Frage von Salana, 47

Meine Mutter trinkt den ganzen Tag. Wie kann ich ihr helfen?

Hallo, ich möchte meiner Mutter gern helfen, weiß aber nicht so richtig wie. Sie war jahrelang mit einem Alkoholiker verheiratet und hat selbst auch jeden Tag mitgetrunken. Dann ist sie Ende letzten Jahres in eine andere Stadt, übergangsweise zu meiner Schwester, gezogen. Da wohnt sie nun immer noch, weil sie keine Wohnung findet. Sie hat von heute auf morgen, als sie zu meiner Schwester zog mit dem Trinken aufgehört, hat wieder angefangen raus zu gehen usw. Jetzt mit einem mal trinkt sie wieder von morgens bis abends. Sie sagt selbst sie braucht das und es sei nicht so leicht aufzuhören. Jedoch hat sie es ja vor ein paar Monaten auch geschafft. Meine Schwester und ich haben sie bisher bei allem unterstützt. Nun wissen wir aber auch nicht weiter. Wir haben schon alles durch von vernünftig mit ihr reden, weinen, wütend sein...Es hilft einfach nichts. Ich möchte nicht das meine Mutter wieder abstürtzt, weiß aber einfach nicht mehr wie ich ihr helfen soll. Vielleicht hat hier ja jemand einen Rat für mich was ich noch tun kann.

Ich danke schon mal und liebe Grüße

Antwort
von Tasha, 14

Ich denke, mal müsste rausfinden, warum sie wieder trinkt. Und ob sie daran etwas ändern will. Ob es etwas gibt, dass ihr erleichtern würde, weniger oder nicht zu trinken. Ich kenne z.B. Menschen, die bewusst nur eine kleine Falsche Sekt am Tag kaufen und die dann leer trinken, weil sie wissen, wenn sie einen Vorrat kaufen würden, wäre der auch an einem Tag leer. Oder Menschen, die bewusst Sperrzeiten erstellen, also eine Woche gar nichts trinken. 

Wenn deine Mutter dazu nicht mehr in der Lage ist, wäre professionelle (medizinische) Hilfe vielleicht nicht schlecht. 

Die andere Frage wäre, ob es nicht etwas gibt, das sie ablenken könnte. Trinkt sie vielleicht aus Langeweile, oder weil sie sich überfordert fühlt, weil sie nicht weiß, was sie machen oder wie sie etwas schaffen soll? Dann wäre eine Liste mit Aktivitäten und evtl. Begleitung dabei nicht schlecht. Wenn man den ganzen Tag zu Hause ist und nichts zu tun hat, ist es einfach, den Tag mit Trinken, Alkohol kaufen, in die Kneipe gehen, nach Hause kommen, trinken zu strukturieren.

Man könnte statt dessen frühstücken, einkaufen gehen, Mittag- oder Abendessen vorbereiten - das wäre auch ein Beitrag für deine Schwester, also Verantwortung - in die Kneipe gehen, dort mit Freunden quatschen, aber nur ein Bier dabei trinken, nach Hause kommen, Essen warm machen. Oder einem Hobby nachgehen. Oder sich weiterbilden. Was auch immer.

Vielleicht wäre eine Therapie nicht schlecht, um herauszufinden, welche Bedürfnisse der Alkohol ausfüllt und ob diese anderweitig gestillt werden könnten.

Ich würde ihr vorschlagen, den Alkohol langsam zu reduzieren. Bestandsaufnahme machen: Was trinke ich jetzt. Dann ganz wenig reduzieren: Ein Glas weniger am Tag. Ein Glas verdünnt mit Saft. Dann ein paar Tage später noch weniger und so weiter, bis sie nur noch eine normale Menge (sagen wir mal 2 Flaschen Bier oder eine Flasche Wein*) am Abend trinkt und tags über gar nichts mehr. 

* "Normal" heißt hier für Leute, die täglich Alkohol trinken müssen.

Und dann überlegen, wie man die restliche Zeit rumbekommen kann, wenn sie nicht mehr durch Trinken strukturiert ist; das scheint mir auch ein großes Problem vieler Süchtiger zu sein. Da wäre ein Hobby, das man mit anderen ausüben kann, nicht schlecht, so dass man "Termine" hat. Oder auch, den Alkohol durch besonders leckere nicht-alkoholische Getränke zu ersetzen, so dass man trotzdem noch "trinken" darf.

