Frage von Eileeenchen, 184

Meine Religion selber entscheiden?

Hallo, ich
Bin 11 Jahre alt und da meine Eltern keine Religion haben, habe ich sie auch nicht. Aber ich möchte eine haben, und zwar fühle ich mich im Judentum sicher. Ich halte mich auch an die Regeln (Essen e.t.c)
Aber weil ich noch so jung bin kann ich mich nicht richtig beleidigen und wenn ich meine Eltern würden das nie verstehen. Kann ich es sein?
Bitte keine unnötigen Antworten!

Antwort
von Stupor, 23

Seit gut 20 Jahren unterstütze ich Konvertiten, doch leider muss ich dir mitteilen, eine anerkannte Konvertierung darf erst ab Volljährigkeitsalter statt finden.

Dazu gibt es eine sehr bekannte Geschichte eines 16-jährigen in den 60er-Jahren, der meinte, man könne nur in Israel konvertieren. Er setze sich aufs Fahrrad und machte sich darauf auf den wochenlangen Weg von Hessen nach Jerusalem, um dort seinen lang ersehnten Antrag zu stellen. Leider musste er mit einer Ablehnung wieder heim kehren. Doch inzwischen ist er einer der beliebtesten Rabbiner in Israel.

Du siehst also, was  aus einer lang ersehnten Sehnsucht passieren kann.

Die ORD (inkl. Richtergremium bzgl. Konvertierung) erhält mWn etwa 2000 Anträge jährlich, 30-40 schaffen es jährlich tatsächlich, denn eine Konvertierung hats wirklich in sich. Die meisten gehen ziemlich blauäugig daran und meinen, mal eben ein Glaubensbekenntnis runter rattern und schon ist man Jude. Aber es heißt "Konvertierung", der ganze Lebensablauf der einem 24/7/365 vorgeschrieben ist, muss im Körper, Geist und Seele so fest integriert sein, dass es sich davon nicht mehr lösen kann. Die Prozedur, die auch nicht ganz billig ist (Lehrer, Bücher, etc.), dauert idR mindestens 4 Jahre wie die Konvertierten in unserer Synagoge, aber ich hörte auch von welchen, die 15 Jahre dabei waren, bis sie endlich international anerkannt wurden.

Echter Jude (Jude nach dem Talmud) sein ist nicht nur koscher essen, das ist nur ein winziger Bruchteil dessen. Und als Mädchen trägst du noch einmal eine besondere Verantwortung, denn alle deine Kinder sind ab Geburt automatisch Juden, egal ob sie religiös aufwachsen oder nicht.

Einer der berühmtesten Talmudisten, Rabbi Akiwa, seine Eltern wurden nicht als Juden geboren. Er war also Sohn Konvertierter und hat ab seinem 40. Lebensjahr noch eine Rabbiner-Ausbildung gemacht und sich an der Talmud-Erstellung maßgebend bis heute, beteiligt. Du siehst also, es gibt unter den Konvertierten entspr. Größen.

Im Allg. geht eine gesunde Giyur im Galut (Konvertierung außerhalb Israels) mit internat. Anerkennung so von statten:
1. In eine größere Stadt in maximal 2km Fußweg Weite einer orthodoxen Gemeinde umziehen.
2. Möglichst oft dort die Gttesdienste besuchen, sich mit vielem dort vertraut machen.
3. Ist man sich dann immer noch sicher konvertieren zu wollen, stellt man einen Antrag beim (Haupt-) Rabbiner. Dieser darf maximal 3x ablehnen.
4. Der Rabbi hat angenommen, lehrt er erst einmal bzw. lässt lehren, etwa 1 Jahr lang. Zeigt sich der Konvertit-Kandidat immer noch zielbewusst, meldet der Rabbiner zur Vorstellung bei höchsten dt. jüd. Gericht (Köln, München oder Berlin) zur Vorstellung an. Da niemand gratis arbeitet, kostet das Vorstellungsgespräch natürlich auch etwas. Ist man von dort bestätigt, gehts mit der Umwandlung (Konvertierung) erst gehts richtig los.
5. Man lernt sehr viel aus Büchern, aber auch Spezial-Unterricht für Konvertiten, der mindestens 1x wöchentlich bis zu 100€/Std. kosten kann, je nach Lehrer und Stadt. Manche Synagogengemeinden habe auch richtige Giyur-Schulen, wohin ca. 10 Schüler kommen. Dann wird natürlich um einiges günstiger. Bei der Konvertierung kann es aber auch passieren, dass einem mal der Rabbiner unvorangemeldet besucht um nach zu sehen, ob der Haushalt auch ok ist.
6. Wenn du dann alles intus hast, und man erkennt u.a. auch an dem wie du redest, kommen extra für die  das internationale Richtergremium zusammen und befassen sich nur mit dich für 20min bis einigen Stunden.
7. Ist alles paletti, gehst du noch in die Mikwe (bei Männern davor noch Brit) und nach  einer weiteren Testzeit von ca. einem Jahr, ob du auch wirklich dabei bleibst,m bekommst du dann diene Dokumente, dass du international anerkannte Jüdin bist.

