Frage von VexinDevil, 87

Meine Mutter ist schlimm alkoholkrank, was kann ich tun?

Guten Abend, Ich bin komplett ratlos..Ich bin 20 Jahre alt und wohne schon mit meinem Freund zusammen, dennoch holt mich meine Vergangenheit dauernd ein.. Seit dem ich denken kann ist meine Mutter schwer alkoholkrank.. Hat einfach eine grauenhafte Kindheit und ein schlimmes leben gehabt. Jahrelang gab es Rückfälle, klinikaufenthalte, Entgiftungen und so weiter, meine Schwestern und ich sind damit aufgewachsen und mussten oft schreckliche Dinge mit ansehen. Vor 3 Jahren war sie dann trocken. Wir haben uns riesig gefreut weil sie es so lange durchhielt. Seit einer Woche allerdings trinkt sie wieder exzessiv. Mein Vater kann nicht zu ihr durchdringen, meine Schwestern und ich auch nicht. Wir wollen alle dass sie wieder entgiftet und in eine Klinik geht, nur will sie das nicht, wir können ja noch nicht mal den Rettungsdienst holen, wenn sie nicht mit will dürfen sie sie ja nicht mitnehmen.. Bin echt irre verzweifelt, wie schon gesagt kann keiner zu ihr durchdringen, und ich hab angst dass noch was passiert.. Das andere Problem ist dass sie handgreiflich wird wenn man ihr den Alkohol weg nimmt, mein Vater hat es schon versucht aber dann geht sie gegen ihn. Was kann ich tun, wen kann ich kontaktieren und vor allem.. Kann ich überhaupt irgendwas tun? Vielleicht haben ja hier schon ein paar Leute ähnliches erlebt, wäre dankbar über ein paar Tipps..

Antwort
von conelke, 22

Das tut mir sehr leid, dass Du das so in Deiner Kindheit und Jugend erfahren musstest. Es muss sehr schlimm sein, mit einem Alkoholiker zusammen zu leben.

Leider kannst Du gar nichts machen, wenn Deine Mutter nicht will. Zwangseinweisen könnt Ihr sie ja nicht. Eine Entgiftung macht nur Sinn, wenn sie es auch will, sonst bringt das nichts.

Der psychische Leidensdruck ist auch für Dich enorm. Du siehst den Verfall Deiner Mutter und stehst machtlos daneben. Damit muss man auch erst einmal fertig werden. Doch eines muss Dir klar sein - DU kannst nichts dafür - es ist nicht Deine Schuld! Deine Mutter hat ihr Leben nicht im Griff, warum auch immer das so ist. Es ist so einfach nach der Flasche zu greifen und so schwer, sich dagegen zu wehren. Normalerweise müsste man sie tief fallen lassen, auch wenn sich das gemein anhört, aber so lange noch jemand um sie herum ist, der sich kümmert und alles versucht, ist der Drang etwas zu ändern nicht groß, vermutlich ist es ihr sogar egal. Ich frage mich, wie Dein Vater das nach wie vor aushält.

Ihr könnt nichts weiter tun, als es ihr anbieten eine Therapie oder einen Entzug zu machen, die Entscheidung dazu, muss sie selbst fällen. Versuche Dich abzugrenzen, lass' es nicht zu sehr an Dich heran - ich weiß einfacher gesagt als getan, aber Du musst auch an Dich denken. Es ist schon mal gut, dass Du aus diesem Dunstkreis entkommen konntest und nun Dein eigenes Leben lebst. Die Frage ist, wieviel Schaden Du und Deine Schwester schon davon getragen haben.

Kommentar von VexinDevil ,

Vielen Dank, jetzt seh ich das ganze ein bisschen anders!

Kommentar von conelke ,

Es freut mich, wenn ich Dir mit meinem Beitrag eine andere Sicht auf die Dinge ermöglichen konnte. Man muss sich einfach auch mal bewusst machen, dass der Alkoholiker eine Familie zerstört oder zerstören kann. Dass auch die Familienangehörigen die Leidtragenden sind und immer auf einem Pulverfass sitzen. Kein schöner Gedanke und auch kein schönes Leben. Wenn der Alkoholkranke Einsicht zeigen würde, sich von Herzen wünschen würde, etwas ändern zu können, einsieht, dass es an ihm liegt, dann ist man vermutlich auch gerne bereit zu unterstützen. Aber in Deinem Fall ist Schadensbegrenzung angesagt. Ihr habt so viele Jahre durchgehalten und unterstützt. Irgendwann kommt der Punkt, da muss man an sich denken. Ich hoffe, Du schaffst das.

Antwort
von Giwalato, 12

Es ist schlimm, was Deine Mutter Euerer Familie antut. 

