Frage von sunshineflows, 54

Meine Freundin mit Epilepsie kommt heute zu mir. Was soll ich tun, falls sie einen Anfall bekommt?

Hey Leute. Meine Freundin, die häufig Epilepsie bekommt, besucht mich heute. Ich weiß garnicht, wie ich reagieren soll, wenn sie so einen Anfall bekommt. Sie meint, dass ich beruhigt sein kann, aber man kann so einen Anfall ja nicht voraussagen. Falls sie wirklich einen bekommt, wie kann ich dann reagieren? Kann mir jemand von euch einen Tipp geben? Meine Mama macht das auch sehr nervös. Liebe Grüße

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Antwort
von GuenterLeipzig, 34

Du kannst nicht all zu viel machen.

Versuche die Freundin so zu lagern, dass sie beim Krampfen keine Gegenstände umwerfen und sich damit zusätzlich verletzen kann.

Eine etwas seitliche Lagerung wäre sinnvoll, um zu verhindern, dass die Zunge in den Rachen rutscht und der Speichel abfließen kann, sie daran nicht ersticken kann.

Vielleicht ein kleines Kissen unter den Kopf.

Dann kannst Du nur noch warten bis alles vorbei ist.

Für das Umfeld ist dasoft aufregender als für den Betroffenen selbst.

Oft in 20 min alles wieder im Lot.

Manche Epileptiker sind dann schon wieder voll da, einige etwas benommen, die Lebensgeister kehren langsam zurück.

Günter

Antwort
von Enzylexikon, 28

Hallo

Zunächst einmal solltest du sie fragen, ob sie Anfälle vorher bemerkt und ob sie ein Notfallmedikament hat. Niemand kann dir bessere Auskunft geben, als sie selbst.

Hier ein paar allgemeine Informationen.

Aura

Viele Menschen die Epilepsie haben, merken vorher, dass sie einen Anfall bekommen - etwa weil ihnen schwindelig wird, sie einen komischen Geschmack im Mund haben, oder Störungen im Blickfeld.

Diese "Vorwarnzeit" wird "Aura" genannt und du kannst sie natürlich fragen, ob sie ihre Aura bemerkt. Dann könnt ihr also teilweise noch rechtzeitig Maßnahmen treffen.

Manche Patienten haben auch Notfallmedikamente - beispielsweise ein Beruhigungsmittel, das als schnell auflösende Tablette unter die Zunge, oder in die Backentasche gelegt wird.

Anfälle

Es gibt sehr verschiedene Formen von Epilepsie und so können auch die Anfälle sehr unterschiedlich sein.

Das reicht von einer kurzen "Geistesabwesenheit" (so genannte "Absencen"), bei der die Person kurzzeitig nicht ansprechbar ist, bis hin zu großen Anfällen, bei denen der ganze Körper krampft ("grand mal" Anfälle).

Bei schweren Anfällen kann es auch passieren, dass die Person einnässt,

Notfallmaßńahmen

Das hier sind nur ein paar allgemeine Ratschläge. Abhängig vom Anfall sind sie unterschiedlich wichtig.

Keine Panik, Ruhe bewahren, Kleidung insbesondere am Hals lockern - und auf die Uhr gucken. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten, sollte der Rettungswagen gerufen werden.

Wenn die Person die Aura des Anfalls spürt, Kleidung lockern, der  Patient nimmt dann meist selbst schon Notfallmedikation ein (falls vorhanden).

Die Person auf den Boden setzten und ausreichend Platz schaffen. Gerade bei großen Anfällen stößt sich die Person sonst an Möbeln.

Je nach Anfall kriegen die Personen unterschiedlich viel mit vom Geschehen um sie herum. Beruhigendes Zureden ist praktisch nie verkehrt.

Taschentücher zum Speichel abwischen sind sinnvoll, damit die Person nicht zu viel schluckt.

Nach dem Anfall sind die Personen oft noch benommen und schläfrig, krampfen aber nicht mehr und reagieren auf einfache Ansprache, wie "ja/nein" Fragen.

