Frage von Hydrocortison, 208

Mein Vater ist ein Psychopath, was soll ich tun?

Guten Tag,

Ich bin weiblich, fast 18 Jahre alt und lebe mit einem Psychopathen zusammen, der gleichzeitig meinen Vater darstellt. Außerdem leben meine Mutter und meine Schwester mit im Haushalt. Er besitzt weitgehend keine Empathie, ist stur und möchte immer, dass jeder seiner Meinung ist. Wenn etwas nicht nach seinem Plan läuft, wird er aggressiv und launisch, droht uns, schreit uns an und macht uns mental total runter. Er beschuldigt uns ständig wegen jeder Kleinigkeit. Auf den ersten Blick scheint er wie ein ganz normaler, schon beinahe charmanter, Mann mit sozialer Verantwortung zu sein. Er kann problemlos oberflächliche Beziehungen mit anderen Menschen herstellen. Leider ist das nur ein Scheinbild dieses Menschen.

Es tut mir Leid, wenn jetzt die meisten Leute der Meinung sind, ich sei nur eine naive Jugendliche die überreagiert. Doch das ist mit größter Wahrscheinlichkeit nicht so. Ich möchte meiner Familie helfen, sie fühlen sich unter Druck gesetzt, sind mit den Nerven total am Ende. Genauso wie ich. Allerdings mache ich momentan mein Abitur und bin in maximal zwei Jahren weg, doch meine Mutter und meine Schwester werden weiterhin mit ihm leben müssen. Er ist in der Vergangenheit oft gewalttätig geworden und besaß keinerlei Hemmung seine Frau und seine eigene kleine Tochter zu schlagen.

Er war immer nüchtern, ist kein Alkoholiker. Er steht unter keinen Opioidartigen Mitteln, nimmt keine Drogen o.Ä.. Deshalb gehe ich von einer psychisch bedingten Erkrankung aus. Jetzt ist er nicht mehr gewalttätig, da meine Mutter ihn in der Vergangenheit beinahe verlassen hätte. Dann drohte er. Da seine Drohungen ziemlich radikal waren, hatte meine Mutter zu große Angst ihn zu verlassen. Meine Mutter hat auch heute keine Chance ihn verlassen zu können. Sie hat immer noch Angst, ich allerdings nicht und möchte etwas bewirken, damit er uns endlich in Ruhe lässt. Jetzt ist meine Frage: Was soll ich tun? Sollte ich das Jugendamt konsultieren? Welche Rechte stünden mir mit 18 zu?

LG Hydrocortison

Antwort
von Janiela, 68

Du kannst das Jugendamt einschalten, übrigens auch nicht erst im Alter von 18 Jahren, sondern auch vorher schon. Das könnte schonmal helfen. Allerdings glaube ich, dass euch mit einer Familienberatungsstelle und deiner Mutter mit einer Frauenberatungsstelle noch besser geholfen wäre.

Um es kurz zu fassen: Dein Vater kann zwar eine Veränderung an sich vornehmen, aber dazu braucht er einerseits Gründe (zum Beispiel die gescheiterten Familienbeziehungen und die Erkenntnis, dass es auch an ihm lag) und andererseits Hilfe (etwa durch Sozialarbeiter, Psychotherapeuten und Coaches). Wenn Änderungsmotivation da ist, aber keine Hilfestellung, hat er keine Orientierung und der Änderungsversuch wird erfolglos bleiben. Wenn er Hilfestellung bekommt, aber keine Motivation hat, sich zu verändern, nützt das beste Hilfsprogramm nicht, es wird einfach nicht funktionieren.

Ob dein Vater bereits alle Kriterien erfüllt, um psychiatrisch als Psychopath eingestuft zu werden, weiß ich nicht. Aber davon unabhängig ändern sich die meisten Psychopathen nicht, weil sie unter ihren sozialen Situationen meistens nicht leiden. Das Wichtigste für eine Änderung ist die Motivation. Dazu muss die soziale Situation negativ bewertet werden können und die meisten Psychopathen scheitern genau an diesem Punkt. 

