Frage von mermaid13, 76

Meine Mutter hält mich für einen hoffnungslosen Fall - was tun?

Folgende Situation: Ich bin fast 14, weiblich und habe Autismus. Dazu bin ich ein extremer Hypochonder und bin in letzter Zeit auch richtig anstrengend für meine Mutter geworden (Pubertät usw.). In letzter Zeit sagt meine Mutter immer, dass ich ein hoffnungsloser Fall sei, weil ich mich einfach nicht traue, Menschen anzusprechen und Freundschaften zu pflegen oder einfach mal mit meinen Klassenkameradinnen auszugehen. Ich KANN es einfach nicht und meine Mutter versteht das nicht. Sie sagt ständig zu allen, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin, weil ich Autismus und Hypochondrie habe und ich halte das einfach nicht mehr aus. :( Ich fühle mich inzwischen wie ein schwarzes Schaf, da meine Mutter mir ständig dieses Gefühl gibt. :( Könnt ihr mir einen Rat geben, was ich tun soll? Ich glaube nicht, dass ich das noch viel länger aushalte. Ich habe mir schon überlegt, zu meinem Vater und meiner Stiefmutter zu ziehen, aber die wohnen weit weg und dann müsste ich meine Geschwister verlassen und die Schule wechseln, was ich nicht will. Was soll ich bloß tun? :( Mein Stiefvater macht mir übrigens auch die Hölle heiß... :(

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Antwort
von Pramidenzelle, 76

Ich bin selbst Autistin (Asperger) und würde dir empfehlen, mit deiner Mutter und deinem Stiefvater einen Gesprächstermin abumachen, wo wirlich alle Zeit haben, weil man das so schlecht in der Hektik des Alltags besprechen kann. Mach dir vielleicht auch einen Zettel mit den Dingen, die du ihnen unbedingt mitteilen willst, damit nichts untergeht, wenn du vielleicht ein wenig nervös im Gespräch bist.
Dass deine Mutter dich als hoffnungslosen Fall bezeichnet, geht einfach gar nicht, sie sollte dich unterstützen und für dich da sein. Du darfst nie vergessen, dass du nicht irgendwie schlechter bist, sondern nur eben anders als die anderen, durch deinen Autismus, lass dir da bloß nichts einreden. Sicher hast du dadurch einige Schwächen, aber bestimmt auch besondere Stärken!

Wie schon geschrieben wurde könntest du versuchen, für die Hyperchondrie eine Therapie zu machen. Allerdings solltest du dir dafür möglichst auch einen Therapeuten suchen, der etwas von Autismus versteht, sonst kann das nach Hinten losgehen.
Über die Idee, zur anderen Seite der Familie zu ziehen, solltest du am besten auch mit allen Beteiligten offen reden.

Antwort
von einfachichseinn, 16

Die Frage und das große Problem, was ich sehe ist die Frage, wie du dich selbst wahrnimmt.

Fühlst du dich selber schlecht wegen all dieser Dinge, die deine Mutter an dir kritisiert? Hast zu zum Beispiel das Bedürfnis nach Freunden?

Falls ja, dann solltest du in Erwägung ziehen dir einen Verhaltenstherapeuten zu suchen und gemeinsam mit ihm aufzuarbeiten, was dich daran hindert Freundschaften zu schließen und diese Verhaltensweisen "weg trainieren".

Wenn du sagst, dass du so wie du bist mit dir im Einklang bist, dann solltest du das auch so ganz deutlich klar machen. Für andere Menschen ist es ganz schwer nachvollziehbar, wenn jemand gerne alleine ist. Sie denken dann ganz oft, dass solche Personen einsam sein müssen und einsam kann man oft nicht glücklich werden. Ich hatte dieses Problem im Kindergarten. Freunde brauchte ich damals nicht. Ich hatte auch nie das Gefühl einsam zu sein. Ich war mit mir völlig zufrieden.