Einen Eimer, falls die Person im Anschluss erbricht, was aufgrund der körperlichen Anstrengung durchaus passieren kann.

Es kann ohne weiteres sein, dass ein beendeter Anfall in einen extrem festen Schlaf übergeht. Eine leichte Decke, damit die Person nicht auskühlt, macht also Sinn.

Es gibt auch zwei ganz große "Bloß-nicht-machen"

Niemals die Bewegungen einschränken, die Person festhalten, oder fixieren.

Niemals etwas zwischen die Zähne schieben.

Das wird in einigen veralteten Erste-Hilfe-Ratgebern nämlich noch empfohlen, ist aber längst überholt.

Das wars soweit, wie man sieht, ist das wichtigste, sich vorab zu informieren - dann hat man auch nicht ganz so viel Angst.

Alles Gute. :-)

Kommentar von Malibu14 ,

ich habe vor den Sommerferien meinen erste Hilfe Kurs gemacht. dort wurde uns gesagt, dass man Holz zwischen die Zähne schieben soll damit sich der/die Epileptiker/-in nicht die Zunge abbeißt..

Kommentar von Enzylexikon ,

Tatsächlich? Das ist nicht mehr aktuell.

Man ist nämlich zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko sich auf die Zunge zu beißen weniger gravierend ist, als durch einen Keil zwischen den Zähnen versehentlich die Zunge in den Rachen zu schieben und so den Erstickungstod herbeizuführen.

Außerdem kann die Person ohne Keil leichter atmen und ggf. Speichel absondern. Auch die Gefährdung für den Ersthelfer ist geringer, wenn er nicht am Mund rumfuhrwerkt.

Früher wurde zB auch davor gewarnt nach dem Anfall Sauerstoff zu verabreichen - etwas das heute korrekterweise standardmäßig gemacht wird.

Antwort
von Malibu14, 39

Du musst ihr ein Stück Holz in den Mund stecken, damit sie sich nicht die Zunge abbeißt. Zudem darfst du sie nicht festhalten, da Epileptiker bei einem Anfall circa 10 mal stärker sind als im Normalzustand - sie könnte dir ungewollt beide Arme brechen. Wenn du ihr das Stück Holz in den Mund schiebst, achte darauf, dass sie dir nicht den Finger abbeißt! Das Stück sollte so groß sein, dass sie es nicht verschlucken kann, sonst droht erstickungsgefahr. Ansonsten kannst du ruhig auf sie einreden, halt aber Abstand! Falls etwas schlimmeres passiert, notarzt rufen! Viel Spaß euch beiden!

Antwort
von AnglerAut, 49

Ich bin mir sicher, deine Freundin wird dir nicht böse sein, wenn du sie höflich frägst, was denn am besten zu tun sei, falls sie einmal einen Anfall in deiner Gegenwart haben sollte.

Und ich bin mir sicher, sie kann dir die qualifizierteste Antwort für ihren Fall geben.

Antwort
von Harald2000, 42

Das kannst du dir am besten von ihr selber erklären lassen. Sie wird ja wissen, wie das bisher abgelaufen ist (ob einfaches Abwarten in Ruhe angebracht ist oder der Rettungswagen gerufen werden muss, die Eltern alarmiert werden sollen etc.).

Antwort
von Griesuh, 47

Dafür sorge tragen, dass sie sich nicht an Gegenständen verletzen kann und versuchen sie auf dem Boden zu lagern und zu beruhigen.

Antwort
von CAPTAlN, 53

Ihr helfen sich hinzulegen und gefährliche Gegenstände zur Seite räumen, damit sie sich nicht verletzt, wenn sie krampft.

Antwort
von MindShift, 37

Rede mal mit deiner Freundin darüber, die kann dir bestimmt gute Tipps geben :)

Antwort
von Gestade3, 11

Hallo,

die Antwort von Günter Leipzig stimmt haargenau, in jedem Detail !

Alles Gute

Antwort
von nocheinnutzer, 28

Platz machen, nicht berühren, auskrampfen lassen.

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