Meiner Meinung nach sollte deine Mutter sich von ihm trennen, denn es scheint sie ja "nur" Angst an ihn zu binden. Es könnte erforderlich werden, dass sie in ein Schutzprogramm aufgenommen wird und es könnte erforderlich werden, gegen deinen Vater zu klagen. In jedem Fall ist es aber möglich, aus der Konstellation auszubrechen, ohne dass ihr oder dir oder deiner Schwester etwas zustößt. Wenn du früher ausziehen solltest als deine Mutter und Schwester, dann gib deinem Vater am besten erstmal nicht die Adresse.

Google bitte den Namen deiner Stadt zusammen mit "Frauenberatungsstelle". Es ist wichtig für Frauenberatungsstellen, dass sie von Männern weitgehend abgeschirmt bleiben, deshalb solltest du im Idealfall deine Spuren verwischen, falls du einen Familiencomputer oder ein anderes Medium dafür benutzt, auf das dein Vater Zugriff hat (Verlauf und Cookies löschen). Wenn deine Mutter damit einverstanden ist, dann mach einen Termin für sie oder euch (falls du sie begleiten möchtest) aus. Dort ist man mit körperlich und/oder seelisch gewalttätigen Menschen bestens vertraut und weiß um die nötigen Schritte bescheid.

Du kannst eine Menge tun und deiner Mutter eine große Hilfe sein. Aber bitte vergiss nicht, dass du im Endeffekt nur deine eigenen Lasten tragen kannst. Wenn deine Mutter Opfer ihrer Angst und mit ihrem Mann zusammen bleiben will, kannst du zum Schutz deiner Schwester zwar das Jugendamt einschalten, aber du kannst für deine Mutter nicht die Entscheidung fällen, was sie mit ihrem Leben macht.

Kommentar von menz84 ,

Hi Janiela, habe deine Antwort eben gerade gelesen, diese hat mich fasziniert und schwer beeindruckt! Stimme dir in allen Punkten zu! Hatte selbst einen aggressiven, zutiefst gewaltbereiten Vater. Er war im Gegensatz zu dem Vater des Mädchens auch schwer alkoholabhängig.

Finde es großartig das sich die Userin hier anvertraut hat, und ich glaube das du ihr mit deiner Antwort sehr geholfen hast. Ich bete dafür, das sie, ihre Mutter und ihre Schwester es schaffen diesen "Menschen" zu verlassen(ein für allemal) und nicht länger in irgendeiner Form von ihm abhängig  sind/bleiben!

Antwort
von laurent1709, 73

Also mein Vater ist sogar noch schlimmer und hat daher seit 45 Jahren keine Partnerin gefunden und hat mich jahrelang gequält daher würde ich an Deiner Stelle so schnell wie möglich das Weite suchen und helfen kannst Du Deiner Schwester und Mutter nicht im Gegenteil Du bist dann erst Recht im Fokus deines Vaters und glaube mir das lass sein.

Kommentar von LatishaSophy ,

Das tut mir sooo leid! :'(

Antwort
von BellAnna89, 87

Ich lese das jetzt mal nicht alles. Mein Vater ist schizo, also hat meine Mutter sich von ihm scheiden lassen, als das klar wurde, und das sollte deine Mutter auch tun. Zieh schnellstmöglich aus und schick auch das Jugendamt zu deiner Schwester. Ihr könnt vllt gemeinsam in einer Wohngruppe unterkommen. Infos bei der Caritas. Viel Glück!

Antwort
von Wiewie1505, 62

Hallo! Ich bin da zwar kein Experte, aber ich würde es für eine Gute Idee halten wenn du das Jugendamt kontaktierst. Die werden deiner Mutter sicher auch helfen... Rede doch mal mit ihr (wenn du an sie ran kommst) Ich wünsche dir auf jeden Fall sehr viel Glück😉

