Meine Tochter (6 Jahre) möchte nicht mehr zum Vater! Muss ich sie abgeben wenn das Umgangsrecht nicht geregelt ist?

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8 Antworten

Was mir auffällt, ist, dass du hier fragst, wie du es durchsetzen kannst, dass deine Tochter nicht zum Vater musst.

Eigentlich hätte ich erwartet, dass du fragst: "was kann ich machen, damit mein Kind wieder  zum Vater geht? Wie kann ich mein Kind motivieren?"
Dass du das nicht tust, ist verräterisch und läßt den Verdacht aufkommen, dass du selbst nichts dagegen hättest, wenn es den Vater nicht mehr sieht.

 Ich kann dich zwar verstehen, dass du, wo du eine neue kleine Familie hast, deinen Ex am liebsten vom Rande der Erde schubsen würdest, aus deinem Leben verbannen würdest, aber das geht nun mal nicht. Ihr seid zwar kein Paar mehr, aber ihr seid und bleibt Eltern und auf dieser Ebene müsst ihr funktionieren. Und euer Kind braucht beide Elternteile.

Ein Kind gerät sehr schnell nach der Trennung der Eltern in einen Loyalitätskonflikt, sitzt zwischen zwei Stühlen. Es möchte kein Elternteil verprellen und kränken. So kommt es oft vor, dass sich ein Kind, um aus dieser Konfliktsituation herauszukommen, für ein Elternteil entscheidet. Aber letztlich bezahlt es das mit großen seelischen Nachteilen. Es entscheidet sich für ein Elternteil, aber auch gegen ein anderes Elternteil. Und das geht sehr oft mit großen Schuldgefühlen einher.

Darum kann man die Entscheidung auch nicht den jüngeren Kindern überlassen, weil sie genau damit überfordert sind.

Es ist deine Pflicht, dein Kind zu motivieren, mit dem Vater mitzugehen. Die neue Lebensgefährtin des Vaters spielt dabei keine Rolle. Sie wird vermutlich nicht die böse Stiefmutter aus Schneewittchen sein. 

Ich werfe zudem mal die Hypothese in den Raum, dass deine Tochter sich für dich "entschieden" hat, weil sie mitbekommt, dass du mit einem neuen Kind schwanger bist. Das ist immer eine bedrohliche Situation für ein Kind, auch wenn du es vielleicht noch so sehr einbeziehst. Dein Kind wird sich  - auf einer unbewussten Ebene - fragen: "Und was wird mit mir? Bin ich dann noch erwünscht?" Und es wird sich auf einer unbewussten Ebene sagen: "Ich stelle mich jetzt in dem Paarkonflikt auf Seiten meiner Mama, weil ich das Risiko, dass sie mich sonst vielleicht verstößt, nicht eingehen kann. Sie bekommt ja ein Ersatzkind."

Es ist also wichtig für das Kind, dass du ihm die Entscheidung abnimmst. Indem du ihm sinngemäß  sagst: "Ich möchte, dass du mit dem Papa gehst. Es ist dein Papa." Du kannst und darfst dabei auch einen gewissen Druck ausüben. Damit ist nicht gemeint, dass du das Kind mit den Haaren zum Vater zerren musst. Ich kenne aber keinen Fall, wo das nötig ist, wenn die Eltern dahinter stehen. Wenn Kinder sich massiv weigern, dann reagieren sie fast immer auf den Wunsch des Elternteils, der das ja eigentlich ganz gut findet.

Es geht also nicht um die Frage: wie kann ich das verhindern, sondern: wie kann ich das ermöglichen? Und wenn Kinder merken, dass beide Eltern das wollen, machen sie auch kein Theater. Sie sind dann aus dem Loyalitätskonflikt entlassen. Und atmen auf.

Ich habe jahrelang viel mit hochstrittigen Eltern gearbeitet. Das Widerstreben der Kinder, einen der beiden Elternteile zu besuchen, ist sehr schnell aufzulösen.  Wenn dies nicht geschieht, dann liegt das immer an dem Elternteil, der das Kind entzieht. Da gibt es mittlerweile auch ein Fachwort für: parental alienation syndrome.

Und vergiss nicht, selbst wenn du diesen Kampf "gewinnen" solltest, zum Nachteil des Kindes, irgendwann kommt dein Kind in die Pubertät...

Dazu eine Geschichte aus meiner Praxis.