Das alles geht aber nur, wenn sie selbst das Trinken reduzieren möchte.

Bis dahin müsste man Verständnis zeigen, um die Ursache des Problems zu finden und anzugehen. Das kann ganz schnöde "Gesellschaft" (in der Kneipe) oder Strukturierung des Tages oder nur Gewohnheit und unbewusstes Trinken sein.


Ich kannte zwei Alkoholiker, die täglich im Extremfall mehrere Flaschen Wein, Bier, Schnapps soffen, die es ohne Therapie schafften, die Menge oder Trinkzeit zu reduzieren. Der eine reduzierte nach und nach auf eine Flasche Bier am Tag, der andere blieb die Woche über trocken, griff aber teilweise am WE sehr stark zu. Also machbar ist das mit Einschränkungen auch ohne Hilfe von außen.

Kommentar von Salana ,

Erstmal Dankeschön, sie hatte es ja schon geschafft mehr oder weniger aufzuhören als sie zu meiner Schwester zog. Sie hat dann am Abend vielleicht mal ein Bier getrunken, aber auch nicht jeden. Sie ist arbeiten gegangen und hatte einen strukturierten Tagesablauf. Ich denke das sie momentan überfordert ist, da meine Schwester auch ein kleines Kind hat und sie keine Wohnung findet und nun schon seit Monaten bei ihr wohnt. Sie sagt zwar selbst das sie eigentlich nicht trinken will, aber ich denke eher sie sagt es nur, weil sie uns beschwichtigen will. Sie hat es ja vor ein paar Monaten auch geschafft einfach aufzuhören.

Ich hatte sie heute früh angerufen und ihr gesagt das ich bei ein paar Wohnungsgesellschaften angerufen habe und es sein kann das sie in den nächsten Tagen Besichtigungstermine hat. Sie solle zusehen das sie wieder fit wird. Heut Nachmittag hat mich meine Schwester angerufen und erzählt das unsere Mutter sie angeschnauzt hat, weil sie ihr Bier kaufen gehen sollte.

Ich denke ihr ist einfach momentan alles Zuviel, aber ich kann ihr ja keine Wohnung einfach herzaubern. Sie redet sich, denke ich einfach nur ein das sie den Alkohol brauch.

Kommentar von Tasha ,

Könnt ihr denn mit ihr mal etwas Entspannendes unternehmen, und wenn es nur ein Abendspaziergang ist? Hat man nicht sowieso vom Alkohol oft einen stärkeren Bewegungsdrang? Bewegung an der frischen Luft entspannt halt auch. Vielleicht gibt es in der Gegend ja auch einmalige Kurse von Familienbildungsstätten, VHS etc., so etwas wie "Tai Chi am Morgen" oder "gemeinsam Joggen" - je nach Interesse und Schwierigkeitsgrad - oder Vorträge etc., so dass sie mal rauskäme und sich entspannen könnte.

Antwort
von Herpor, 10

Ihr könnt eure Mutter nicht davon überzeugen, dass es besser ist, aufzuhören.

Sollte sie etwas für sich tun wollen, also bereit sein, dann könnt ihr sie auf AA ("anonyme-alkoholiker.de") im Internet verweisen. Dort sind Internet-Gruppen und reale Gruppen aufgelistet.

Ihr könnt aber für euch selbst etwas tun, wenn ihr in einer solchen Umgebung aufgewachsen seid.

Es gibt für die Kinder von Alkoholikern "Alateen" und für die Angehörigen "Al-Anon".

Bei der Mutter könnt ihr erst tätig werden, wenn sie sich selbst gefährdet oder andere. In ersterem Falle sind die Sanitäter oder der Notarzt zuständig, in letzterem die Polizei.

Das solltet ihr im Auge behalten, wenn es mal schlimmer mit ihr wird. Eine zwangsmäßige Einweisung geht auch nicht gleich beim ersten Mal. Daher ist es wichtig, mal damit anzufangen.

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