Frage von Noidea333, 144

Meine Oma hat Demenz, ... ihr Leben womöglich bald vorbei ... und wie geht ihr damit um?

Meine Oma (82 J.) hat Demenz und ist nun seit ca. 3 Monaten im Pflegeheim. Es kam ganz plötzlich nach einem Anfall, glaube ich. Ich wohne weit weg und habe sie seit dem nur zwei, dreimal gesehen. Ich bin tiefst betrübt, sie zu sehen, weil ich sie immer noch so gut gelaunt in Erinnerung habe, wie es ihr vorher ging. Nun bereue ich es, dass ich mich früher nicht öfter mal telefonisch bei ihr gemeldet habe. Jetzt ist sie nur noch, wie ein ... mir fällt grad kein passendes Wort ein. Sie kann nicht mehr sprechen außer "ach, ich weiß nicht". Sie erkennt niemanden mehr und weiß nix mehr anzufangen :-( Ein Taschentuch in ihren Händen scheint für sie die größte Kuriosität zu sein... Ich finde es halt nur so traurig, dass das Leben sich so schnell ändern kann. Mein Vater und mein Onkel besuchen sie ja viel öfter im Pflegeheim und sind auch total am Ende. Bei meiner letzten Verabschiedung von meiner Oma hätte sie mir beinahe die Hand zerquetscht mit Tränen in den Augen. Sie wollte so gerne mir was sagen und hat gespürt, dass ich ihr Enkel bin (wahrscheinlich) ... aber sie hatte keine Worte! :-( Ich finde das so traurig und bewundere wirklich die Menschen, die im Pflegeheim arbeiten und den hilfebedürftigen Menschen helfen! :-) ich ziehe meinen Hut

Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht mit lieben Menschen, die euch auf einmal nicht mehr erkennen? Wie geht ihr damit um? Ich weiß schon, irgendwann ist das Leben für jeden Menschen vorbei...

Antwort
von Oma1009, 50

In den Beiträgen bisher ist schon sehr viel Richtiges geschrieben worden und es gab sehr gue Tipps, wie man sich mit einer Person mit Demenz beschäftigen kann und wie man gut mit ihr umgeht.

Aber mir fehlt noch etwas sehr Wichtiges:

Der Mensch mit Demenz mag seinen Verstand verlieren, aber die Gefühle bleiben ihm bis zu allerletzt erhalten.

Deine Oma entwickelt ein Gefühl dafür, dass du zu ihr gehörst und für sie wichtig bist. Hab keine Scheu, sie vorsichtig zu streicheln an den Armen und Händen, such ein bisschen den Körperkontakt. Das tut ihr bestimmt gut.

Lach sie an, dann wird sie auch froh sein und hör nicht auf mit ihr zu reden. Sie wird deine Stimme angenehm finden, auch, wenn sie nicht mehr antworten kann. Erzähle etwas Lustiges aus deinem Leben, dann wirkst du heiter und es stimmt sie auch positiv.

Noch etwas Banale: dementiell veränderte Menschen können sehr lange die Geschmacksrichtung Süß erkennen. Bring ihr, wenn sie nicht gerade zuckerkrank ist, ein bisschen Schokolade mit.

Weil du sie lieb hast, das merkt man an deinem Text, wirst du wahrscheinlich sowieso viel aus denem Mitgefühl heraus richtig machen.


Kommentar von Noidea333 ,

Danke, aber das Problem ist ja leider auch, dass ich ca. 600km weit weg wohne und beruflich und mit Abendschule momentan sehr viel Stress habe :-( Aber falls ich nochmal das Glück haben sollte, sie zu sehen, bringe ich ihr etwas Schokolade mit :-)

Kommentar von Oma1009 ,

Weil du schreibst, dass deine Oma so gerne mit dem Taschentuch spielt: es gibt Nesteldecken  (amazon sogar), die sich sich hervorragend für die Beschäftigung und Beruhigung von Dementen eignen.

Auf einem Stück Stoff sind Stoffflicken mit unterschiedlicher Struktur genäht, außerdem sind Holzringe, Knöpfe, Taschen und Reißverschlüsse angebracht, zum Nesteln, was Menschen mit Demenz besonders gerne tun.


Antwort
von peppermintheart, 55

Mein Großvater hatte ebenfalls Demenz, er ist vor drei Jahren verstorben.
Meine Oma hatte ihn bis zu seinem Tod gepflegt, dafür habe ich sie sehr bewundert und war beeindruckt, woher sie diese Kraft nimmt.

