Frage von herztinte, 81

Mein Sohn will sich nicht bewerben, geht nicht außer Haus und hat jeglichen Kontakt zu Freunden abgebrochen. Was kann ich tun?

Mein Sohn hat seinen Master in Biochemie (1,5) und möchte eigentlich seinen Doktor machen - sagt er jedenfalls, wenn man ihn frägt. Tatsache ist, dass er sich seit zwei Jahren (!!!) nicht dazu durchringen kann, sich zu bewerben. Zu Hause verhält er sich eigentlich ganz normal, solange man ihn nicht daraufhin anspricht. Geschieht dies, zieht er sich wieder zurück. Letzten Sommer hat er gesagt, er hätte mehrere Doktorantenstellen in Aussicht. Als ich ihn später darauf ansprach, was daraus geworden sei, sagte er, er hätte das nur gesagt, dass wir Ruhe geben würden. Ich spreche ihn immer wieder an und frage, ob er sich jetzt schon beworben hat. Er sagt dann er könne halt im Moment nicht. Aber ehrlichgesagt kann ich da nicht länger zusehen, wie er sich seine Zukunft versaut. Das Problem wird ja immer größer, je länger er wartet. Was soll er denn in seinem Lebenslauf über die Fehlzeit angeben? Mir ist klar, dass er professionelle Hilfe braucht. Er wird jedenfalls nie - so sagt er - zu einem Psychologen/Psychiater gehen und wenn jemand ins Haus käme, würde er halt nicht aus seinem Zimmer gehen. Vielleicht kann mir da jemand einen Tipp geben, wie ich und mein Mann uns verhalten sollen.

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Antwort
von CharaKardia, 51

Vielleicht wäre es an der Zeit, dass der Herr mit nun vermutlich über 25 Jahren das Hotel Mama verlässt. Das ist sicher nicht einfach (für dich), aber manche brauchen so einen Schuss vor den Bug um die Realität zu erkennen.

Ich denke auch, dass eine psychologische Beratung hilfreich wäre. Er kann dir ja nicht bis ans Ende seines Lebens auf der Tasche liegen. Selbst ohne Geld kann er über 25 vom Jobcenter eine eigene Wohnung bekommen.

Kommentar von herztinte ,

Danke für die Antwort. Er ist übrigens schon 29!!! Was aber, wenn er  Burnout hat? Gerät er da nicht noch mehr in die Isolation, wenn wir ihn vor die Tür setzen? Das Problem dabei ist auch, dass das mit mein Mann nie durchsetzbar wäre. Er war in Erziehungsfragen auch schon immer der inkonsequentere von uns.

Kommentar von CharaKardia ,

Da ist halt die Frage, ob der "Junge" mit 29 noch so sanft erzogen werden muss. Selbst wenn er ein Burnout hat (danach hört es sich aber nicht an, das bekommt man ja nicht vom nichts-tun, sondern eher von einer Überbelastung). Wenn er nicht in psychologische Behandlung geht benötigt er eben etwas, um wach zu werden. Mit 29 noch bei den Eltern zu wohnen ist definitiv nicht normal.

Antwort
von kayo1548, 31

Ferndiagnosen sind kaum machbar, daher ist das alles jetzt nur unter Vorbehalt.

hat er vielleicht negative Erfahrungen gehabt?

Hat er sich überfordert?

Das er auch kaum außer Haus geht und keinen Kontakt mehr zu Freunden hat lässt durchaus auf psychische Probleme schließen; solange er da aber selber nichts machen möchte kannst du da großartig auch nichts tun.

Er muss selber einsehen das er was ändern muss und aktiv bereit sein das zu tun.

Du und dein Mann können da leider wenig tun, außer für ihn da zu sein und ihn zu unterstützen wenn er das möchte und sich dazu entschlossen hat was zu ändern.

Ansonsten könntet ihr natürlich versuchen in einem ruhigen Moment das Gespräch zu suchen, vermutlich wird er da aber einfach "zu machen".

