Frage von Lucyvia, 61

Meine Kleine Schwester ist Xenophob (Fremdenfeindlich) was soll ich tun?

Hallo,

ich hatte gerade einen absoluten Schockmoment, als ich meine kleine Schwester auf die momentan aktuelle Flüchtlingsthematik angesprochen habe, denn ihre Antwort lautete folgendermaßen "Ja, also ich weiß nicht, ich mag diese Ausländer ja auch nicht besonders" Ich finde das einfach entsetzend, unter anderem da meine Familie sehr tolerant ist und wir doch auch einen Migrationshintergrund haben. Natürlich habe ich sie sofort darauf angesprochen und ihre Argumente waren völlig irrational und unhaltbar, wobei sie das Thema allgemein nicht weiter behandeln wollte. "Man kann ja nie wissen ob die unter den weiten Gewändern nicht vielleicht doch eine Waffe tragen" war eines der Argumente, ein anderes war "Und, da sind halt all die Terroristen unter ihnen". Das letzte war dann "Ja wer weiß ob die uns eigentlich helfen würden oder ob sie uns Geld geben würden" ich habe ihr vehement widersprochen, aber sie igelte sich richtig gehend ein und begann mit "Ich bin nur ein Kind (14) ich darf denken was ich will!" und "Das ist halt meine Meinung, und es gibt keine richtige oder falsche Meinung" bis dann zu "Ich weiß halt viel zu wenig darüber und ich mag sie halt nicht weil ich nicht genug über sie weiß und außerdem will ich nicht diskutieren."

Ich weiß gerade echt nicht was ich tun soll. Gespräche blockt sie völlig ab, und sie lässt sich von ihrem Standpunkt keinen Millimeter abbringen. Aber ich habe total Angst, dass sich ihre irrationale Angst verhärten könnte und möchte ihr irgendwie klar machen, dass ihre Sorgen unbegründet sind, dass die Flüchtlinge uns nicht schaden wollen.

Was soll ich tun, was ist euer Rat?

Antwort
von Tasha, 13

Sie hat ihre Ängste ausgedrückt. Du hast ihr praktisch ihre Gefühle (Ängste) verboten. So kommt kein Gespräch zustande!

Sie hat Ängste, die gerade durch Medien und private Blogs/ Videos stark geschürrt werden und auch nicht ganz unbegründet sind. Nein, das heißt nicht, dass alle Flüchtlinge oder Ausländer oder muslimischen Männer böse und gefährlich sind. Aber Ängste werden nun mal generalisiert (zum Schutz, wir wissen doch: Man kann nicht erst mal den Löwen näher kommen lassen, um zu sehen, ob er evtl. friedlich ist...) und sind oft auch diffus (Angst vor Flüchtlingen - nicht vor bestimmten Flüchtlingen, nicht nur in bestimmten Situationen etc.).


Gestehe ihr ihre Ängste bitte zu!

Ja, sie darf Angst vor Ausländern und Flüchtlingen haben!

Sie darf und soll auch ausführlich über diese Ängste reden (dann werden sie schon mal etwas verarbeitet). 

Erst dann kannst Du anfangen, ihr Fragen zu stellen: Alle Flüchtlinge? Alle Ausländer? Was machen die genau? Kennst Du Ausländer, vor denen Du keine Angst hast? Kennst Du Moslems, vor denen Du keine Angst hast? Hattest Du schon friedlichen Kontakt mit (potentiellen) Flüchtlingen?

Und dann: Stelle Dir vor, wir müssten fliehen und würden in einem anderen Land aufgenommen, in dem Sitten und Gesetze ganz anders sind. Wir wären traumatisiert. Was würden wir beibehalten (z.B. Weihnachtsfeier, Familienrituale, heimisches Essen/ Lieblingsgerichte, wenn es geht, Lieblingsmusik hören, Webseiten aus/ über die Heimat aufrufen etc.).

Jetzt sind da muslimische Frauen mit Kopftüchern. Du würdest aber in einem anderen Land, in dem z.B. Frauen eher Röcke tragen, auch erst mal weiter mit Jeans rumlaufen. Ggf. ein Kreuz an einer Kette fragen, falls Du so etwas trägst. Ein T-Shirt anziehen, auf dem unter anderem eine Deutschlandflaggge zu sehen ist (Fußballfanshirt etc.).


