Frage von Xen16, 53

Mein Opa hat Leberkrebs. Jeden Tag ist es ein Up and Downd aber in Summe wohl eher ein down. Verliert Sprache und Kraft, was kann ich dagegen tun?

Guten Abend gutefrage Nutzer/inen,

folgendes Problem: Mein Opa hat schon seit längerem (ca.1-2 Jahre) immer mehr an Kraft verloren. Sein Hausarzt meinte es ist alles ok etc. liegt an seiner Diabetes und leichten Fettleibigkeit. Als er nun drastisch an Gewicht verloren hat, haben wir ihn ins Krankenhaus gebracht. Nun, was soll ich sagen...es ist Leberkrebs und das schon sehr fortgeschritten. Nach einem Aufenthalt von 1 Woche im KH und zwei Blutkonservern wurde er entlassen...man können nichts weiteres tuen hieß es. Jetzt kommt jeden Tag eine nette Dame, fragt ob alles ok und ist dann wieder futsch. Morphium etc. hat sie dagelassen für evtl. Schmerzen. Jetzt kommt jedoch das "aber"... mein Opa hat keine Schmerzen! Er braucht kein Morphium etc. was mich besorgt ist seine fehlende Kraft. Er kann nur noch auf die Toilette gehen wenn ihn jemand führt. Er reagiert kaum auf seine Umgebung und wenn dann kann er kaum auf Fragen antworten?! Er hat Probleme beim Essen...das heißt es reizt ihn irgendwie im Hals und er muss abhusten...wofür er jedoch kaum Kraft hat. Ich weiß das er eine Anämie hat...zu wenig Blut...zu wenig Sauerstoff obwohl die Konzentration von O2 im Blut bei über 90% liegt. Ich besuche ihn täglich nach 11 Stunden Arbeit und versuche mit ihm zu sprechen...erzähl ihm vom Tag und frage Fragen. Leider kann er kaum mehr Antworten?! Ich habe auch das Gefühl das sein Erinnerungsvermögen sich verringert. Er ist nun 76 Jahre alt...ein Mann voller Stolz und jeder Menge Erfahrung. Ich möchte noch von ihm lernen und mich mit ihm unterhalten können. Die Ärzte haben ihn aufgegeben... wir versuchen mit alternativen Mitteln dagegen zu halten. Die Blutwerte sind zwar etwas besser geworden aber weiterhin sehr schlecht. Hemoglobin (oder wie man es auch schreibt) liegt bei 7,8... Jetzt jedoch zu meiner Frage...und ja...ich weiß...es ist komisch... was könnte passieren wenn man ihm Aufputschmittel gibt. Ich meine jetzt kein Kaffee oder Cola...sondern eher etwas in der Richtung das in Deutschland und den meisten der Länder nicht erlaubt ist. Ich weiß dass diese Mittel den Bluthochdruck und die Herzfrequenz erhöhen können. Jedoch frage ich mich...ob ich dann icht für wenigsten 30 Minuten meinen Opa zurück bekomme. Mein Opa ist mein Leben...mein Vorbild...wenn ich ihn Wasche oder zur Toilette bringe dann bricht es mir das Herz weil ich weiß was für ein stolzer Mann er war/ist. Ich möchte ihm helfen evtl. seine Gedanken zu ordnen und uns seinen Willen mitzuteilen. Also...was meint ihr? Ist es einen Versuch wert oder lass ich es lieber sein? Bitte schenkt euch ironische oder sarkastische Antworten. Ich möchte die Risiken abschätzen können und ob es vielleicht jemand mal versucht hat, der in der gleichen Situation war. Danke und einen schönen Abend!

Antwort
von Xen16, 3

Guten Abend zusammen,

ich habe traurige Nachrichten. Mein Opa ist am 09.10.2016 um 9.10 von uns gegangen. Er ist friedlich in seinem Bett eingeschlafen. Einen Tag davor hatte er starkes Fieber 39,6 Grad...ich habe sofort die Palliativ Ärztin gerufen die ihm Morphin gegeben hat. Warum Morphin? Ich weiß es nicht...Ihre Worte waren auch eher: Ihr Opa macht sich auf den Weg.

Nichtsdestotrotz ist meine Tante Krankenschwester und wir haben ihm dann Fiebersenkendemittel eingefürt. Das Fieber sank tatsächlich auf 37 Grad...nach einem langen Tag an seinem Bett...hat er gegen 21 Uhr das erste Mal seine Augen geöffnet. Er hat uns alle nacheinander in seinem Schlafzimmer angeschaut. Ich war voller Hoffnung das er es packt....das es nur eine Infektion ist. Wir haben entschieden alle bei meiner Oma zu schlafen (innerliche Intuition? ) Nun mein Wecker klingelt alle 3 Stunden. Jedesmal bin ich aufgestanden und habe seine Temperatur und Atmung überprüft. Es schien für mich alles ok. Um 9 Uhr bin ich das letzte Mal wachgeworden...bin zu ihm hin...habe geschaut und Temperatur sowie Atmung (etwas schneller) war ok. Darauffolgend ist meine Tante (seine Tochter) zu ihm und hat es auch nochmal überprüft. Genau 10 Minuten später stand meine Oma bei uns vor dem Bett und meinte: Bitte geht schauen, er atmet nicht....

Natürlich sind wir sofort hin...und...ja...keine Atmung, kein Puls. In der Familie brach Panik aus. Alle weinten...hielten meinen Opa an der Hand und wir umarmten uns. Für mich war es der erste Anblick eine nicht lebenden Person in meinem Leben. Ich denke ich stand neben mir...wusste jedoch auch...das nun eine Person alles führen muss...Arzt anrufen etc. 