Vielleicht hilft dir und deiner Mutter ein Gespräch auf neutralem Boden, mit Hilfe eines Moderators. Also einer neutralen Person, die dabei hilft ein streitfreies Gespräch zu führen. Solche Angebote gibt es im Jugendamt oder auch von der Erziehungshilfe der Caritas. Vielleicht klappt so etwas auch in der Autismus-Abulanz. Da müsstest du bei Interesse mal im Internet schauen, was es bei euch in der Nähe gibt.

Antwort
von Sabiatrenborns, 56

Das ist nicht ok von Deiner Mutter, das ständig vor allen Leuten auszubreiten. Hast Du das mal in einem 4 Augen Gespräch gesagt? Du wirst lachen, meine Tohter war erst 5 Jahre alt und als ich mal wieder ner Freundin erzählt habe, wie grauenvoll sie als Baby geschlafen hat und was ich für einen enormen Schlafmangel hatte über Monate, kam sie, nachdem die Freundin gegangen war, und schaute mich an und meinte "Mama ich möhte das nicht, das Du mit anderen Leuten über mich sprichst".

Daraufhin war ich so sehr übrrascht, das sie mir so eine klare Ansage gemacht hat, das ich das nie mehr getan habe,

Vielleicht wäre das auch mal heilsam bi Deiner Mutter. Du musst allerdings versuchen Stellung zu beziehen, sie fest dabei anzuschauen und ihr unbdingt klar machen, wie sehr Dich das verletzt.

Das tut einem richtig leid, wenn man liest was Du schreibst.

Ich wünsche DIr nur das Beste ... LG

Kommentar von Sabiatrenborns ,

Außerdem: Hoffnungsloser Fall ... sowas sagt die eigene Mutter. Die Mutter müsste doch diejenige sein, die immer Hoffnung für ihr Kind hat ...

Antwort
von BarbaraAndree, 68

Hast du keine Person deines Vertrauens, vielelicht dein Arzt oder jemand anderes, mit dem du deine Sorgen besprechen kannst? Wichtig ist, dass diese Person mit deiner Mutter und Stiefvater einmal in Ruhe ein Gespräch führt und ihnen klar macht, dass sie dich nicht unter Druck setzen sollen, weil du deinen Weg schon gehen wirst. Dich von vornherein "platt" zu machen, ist garantiert der falsche Weg! Vielleicht zeigst du ihnen auch mal diesen Link, der ihnen hilft, dich besser zu verstehen:

http://www.sozialtrainer.de/fernkurse/autismusbegleiter/

Kommentar von Pramidenzelle ,

Ist dir aufgefallen, das dahinter ein Kurs für mehrere hundert Euro steckt? Da würde ich doch eher in eine Hand voll Bücher zum Thema investieren ...

Antwort
von Asixc, 55

Das ist echt nicht fair von deiner Mutter, so mit dir umzuspringen. Wenn reden nicht mehr hilft, wuerde ich echt an deiner Stelle drueber nachdenken zu deiner Stiefmutter zu ziehen. Wenn sie nicht versteht, was sie da eigentlich bei dir ausloest, wird das die einzige Loesung sein. :/

Antwort
von BigBen38, 51

Also diese Hypochondrie muss irgendwie verursacht sein...und daran solltest Du arbeiten...

Ggfs mittels Therapie ...dabei könnte auch Dein Authismus verbessert werden...

Authisten haben auch Vorteile...

So sind sie kreativer als andere Menschen ...Du auch ?

Vlt kannst Du nämlich genau damit punkten...

Indem Du zb in einen Kunstkurs gehst, malst oder modellierst ...musizierst...

Dort Anschluss an andere kreative Menschen findest ...

Gemeinsame Interessen verbinden halt.

Deine Mum hingegen sollte verstehen, das es Dir schwerfällt und sich mit Dir über kleine Fortschritte freuen...statt Dir druck zu machen...

Kommentar von Revic ,

...dabei könnte auch Dein Authismus verbessert werden...

Wie etwas weiter oben schon erwähnt wurde, sollte eine Therapie nicht dazu dienen, um jemanden weniger autistisch zu machen, sondern ein geregelte(re)s Leben zu ermöglichen und Stärken fördern. Das h ist hier übrigens fehl am Platz, nur so nebenbei.