Und hier mal die Liste der Rabbiner Deutschglands, die auch Konvertiten betreuen: http://www.ordonline.de/rabbiner/

Und willst du danach Aliya machen, warte nochmal 1-3 Jahre, denn die Israelis sehen es in den Behörden nicht so gerne, wenn einer gleich nach Giyur nach Israel hüpft. Irre hat Israel schon mehr als ausreichend, wenn man schon nur auf die musl. Israelis oder illegal eingeschleusten Muslime als Extremisten schaut...

Hat dir das weiter geholfen?

Kommentar von Stupor ,

Aber du kannst auch ganz  einfach Noachide sein, die brauchen nur 7 Gebote einhalten, nicht einige zig-Tausend wie Juden. Denn Noachiden, egal welchen Alters, haben Anteil an der kommenden Welt der Juden.
Mehr dazu: http://www.hagalil.com/judentum/rabbi/090510.htm

Antwort
von Accountowner08, 16

Wenn deine Eltern nicht jüdisch sind, dann musst du dich noch etwas gedulden. Ohne Einverständnis deiner Eltern kannst du erst nachdem du 18 bist zum Judentum übertreten...

Du kannst jetzt schon hebräisch lernen und so, und vieilleicht erlauben deine Eltern das ja als "harmloses Hobby".

Wenn du wirklich koscher essen willst und shabbat halten willst, dann ist das in einem Haushalt, wo nicht kosher gekocht wird und shabbat nicht gehalten wird nur schwer möglich.

Auch jüdische Kinder, deren Eltern nicht religiös sind und die selber religiös werden wollen haben dieses Problem. Auch sie müssen sich gedulden, bis sie selbständig sind, um die Gesetze der jüdischen Religion einzuhalten, wie sie wollen...

Antwort
von Sonnenblumeee1, 64

heyy:)

also erstmal ist es ja so, dass du ja immer an Gott glauben kannst und nach den jüdischen Regeln leben kannst, daran hindert dich keiner. Außerdem finde ich, gibt es keine bestimmt 'grenze' zum jüdisch sein. Meiner Meinung nach bist du schon mehr oder weniger jüdisch. Wenn du aber wirklich ofiziell zum Judentum dazugehören willst und einer Gemeinde, dann ist das denke ich auch möglich. Aber noch nicht jetzt. Ich weiß nicht, wie das mit dem Eintreten in eine Religion dort ist, aber zumindest weiß ich, dass man mit 14 ein Fest abhält, die Bat Mizwa, und ab dann selbst vor Gott verantwortlich ist. Vielleicht solltest du einfach mal in eine Synagoge gehen und einen Rabbi fragen, der kann dir bestimmt weiterhelfen. Wenn du das Judentum wirklich ganz ausleben solltest, mit allen Regeln (Fleisch-&Milchküche usw) und Festen usw, dann solltest du denke ich schon einer Gemeinde angehören, einfach damit es offiziell ist und das jeder ernst nimmt. Aber,wie soll ich es sagen? In deinem Herzen kannst du immer jüdisch sein, da spielt es keien Rolle, ob du als solcher anerkannt wirst. Sprich mit einem Rabbi!

Alles Gute und liebe Grüße, Sonnenblume

Kommentar von Accountowner08 ,

Nein, jüdisch ist man nicht einfach, weil man es selber beschliesst, um jüdisch zu sein muss man entweder eine jüdische Mutter haben oder formell vor einem rabbinischen Gericht zum Judentum übertreten.

Ein rabbinisches Gericht lässt keine Minderjährigen ohne Einverständnis der Eltern übertreten...

Kommentar von Sonnenblumeee1 ,

Das habe ich nicht gemeint. wie auch schon ein anderer User geantwortet hat  'man glaubt im Herzen an Gott und nicht auf Papier'. Und dann spielt es keine Rolle, ob man offiziell, in einer Gemeinde anerkannt usw jüdisch ist. Glauben bedeutet sich aufgehoben, sicher und geborgen zu fühlen, nach den entsprechenden Wertvorstellungen (und ein vllt ein paar anderen Regeln) zu leben, an die 'Geschichte' der Religion zu glauben und vllt auch ab und zu zu beten.