Ja, es gab und gibt Übergriffe, und ja, viele davon sind sicher durch kulturelle Missverständnisse motiviert. Auf der anderen Seite können auch ganz normale Straftäter - Leute, die vorher in ihrer Heimat Diebe oder auch Vergewaltiger waren - als Flüchtlinge hergekommen sein. Unser neuer Nachbar könnte aber ebenso ein Schlägertyp oder Vergewaltiger sein. Man kann nicht vor allem Angst haben. Man muss differenzieren. Man kann Vorsichtsmaßnahmen treffen (spät nachts als Mädl nicht allein in bekanntermaßen riskanten Gegenden unterwegs sein etc.), aber man kann nicht alle verurteilen. Angenommen, der Nachbar war ein Vergewaltiger und hatte rote Haare. Hättest Du dann Angst vor allen rothaarigen Männern?


Ihre Sorgen sind übrigens NICHT unbegründet!

Es gab an verschiedenen Stellen Übergriffe von Flüchtlingen, und diese waren oft auch durch kulturell bedingte Vorstellungen (z.B. über Sittsamkeit von Frauen) begründet. Oder schlicht aus Frust, dass sich die Deutschen alles kaufen können, währen man selbst sein ganzes Geld für die Flucht aufgebraucht hat und jetzt nur ein paar Kröten hat.

Nimm ihre Angst ernst! Aber relativere sie.

In meinem Ort gab es vor ein paar Monaten einen Zwischenfall mit ein paar Flüchtlingen. Erst mal hatten viele Frauen Angst. Es wurde oft diskutiert, nur noch "sittsam gekleidet" raus zu gehen, um so etwas nicht zu provozieren. Und dann sah man die ganzen männlichen Flüchtlinge im Stadtzentrum - wo sie aus Langeweile und Mangel an Alternativen oft einfach rumlaufen - mit gesenktem Blick und misstrauischen Blicken. Die hatten auch Angst, dass man sie jetzt alle als potentielle Gewalttäter ansieht! Und die meisten davon waren ganz normale, freundliche, aber jetzt eingeschüchterte Menschen.

Wenn sie EIN Klassenkamerad mobbt, der auch andere Mitschüler mobbt, hat sie dann Angst vor allen Klassenkameraden? Allen Jungen in der Schule? Nein, nur vor diesem einen. Die meisten anderen sind ganz nett. Ähnlich ist es mit den Flüchtlingen und "Ausländern" halt auch (wir sind alle irgendwo Ausländer, nur einige Ausländer stehen und näher, weil unsere Kultur ähnlich ist, andere verhalten sich manchmal unverständlich für uns).

Lass sie über ihre Ängste rede, höre zu, und dann gib Denkanstöße. Lass ihr aber Zeit! Sie wird nicht sofort umdenken, weil sie sich erst mal an neue Gedanken gewöhnen muss. Das Thema Angst ist meist irrational. Hat dich einmal ein Hund gebissen, hast du erst mal vor allen Hunden Angst, das kannst du gar nicht beeinflussen. Selbst wenn jemand dir versichert, dass sein Hund lieb ist. Lass ihr also ihre Ängste so lange, bis sie selbst positive Erfahrungen gemacht hat oder ihr  Denken etwas ändern konnte.

Wichtig ist erst mal zu hören, dass man erstgenommen wird, dass der andere die Ängste versteht und nicht sofort dagegen redet, denn dann ist man mit seiner Angst alleine und sie verstärkt sich eher noch. Man muss sie quasi verteidigen. Man muss ja seine Gefühle haben dürfen und daher redet man immer wieder über die Angst in der Hoffnung, Verständnis zu finden. Erst nach Verständnis kann man offen für Vorschläge und andere Perspektiven sein.

Differenziere zwischen FremdenFEINLICHkeit und Angst. Fremdenfeindlichkeit: Ich hasse alle/ mag keine (Flüchtlinge, Ausländer etc.). Angst: Ich befürchte, dass die mir etwas tun. Das muss man erst mal respektieren und dann kann man in kleinen Schritten versuchen, die Angst abzubauen.

Antwort
von ShivaHaze, 17

Lass sie einfach in Ruhe.
Wie sie schon sagt, sie ist erst 14 und wird keine Lust haben ihre Zeit mit Diskussionen über etwas zu führen was sie nicht mag.
Vor allem wenn sie merkt wie stark du sie umpolen willst, niemand gibt sich gerne einer Gehirnwäsche hin wonach man etwas mögen soll was man vorher hasst.
Es ist halt ihre Meinung, entweder sie entscheidet sich von selbst dafür mehr über diese Situation nachzudenken oder sie bleibt mit ihren Gedanken halt bei Sachen die ihr wichtiger sind.
Natürlich stellt sie das ganze äußerst extrem dar, allerdings könnte sie auch nicht Unrecht haben, niemand hat konkrete Zahlen oder geprüfte Statistiken wie hoch die Gefahr ist, was uns erwarten könnte.

