Frage von philadelphia99, 50

Meinen freiwilligen Praktikum dauert weniger als 3 Monate, aber länger als 90 Tage (z.B. 2.5-2.8). Habe ich Anspruch auf Mindestlohn?

Für eventuelle Sprachfehler entschuldige ich mich. Ich spreche leider noch kein fließendes Deutsch.

Expertenantwort
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 25

Du hast Anspruch auf Bezahlung mindestens in Höhe des Mindestlohns!

Bei einem freiwilligen Praktikum hast Du generell einen Anspruch auf Entlohnung - von Anfang an (Mindestlohngesetz MiLoG § 22 "Persönlicher Anwendungsbereich" Abs.1 vor).

Die 3-Monats-Grenze (Mindestlohn erst nach 3 Monaten) gilt nur bei Praktika zur Berufsorientierung und bei Berufs- und Hochschulausbildung (§ 22 Abs. 1 Nr 2 und 3).

Der Anspruch besteht mindestens auf den gesetzlichen Mindestlohn, Voraussetzung: Du bist nicht mehr minderjährig oder hast als Minderjähriger (trotzdem schon) eine abgeschlossene Berufsausbildung (so sieht es § 22  Abs. 2 vor).

Kommentar von RobertLiebling ,

Meines Wissens gilt das auch für freiwillige Praktikanten, die an einer Hochschule immatrikuliert sind (§ 22 (1) Satz 2 Nr. 3 MiLoG).

Siehe Link unten in meinem Kommentar.

Kommentar von Familiengerd ,

... wenn denn das Praktikum in Zusammenhang mit der Ausbildung steht; alleine die Tatsache "an einer Hochschule immatrikuliert" ist nicht das ausschlagende Kriterium.

Antwort
von DerTroll, 33

Bei einem freiwilligem Praktikum ja. Nur bei Pflichtpraktika gibt es keinen Anspruch auf den Mindestlohn, soweit ich weiß.

Antwort
von RobertLiebling, 23

Bist Du volljährig? Und Student?

=> Freiwillige Praktika sind für maximal 3 Monate nicht mindestlohnpflichtig.

Kommentar von philadelphia99 ,

Ja & ja (obwohl ich nicht in Deutschland studiere).

Kommentar von Familiengerd ,

Das ist falsch!

Ein freiwilliges Praktikum ist von Anfang an zu bezahlen!

Diese 3-Monats-Greenze gilt nur bei Praktika zur Berufsorientierung und in Zusammenhang mit Berufs- und Hochschulausbildung (siehe meine eigene Antwort mit Hinweis auf das MiLoG).

Kommentar von RobertLiebling ,

Ein freiwilliges Praktikum ist von Anfang an zu bezahlen!

Sicher?

"Innerhalb der freiwilligen Praktikanten ist eine weitere
Differenzierung erforderlich. Nach § 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 bis Nr. 4
MiLoG gelten auch nicht als Praktikanten mit entsprechendem Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn, wer

  • ein Praktikum von bis zu 3 Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder für die Aufnahme eines Studiums leistet. Hiervon erfasst werden die Praktika vor der Berufsausbildung bzw. dem Studium und die sogenannten Vorpraktika.
  • ein Praktikum von bis zu 3 Monaten begleitend zu einer Berufs- oder Hochschulausbildung leistet, wenn nicht zuvor ein solches Praktikumsverhältnis mit demselben Ausbildenden bestanden hat. Hierunterfallen nur Praktika, die während der Ausbildung freiwillig geleistet werden. Ein Praktikum nach Abschluss der Ausbildung wird hingegen nicht erfasst."

Quelle: https://www.haufe.de/personal/personal-office-premium/arbeitsvertrag-mit-praktik...

Kommentar von Familiengerd ,

Ich gebe dir in sofern Recht, als man sich jetzt darüber streiten könnte, was ein "freiwilliges Praktikum" ist.

Ist ein Praktikum "freiwillig", wenn es der Betrieb vor Ausbildungsbeginn "erwartet", obwohl es von der Ausbildungsordnung nicht vorgeschrieben ist?

Jedenfalls gilt die Entgeltungspflicht bei freiwilligen Praktika, zu denen sich der Praktikant ohne Zusammenhang mit einer Berufs- oder Hochschulausbildung entschließt.

Kommentar von RobertLiebling ,

Ist ein Praktikum "freiwillig", wenn es der Betrieb vor Ausbildungsbeginn "erwartet", obwohl es von der Ausbildungsordnung nicht vorgeschrieben ist?

Nein, aber dass ein solcher Fall hier vorliegt, kann ich der Frage  nicht wirklich entnehmen.

Kommentar von Familiengerd ,

Das ist wohl richtig.

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