So sind sie kreativer als andere Menschen

Wo hast du denn das aufgeschnappt? In der Regel haben Autisten sogar große Probleme damit, sich Dinge eigenständig auszudenken oder vorzustellen (Beispiel Rollenspiele), was meiner Meinung nach die Grundpfeiler der Kreativität darstellen. Was vllt. in Bezug auf Autismus mit Kreativität verwechselt werden könnte wäre die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Dies rührt aber eher von einem sehr ausgeprägten logischen Denken und dem Erkennen und Einbeziehen von Details, welche anderen Menschen vllt. nicht aufgefallen wären.

Kommentar von halbsowichtig ,

Wo hast du das denn aufgeschnappt? Autisten fallen häufig durch ihre extreme Kreativität auf. Sie denken sich alles neu aus, statt andere Leute nachzuahmen.

Antwort
von halbsowichtig, 13

Zieh in den Osterferien probeweise zu deinem Vater. Vielleicht funktioniert das Zusammenleben dort besser.

Deine Mutter will dich anscheinend nicht verstehen. Sie hatte genug Zeit, sich über Autismus schlau zu lesen und mir dir zu reden. Dass sie trotzdem noch an dir herum meckert, statt deine Eigenarten zu akzeptieren, sagt eigentlich alles.

Leider wollen viele Eltern nicht einsehen, dass ihr Kind anders als sie selbst ist. Dann wird dran herum gezerrt, gemotzt und getadelt, statt einfach mal das Positive daran zu erkennen. Autisten haben auch Vorteile gegenüber "Normalen" - aber behindertenfeindliche Eltern sehen nur die Nachteile und blenden die Talente ihrer Kinder aus.

Also besinne dich auf deine Talente und Stärken! Mach was du gut kannst, meide dafür was du schlecht kannst. Wenn deine Mutter das nicht kapiert, dann eben bei deinem Vater oder im abgeschlossenen Kinderzimmer.

Antwort
von DeadlineDodo, 48

Versuch mal Freundschaften mit dem Internet zu schließen. 

Kommentar von mermaid13 ,

Und was soll mir das in der Situation bringen?

Kommentar von DeadlineDodo ,

Ka. Hast vielleicht welche mit denen du darüber reden kannst und wenn dich deine Mutter skypen hört denkt sie, dass du doch kein angeblicher hoffnungsloser Fall wärst.

Antwort
von Sahaki, 45

Hast du dich schon mal mit deinem Vater ausgetauscht??

Kommentar von mermaid13 ,

Nein.

Kommentar von Sahaki ,

Dann sprich doch erst mal mit ihm - er ist ja schließlich dein Vater und er sollte sich auch um deine Probleme kümmern

Antwort
von Sinea99, 66

Hallo, es tut mir leid, aber die Ratschläge, die man dir hier geben möchte, wirst du nicht annehmen....wollen, weil du nicht glaubst, oder nicht glauben  kannst / willst,  dass sie dir helfen können. Warum das so ist, könnte nur ein Psychotherapeut mit dir in harter Arbeit  aufarbeiten, so, das  du lernst besser damit zu leben und umzugehen. Mit dem, was deine Mutter sagt, hat sie nicht ganz unrecht, aber trotzdem sollte sie so etwas nicht sagen. Rede doch mal mit ihr und sage ihr, wie du das fühlst.

Normal fängt Autismus schon im Kindesalter an und da wundere ich mich, dass du nichts von Ärzten und Therapeuten erwähnst.  

Kommentar von mermaid13 ,

Wie kommst du darauf, dass ich die Ratschläge nicht annehmen würde? Natürlich nehme ich sie an.

Kommentar von mermaid13 ,

Übrigens war ich schon bei Therapeuten und in zwei Therapien (gegen den Autismus) und es ist auch schon etwas besser als früher, aber richtig geholfen hat es nicht.