Alles was ihr jetzt noch tun könnt, ist Euch selbst zu schützen. Ihr seid nicht verpflichtet, dabei zuzusehen, wie sie sich selbst zugrunde richtet. Das schließt auch Deinen Vater mit ein. 

Die einzige Chance, die ich sehe, ist, daß ihr als Familie komplett von ihr distanziert und zurückzieht. 

Solange sie nur eine Person hat, die sich kümmert, ihr Alkohol besorgt und die Flaschen aus Scham vor den Nachbarn wegbringt (Co-Abhängigkeit), hat sie keinen Druck, mit dem Trinken aufzuhören.

Wenn sie trinken will, soll sie dies alleine tun. Und sie sollte auch keinen Zugang mehr zu Konten haben, die nicht ihre eigenen sind.

Vielleicht bringt sie das zur Einsicht, sicher ist es nicht. Aber auch wenn sie sich zu Tode säuft, habt Ihr Euch nichts vorzuwerfen.

Ich wünsche Euch viel Kraft, stark zu bleiben. 

Aber wenn Du, Dein Vater und Deine Schwestern zusammenhalten, Euch gegenseitig, auch durch Gespräche miteinander, unterstützen und Deiner Mutter geschlossen die rote Karte zeigt, habt ihr eine Chance, das ganze zu überstehen.

Auch eine Psychotherapie für Euch als Familienangehörige einer Alkoholikerin ist sicher nicht verkehrt. Das könnt Ihr zusammen oder jeder für sich alleine entscheiden. 

Nicht nur Deine Mutter, auch Ihr habt durch ihre Alkoholkrankheit viel durchgemacht.

Alles Gute für Euch,

Giwalato 

Kommentar von VexinDevil ,

Vielen Dank für die liebe Nachricht, das Problem ist nur dass es meine Schwestern nicht mehr kümmert. Eine hat schon Kinder, die andere Karriere, sie wollen damit nichts zu tun haben, also schätze ich dass es an meinem Vater und mir liegt..

Antwort
von bikerin99, 16

Leider kannst du nichts machen, außer bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung Einweisung in die Psychiatrie.
Es ist schlimm, diese Situation auszuhalten, sich auch so hilflos zu fühlen, aber diese Erfahrung kennst du bereits von früher.
Mir fällt noch ein, wenn sie in eine Selbsthilfegruppe geht oder von irgendjemand anderen bei ihrer Trockenheit unterstützte, mit dieser Person Kontakt aufnehmen. Vielleicht hat diese Person eine Chance.

Antwort
von Ille1811, 14

Hallo!

Für Menschen wie dich und mich, die wir unter den Folgen der Alkoholkrankheit eines nahestehenden Menschen leiden, gibt es Al-Anon. Schau mal auf der Webseite Al-Anon.de nach einer Gruppe in deiner Nähe!

Es heißt zwar, dass Angehörige nichts tun können, dennoch können sie ihr Verhalten ändern und es dem Alkoholkranken damit unbequem machen, weiter zu trinken.

Bei meinem Mann hat es funktioniert, als ich das, was ich in Al-Anon begriff, zu Hause umgesetzt habe.

Antwort
von amdros, 16

Kann ich überhaupt irgendwas tun

...leider.. aber ich keine andere Antwort für dich als zuschauen müssen, wie sie sich langsam aber sicher zugrunde richtet!

Tut mir unendlich leid für dich/euch aber ich muß dir sicher nicht sagen..wenn sie absolut keine Hilfe zuläßt, sind allen anderen die Hände auch gebunden.

Antwort
von Beutelkind, 16

Hallo VexinDevil!

Sehr viele Möglichkeiten hast Du da leider nicht. Wichtig ist wohl, bei Dir zu bleiben, und das sollte die gesamte Familie beherzigen! Vielleich besucht Ihr alle gemeinsam mal eine Beratungsstelle, informiert Euch über die Erkrankung.

Beginne damit, Dir diesen Link genau durchzulesen:
http://www.a-connect.de/hilfea.php

Dann gibt es noch ein Buch, was ich Dir und vielleicht auch Deiner Mutter empfehlen möchte. Es heißt "Das Ende meiner Sucht" und ist von Olivier Ameisen. Das war ein französischer Kardiologe, selbst schwer alkoholkrank. Er entdeckte die Wirkung des Medikamentes Baclofen, welches inzwischen in Frankreich sehr erfolgreich bei der Behandlung von Alkoholismus eingesetzt wird. In Deutschland ist es leider noch nicht so bekannt wie in Frankreich, aber dennoch gibt es Ärzte, die es zur Behandlung einsetzen. Googel das mal und lese das Buch. Vielleicht wäre das etwas für Deine Mutter.

Ich wünsche Dir Mut und Gelassenheit!
Alles Gute für Euch!

Beutelkind

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