Meine Freundin(15) wird Zuhause regelrecht ausgenutzt, was kann sie tun?

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6 Antworten

Nun hier geht es um zwei ganz verschiedene Dinge.

Zunächst mal: Ich persönlich halte es für völlig normal, wenn Kinder und Jugendliche im Haushalt mithelfen.Der Haushalt macht sich nicht von selbst und jedes Familienmitglied sollte seinen Beitrag leisten.

Es geht hier nicht ganz klar hervor, wieviel und wie oft konkret Deine Freundin helfen muss.Jedoch ist aufräumen, staubsaugen und putzen keine Arbeit, die ein fünfzehnjähriges Mädchen nicht machen könnte.

Sie sollte freilich genug Raum haben, um für die Schule zu arbeiten und auch Freizeit haben.Dennoch ist der Beitrag von Kindern -altersgerecht- völlig vertretbar. Zum Einen, weil sie ja auch im Haushalt leben, essen wollen, Wäsche produzieren und so weiter. Zum Anderen (und das halte ich für noch wichtiger), sollen junge Menschen im Elternhaus selbständig und lebensfähig werden. Dazu gehören auch Fähigkeiten im Haushalt.

Die Eltern sind dafür zuständig, ihre Kinder bis zum 18. Lebensjahr zu dieser Lebenstüchtigkeit zu erziehen. Danach sollten sie soweit sein, ihr Leben einigermaßen in die Hand nehmen zu können - sagen läßt sich ja dann eh kaum ein junger Mensch mehr Etwas...

Ich - meine Generation - hat früher im Haushalt selbstverständlich helfen müssen. Tisch abräumen, abtrocknen, (Zimmer) aufräumen, Staub wischen (wenn Samstags Hausputz war) u.a., mal den Müll rausbringen, Einkäufe erledigen, Wäsche aufhängen.., ein bisschen mal beim Kochen mithelfen und später bei mir z.B. auch bügeln (so ab 14).

Diese Fertigkeiten gehen mir heute als erwachsene Frau sehr leicht von der Hand und ich bin sehr dankbar, daß meine Eltern mir all das abverlangt haben. Es geht hier nicht um Sklaverei :-), sondern um ein gewisses Maß an täglicher Mitarbeit. Sie sollte selbstverständlich sein.

Unsere Großmütter gingen als 14-jährige in fremden Haushalten in "Stellung" wie man das nannte und machten dort den Haushalt um zu lernen. Nicht so ganz verkehrt wie ich finde - es muß ja nicht mit 14 sein und eine richtige Ausbildung ist heute natürlich selbstverständlich für eine Frau.

Nun ist wie gesagt nicht klar, wieviel sie tun muß. Wenn sie einmal oder zweimal pro Woche den Staubsauger schwingt, am Wochenende der Mutter putzen hilft oder Ähnliches (s.o.), halte ich das nicht für zuviel. Vorausgesetzt, sie hat noch Zeit zum Lernen und Freizeit!

Die Geschichte mit dem Bruder ist freilich ein anderes Kaliber. Ein so schlecht erzogenes Kind oder was auch immer, ist einer fünfzehnjährigen nur teileweise zumutbar. Sie hat gegenüber ihrem Bruder nicht die Autorität wie die Eltern und ist dementsprechend in einer schwachen Position.

Ich würde mal mit ihr klären, wieviel sie konkret machen muß und weshalb sie sich hier beeinträchtigt fühlt (zeitlich?). Sollte das der Fall sein, sprecht doch mal gemeinsam mit den Eltern. Oder sei wenigstens dabei. Eine andere Möglichkeit werdet ihr nicht haben.

Die Sache mit dem Bruder solltet ihr auch ansprechen. Versucht es. Sie ist nicht die Richtige, um ihren Bruder zu erziehen. (Wobei früher durchaus die älteren Geschwister oft auf jüngere aufpassen mußten und sie gar auch miterzogen haben...)

