Frage von July1510, 83

Mein Wallach kommt nicht mit ins Gelände was kann ich tun?

Hallo,
Ich habe einen jetzt 18 jährigen WB Wallach. Er steht mit einer kleinen stutenherde in einem Offenstall. Da er sehr an seiner Herde hängt (besonders an einer stute) kann ich nie mit im in gelände gehen da er mitten im wald immer wild anfängt zu wihern und herum zu tänzeln. Das gleiche auch wenn eine der stute auf einem ausritt ist dann galoppiert er die ganze zeit an der weide hektisch hin und her. Beruhigen kann man ihn nicht und mit ihm arbeiten erst recht nicht. Was kann ich tun damit er lernt das er seine kleine herde immer wieder sieht und nicht immer panik bekommen muss?
Bitte bitte helft mir
LG Pia

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Baroque, Community-Experte für Pferde & reiten, 12

Ich beobachte grade eine mich erschreckende Veränderung im Bewusstsein der Menschen über Pferde. Also "gerade" ist dabei ein Zeitraum, von dem ich nicht sagen kann, wann er begonnen hat, aber seit man sich über die digitalen Medien austauscht, besteht er wohl schon und wird sich noch eine Zeit ausdehnen, denn die Entwicklung geht dahin, dass ich dabei eher eine Steigerung beobachte:

Horsemanship, Vertrauensarbeit, Arbeit am Respekt oder wie auch immer wir es nennen, wird als Übungseinheit angesehen. Das ist nicht nur falsch, sondern in höchstem Maße gefährlich.

Spätestens, wenn ich mit meinem Körper in den Wahrnehmungsbereich des Pferdes eintrete, muss ich exakt das ausstrahlen, was ich erreichen möchte. Arbeite ich an sowas nur auf dem Platz, mach ich mich für das Pferd zum Deppen - und wird es sich in einer für ihn nicht so angenehmen Lage (z.B. Weg von der Herde, z.B. was, was es als gefährlich erachtet, ...) einem Deppen anvertrauen? Sicher nicht.

Ich lasse meinen Pferden schon auch Freiheiten, bin also nicht von der ersten bis zur letzten Sekunde streng. Aber ich bin konsequent. Wenn's im Stall beim Abholen noch schnell ein Maul voll Heu mitnehmen mag, ok. Aber ein Weiterfressen in dem Sinn, dass es zweimal rein greift oder ähnliches, gibt's nicht, da werde ich notfalls massiv. Ich habe genauso eine Höhe, auf der es zu gehen hat. Seine Schulter darf nicht vor meine Schulter kommen, sein Kopf nicht hinter meine Schulter. Es hat also nicht die absolute Strenge, dass schon ein Zentimeter falsch sein könnte, es hat einen Spielraum von seiner eigenen Halslänge. Geht es da raus, werde ich massiv. Damit, dass ich in all dem konsequent bin, was ich von ihm möchte, werde ich berechenbar, es weiß, wie es dran ist. Immer. Wenn es was macht, was für den Menschen gefährlich wird, gibt's auch eine Reflexwatschn - das schadet ihm nicht und ihm ist klar, das war schlimmes Fehlverhalten. Bei leichten Vergehen werde ich einfach nur nervig besserwisserisch.

Dass ich nun berechenbar bin, reicht aber noch nicht ganz. Ich muss auch noch "Überlegenheit" ausstrahlen. Das Pferd muss den Eindruck haben, ich entscheide blitzschnell und immer richtig. Ein Fluchttier wird sich nicht einem Wesen anschließen, das zwar korrekt entscheidet, ob man flüchten sollte oder nicht, aber viel zu spät. Wenn ihm der Löwe schon im Nacken hängt, bringt es nichts, wenn das Leittier sagt "ich denk, wir sollten flüchten". Daher gibt man dem Pferd immer SOFORT Feedback, was man von etwas hält, ob es gefährlich oder ungefährlich ist. Es muss erfahren, "ich brauch mich an diesen Menschen nur anhängen, der macht genau, was für mich richtig ist". Wer sich vom Pferd bzw. dessen Entscheidungen überrumpeln lässt, ist zu langsam. Wenn die Augen und Ohren anfangen, über Grashalme nachzudenken, kommt das Signal "nö, jetzt fressen wir nicht" oder "hm, gleich würde es sich anbieten, aber bis dahin noch nicht" - ich muss aber signalisieren. Verhalte ich mich passiv, zeige ich schon an der ausbleibenden Antwort auf eine Frage (und für Pferde sind hin gedrehte Ohren eine deutliche Frage), dass ich eines dieser langsamen Wesen bin, das im Zweifel besser nicht Recht hat. So wie dieses Beispiel gibt es an jedem Tag mit dem Pferd hunderte von Situationen, wo ich zeigen kann, ich achte auf das Pferd und seine Befindlichkeiten, entscheide und gebe das klar und eindeutig bekannt - und zwar sofort und nicht 10 Sekunden später.