Ein achtjähriges Kind wollte nicht mehr zu seiner Mutter. Diese hatte den Vater wegen einer anderen Frau (!) verlassen und lebte mir ihr in einer lesbischen Beziehung. Der deswegen extrem gekränkte Vater, selbst wieder verheiratet, wollte natürlich nicht, dass seine Tochter so eine "perverse" Frau auch nur sieht. Das Kind selbst reagierte mit der Zeit mit Panikattacken und Heulkrämpfen, wenn es die Mutter auf der Straße sah und diese ihm nur zulächelte. Es rannte panisch weg. Es wollte die Mutter nicht sehen und hat auch sämliche Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke abgelehnt.
Es wurde so schlimm, dass wirklich nichts anderes übrig blieb, als der Mutter zu raten, sich zurückzuziehen. Große Erleichterung auf Seiten des Vaters und des Kindes.
Ich habe dann Jahre später, als das Mädchen ca 14 Jahre alt war,  den Vater mit seiner neuen Frau noch einmal gesehen und sie gefragt, was denn Anna-Lena (Name geändert) so mache. Der Vater sagte: "Sie wohnt nicht mehr bei uns. Sie war so schwierig geworden. Sie ist nach Koblenz (100 km entfernt) zu ihrer Mutter gezogen. Sie lehnt den Kontakt zu uns ab!"

Denk da mal drüber nach.

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Kommentar von Mieze1231
26.05.2016, 19:59

Das hat es auf den Punkt gebracht. Super Kommentar!

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zwingen kannst deine Tochter nicht. 

Warum gehst nicht selber zum Jungendamt und erklärst dort die Situation? Auch den Vorfall mit der Polizei erwähnen. 

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Kommentar von dielauraweber
26.05.2016, 07:19

der vorfall mit der polizei ist uninteressant und hat keinen einfluss auf weitere verfahren. dem jugendamt ist die situation relativ egal, sie können da nix machen und werden sie auch nicht, weil sie nur eine beratende funktion haben. sie werden der mutter aber nahe legen, wo ihre pflichten liegen, die sie versäumt hat. das ist dem kind grenzen aufzuzeigen.

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Das klingt nach Eifersucht Deiner Tochter, dass sie so reagiert. Erst einmal abwarten wenn Dein Kind da ist, ob die Tochter dann überhaupt nach einem Wochenendbesuch bei ihrem Vater wieder zurück zu Dir kommen will. Irgend wie habt ihr beide was verkehrt gemacht, dass die Tochter so geworden ist. Man sollte mal zu einem Kinderpsychologen gehen, bevor es ganz eskaliert. Scheidungskinder haben einen Hang zum aggressiven Verhalten (wenn sie älter werden), wenn da nicht eine vernünftige Lösung gefunden wird. Vielleicht fängt man von vorne an und trifft sich auf neutralen Boden wie Spielplatz, Park usw. Dann kann das Kind immer noch entscheiden bei wem es das Wochenende verbringen will. Keiner sollte dann dem anderen einen Vorwurf machen und die Entscheidung dann so hin nehmen. Egal wie die Rechtslage ist. Arme Scheidungskinder kann man da nur sagen und ein Versagen der Eltern auf ganzer Linie. 

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Kommentar von dielauraweber
26.05.2016, 07:32

kinder können mit 6 jahren keine entscheidungen treffen. schon garnicht sich auszusuchen bei wem sie ihre wochenenden verbringen. damit lehrt man ein kind dass es die eltern nach gefallen gegeneinander ausspielen und austauschen kann. hier ist nicht das kind gefragt, sondern die eltern müssen wieder an ihre gegenseitigen pflichten erinnert werden und zwar als gemeinsames band aufzutreten und nicht gegeneinander zu kämpfen. das kind lernte nun, dass es sich verhalten kann wie es will und es bekommt seinen willen.

versteht es aber beim nächsten mal, wenn in der ähnlichen situation nein gesagt wird, wo der unterschied ist und warum jetzt nein und bei papa ja?

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Dann geh doch persönlich zum Jugendamt und frag nach. Es wäre wichtig, dass alle dort an einen gemeinsamen Tisch kommen und reden, z.B. dass der Vater erst mal die Zeit alleine mit dem Kind verbringt, bzw. die Freundin mit Kind nur stundenweise sieht am Anfang. Den Kontakt ganz abbrechen wäre nicht gut für das Kind.

