Frage von ElefantenBub, 67

Meine Mutter ist wahrscheinlich bipolar und sieht es nicht ein, was tun?

Mal liegt sie nur im Bett und jammert über ihre Lebenslage, ein anderes Mal flirtet sie mit jedem Mann, der ihren Weg kreuzt und kommt (obwohl sie verschuldet ist) mit einem Haufen unnützer Deko an und sagt: "Das ist doch alles voll schön." In den letzten 2 Jahren hat sie 15 Mal das Handy gewechselt und sieht ihre Krankheit nicht ein, da sie die Manien liebt.

In Reha war sie wegen einer anderen (körperlichen) Erkrankung, dort war alibimäßig 20 Min. pro Woche Psychotherapie. Meine Mutter konnte allerdings ihre Stimmungsschwankungen vor der Therapeutin verbergen, da sie eine ausgesprochen gute Schauspielerin ist. Antidepressiva nimmt sie bereits seit 2009, doch das macht die Manien noch schlimmer.

Was soll ich tun?

LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheTrueSherlock, 23

Hm.. schwierig.

Ich würde in der Situation das versuchen:
- mich zu ihr ins Bett setzen/legen, einen Arm um sie legen und behutsam das Thema ansprechen
- erzählen, dass du merkst, dass es ihr schlecht geht
- argumentieren, warum sie nicht gesund ist (jammert, liegt im Bett, Stimmungsschwankungen, ...)
- vielleicht von früher erzählen "früher warst du viel unternehmenslustiger - weißt du noch wie wir das und das gemacht haben"
- vielleicht im Internet zusammen nach den Symptomen googeln, so dass sie schwarz auf weiß vor Augen hat, dass sie diese Symptome einer Depression hat
- "Ich mache mir Sorgen um dich und möchte, dass es dir gut geht. Du brauchst keine Angst zu machen, ich unterstütze dich und wir können auch selbst zu einem Psychotherapeuten gehen. Möchtest du denn nicht so unbeschwert wie früher leben?"

- sie einfach mal an die Hand nehmen und mit ihr einen kurzen Spaziergang machen, so dass sie auch mal rauskommt. Nur daheim sein, ist sehr schlecht. Sie muss sich mal ablenken und das Gefühl haben, dass sie etwas an dem Tag gemacht hat.

- wenn sie es bisschen mehr einsieht oder zumindest schon mal offen mit dir über das Thema redet, würde ich vielleicht vorschlagen, dass du einen Termin bei einer Psychotherapeutin ausmachst und sie dahin begleitest (ich hoffe nur, dass sie dann auch an dem Tag mitgeht.. )

Versuche für sie da zu sein und ihr zuzuhören. Ich lese gerade, dass man bei einer Manie gesprächiger ist - vielleicht ist das ein guter Zeitpunkt, um dieses Gespräch zu beginnen. Versuche sie aber zu nichts zu drängen und sie nicht zu überfordern. LG :)

Kommentar von ElefantenBub ,

Hallo,

danke für deine umfassende Antwort. Das Problem ist, dass sie gegen die Depression ja 2 Paroxat täglich nimmt. Wenn ich sie dann darauf anspreche, blockt sie immer ab mit "Du bist bipolar" oder "Ach, wenn es doch wenigstens mal Manien wären!" und "Das liegt an meiner Situation!", da sie Hals über Kopf ihren Mietvertrag kündigte und nun droht die Obdachlosigkeit/Räumungsklage.

Die Depression sieht sie ein.

In der Manie redet sie hingegen nur über triviale und banale Alltagsdinge, dies in solch schnellem Wechsel, dass es schwindelerregend ist. Sie weiß zwar, dass es mich nervt und ist dann häufig außer Haus, da es trotz Einsicht nicht abstellbar sei.

Vielleicht treffe ich ja mal einen schwachen Moment, in der sie ihre Stimmungsschwankungen nicht auf das Leben schiebt, doch schließlich handelt es sich um eine Erwachsene, welche ohne Eigenmotivation nicht genesen wird.