Menschen tut es gut andere Menschen als "weniger" anzusehen, dadurch steigt das eigene Bild.
Das sind ganz natürliche Sachen, die jeder von uns in gewissen Situationen selbst schon durchgemacht hat und durchmachen wird.

Solange sie ihre Meinung für sich behält und nicht aktiv losgeht Asylanten umklatschen kann sie denken was auch immer sie am glücklichsten macht.
Ich persönliche schließe mich ihr an - Mag zwar schockierend klingen aber ich habe mehr als genug mit meinen eigenen Augen gesehen.
Die Medien haben eh keinen Wert, aber wenn du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist würdest du dich wundern was hinter unserem Rücken passiert.

Das Leben ist hart - Gehirnwäsche ist falsch - Meinungsfreiheit ist ein Grundgesetz - Akzeptiere wie es ist. ;)

Antwort
von MonaxD, 21

Eine wirkliche Lösung fällt mir leider auch nicht ein. Aber such dir doch mal ein paar Artikel aus dem Internet raus, die vorallem die positiven Seiten dieses Problems vorzeigen. Sag dann während eines Gesprächs immer mal wieder: "Ach wusstest du, dass...?" und mach ihr immer mal wieder klar, dass sie sich vor Ausländern eigentlich nicht fürchten muss und sie auch keine Bedrohung darstellen. Oder zeig ihr, dass auch Deutsche keine reine Weste haben und mach ihr klar was wir (Deutschen) für einen Vergangenheit haben und wie schlimm es ist was damals passiert war und das alles nur wegen langsam aufgebauten Hass passiert ist.

Kommentar von Fordfahrer123 ,

Diese Taktik klappt garantiert, davon bin ich felsenfest überzeugt.

Also z.B. könnte sie mit ihrer Schwester das Gespräch ungefähr folgendermaßen beginnen: 

"Schwesterlein, heute ist ja schönes Wetter, gehn wir mal bißchen in die Stadt. Ach guck mal, da an der Ecke hatte mein Kumpel seinen Geldbeutel verloren, aber ein Syrer hatte ihn zum Glück gefunden und ihn zurückgebracht. Ganz anders als der Opa da drüben, der hat mal Steuern hinterzogen und das als Deutscher."

Kommentar von MonaxD ,

Ich bin mir gerade nicht sicher ob dein Kommentar ironisch gemeint war oder nicht. Egal :D

Antwort
von Daoga, 18

Frag sie mal, was sie tun würde, wenn sie in einem Land leben müßte, wo der eigene Präsident (Assad) Bomben auf die Zivilbevölkerung werfen läßt und man weder im eigenen Haus noch auf der Straße seines Lebens sicher ist. Wo miteinander verfeindete schwerbewaffnete Gruppen einander gnadenlos umbringen und man keinem Polizisten vertrauen kann, weil die alle miteinander korrupt sind. Wo Leute christlichen Glaubens von allen anderen Religionsrichtungen angefeindet werden, nur des Glaubens wegen. Ob sie in solch einem Land bleiben würde oder doch lieber woanders hin umziehen würde, wo kein Krieg herrscht.

Du kannst auch mal den Lehrer ihrer Klasse oder den Direktor fragen, ob der nicht in Sachen Flüchtlinge irgendwelche Projekte machen könnte, wie das Besuchen von Flüchtlingsunterkünften oder das Vorsprechen eines engagierten Flüchtlingshelfers vor der Klasse. Damit alle Kinder der Schule, nicht nur Deine Schwester, sich mal einen eigenen Eindruck bilden können und nicht nur auf Hörensagen, Nachrichten und Gerüchte angewiesen sind.

Antwort
von Fordfahrer123, 9

Was willst Du da machen? Sie hat ihre Meinung und Du hast Deine. Wir haben in Deutschland Meinungsfreiheit, dazu gehört auch, daß nicht jeder die Einwanderung hunderttausender Moslems begrüßen oder gutheißen muß.

Wenn sich die Flüchtlinge brav verhalten und es keine Vorfälle in eurer Stadt gibt, wird sie bald merken, daß ihre Sorgen völlig unbegründet sind ;)

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