Wenn man dann das Problem kennt und weiß wo er hinmöchte gibt es sicher viele Möglichkeiten wie er da hinkommen kann und wie man ihn unterstützen kann.

Doch solange er dazu nicht bereit ist, kann man da kaum etwas machen.

Kommentar von herztinte ,

Hallo Kajo, vielen Dank für deine Antwort - auch für deinen Kommentar zur Antwort von Syilaowl. Wollte dazu noch sagen dass er selbst einsieht, dass er was ändern muss. Er ist sich darüber im Klaren, dass etwas passieren muss. Und trotzdem tut er nichts. Er will sich auch nicht helfen lassen. Das entspricht gar nicht seinem bisherigen Weg. Er war immer zielstrebig und hat auch unangenehme Aufgaben angepackt. Es ist sehr schwierig, nichts tun zu können. Ich frage mich, wie lange soll man da noch zuschauen? Es sind ja schon zwei Jahre vergangen...

Kommentar von kayo1548 ,

"Wollte dazu noch sagen dass er selbst einsieht, dass er was ändern muss"

das ist dann schonmal gut, denn diese Einsicht ist der wichtigste Schritt.

Möglicherweise weis er dann nicht, wie er anfangen soll?

Irgendwann ist man dann auch in einer negativen Gedankenspirale gefangen und lässt überhaupt keine Lösungsansätze mehr zu, weil diese nicht ins Gedankenbild passen.

Er sollte sich dann genau überlegen was er ändern möchte, was ihm zu scahffen macht und was genau er haben möchte um so seinen Fokuß darauf zu lenken.

Wenn er dann weiß was er erreichen will kann man sich auch überlegen wie er es erreichen kann.

Am besten er schreibt es sich auf, dadurch wird es meist viel konkreter.

Wenn er es dann möchte könnt ihr euch zusammensetzen und über diese Stichpunkte reden und versuchen gemeinsam Lösungen zu finden

Nach dieser Zeit und dieser recht passiven Phase ist es für ihn sicher nicht einfach sich aktive Strategien zu überlegen und auch daran zu arbeiten.

Da wird er sich natürlich erstmal überwinden müssen - entscheidend ist dabei, das ganze als Prozess zu verstehen; es muss nicht von heute auf morgen sein, sondern in kleinen Schritten.

Es muss auch nicht morgen die Doktorandenstelle sein; vielleicht reicht ein Praktikum aus, um wieder etwas reinzukommen.

Auch ein Hobby wäre sehr hilreich - die ganze Zeit zu Hause rumzusitzen ist für das Wohlbefinden wenig förderlich und so wäre das vielleicht auch wieder der erste Schritt in ein aktives Leben.

Möglicherweise wird er dann irgendwann für sich selber entscheiden das er doch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen möchte.

Sinn sollte es sein, dass ihr ihn nicht destruktiv kritisiert sondern positiv motiviert;

und wenn er das selber schon eingesehen hat denke ich durchaus, dass sich das in absehbarer Zeit bessern kann.

Antwort
von syllaowl, 29

Es scheint tatsächlich so, dass er das heimische Kinderzimmer nicht verlassen möchte! Ein weiterer Titel bedeutet für ihn wohl auch bis zum endgültigen Erwerb eines solchen weiterhin zu Hause wohnen zu können.

Bei Ihren Sohn geht es um kostenloses Wohnen inkl. Rund-umßen -Sorglos-Service, Wäsche, voller Kühlschrank usw.. Um nichts anderes. Das ist das Verhalten eines verwöhntes Kindes, das außerordentlich selbstsüchtig ist.

Zum Psychologen rate ich nicht: Kein Psychologe sorgt dafür, das man dauerhaft ohne auskommt. Der Klient ist des Psycholgen Brot und Lebensunterhalt! Das sollte niemand vergessen. 10 Jahre beim Psycholgen gehört in der gängigen Praxis zum guten Ton.