LG

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Ja, klar, aber auch ein Erwachsener muss bei psychischen Problemen mal an "die Hand genommen" werden ^^

Versuche es mal.

Ist doch schon mal gut, dass sie die Depression einsieht. Sie nimmt Medikamente, aber ist nicht in Behandlung?? Davon halte ich gar nichts.. Ich befürworte Medikamente nur, wenn man parallel dazu eine Therapie macht und ohne Medikamente nicht in der Lage dazu wäre.

Alles Gute :)

Kommentar von vonGizycki ,


Ich heiße übrigens Rüdiger ;-)

Du kannst es versuchen, aber Du darfst nicht erwarten, das sie tut, was Du möchtest.

Eine amtlich bestellte Betreuung wäre auch ein Weg, dazu könntest Du einen Antrag ausfüllen, der beim Amtsgericht erhältlich ist. Dann gibt es eine Person die kommt und das prüft.

Aber in diesem Falle ist es wohl aussichtslos. Es ist aber dann nicht aussichtslos, wenn sie einen Suizidversuch macht und man auch angeben kann, das dort, wo die Verdachtsdiagnose über Deine Mutter erstellt wurde, das Thema einer bipolaren Störungen schon mal erwähnt wurde. Das kann helfen.

Nochmal:

Du kannst Deine Mutter nicht therapieren oder einsichtsfähiger machen! Auch nicht über Argumente! Sie könnten sogar, selbst wenn sie vernünftig sind, als unzulässigen Eingriff in ihre Privatsphäre verstanden werden.

Die Krankheit verhindert das. Den Weg, wie Du Dich verhalten solltest, schilderte ich schon.

Elefanten Bub, nimm das bitte ernst und wörtlich, denn ich habe Erfahrung darin!

Ich bin mir sehr bewusst, das es sehr schwierig wird für Dich, allein schon deshalb, weil Du ja auch Emotionen hast und lernen musst, Dich unter Kontrolle zu halten. Dafür ist dann wieder die Selbsthilfegruppe gut, die Dich emotional auffangen kann. Ich kann in jedem Falle Dir nachfühlen, wie es Dir geht -  ganz sicher!

Arrangiere es irgendwie, es ist wichtig!


... doch schließlich handelt es sich um eine Erwachsene, welche ohne Eigenmotivation nicht genesen wird.

Das stimmt zwar, aber dies ist kein Grund Deine eigenen Grenzen unzulässig zu überschreiten, das überfordert Dich und macht Dich noch zusätzlich krank. Für den Rest ist sie selbst verantwortlich!

Du darfst die eigenen Grenzen nicht aus dem Auge verlieren, denn Du kannst nur tun, wozu Du in der Lage bist, mehr nicht. Das hat nichts mit Unfähigkeit zu, denn jeder hat Grenzen, die er um seiner selbst Willen beachtet zu beachten hat.

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Danke für den Stern :)

Antwort
von Rendric, 32

Fehlende Krankheitseinsicht ist typisch für manisch depressive Menschen. Vorallem die Manie will keiner Wahrhaben und als solche sehen.

Zu empfehlen, wäre eine Betreuung für den Berech Finanzen. Ihr den Geldhahn zudrehen, damit sie sich und alle Angehörigen nicht in den Ruin treibt.

Eventuell auch eine Betreuung in anderen Bereichen.

Kommentar von ElefantenBub ,

Wie soll ich ihr bitte schön den Geldhahn zudrehen? Neuerdings hat sie von IKEA eine Ermahnung bekommen, da sie ihre Family Card überzogen hat. Diese wurde einfach zerrissen und vertuscht.

Sie meint, bei ihr gäbe es nichts zu holen und demzufolge könne ihr ja keiner was.