Ich selbst konnte nicht damit umgehen, die Besuche bei ihnen machten mich fertig. Immer wieder musste ich an früher denken und umso schmerzlicher war es für mich, zusehen das er die Familie nur noch für Fremde hielt, dass von dem einst lebensfrohen Mann nicht mehr viel übrig geblieben war. Kurz vor seinem Tod, wurde er krank, es war so schlimm, dass er ins Krankenhaus musste, ich glaube, zu dem Zeitpunkt wusste, er das sein Leben bald vorbei sein würde - er sagte immer wieder, dass er zuhause sterben wollte, dass waren eigentlich nur noch seine letzten Worte, die er immer wiederholte. Nur zwei Tage später, nach der Einlieferung ins Krankenhaus verstarb er. Meine Oma war auf der einen Seite erleichtert, weil er sich die letzten Tage vor seinem Tod nur noch gequält hatte und es auch für sie  alles andere als leicht war, aber gleichzeitig brach es ihr auch das Herz.

Und nun beginnt es leider auch langsam bei meiner Oma, dass sie immer mehr vergisst. Vor kurzem legte sie frisch gekauftes Fleisch nicht in den Kühlschrank, sondern in den Kleiderschrank, was erst auffiel, als das Zimmer zu stinken begann nach vergammelten Fleisch. Dass sie überhaupt Fleisch geholt hatte und was sie damit machen wollte, wusste sie auch nicht mehr.

Antwort
von Lie01, 88

Hallo:)

Mein Opa ist mittlerweile 87 Jahre alt und hat schon seit gut 4 Jahren sich immer verschlimmernde Demenz. Bei meinem Opa ist das vor allem nach einer Operation immer weiter fortgeschritten. Er hat mit meiner Oma (selbes Alter) in einem ziemlich großen Haus gelebt, was seit zwei Jahren nicht mehr auszudenken ist. Seit eineinhalb Jahren wohnt er nun in einem Pflegeheim, sitzt im Rollstuhl und kriegt fast nichts mehr mit. Ich selber wohne ungefähr 2 Stunden von ihm entfernt, das heißt, ich kann ihn also auch nicht wirklich oft besuchen. Die pfleger aus dem Heim sind sehr nett und man merkt, das mein Opa gut umsorgt ist. Umgehen kann man mit dieser Krankheit fast nicht. Man kann ihm nur immer wieder sagen, wer man ist, Verständnis und Liebe zeigen, und ihnen klarmachen, das man bei ihnen ist. ich habe früher, als mein Opa noch etwas mehr reden konnte, immer so ein spiel gespielt, in dem ich ihm alle 5 minuten gesagt habe, wer da alles an unserem tisch sitzt und ihn dann gefragt habe, wie die heißen. Ungefähr 1 von 50 Malen kann er sich dann merken, aber das ist ein Erfolgserlebnis für uns alle, und man sieht auch richtig, wie er sich freut. Ich hoffe, dass es deiner Oma trotzdem gut geht und sie noch schöne Jahre mit einer liebevollen Familie verbringen darf;)

Antwort
von MrsEvergreeen, 57

Ja, ich mit meinen opa, der vor ca 8 Monaten gestorben ist. Bei ihm zog sich die demenz eher schleichend (etwa 2 Jahre lang), und weil ich ihn öfter gesehen habe hat es etwas gedauert bis man es wirklich gemerkt hat. Es fing an mit Kleinigkeiten, wie die Autoschlüssel finden oder Termine zu vergessen, etc. Später dann war er mehr als nur verwirrt, wenn man das so sagen kann, hat sich an vieles nicht mehr erinnert, man musste ihm immer Auf die Sprünge helfen und irgendwann dann haben sich auch alltägliche Funktionen wie sprechen, alleine Aug die Toilette gehen etc eingestellt. Bei demenz bzw altsheimer ist es aber oft so dass sich die Menschen an wichtige Ereignisse erinnern oder an geschehen die länger her gewesen sind, d.h. sie können besser alte Erinnerungen hervorrufen als neue. Bei meinem Opa war es so dass er sich sehr für Autos, vorallem Oldtimer erinnert hat. Und als wir z.b. spazieren gegangen sind hat er mir, obwohl die demenz schon ziemlich fortgeschritten war (und ich ihn öfter daran erinnern musste wie ich heiße oder wer ich bin) immer Anhand der Autokennzeichen erklärt woher diese kommen oder bei besonderen Autos die Marke etc genannt. Wenn du dich bei deiner Oma an eine bestimmte Begebenheit in der Vergangenheit erinnerst, die ihr sehr wichtig sein könnte, oder eines ihrer Hobbys wie Zum Beispiel kochen (wenn es nur eine Gericht ist dass sie häufig gemacht hat) dann Versuchs damit. Oder zeih ihr eon paar ihrer persönlichen gegenstände (ehering, besonderer schmuck etc. ) oder oder fotos. Außerdem ist es wichtig Geduld zu haben und ihr zeit zu lassen wenn sie spricht, sofern sie dass noch kann. Wenn nicht dann achte auf ihre mimik, gestik. Und rede langsam, wiederhol doch und erklär was du sagst, damit sie es auch versteht.
Bei meinem Opa war das übrigens so, dass er nicht in einem Pflegeheim war, sondern meine Oma sich um ihn gekümmert hat. Und als er dann gestorben ist, war sie zwar am Boden zerstört, aber nachdem die Traurigkeit etwas verflog kam auch die Erleichterung - sich als 70 jährige Frau ganz allein um einen demenz Kranken zu kümmern, dafür sogar teile des Hauses umzubauen. - ein eigenes Leben hatte sie nicht mehr. Für die beteiligten ist es viel schlimmer als für die betroffenen. Außerdem ist 82 ein hohes alter, ist doch auch schön dass man überhaupt so alt wird :)
Hoffe dir geht's bald wieder besser, LG :)

