Frage von drumer06, 40

Meine Familie verurteilt mein Poker Spiel. Wie gehe ich damit um?

Hallo,

ich bin 19 J. und spiele gerne Poker. Meistens Online und alle paar Monate im Casino. Ich sehe das Spiel nicht als Glücksspiel sondern als Denksport. Ich liebe es Strategie zu lernen und mich zu verbessern. Teilweise lerne ich lieber Strategie als tatsächlich zu spielen.

Natürlich wäre es cool auch Geld damit zu verdienen aber mir geht es hauptsächlich um den Spaß an dem Spiel, die Herausforderung und den Nervenkitzel manchmal.

Ich habe ein wenig einkommen wodurch meine Verluste (die zwischen 30€ und 50€) im Monat liegen locker ausgleichen kann. Ich versuche diese Marke nie zu überschreiten. Ich sehe es als Entspannung- und Freizeitgestaltung.

Meine Familie sieht das anders. Als ich ihnen davon erzählt habe sind die richtig dominant geworden. Meine Schwester macht sich sorgen und hat es meinem Vater gesagt und der meiner Oma. Nun reden alle auf mich ein, dass ich damit aufhören soll weil ich ja süchtig sein könnte. Sie wollen nicht hören, dass es nur Poker ist und ich es in einem bestimmten Rahmen halte. Ich spiele noch nicht mal richtiges Glücksspiel wie Roulette oder Blackjack. Nur Poker.

Nun versuchen mir alle ein schlechtes Gewissen einzureden und sich in mein Leben einzumischen. Dabei spiele ich schon fast ein Jahr ohne pleite gegangen zu sein oder, dass jemand was gemerkt hat.

Nur meine Mutter versteht mich etwas und lässt mich auch wenn sie sich manchmal etwas Sorgen macht.

Wie gehe ich mit meiner Familie am besten um? Soll ich es lieber weiter verheimlichen? Soll ich weiter versuchen sie umzustimmen? Oder soll ich es versuchen umzustimmen?

Ich will nicht aufhören weil es mein Hobby ich und Spaß dran habe.

In meinen Restlichen leben habe ich davon keine Einschränkungen. Ich habe Freunde mit denen ich oft was mache, habe andere Hobbys und gehe immer zur Arbeit und kümmere mich um meine Zukunft.

Mehrere Online test die ich zur Selbstüberprüfung gemacht habe meinen ich wäre gar nicht bis leicht Suchtgefährdet.

Was denkt Ihr?

Über verständnisvolle und unvoreingenommenen Fragen würde ich mich sehr Freuen. Ich fühle mich von meiner Familie persönlich angegriffen und nicht verstanden wie als ob sie über mein Leben bestimmen wollen.

Vielen Dank vorab schon mal.

Antwort
von OnkelSchorsch, 7

Zeige deinen Eltern mal, was eine Eintrittskarte zu einem Fußballspiel (Sitzplatz) kostet. Da ist dann nämlich einmal ins Stadion ebenso teuer wie stundenlang mit einem reizvollen Spiel Spaß haben.

Ebenso ein Kinobesuch - mit An- und Abfahrt, Karte, Popcorn + Cola und danach noch eine Kleinigkeit essen oder trinken ist so ein Kinobesuch meist noch teurer.

Du gibst Geld für Freitzeitaktivitäten aus. Das tun andere auch. Du schädigst weder andere noch dich, da gibt es nichts zu kritisieren. Es darf nur nicht passieren, dass du mehr und mehr Geld zum Spielen ausgibst, denn das wäre dann Suchtverhalten.

Und nebenher wäre es sicher eine gute Idee, wenn du dich mal mit den theoretischen Hintergründen des Spiels befasst, damit du ans Geld kommst. Es gibt ja prima Pokerbücher.

Antwort
von Lupulus, 9

Ich finde deine Ausführungen klingen ziemlich gut, überlegt und (nicht böse sein) erstaunlich erwachsen.

Es ist mir unbegreiflich warum immer wieder sofort laut SPIELSUCHT gerufen wird, wenn jemand ein bisschen Spass haben will.

Alles kann süchtig machen. Spiele, Drogen, das Internet, Frauen (Männer auch, hab ich gehört), schnelle Autos, Sport, und sogar Arbeit. Und? Macht man sich Sorgen um dich, weil du einen Job hast? Vermutlich nicht.

Es bleibt deine Entscheidung. Wenn sich deine Familie damit nicht anfreunden kann, ist das ihr Problem. Dann sollen sie es eben unter Schmerzen ignorieren.

Vielleicht hilft es, wenn du den Ungläubigen die mathematischen und psychologischen Grundlagen des Spiels näher bringst und ihnen so zeigst, dass es eben nicht ein reines Glücksspiel ist sondern ein strategisches Geduldsspiel mit Zufallskomponente.