Kommentar von Rendric ,

Du kannst ein Gerichtsverfahren einleiten. Das ist für Betreuung der übliche Weg. Der Richter entscheidet, wer die Betreuung übernimmt und welche Bereiche betreut werden.

Es ist sicherlich das beste.

Kommentar von ElefantenBub ,

Danke für den Anreiz, ich werde mich dort allerdings vorher mit beschäftigen müssen, da das schon ein großer Schritt ist.

In ihrem Elternhaus sprach man nie über Gefühle, weshalb sie auf fremde nur lebhaft oder zurückhaltend wirkt und mir wer weiß was antun würde, wenn ich ihr das Konto sperren ließe. Außerdem: Braucht man dafür keine Diagnose oder ein Gutachten, dass sie verantwortungslos mit Finanzen ist oder genügt ein verschuldetes Konto?

LG

Kommentar von Rendric ,

Nein, eine Diagnose muss schon vorliegen.

Voraussetzung zur Betreuerbestellung ist eine psychische Krankheit oder eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung, sowie die Völljährigkeit.

Kommentar von vonGizycki ,

Dazu müsste sie Zugriff auf andere Konten haben. Ansonsten ist sie selbstverantwortlich. Sie muss sich behandeln lassen und jede Folöge, die dazu führt, ihr mehr Probleme ui bringen, ist auch eine Chacce zu erkennen, das es nicht mehr so weitergeht.

Antwort
von vonGizycki, 28

Grüß Dich ElefantenBub!

 Was heiß das wahrscheinlich bipolar? Anscheinend gibt es darüber keine klare Diagnose. Oder?

Ich möchte auch gerne wissen, wie alt Du bist! Davon hängt eine weitere Beantwortung Deiner Frage ab.

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Kommentar von ElefantenBub ,

Hallo,

da ich (17 J.) selbst psychische Probleme habe und in Behandlung war, wurde ich dementsprechend dort dazu aufgefordert, bezüglich der Familienanamnese Informationen zu offenbaren.

Nach meinen Erzählungen meinte die Psychologin, meine Mutter könne eventuell bipolar sein. Anschließend habe ich mich ausgiebig über dieses Störungsbild und entsprechende Differentialdiagnosen (ADHS, NPS) informiert und finde, manisch-depressiv passt am besten ,zumindest Zyklothymie.

Natürlich muss auch ein Genesungswille vorhanden sein, sonst läuft gar nichts, da liegt der Knackpunkt.

LG

Kommentar von vonGizycki ,

Vielen Dank für die Rückmeldung.

Mit 17 Jahren bist Du noch minderjährig. Es ist sicher von Vorteil, Dich bei einer Selbsthilfegruppe anzumelden.

http://dgbs.de/nc/selbsthilfe/selbsthilfegruppen/liste-selbsthilfegruppen/

Lies es Dir durch und gebe die Postleitzahl Deiner Stadt ein, in der wohnst und in wieviel km im Umkreis Du suchen möchtest. Selbst wenn es nur ein Verdacht ist, das Deine Mutter eine bipolare Störung hat, so bist dort auf jeden Fall aufgehoben. Unter Umständen musst Du reisen, aber aber das ist auf jeden Fall besser, als zu Hause hilflos und ohne seelische Unterstützung die Situation auszuhalten.

Deine Mutter kannst Du nicht therapieren und auch nicht ändern. Der einzige Gesunde bist Du und deshalb solltest Du Deine Lebensumstände daraf ausrichten. Jede Ermahnung, jeder Vorwurf, jede Beleidung und jede Aggression gegenüber Deiner mu8tter oder andere Tricks, sie zu einer Verhaltensänderung zu bringen ...

... sind nutzlos!

Ich muss es so deutlich sagen.

Das soll Dich aber nicht erschüttern, nach Hilfe für Dich selbst zu suchen.

Das ist der einzige Weg, den Du einschlagen kannst, gleichgültig ob Du minderjährig oder schon mündig bist.