Wenn ich ein Pferd reite, das heute keinen guten Tag hat und ich merke, dass es heute nichts wird, entscheide ich sofort, ich sitze ab und tu das auch gleich. Oder ich entscheide, jetzt muss ich ihm gesundheitlich helfen und dann fange ich auch jetzt damit an.

Mit einem Pferd, das draußen unsicher ist, kehre ich um. ICH kehre um, ich warte nicht, bis das Pferd umkehrt, denn es hat mir 50 mal gesagt, dass es unsicher ist, aber ich habe den Eindruck erweckt, es entweder nicht wahrzunehmen oder seine Befindlichkeiten zu ignorieren - und da für ein Pferd das oberste Gebot ist zu überleben, bin ich dann nicht geeignet, ihm das sicherzustellen - in seinen Augen. Und es zählt, was ich in seinen Augen bin. Achte ich in seinen Augen immer auf seine Befindlichkeiten und treffe SELBST die Maßnahmen, die ihm helfen, DANN kann ich auch, wenn es sein muss, weiter reiten, obwohl das Pferd sagt "ist mir nicht wohl dabei". Aber es hat gelernt, ich entscheide in seinem Sinn. Das hat nichts mit "ich lass das Pferd machen, was es will" zu tun, sondern mit "das ist ein toller Mensch, der lässt mich nicht im Stich". Der Grad dazwischen ist schmal, dieses "Machtverhältnis" entscheidet sich dadurch, ob ICH die Maßnahme treffe oder das Pferd sie trifft. Wenn ich denke, mein Pferd muss es durchstehen, unheimliche Schweine in ihrem Gehege anzusehen, erkläre ich ihm, dass wir das jetzt definitiv ansehen und das auch überleben werden. Wenn ich denke, es ist schon viel verlangt, einen Blick drauf zu werfen und ohne Gehopse dran vorbei zu gehen, dann reicht mir dieses.

Wenn ich ausreite und warte, bis es tänzelt und dann möglicherweise meine Atmung stoßweise kommt, weil ich mich selbst drüber aufrege, dass mein Pferd sich aufregt, habe ich verloren. DANN habe ich mir das aus der Hand nehmen lassen. Also dreh um, bevor das passiert, wenn das Ohrenspiel, die Muskelspannung des Pferdes oder sonstwas verrät, es wird ihm gleich gruslig. Als hättest Du bis zu dem Baum 100 m vom Stall weg reiten wollen und nicht weiter.

Antwort
von beglo1705, 50

Ganz einfach: Es fehlt am Vertrauen zu dir.

Ohne, dass das nun beleidigend ist, du musst mit ihm gemeinsam daran arbeiten sein Vertrauen zu gewinnen.

Sie es mal aus Pferdesicht: Er soll raus in´s Gelände, eine (so gesehen) gefährliche, fremde Umgebung. Er soll weg von seiner "Freundin/Kumpeline", weg von seiner Herde, die ihm Schutz gewährt. Wenn er dir nicht traut, keine Bindung zu dir hat und dich auch nicht gleichbedeutend als Beschützer ansieht, hat man leider schlechte Karten, mit einem Pferd alleine in´s Gelände zu gehen.

Ich würde dir raten, viel Vertrauensarbeit in Form von Bodenarbeit, Zirzensik und Gelassenheitsübungen zu machen. Mit der Zeit spielt man sich immer besser aufeinander ein, dein Wallach versteht irgendwann, dass du ihm nichts schlechtes willst und dass auch du ihn "schützen" kannst.

Pferde sind Fluchttiere. Alles, was ihnen "ungeheuer" ist und nicht vorher an- bzw abtrainiert wurde, kann einem leider sehr schnell zum Verhängnis werden.

Übe in der Halle/auf dem Platz viel mit ihm. Erst, wenn das alles sitzt, gehst du mit einem ruhigen Pferd samt routinierten Reiter ein paar mal in´s Gelände, bevor du allein raus gehst denn das ist m.M.n mehr als gefährlich.


Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde & Pony, 12

Wir machen nahezu täglich vertrauensarbeit.

Mit Klebern gehen wir dann viel spazieren, erst nur außerhalb am Zaun lang, dann immer wieder mal etwas weiter weg, gerne auch zu zweit.

Und das machen wir dann auch geritten, erst geht der Kleber hinten , dann daneben dann vorweg.

Viel Erfolg

Antwort
von kadiah, 23

Du musst bevor du es nochmal versuchst erstmal vertrauen gewinnen.Das schaffst du mit Bodenarbeit.Du findest auf YouTube gute übungen.Wenn du das gemacht hast und er dir vertraut musst du langsam an die sache rangehen.Nimm aufjedenfall eine zweite erfahrene Person mit die dich erstmal einbisschen führt.!!!LASS ES LANGSAM ANGEHEN!!!Du solltest niemals dein Pferd dadurch hetzen sonst verlierst du das vertrauen und es wird schlimmer.

Hoffe ich konnte dir erstmal weiterhelfen.Melde dich wenn du noch eine Antwort brauchst (ich habe auch einen Wallach der nie mit ins Gelände wollte)

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