Mit einem Master in Biochemie hat er einen wissenschaftlichen Einblick, der jeden Psychiater überflüssig macht! Sein Wissen um die biochemischen körperliche Vorgänge inkl. der Möglichkeiten zur Stimulation und Manipulations des Nervensystems! Solche gut gebildeten Menschen haben doch eine ganz andere Denkart. Als Wissenschaftler ist er es gewohnt, Situationen anhand von wissenschaftlichen Analysen auseinanderzufiltern um dann nach und nach dem ganzen ein Bild geben zu können. Er weis sehr wohl, das sein einziges Problem sein Ego ist! Und sollte er doch irgendeine Lebenskriese haben, dann gibt es nur ein Mittel: Die Umgebung zu wechseln, denn in der aktuellen Umgebung scheint er die Dinge ja nicht lösen zu können.

Jetzt aber zum wirlich Schwierigen:

Wie bekommt man sein Kind aus dem Hause, wenn man ein so weiches Herz hat? Ohne ihm vor dem Kopf zu stoßen oder schlussendlich sich selber große Vorwürfe zu machen, wenn es holperig und schwierig wird, da draußen in der großen neuen Welt!

Meine Idee ist da folgende liebe Eltern eines überaus intelligenten und verwöhnten Kindes: Treiben Sie ihn aus dem Hause!

Leben Sie ihr Leben, ladet Freunde ein, Musik laut hören, vielleicht in Richtung Wildecker Herzbuben oder irren Jazz. Jeden Mittwoch ein Kaffeekränzchen mit Freunden veranstalten. Er merkt natürlich dass er ein Gesprächsthema sein wird. Soll er auch und solange bis er endgültig merkt, das es Zeit ist als junger Mann sich zu beweisen und auf EIGENE FÜßE zu stehen.

 

Ihr Sohn benötigt dringend einen Anschubser! Wann soll er den LERNEN auf eigenen Beinen zu stehen wenn nicht jetzt? Fragen Sie auch mal in Ihrer näheren Familie. Letztendlich kennen auch sie Ihren Sohn und können sich ein unvoreingenommeneres Bild von Ihnen machen. Als Mutter sorgt man sich ja ständig! Aber im Grunde wissen die Antwort. Es geht nur um das Wie!

Ich wünsche viel Erfolg bei der Umsetzung des Projekt: Hotel Mama dauerhaft geschlossen!

Kommentar von kayo1548 ,

"
Es scheint tatsächlich so, dass er das heimische Kinderzimmer nicht verlassen möchte!

"

Mag sicher ein Faktor sein; nur würde das alleine die (offenbar plötzliche) soziale Isolation nicht erklären

"
Zum Psychologen rate ich nicht: Kein Psychologe sorgt dafür, das man dauerhaft ohne auskommt"

das halte ich für eine Unterstellung; das gleiche könntest du ja dann auch bei jedem Arzt o.ä. sagen

Ich habe in der Praxis noch keinen Psychotherapeuten gesehen der das so handhabt; ganz im Gegenteil: viele messen den eigenen Erfolg am Erfolg der Therapie.

Außerdem muss in jedem Falle eine konkrete Diagnostik und Therapieplan erstellt werden und dieser im Rahmen der Kostenübernahme auch der Krankenkasse vorgelegt werden (im Wiederholungsfalle möglicherweise mit Gutachter).

Da wäre das gnaze dann auch praktisch mit Hindernissen verbunden

"
hat er einen wissenschaftlichen Einblick, der jeden Psychiater überflüssig macht!"

Deshalb kann ja auch jeder Biochemiker als Psychiather und jeder Psychiather als Biochemiker arbeiten ;=)

Ich habe auch genug Erfahrung in Biologie, ja sogar mehrere medizinische Seminare (bzw ganze Semester) belegt und würde niemals hingehen und sagen das mein Wissen im medizinischen Bereich auch nur annäherend dem eines Arztes gleicht.