Antwort
von momolo13, 27

es ist sehr schwierig für dich etwas zu bewirken, da du "nur" die tochter bist, auf die dein vater garantiert nicht hört und vorallem, was willst du gegen ihn vorbringen, was die behörden zum handeln zwingt. versteh mich nicht falsch, natürlich sind das fast unaushaltbare zustände bei euch, aber wirklich strafbar macht sich dein vater nicht. in der vergangenheit hat er wohl zugeschlagen, aber jetzt nicht mehr. er hat gedroht, jetzt läuft es nachhaltig nach seinem willen, so wie es ihm passt, auch ohne nachzudrohen. würde er von behördenseite unter die lupe genommen, hätte er doch ein leichtes spiel und ihr wärd anschliessend sehr gefährdet.

ich glaube der einzige weg wird sein, dass deine mutter in einer nacht- und nebelaktion auszieht. das müsste sie allerdings sehr gut und superdiskret vorbereiten, er darf natürlich davon nichts merken. dazu wäre es hilfreich, wenn sie sich bei einer frauenberatungsstelle, oder im frauenhaus beraten und unterstützen liesse. arbeite also mit deiner mutter zusammen, stärke sie den entschluss zu fassen und unterstütze sie dabei ihn durchzuziehen.

Antwort
von TailorDurden, 69

Falls es wirklich so schlimm ist, würde ich zunächst einmal Bild- und Tonmaterial sammeln. Letztendlich könnte man dadurch (bei starken, eindeutigen Drohungen) vorläufigen Rechtsschutz einfordern. So wäre es Deiner Mutter möglich, sich (endlich?) zu trennen.

Die Frage ist auch, ob Deine Mutter das überhaupt möchte. Das ist nämlich eine ganz andere Geschichte. Ohne ihr Mitwissen würde ich da nicht wirklich etwas unternehmen.

Wenn es das Ausmaß hat, das Du hier andeutest, sollte es nicht so schwer sein, sich juristisch an den längeren Hebel zu begeben.

Weiterhin gibt es in jeder etwas größeren Stadt eine Frauenhilfe, die genau für solche Situationen Hilfe anbietet. Dort sind erfahrene Leute, die genau wissen, welche Schritte man einleiten kann und wie man den Familienangehörigen am besten beistehen und helfen kann. Die Caritas ist auch eine Anlaufstelle, falls ihr keine Frauenhilfe in der Nähe habt.

Viel Kraft und Erfolg,
Tailor

Antwort
von siggiiii, 62

Klingt für mich als wenn dein Vater möglicherweise das Asperger Syndrom hat . Allerdings ist er deswegen kein Psychopathen da er sich dann schon bewusst ist was er tut.

Kommentar von heidemarie510 ,

Ja Asperger könnte stimmen, oder er hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung? NPS. Was können wir hier tun für Dich? Dein Vater muss von selber den Antrieb haben, sich helfen zu lassen. Ich denke auch, dass er professionelle Hilfe braucht.

Antwort
von armabergesund, 51

Du könntest Dir eine Minikamera besorgen, kosten nur ein paar Euro und Diese in Deinem Zimmer postieren. Beweise für häusliche Gewalt zu sammeln ist schwierig. Deine Ma scheint ja da ziemlich überfordert zu sein.

Deine kleine Schwester kann sich auch nicht wehren, falls doch müsste Sie eine Aussage beim Jugendamt machen...

Mit 18 hast Du übrigens die gleichen Rechte, bezogen auf häusliche Gewalt.

Solltest Du den Schritt über das Jugendamt machen und plausibel darstellen, dass ein Zusammenleben mit Deinem Erzeuger nicht funktioniert, muss er für Dich aufkommen.

Sollte keine Behörde Deine Ängste ernst nehmen, musst du mit 18 wohl auf eigenen Füssen stehen....

Antwort
von Herpor, 32

"...doch meine Mutter und meine Schwester werden weiterhin mit ihm leben müssen..."

Müssen sie nicht. Wenn deine Schwester jung genug ist, kannst du dich ja ans Jugendamt wenden.

Wenn er allerdings körperlich nicht gewalttätig wird, werden die wohl auch nicht tätig werden können.