Kommentar von Pramidenzelle ,

Dein Autismus wird auch von keiner Therapie weggehen. Jede seriöse Therapie sollte nicht versuchen, dich weniger autistisch zu machen, sondern dir helfen, mit deinen Schwächen besser umzugehen und mit deinen Stärken so viel woe möglich zu erreichen.

Kommentar von mermaid13 ,

Ich werde auch nie wieder in solch eine komische Tagesklinik gehen, denn dort musste ich immer unter anderen sein und das war schrecklich.

Kommentar von Pramidenzelle ,

Wow, du findest, die Mutter hat nicht ganz Unrecht? Da bin ich aber der Meinung, das du absolut Unrecht hast! Ein Autist ist "von sich aus" noch lange kein hoffnungsloser Fall, sondern höchstens dann, wenn ihn die Umgebung dazu macht ...
Ach ja, und Autismus fänge auch nicht "normalerweise im Kindesalter an", sondern ist angeboren, nur die Auffälligkeiten beginnen meist im (Klein)Kindesalter.

Kommentar von Sinea99 ,

Nun, der Ausdruck hoffnungsloser Fall hört sich wirklich sehr abwertend  an und er sollte bei keiner Krankheit benutzt werden, auch nicht von mir.  Und doch stimmt es, dass wenig Hoffnung besteht, Autismus zu heilen. Ich kenne den Fall nur von Bekannten und kann auch nur das weitergeben, was man mir sagt und wie ich es erlebe.

Eigentlich kann da jemand, der nicht betroffen ist gar nicht mitreden, weil man alles, was Nerven und Psyche betrifft,  nicht nachempfinden kann und deshalb nicht versteht.. Wenn  dann  die Umgebung dementsprechend reagiert, ist das vielleicht nicht böse gemeint, sondern nur aus Unkenntnis einfach oberflächlich gesagt. Ich denke, das ist für beide Seiten schwierig.

Kommentar von halbsowichtig ,

Hey Sinea, hör doch einfach auf, hier die Leute zu beleidigen! Es gibt genug Fragen auf dieser Plattform, von denen du mehr Ahnung hast. Tob dich lieber dort aus.

Kommentar von Pramidenzelle ,

Autismus zu heilen sollte aber auch überhaupt nicht das Ziel sein - wenn dass die Hoffnung der Mutter war, dann ist nicht das Kind der hoffnungslose Fall, sondern einfach nur die Mutter absurd schlecht aufgeklärt worden - und eine Mutter sollte eingentlich schon etwas mehr als oberflächliche Unkenntnis zum Thema vorweisen können.

Nicht nur Autisten, sondern auch Forscher stellen inzwischen in Frage, ob Autismus, zumindest in seinen leichteren Ausprägungen, überhaupt als "Störung" bezeichnet werden kann, oder ob es nicht viel eher eine seltene Normvariante ist.
Da ich zufällig nunmal Betroffene bin, kann ich sagen, dass ich, nachdem ich gelernt hatte, wie ich damit umgehe, in vielen Lebensbereichen sogar weniger Schwierigkeiten als die meisten Menschen in meinem Umfeld habe und mit den eigenen Schwächen muss man sich genauso arrangieren wie andere Leute damit, dass sie eben mies in Mathe sind, oder so etwas in der Art - natürlich wird das Arrangieren schwieriger, je stärker man subjektiv eingeschränkt ist, doch ich bin überzeugt, mit dem richtigen Umfeld ist es absolut möglich, ein glückliches, und alles andere als hoffnungsloses Leben zu führen.

Da gibt es im englischen Sprachgebiet übrigens einen wunderbaren Spruch, der zwar nicht für Autisten "erfunden" wurde, aber auch ganz gut passt:
"Ich bezeichne mich selbst als behinderte Person - weil es offen lässst, ob ich behindert BIN oder bloß von meiner Umwelt behindert WERDE."

Sicher hast du Recht damit, dass es für beide Seiten schwierig ist, aber das rechtfertigt es nicht, so etwas zu irgendeinem Menschen zu sagen. Besonders nicht zum eigenen Kind.

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