Rede doch noch mal mit dem Vater, ob es nicht erst mal möglich ist, sie alleine zu treffen für den einen Tag. Oder versuche es mal beim Kinderschutzbund, ob da was möglich ist mit gemeinsamen Besprechungen. Für die Zukunft könnte es dann so laufen, dass er immer auch mal etwas alleine mit der Kleinen macht für ne Stunde oder so, damit sie sich nicht zurückgesetzt fühlt.

Und du solltest dem Kind auch gut zureden, dass es auch in Ordnung ist, mit der Freundin und dem Kind zusammen zu sein, dass sie sich daran gewöhnen wird mit der Zeit.

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Wenn das Kind nur dessen Freundin und ihr Kind nicht um sich haben will sollte man wirklich mal versuchen sie langsam an das ganze heran zu führen. Einfach mal
Mit dem Vater reden und der kleinen auch ein paar Wochenenden wo sie mit Papa allein ist anbieten. Dann die Freundin halt langsam ranführen zusammen etwas essen und sie und ihr Sohn schlafen woanders (falls die beiden zusammen wohnen)
Die kleine muss langsam an die Situation herangeführt werden und vielleicht hilft es einfach mal wenn beide elternteile mit dem kind reden.

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Kommentar von dielauraweber
26.05.2016, 08:56

die freundin gehört zur familie des vaters. das kind kennt freundin und deren kind. langsam heranführen ist vorbei.

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Steht ja immer das Kundeswohl an 1. Stelle. Ich denke trotzdem dass man hinterfragen muss warum das so ist. Schließlich sollen sich Vater und Tochter auch nicht entfremden. Ist es weil es nur ne Phase ist oder (ohne dir was zu unterstellen) weil zuviel schlechtes über den Vater gesagt wird muss man sich Gedanken machen ob ein fernbleiben vom Vater wirklich dem Kinderwohl entspricht

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Kommentar von maggylein
26.05.2016, 07:10

Also nicht falsch verstehen... nen schreiendes Kind am Fuß versuchen rauszuziehen geht gar nicht. Andererseits muss man ggf. in begleiteten Umgang versuchen sie der neuen Familie nahe zu bringen. Eifersüchteleien sind ja in so einer Situation normal und da wirds ggf auch bei dir Probleme geben

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Das Umgangsrecht ist für Beide gedacht, sprich, nicht nur Vater-Kind, sondern auch Kind-Vater. Eine Pflicht ist es aber deshalb nicht.

Wenn das Kind sich also aus eigenen Stücken dagegen wehrt, nicht mehr zum Vater zu wollen, dann sollten seine Gründe auch gehört werden. Mit Tränen und Krampf sind es keine schönen Besuche, das sollte dem Vater auch klar sein.

In Ruhe mit deinem Ex reden geht wohl nicht?

Hat deine Tochter schon mal was über die Freundin mit Kind erzählt, ob sie die allgemein nett findet? Mitunter wäre diese Freundin einfühlsamer und würde von sich aus anbieten, dass sie an den Besuchstagen nicht auch noch bei deinem Ex ist? Manche Männer denken halt nicht so weit, dass sie sagen, das Wochenende gehört nur meinem Kind und mir.

Eine Annäherung mit einer neuen Partnerin sollte in meinen Augen immer vorsichtig und schrittweise erfolgen. Das sollte deinem Ex vielleicht mal erklärt werden, wenn er schon nicht selbst darauf kommt.

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Kommentar von dielauraweber
26.05.2016, 07:29

umgang ist dafür da den alltag des vaters zu leben. dazu gehört auch seine neue familie und das kind ist ein teil davon und muss sich integerieren.

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Kommentar von alphonso
26.05.2016, 09:15

"Keiner muss etwas tun, auch Kinder nicht." Was ist das für ein Blödsinn??  Das ganze Leben ist voller Regeln und Gesetze, und du bringst deinen Kindern bei, diese zu ignorieren???  Das Ergebnis sind orientierungslose junge Erwachsene, die im Leben scheitern, weil sie nie gelernt haben, sich an Regeln zu halten.

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Wenn man die Geschichte jetzt noch aus der Perspektive des Vaters hören würde, könnte man einen objektiven Rat geben. Grundsätzlich hat ein 6jähriges Kind nicht zu bestimmen, wo es hin möchte oder nicht. Meine Kinder wollten in diesem Alter freitags nicht zu mir, und sonntags nicht zurück zu ihrer Mutter. Also wurden sie "gezwungen ".

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