Kommentar von Janiela ,

Klar kann das Jugendamt tätig werden. Kindeswohlgefährdung lässt sich auch anders als mit körperlicher Gewalt begründen. Das bekannteste Beispiel dürfte Drogenmissbrauch sein, ein anderes bekanntes Beispiel ist Vernachlässigung. Seelische Gewalt ist ganz klar eine Form der Kindeswohlgefährdung.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_zur_%C3%84chtung_von_Gewalt_in_der_Erziehun...

Da steht's nochmal korrekt aus dem Gesetzbuch zitiert:

(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche
Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

Kommentar von realistir ,

du hast weiter oben schon ähnlich argumentiert.
Leider blenden Menschen die sich sooo gerne auf einige Gesetze berufen, es gibt keine einseitigen Gesetze, keine einseitigen Rechte.

Weiß nicht ob es Paragraf 51 oder 55 ist, der sinngemäß total bekloppten trotzdem alle Freiheiten lässt, solange diese Sorte nicht "eindeutig" gesetzlich auffällig wurden. Selbst Richter müssen im Zweifelsfalle prüfen, ob ein angeklagter im Besitz gewisser geistigen Fähigkeiten war, oder nicht.

Ferner empfehle ich dir das Buch vom Psychologen und Psychotherapeuten Manfred Lütz zu lesen, dann wird einiges deutlicher, verständlicher. Buchtitel: Irre, wir behandeln die Falschen. Nicht die vermeintlich irren sind das Problem, sondern die Normalen.

Antwort
von realistir, 23

es dürfte hier kaum jemanden schwer fallen, dich zu verstehen!

Allerdings dürfte mal wieder die große Masse nach einem gewissen Schema urteilen, oder betrachten.

Alles was Anders ist, ist nicht nur anders, sondern da wird immer etwas gefährliches unterstellt.

Dürfte dein Vater Euch und uns auch unterstellen, wir wären gefährlich usw, weil wir ja so Anders sind als er? Oder gibt es solcherlei Gleichberechtigung nicht, nur der Wille einer großen manipulierten Masse?

Ich kann deine Gedanken usw durchaus verstehen. Aber dürfte ich dich auch mal Bitten das Buch vom Psychologen und Psychotherapeuten namens Manfred Lütz zu lesen? Es hat denn Titel: Irre! Wir behandeln die Falschen. Nicht die Irren sind unser Problem, sondern die Normalen.

Vielleicht wird dann leichter erkenn- und nachvollziehbarer, dass es nicht nur eine organisierte Kriminalität gibt, sondern auch "jede Menge anderer organisierter Dinge" gibt. Auch Gesetze sind genau genommen nur organisierte Juristerei und unterliegen gesetzesmäßigkeiten, die organisiert wurden.

Mich z.B. kotzt sinngemäß an, wenn man pauschal alle Anderen, alle Fremden pauschal vorverurteilt.

Kein Lebewesen dieser Welt konnte sich aussuchen wo es geboren wurde, welche Eltern es bekam, in welchem Umfeld es groß wurde usw! Wieso werden Syrer oder sonstige Flüchtlinge pauschal verurteilt, gedemütigt und die große Masse irgendeiner Nation macht allen Blödsinn verschiedener Politiker mit?

Wieso regt sich niemand über die weltweit übertriebenen Rüstungs- und Militärkosten auf die in die Billiarden gehen und niemandem nützen?
Ein einziger Flugzeugträger kostet alleine für die Anschaffung 1,5 Milliarden Dollar oder Euro. Ein einziger! Über solcherlei Geldverschwendung redet niemand, regt sich niemand auf, aber was so ein armer Flüchtling so an Kosten aufwerfen würde, um so mehr?

Ist die Menscheit allgemein verrückt und lässt sich nach belieben von ein Paar wenigen manipulieren? Wieso werden pauschal immer die vorverurteilt und als kritisch gesehen, die Anders sind als die Masse?

Wieso kann die Masse, also sinngemäß Wir nicht psychotisch sein, sondern nur dein Vater? Hat sich Manfred Lütz in dem was er in seinem Buch beschreibt, so gewaltig geirrt? Oder wollen wir das einfach nur nicht hören, nicht wahrnehmen, nicht hinterfragen?

Antwort
von IHaveABBC, 2

Hat er dich auch gefickt?

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