Antwort
von Melina010422, 59

Ja ich habe die Erfahrung drei Jahre lang mit meiner Großmutter gehabt. Bei ihr merkte man auch, dass im Kopf immer alles weniger wurde. Sie hat sich immer gefreut uns zu sehen. Ich glaube, dass sie uns bis zuletzt erkannt hat. Denn bei Demenz (wurde mir im Praktikum dort erklärt) erinnern sich die Betroffenen immer zuerst nicht mehr an das neuste. Sie erkannte uns an Merkmalen, was sie uns sagte als sie einen guten Tag hatte und sprach. Unser Großvater hat seine Nase z. B. an alle Enkel vererbt.

Das mit den Tränen in den Augen kenne ich auch. Ich glaube dass sie weiß dass du jemand bist den sie kennt. Sie kann ich aber nicht zuordnen. Meine Oma hat damit immer ihre Freude ausgedrückt.

Sie ist dann nach drei Jahren Demenz / Alzheimer mit 86 Jahren gestorben. Wir alle waren froh und auch sie war irgendwie froh. Sie hat sogar noch ein auf wiedersehen herausgebracht.

Mach dr nur keine Vorwürfe dass du sie nciht angerufen hast. Sie freut sich jetzt betsimmt umso mehr dich zu sehen auch wenn sie es nicht zeigen kann.

Antwort
von Masha2310, 64

Ich kann dich verstehen. Ich habe seit einiger Zeit eine "Oma" im Altersheim. Sie ist sehr nett und ich habe sie sehr lieb gewonnen, aber jetzt ist sie schon 95 Jahre alt und seit neustem erkennt sie mich nicht mehr. Das ist verdammt schwer, ich weiß, aber ich mache es so, dass ich mit vertrauten Personen rede, die mich trösten. Ansonsten versuche ich mir einzureden, dass sie sich trotzdem freut, wenn ich komme und genieße die Zeit mit ihr, die mir noch bleibt. Wenn ich Zuhause bin, verabredet ich mich oft mit Freunden, um nicht darüber nachdenken zu müssen oder schaue mir die Fotos von uns von früher an. Ich hoffe, dass es dir hilft, versuch es einfach mal, 

Viel Glück, 

Deine M.

Antwort
von inicio, 45

es tut mir leid, dass es deiner grossmutter schlecht geht.

meine grossmutter wurde 94 jahre alt, in den letzten 6 lebensjahren litt sie auch an schwerer demnz. meist erkannte sie weder ihren sohn(meinen vater) noch uns enkle.. sagtedann aber sowas:wie "irgendwie kenne ich dich"..sie war total vergesslich und verlegte immer alles -steckte ihre pantoffel in eine vase oder ihr gebiss in den kleiderschrank.

wenn ich bei ihr war, vermisste sie immer sachen, die das personal angeblich geklaut hatte.

am besten ging es ihr, wenn sie von frueher erzaehlte. bei einer demenz laesst naemlich als erstes das kurzzeitgedaechtnis nach -deshalb kann sie sich nicht erinnern, wo sie ihre schuhe hingestellt hat -aber sehr wohl vom handarbeitskurs in der 1. klasse erzaehlen..

du kannst die situation nicht veranedern, aber ueber llieder freut sich ein alter mensch oft oder ihr betrachtet zusammen alte fotos etc...

 

Antwort
von viomio82, 57

Hoffentlich hat sie zu gesunden Zeiten noch eine Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung erstellt.

Der Zustand kann sich schnell verschlechtern und für Angehörige ist dieser Verfall oft sehr schwer. Besuch sie rgl., sei nicht böse wenn sie sich verändert. Sie ist nun in einem Heim und sicher nicht die einzige Demenz Kranke dort also wird man ihr helfen den Tagesablauf zu strukturieren. Alles Liebe

Kommentar von Noidea333 ,

Letztens hatte dort, wo ich dabei war, eine andere alte Frau dort zu mir gemeint, dass sie (also meine Oma) irre ist ... ;-(

Kommentar von viomio82 ,

Demenz Patienten sind nicht irre sondern krank. für Gesunde sehr befremdlich. Hör nicht auf solche Aussagen!!

Antwort
von Antwortster420, 46

Ich habe mir immer wieder klar gemacht, dass das einfach der Kreislauf der Welt ist. Es ist nun mal von Anfang an klar, dass wir sterben werden und daran kann man nicht ändern und auch Trauer holt die Leute nicht wieder zurück sondern macht einen selbst innerlich einfach nur völlig fertig.

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