Oder wenn du ihnen das erzählst, was du hier geschrieben hast. Ich meine z.B. "Teilweise lerne ich lieber Strategie als tatsächlich zu spielen." Das klingt ja nun nicht nach einem Süchtigen.

Aber einen Punkt muss ich noch ansprechen: wenn du seit einer Weile spielst und dich auch intensiv mit der Theorie beschäftigst, solltest du im Schnitt zumindest ohne Verluste bleiben. Wenn du monatlich 30€ bis 50€ verlierst, läuft irgendwas schief.

Kommentar von drumer06 ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Ich versuche es zu ignorieren oder es mit Humor zu nehmen aber es nagt schon an einem.

Ich weis nicht ob sie darauf hören würden. Ich hab es schon etwas probiert aber die Ängste bleiben bei ihnen und manchmal habe ich das Gefühl es macht alles nur noch schlimmer. Ich werde es aber nochmal versuchen so wie du es beschrieben hast.

Ich spiele schon länger aber vorher nur selten und nur als als Fun-Player. Erst seit kurzem (3-4 Monate) Spiele ich regelmäßig mit Strategie. Das man in so einen Zeitraum nicht sofort zum winning Player wird ist ja klar. Und da ich auch nicht 24/7 Poker lerne dauert das wohl noch etwas. Aber ich denke ich habe schon einige Fortschritte gemacht und viele Anfängerfehler hinter mir gelassen. Ins plus komme ich noch nicht aber meine monatlichen ausgaben gehen langsam aber sicher zurück. 

Ich hatte auch schon zwei (kostenlose) Stunden mit einem Poker Coach.

Ich muss mich nur etwas mehr vor Tilt schützen. Das kostet mich am meisten Geld denke ich.

Antwort
von PotenzenHilfe, 15

Ich spiele seit einigen Monaten auch Poker. Bin 2 Jahre älter als du und mir geht es ähnlich. Anfangs haben meine Eltern auch versucht mir klar zu machen , dass es nicht gut sei...Aber nach vernünftigem Reden haben sie es verstanden. Ich bin alt genug und weiß , wie man mit Geld umgeht...Deinem Text kann ich das gleiche entnehmen! Poker wird oft in den Dreck gezogen , wobei es ein sehr interessantes und komplexes Spiel ist!

Also lass dich auf keinen Fall umstimmen und mach weiter , wenn es dir Leidenschaft und Freude bereitet!

Kommentar von drumer06 ,

Ja, ich versuche mit ihnen zu reden aber mir kommt es vor als ob es alles nur noch schlimmer macht.

Ich werde es trotzdem weiter probieren.

Vielen Dank für deine Antwort!

Kommentar von PotenzenHilfe ,

Ja kommt auch auf die Familie an. Kenne auch viele Familien von Freunden, die da sehr stur und streng sind. Bei mir ist das immer sehr locker und verständnisvoll , da mir vertraut wird.

Schaffst du schon! ;-)

Antwort
von zersteut, 20

Poker ist immer noch ein Glücksspiel ohne die richtigen Karten bringt auch die beste Strategie nix.

Deshalb mache sich deine Eltern/Familie sorgen, dass du in die Spielsucht abrutscht! Das musst du auch nachvollziehen.

Aber letztendlich ist es deine Entscheidung!   

Kommentar von drumer06 ,

Spielst du selber Poker? Bzw kennst du dich damit aus?

Ja, Poker hängt auch vom Glück ab aber letztendlich wählst du selber die Karten aus die du sielst. Wenn man nur ein paar Hände spielt ist das Glück entscheidend. Spielt man sehr viele Hände in einer Session nimmt das Glück jedoch immer mehr ab und es kommt auf die Strategie an.

Wieso sonst gibt es Profi-Pokerspieler? Die haben ja wohl nicht Jahrelang am Stück dauerglück.

Ich kann auch verstehen, dass sie sich sorgen machen. Aber ich bin immerhin volljährig und verdiene mein eigenes Geld. Mein Leben hab ich im Griff. 

Kommentar von zersteut ,

die Diskussion über Glück oder Können ist schon uralt und darum geht es ja gar nicht. 

Indem du dich angegriffen fühlst und dich "aggressiv" mit schlagkräftigen Argumenten verteidigst, fühlen sich deine Verwandten ihren ihren Sorgen bestätigt!  

Du musst ganz locker reagieren und auf diese Sprüche gar nicht eingehen. Sag einfache das du eben gerne ab und zu mal Poker spielst! Keine Diskussion und du bist dir den Gefahren bewusst! 

Kommentar von drumer06 ,

Das ist ein guter Tipp! Das mache ich mal so. Viel Dank.

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