Kommentar von Accountowner08 ,

Nein, das stimmt im Bezug auf das Judentum nicht (vielleicht stimmt es für den Islam oder das Christentum), und du solltest ahnungslosen Leuten nicht so etwas Falsches einreden. 

Leider gibt es genug Leute in Deutschland, die sich einbilden, "im Herzen" jüdisch zu sein, ohne je Kontakt mit einer jüdischen Gemeinde gehabt zu haben, und das ist für ihre Psyche nicht unbedingt gesund. So einer Tendenz sollte man nicht Vorschub leisten, besonders bei einem Kind, das ist gefährlich für die betreffende Person...

Kommentar von Sonnenblumeee1 ,

ich rede niemandem etwas falsches oder sogar schädliches ein. Ich würde ihr nicht empfehlen sich öffentlich als jüdisch zu bezeichnen. und du hast recht, das Judentum ist nicht nur eine Religion, da gehört auch eigene Kultur dazu. Aber sich von einem Gott beschützt und geliebt zu fühlen und zu ihm zu reden, kann keinem schaden. Egal welcher Religion. Wie weit sie sich an gewisse jüdische Regeln hält, ist ihre Sache. Auch empfehle ich ihr, dass sie, solange sie in noch keiner festen Gemeinde ist, nicht versucht 'komplett jüdisch' zu leben, da es da tatsächlich sehr viele Regeln und Gebräuche gibt, die man gar nicht alle meistern kann. Trotzdem möchte ich ihr von keiner Religion abraten. Über ihre Religiosität und Spirituellität hat allein sie zu entscheiden. Ich finde es sogar gar nicht schlecht, wenn sich jemand in ihrem Alter Gedanken darüber macht. (Über Spirituellität im Allgemeinen, nicht darüber, einer Religion beizutreten.) Außerdem halte ich 11jährige auch für Fähig sich über so etwas Gedanken zu machen und für sich entscheiden zu können. Trotzdem sollte sie sich unterstützung von Eltern, Freunden oder einem Rabbi suchen.

Antwort
von JTKirk2000, 28

An Gott glauben kann man auch ohne Religion, egal welchen Gott es betrifft. Ab 14 gilt man zumindest in Deutschland als religionsmündig und kann dann, auch ohne Einverständnis der Eltern einer Religion beitreten oder aus einer austreten. Allerdings stellt sich die Frage, ob Du nicht mit Deinen Eltern darüber reden kannst, denn es ist doch besser, wenn sie damit einverstanden sind. Einerseits könntest Du dann dieser Religion eher als mit 14 beitreten, wenn Deine Eltern einverstanden sind, und andererseits ist dieser Religionsbeitritt dann kein Grund, weshalb Du und Deine Eltern dann später vielleicht nicht mehr so gut verstehen würden, wenn dies in deren Einverständnis geschieht.

Was Deine Eltern verstehen und was nicht, wirst Du erst sicher wissen, wenn Du mit ihnen darüber sprichst. Es gar nicht erst zu versuchen, sondern stattdessen einfach anzunehmen, dass sie es nicht verstehen würden, mag ein einfacherer erscheinender Weg sein, doch kann dieser eventuell auch zu (noch mehr) Unverständnis in der Familie führen, wenn Du Dichr späte einer Religion anschließt.

Antwort
von Geansehaut, 25

Die Religion selber wählen geht laut Gesetz erst ab 14, aber ich finde sowas darf dich nicht davon abhalten deine Religion auszuleben. Ich würde dir aber trotzdem nochmal empfehlen dich mit dem Judentum zu beschäftigen, weil mit 11 Jahren bist du wirklich noch sehr jung. Du hast schließlich noch etwas Zeit deine Entscheidung zu treffen.

Antwort
von Immofachwirt, 17

Selbstverständlich.

Alles in deinem Leben kannst du selbst entscheiden. Allerdings musst du auch die Konsequenzen deiner Entscheidung tragen. Das ist bei deinem Vorhaben sicherlich nicht so einfach, aber machbar. Ich bin mir sicher, dass deine Eltern es vielleicht nicht verstehen können, aber es auch nicht verhindern werden.

Viele Erfolg.

Antwort
von Gambler2000, 54

Hallo Eileenchen, es ist sehr schön das du an Gott glaubst (viele in deinem alter tun das nicht mehr).

Es ist sehr schwer zum Judentum zu konvertieren, es dauert meist ein paar Jahre (http://de.wikihow.com/Zum-Judentum-konvertieren), du benötigst schon einen ziemlich starken Willen dafür.

Hast du dich überhaupt bereits mit anderen Religionen beschäftigt?

Du kannst ja auch erst in ein paar Jahren konvertieren, mit 14 bist du nämlich Religionsmündig.

