es fast schon einfacher, die Hersteller aufzuzählen, die nicht betrogen haben...

Beispiel Microsoft: Microsoft verstieß vor einiger Zeit in Kalifornien gegen diverse Monopol-Gesetze. Normalerweise hätten sie einige Milliarden Dollar Strafe gezahlt. Experten schätzten damals, dass Microsoft zwischen 15 und 35 Milliarden Dollar Strafe zahlen sollte. (Kalifornien ist extrem brutal, was Strafen angeht; sowohl privat, als auch gewerblich.) 

Doch Microsofts Anwälte konnten mal wieder mit dem Gericht dealen: Statt einer Geldstrafe musste der Konzern einen Teil seiner Strafe in Windows- und Office-Lizenzen bezahlen. Der Rest wurde ihm erlassen, weil es die Existenz des Konzerns bedroht hätte. So entstand 100% Schaden für den Kunden und eine Double-Win-Situation für Microsoft: Nicht nur, dass man kein Geld ausgeben musste, man konnte sogar noch neue Kunden generieren, weil die Lizenzen an Schulen und Universitäten verteilt wurden...

Beispiel Deutsche Bank: Ihre Beteiligung an zahllosen Betrügereien, bei denen Wirtschaft und Privatleuten Milliarden-Schäden entstanden sind, ist unzweifelhaft nachgewiesen. Und ginge es nur nach dem Recht, könntest du die Deutsche Bank schon mal abschreiben, denn allein die Wiedergutmachung des Schadens (wir reden also noch nicht einmal von einer Strafe) würde den Konzern überfordern. Denn der Gesamtschaden beläuft sich auf einige Hundert Milliarden Dollar.

Doch die Bank ist politisch gut vernetzt. In Deutschland hat sie gar keine Strafen zu erwarten; und auch in den USA werden die anvisierten Strafzahlungen immer geringer. Am Ende wird sie es - wie bei allen anderen Verurteilungen auch - mehr oder weniger aus der Portokasse abstottern...

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Es gibt unzählige Beispiele, in denen das Muster immer dasselbe ist: "Politisch gut vernetzter Konzern ist 'systemrelevant' und muss auf Kosten der Kunden, des Staates und der Gesellschaft gerettet respektive geschützt werden."

Oder anders ausgedrückt: 

Der Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.

-- Berthold Brecht

Es gibt nur sehr wenige Konzerne, die wegen Betrügereien wirklich pleite gehen. Meist sind es eher jahrelange massive Management-Fehler und zugleich wenig Rückendeckung aus der Politik...

Volkswagen ist da cleverer. Und deshalb wird sie auch die kommende Strafe wegen des LKW-Kartells (Ja, der nächste Betrugs-Fall ist bereits in der Pipeline.) nicht weiter anheben. Auch die wird man aus den Rücklagen bezahlen, die man längst für den Fall, dass man erwischt wird, gebildet hat; und die nur einen Bruchteil des Mehr-Gewinns darstellen...

... oder noch einfacher ausgedrückt: Betrügen rechnet sich für die Konzerne. Immer. Denn selbst, wenn es schief gehen sollte: Die Manager packen sich die Taschen voll, bis sie nicht mehr laufen können; und erst dann lassen sie den Konzern den Bach runtergehen. Arcandor, Enron, Mobilkom, Exxon, Steilmann, Prokon, ... 

... die Liste der Beispiele ist schier endlos. Doch in keinem einzigen Fall "verarmte" ein Manager durch die Pleite des Konzerns. Und nur in sehr wenigen Fällen wurden Manager für ihre Betrügereien zur Rechenschaft gezogen.

Antwort
von wfwbinder, 15

  VW... die begehen so einen riesigen Betrug am Kunden und stecken das IM PRINZIP locker weg...

Es wird die vermutlich mehr als die Hälfte des Eigenkapitals kosten.

Nur weil sie wirklich gute Autos bauen, hat es sich auf den Verkauf wenig  ausgewirkt.

Ich schätze frühestens die Bilanz zum 31. 12. 2024 wird wieder vergleichbar der vom 31. 12. 2014 sein.

Aber davon abgesehen, solche Konzerne haben tatsächlich viel im Rücken und können einiges verkraften.

Aber am Beispiel von GM vor einigen Jahren, kann eben auch ein solches Unternehmen in Konkurs gehen. Die wurden dann mit staatlicher Hilfe neu gegründet, sind aber heute nur noch ein Schatten der GM von vor 20-40 Jahren.

Antwort
von bronkhorst, 8

Jedes Unternehmen kann pleite gehen - und die von Dir aufgeführten General Motors sind es ja vor ein paar Jahren schon mal, wenn auch weniger als Folge eines Skandals als allgemeiner langjähriger Misswirtschaft.

Das Unternehmen wurde zwar mit Rücksicht auf Arbeitsplätze fortgeführt, zunächst verstaatlicht und dann nach der Sanierung wieder an den Markt gebracht - die alten Aktionäre haben dabei aber in die Röhre geschaut.

Die Geschichte ist voll von Unternehmen, von denen zur Blütezeit keiner geglaubt hätte, dass ihnen das jemals passieren könnte - Rover, SAAB, Swissair, Lehman Brothers, Arthur Andersen, Baring's - Letztere übrigens sehr wohl aufgrund skandalöser Fehler...

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