Bedenke, sie ist krank und die Erschei8nungen der wahrscheinlichen bipolaren Störung´ist der Ausdruck dieser Erkrankung. In jedem Falle sind Äußerungen, die gegen Dich gerichtet sein könnten, so nicht gemeint. Du bist es nicht, der gemeint ist, sondern die Krankheit drückt sich so aus.

Deine Mutter kann nichts dafür. Sie müsste therapiert werden, aber man kann sie nicht mit Gewalt dazu zwingen. Es bleibt Dir nur übrig ihr zu sagen, wie Du Dich fühlst und zwar so, das alles vermieden wird, das darin ein Angriff enthalten ist. Aber Du solltest, was Deine Gefühle angeht schon absolut wahrhaftig sein und nichts beschönigen.

Nur über diese verhaltensweise gibt es eine Chance, das sie merkt, das es so nicht weitergeht mit ihr. Wann diese Chance ergriffen wird, steht in den Sternen.

Wenn Du mündig bist und es zu Hause nicht mehr aushältst, dann sollte der Gedanke zwingend sein, sie zu verlassen und auszuziehen. Das bedeutet, das Du selbst über die Erkrankung Deiner Mutter früher als andere möglicherweise Erfahrungen machst, die Dich selbstständiger macht.

Der Kontakt zur Mutter sollte nicht unterbrochen werden, aber Du musst Dir selbst die Grenzen setzen, die Du für Dich jedoch nicht gegen Sie brauchst.

Ich hoffe, dass Du bald die Hilfe bekommst, die Du Dir wünscht und adäquat ist.

Zum Schluss:

Die Krankheit Deiner Mutter kann für Dich eine Chance werden, das Leben intensiver und tiefer genießen zu können. Und je eher das von Dir erkannt wird, desto früher wirst Du erwachsen.

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Antwort
von JaniXfX, 6

Hallo Elefanten Bub,

das ist ein sehr sehr schwieriges Krankheitsbild. Tut mir zuerst mal leid für Dich - auch wenn Dir das grad nicht hilft. Es zeigt sich immer wieder, dass manisch-depressive Patienten in Zeiten der Traurigkeit Hilfe annehmen wollen und etwas bewegen, aber in Zeiten der Manie geht es ihnen so gut, dass sie von diesem Weg nicht abzubringen sind. Hohe Verschuldung (bis zu mehreren 100.000 binnen einer Woche sind möglich) kann in solchen Hochphasen auftreten. Auch weisen sich solche Patienten ständig selbst aus (aus der Therapie entlassen) und sind damit schwierig behandelbar.

Was kann man als Angehöriger tun? Nicht viel. Das Krankheitsbild ist in professionellen Kreisen schwer genug - das Ziel kann nur darin liegen, Phasen der tiefen Depression zu nutzen, um sie in solche Therapie zu bewegen.

Du solltest aber etwas für Dich tun! Hast Du eine Person, mit der Du darüber sprechen kannst? Vater, Onkel, Tanten, gute Bekannte? Es wäre wichtig, Dich in gewisser Weise unabhängig von Deiner Mutter zu stellen. Das betrifft zum Einen die wirtschaftliche Situation (es kann nicht sein, dass Du obdachlos wirst oder sich Deine Mutter überschuldet und Dich damit gefährdet) und zum Anderen Dein leibliches Wohl (psychisch kranke Eltern haben nachweislich einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Kinder - und das hast Du bereits erlebt). Das ist ein rundum belastendes Umfeld, in welchem Du lebst - Du brauchst Unterstützung! Wenn es das alles nicht gibt, ist vielleicht ein Sozialarbeiter hilfreich. Ich würde aber, bevor ich das Jugendamt einschalte, erst zu Unterstützung für Dich raten (Du brauchst jemanden, der Dir beisteht und Dir Hilfe gibt).

Antwort
von Midnight1999, 5

Solange sie sich nicht helfen lassen will, bist du leider ziemlich machtlos.

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