Ganz im Gegenteil: je mehr Erfahrung man damit hat, umso klarere werden einem die Unterschiede und umso bewusster die Komplexität.

"
Er weis sehr wohl, das sein einziges Problem sein Ego ist! 

"

Er muss das Problem nicht einmal selber direkt kennen: kein Psychotherapeut könnte sich selber zuverlässig eine Diagnse stellen; kein Psychologe sein eigenes Verhalten untersuchen.

"
Er merkt natürlich dass er ein Gesprächsthema sein wird. Soll er auch 

"

Wenn man das absichtlich darauf lenkt, ja sogar bewusst hinter dem Rücken spricht grenzt das fast schon an psychologische Kriegsführung und ist auch eine völlig respektlose Geste.

Wenn man etwas zu sagen hat, dann tut man das offen - alles andere würde (zurecht) als Angriff wahrgenommen werden und würde keinesfalls die Situation bessern.

Dasslebe mti dem Rest: natürlich kann und sollten die Eltern das Leben leben, aber absichtlich anderen zu Leid leben ist für mich keine verantwortungsvolle reife Art auf Probleme hinzuweisen oder diese zu lösen.

Wenn man den Sohn "los werden" möchte kann man das ja offen sagen - warum muss man das alles hinter dem Rücken machen?

Und das ganze kann man dann sogar noch freundlich machen indem man keine Vorwürfe macht sondern sich gemeinsam mit dem Sohn zusammensetzt, ihm alles erklärt und mit ihm gemeinsam eine Lösung sucht.

Dieses "hintenrum" führt schlimmstenfalls zu einer Verschlechterung der Situation, sowieo möglicherweise zu einer Verschlechterung der Beziehung - also etwas, das sicher keine der Parteien möchte.

Antwort
von Midnight1999, 15

Ich bin zwar weiblich & jünger als dein Sohn, habe momentan aber ein ähnliches Problem mit meiner Mutter. Deswegen kann ich sagen: Haltet euch da raus, auch wenn es euch schwerfällt. Es nervt nur, ständig darauf angesprochen zu werden, was er euch anscheinend auch deutlich signalisiert (Stichwort: Doktorantenstellen). Immer wieder darauf rumzuhacken, wird - a - nichts bringen & - b - nur euer Verhältnis zu eurem Sohn verschlechtern.

Ich bin übrigens nicht der Meinung wie syllaol. Hinter seinem Verhalten KANN Egoismus stecken, vielleicht aber auch die Angst vor (komplett) Neuem oder eine versteckte Depression. Oder auch was ganz anderes. Solange er sich aber weigert, zum Psychologen zu gehen, werdet ihr es nie ganz herausfinden. Auch auf dem Thema solltet ihr nicht rumhacken, das Resultat wäre dasselbe wie in eurem derzeitigen Problem.

Kommentar von herztinte ,

Danke für deine aufrichtige Antwort. Mir ist natürlich klar, dass ich ihn nerve, wenn ich ihn hin und wieder anspreche. Aber er ist mir halt auch nicht egal. Und ich möchte eben, dass er weiß, dass er mir nicht egal ist.

Kommentar von Midnight1999 ,

Das weiß er garantiert.^^

Antwort
von tabstabs, 10

Im schlimmsten Fall rauswerfen. Wenn er sich nicht ändern will kann man ihn nicht zwingen. Er muss es schon selber wollen.

Antwort
von Robert7194, 4

"Mein Sohn will sich nicht bewerben"

pls

euer Sohn hat ganz ANDERE PROBLEME als sich auf seine berufliche Karriere zu fokussieren

dazu kommt, dass ihr, in dem ihr ihn bei euch behaltet, ihm schadet

der Jung lebt in seiner eigenen Welt -> daran müsst ihr was ändern und am einfachsten mit professioneller Hilfe

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