Antwort
von TorDerSchatten, 54

Schwierig, sehr schwierig. Du bist erst mit 14 Jahren religionsmündig, und um zum Judentun zu konvertieren, bedarf es einer enormen Anstrengung.

Auch wenn du es nicht hören willst: du wirst es allein nicht schaffen.

Du kannst dich gar nicht an die Regeln halten und die jüdischen Feiertage, hier sind so viele Gewohnheiten und Traditionen zu beachten, die kennst du alle gar nicht.

Juden haben z.B. unterschiedliches Geschirr und Küchenutensilien - die einen werden NUR für die Zubereitung von Fleisch benutzt, die anderen nur für die Zubereitung von Milchprodukten. Fleisch darf nur verzehrt werden, wenn es vom Rabbi freigegeben ist, das Tier muß geschächtet sein usw

Da wird in eurem Haushalt doch gar nicht umgesetzt! Dann die Mikwe, der Sabbat - Schätzelein, das schaffst du nicht im Alleingang


Antwort
von Delveng, 59

Du willst keine "unnötigen" Antworten? Das heißt, du willst gar keine Antworten?

Ab einem bestimmten Lebensalter bist du mündig, was die Wahl der Religion angeht. Dann kannst und darfst du selbst und allein entscheiden.

Antwort
von josef050153, 13

Warum setzt du dich nicht mit einem Rabbi in Verbindung? Ich weiß leider nicht, wo du wohnst, deshalb kann ich dir keinen vermitteln.

Antwort
von Grammatikus, 8

Setz dich mit dem nächsten Rabbi in Verbindung! Er sagt dir dann, was du jetzt schon mitmachen darfst.

Antwort
von aalbrechtstein, 37

Man ist im herzen jüdisch nicht auf dem papier :) das konvertieren zum judentum dauert sehr lange und fordert viel von dir. Außerdem wird man von orthodoxen juden nicht als jude gesehen weil man laut ihnen nicht zum judentum konvertieren kann.

Kommentar von Gambler2000 ,

Doch, auch zu den orthodoxen Juden kann man konvertieren.

http://www.bz-berlin.de/welt/warum-ich-zum-judentum-konvertierte

Kommentar von Accountowner08 ,

Gerade beim Judentum ist es wichtig, dass keine Diskrepanz zwischen "herzen" und "Papier" besteht.

d.h. wenn man jüdisch werden will, dann soll man sich an eine Gemeinde, an einen Rabbiner wenden, der einem erklärt wie es geht und einem jemanden zuweist, mit dem man lernen kann.

Wenn man einem 11-jährigen sagt, er soll das einfach alleine im Kopf machen, riskiert man, dass er sich in ungesunde Phantasie-Konstrukte hineinsteigert, und das ist fahrlässig... finde ich...

Antwort
von beglo1705, 51

Nein, ab 14 Jahren.

Antwort
von Meatwad, 30

Du bist wirklich noch sehr jung. Du solltest definitiv noch warten, bevor du dich irgendeiner Religion anschliesst. Ohne lebt es sich ohnehin gesünder.

Kommentar von Gambler2000 ,

Daumen runter, wegen radikal-atheistischen nicht-zum-Thema passenden geschnatter.

"Ohne lebt es sich ohnehin gesünder"

Kommentar von Meatwad ,

Was bitte ist daran radikal? Ich rate hier nur jemandem davon ab, eine Entscheidung zu treffen, deren Ausmaß er in seinem Alter gar nicht absehen kann. Ein Ratschlag, der absolut von Herzen kommt.

@Eileeenchen: Warte ein paar Jahre, bleibe zurückhaltend, lies dann mal ein Buch von Dawkins oder Hitchens und entscheide erst dann!

Kommentar von Gambler2000 ,

Hitchens war übrigens einer der größten Irakkriegsbefürworter, soviel zu eurem größten Vorbild. Er war gut befreundet mit Paul Wolfowitz, der als republikanisch-rechtsradikaler Verteidigungsminister für den Tod von vielen unschuldiigen Irakern verantwortlich war. Er verherrlichte auch noch die Anschläge vom 11. September und sagte die USA hätten diese Strafe verdient, kurz gesagt Hitchens war ein schrecklicher Mensch und trotzdem nehmt ihr Atheisten ihn euch immer noch zum Vorbild.

Kommentar von Sonnenblumeee1 ,

Seine Meinung wird man ja wohl noch sagen dürfen, zumal sehr wohl zum Thema passt. Ich selbst bin religiös und lebe auch damit, dass die Hälfte meiner Familie Religion für Schwachsinn, gefährlich und Zeitverschwendung hält. Jedem das Seine. Abgesehen davon finde ich 'ihr atheisten' eine unangemessene Verallgemeinerung

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