Das Jungendamt würde ich hier erstmal schön außen vor lassen. Solange keiner mißhandelt wird oder ähnliches, ist das ein bißchen heftig. Vielleicht gibt es in Eurer Stadt eine Telefonseelsorge. Die könntet Ihr anrufen und fragen. Möglich, daß ihr dort an die richtige Stelle vermittelt werdet um ein wenig Unterstützung zu erhalten. Vor allem wenn Deine Freundin solche Sachen sagt! Das ist natürlich schon ein bißchen besorgniserregend. Vielleicht gibt es da jemand, der Euch im Hinblick auf die Belastung durch den kleinen Bruder im Gespräch mit den Eltern Hilfe leisten kann.

Jedoch würde ich es zuerst selber probieren. Vielleicht gibt es einen guten Kompromiß, wenn ihr es ruhig ansprecht. Haushalt ok - aber mit Freizeit - Bruder weniger weil sie nicht damit fertig wird. Bekommt ihr das hin?

Alles Gute Euch beiden!

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Kommentar von 1Lynx1
28.07.2016, 17:17

Vielen Dank für deine Ausführliche Antwort, und was Haushalt betrifft macht sie eigentlich alles bis auf Kochen. Und es sind auch so Kleinigkeiten wie " Mach mal dies und mach mal das "in einem Maß was nicht mehr normal ist.

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Das klingt für mich einfach nach etwas strengerer Erziehung, aber die ist keineswegs falsch. Ich durfte daheim auch nicht das Haus verlassen ohne abgestaubt, gestaubsaugt, mein Zimmer aufgeräumt, die Spülmaschine ausgeräumt etc.. zu haben. In vielen Familien ist es eben nötig tatkräftig den Haushalt zu unterstützen, gerade wenn ein Elternteil den ganzen Tag am arbeiten ist und ein kleines Kind im Haus lebt. Da muss man auch als Teenager mal zurückstecken, über seinen Schatten springen und einfach tun was die Eltern sagen. Ich finds nicht schlimm.

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Kommentar von 1Lynx1
28.07.2016, 16:31

Ihre Mutter macht aber nichts außer Kochen, und das wars. Warum setzt man ein zweites Kind in die Welt wenn man sich dann nicht selbst drum kümmert?

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Können deine Eltern dem Jugendamt keinen anonymen Tipp geben, dass die Frau mit den Kindern überfordert ist?
Helfen im Haushalt ist ja schön und gut, aber alle Arbeit von sich zu weisen um selbst mehr Freizeit zu haben steht dazu natürlich in keinem Verhältnis.

Frage noch am Rande: Was ist eine Balance zwischen glücklich mit euch und ihr seid glücklich mit ihnen?
Das würde ja heißen, wenn die Balance ins Ungleichgewicht gerät, dass z.B. deine Eltern noch wesentlich glücklicher mit euch sind und ihr sie aber dafür umso weniger mögt und vice versa.
Also schlecht gewählte Analogie.

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Kommentar von 1Lynx1
28.07.2016, 17:12

Naja aber wenn die Eltern ihre Arbeit nur den Kindern zuweisen und selbst nichts tun, sind sie doch nunmal glücklicher weil sie nichts machen müssen, oder sehe ich das falsch ??

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Geh mal mit ihr gemeinsam ins Jugendamt.

Hilfe im Haushalt - schön und gut. Aber eben NUR Hilfe.

Und täglich auf den kleinen Bruder aufpassen geht gar nicht. Das ist Augabe der Eltern.

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§1619 BGB besagt, dass deine Freundin im Haushalt helfen muss, zumindest soweit es ihre Körperlichen und geistigen Fähigkeiten zulassen.

Diese Aufgaben, die sie erledigen muss fallen aber meiner Meinung nach nicht mehr unter Helfen, sondern ausnutzen.

Im Zweifelsfall das Jugendamt benachrichtigen.

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Kommentar von 1Lynx1
28.07.2016, 16:27

Um das eigentliche Helfen geht es nicht, sondern in dem Maß wie sie es machen muss. Aufjedenfall danke für deine schnelle Antwort..

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Was sie da tun kann? Da fragst du was...

So wie du es beschreibst gibt es hier nichts, was es berechtigen würde, Institutionen (Bsp.. Jugendamt) einzuschalten  und es scheint so, dass ein Gespräch mit den Eltern auch zu keinem Ergebnis führt, von dem Bruder ganz zu schweigen.

Ich würde eventuell mal mit einer Vertrauensperson, die dich und wichtiger,deine Freundin, kennt, evtl ein Vertrauenslehrer?

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