Meine Mutter und meine Tante haben daraufhin meinen Opa in einen Anzug umgezogen. Er lief sein leben lang in Anzügen herum...wir wollten ihm den letzten Schritt aus der Wohnung fein gestalten, so wie er es immer war. Diesen Moment werde ich nie vergessen...

Die weitere Prozedur des Begräbnisses, des Transports etc. wurde von meiner parallisierten Familie an mich übergeben. Das alles nun stellt jedoch keine Frage an euch. Diese möchte ich euch nun vorstellen.

Sind Tote noch unter uns? Geben sie uns Signale? Warum ich das Frage...es haben sich zwei Vorfälle ereignet dich ich nicht erklären kann.

1. Mein Opa ist am Sonntag verstorben. Damit meine Oma nicht alleine zu Hause bleibt haben wir sie zu mir gebracht. Meine Frau. meine Oma und ich habe ihn einem Bett geschlafen. Gegen 4 Uhr Morgens klingelte unser Telefon (Geräusch ob man es in die Ladestation steckt...also kein übliches Klingeln) Meine Frau ist wach geworden und hat mich geweckt weil Oma so geweint hat. Natürlich bin ich sofort zu ihr hin und fragte was los ist...sie hat einen üblen Krampf im Bein, den ich über 30 Minuten lang massiert und mit Voltaren eingerieben habe. Es wurde besser und sie ist eingeschlafen. Um 5.40 bin ich wach geworden...noch in halber Trance....spricht mich meine Frau an und sagt mir: hörst du das? Ich sagte: ja, was ist das? Nachdem ich mich aufgerappelt habe, bin ich dem Signal hinterher gegangen.....Es war schon wieder unser Telefon in der Ladestation. Das Telefon hat ein Geräusch von sich gegeben ob man es gerade in die Ladestation gesteckt hätte. Dies aber durchgehend...bis ich das Telefon aus der Ladestation geholt habe und es wieder eingesteckt habe.

Fenster waren zu. Korrosion an den Kontakten sehe ich nicht. Das Telefon hat es noch nie gemacht.

War es Opa?

2. Da ich den Leichnam von meinem Opa laut Familienwunsch nach Polen überführen musste hat es mit der Beerdigung etwas gedauert. Ca. genau eine Woche...Die Beerdigung war am Montag. Ich habe alles gemacht damit mein Opa heil, gutaussehend und in einem neuen Anzug sich der Familie präsentiert. Ich denke, dass es soweit alles super funktioniert hat.

Von Sonntag auf Montag (also zum Tag des Begräbnisses) hin...hatte ich mit meinem Opa ein super tollen Traum. Wir haben uns lange unterhalten, er sah wirklich gut (wie früher in den guten Zeiten)...der Traum war sehr klar jedoch weiß ich nicht worüber wir gesprochen haben....ich erinnere mich nur an den letzten Satz. 

Dieser Satz: "Ich habe mir alles notiert" war so intensiv...so nah an meinem Ohr, ob er genau über mir stand...ich habe sofort Gänsehaut bekommen und es ging ein kalter Schauer über mich her. Bis jetzt kann ich mir nicht erklären, was er damit meinte....Hat er notiert das ich seine Beerdingung im alleingang koordiniert habe? Hat er in irgendwelchen Unterlagen etwas notiert? 

Oder ist das alles nur Einbildung? 

Mich lassen diese zwei Faktoren einfach nicht in ruhe... Wie sind eure Erlebnisse gewessen wenn jemand gestorben ist? Habt ihr ähnliches erlebt?

Danke und Gruß Philipp

Antwort
von dandy100, 30

Du fragst doch jetzt nicht ernsthaft, ob Du Deinem Opa Aufputschmittel verabreichen solltest, oder?

Was Dein Opa an Medikamenten braucht, entscheiden die Ärzte und nicht Du - als Nichtmediziner kannst Du wohl kaum überblicken, welche Nebenwirkungen sowas hätte.

Es ist sehr traurig, wenn ein geliebter Mensch stirbt, aber es ist eine Frage des Respekt, das auch zuzulassen und nicht mutwillig einzugreifen, weil man sich damit nicht abfinden will.

Du schreibst, dass Du wenigstens für eine halbe Stunde Deinen Opa zurückbekommen willst, wie er einmal war und dafür Herzrhythmusstörungen, die ihn vielleicht umbringen würden, in Kauf nehmen würdest - denk mal darüber nach, wie egoistisch das ist. Wenn Du volljährig wärst, würdest Du für sowas in den Knast gehen, und das völlig zurecht - niemand darf sich das anmaßen.

Wir alle müssen dem Leben und auch dem Sterben ihren Lauf lassen, so bitter das manchmal ist, lass Deinen Opa in Frieden gehen und bilde Dir nicht ein, Du würdest ihm einen Gefallen tun, wenn Du ihn nochmal künstlich zurück ins Leben zwingst; Du hast keine Ahnung, was in seinem Innersten vorgeht und Du darfst auf gar keinen Fall in diesem Prozess eingreifen; schlimm genug, dass Ärzte das zu oft tun.

Antwort
von danny117, 12

Ich finde es toll, dass du dich so um deinen Opa kümmerst. Mehr kannst du nicht tun, als für ihn da zu sein. Du musst dich leider damit befassen, ihn auch loszulassen. Versuche die Zeit , die ihr noch gemeinsam habt, soweit wie möglich zu "genießen", wenn das Wort hier überhaupt passt. Mein Mutter hatte mit 85 auch Leberkrebs (vorher mit 80 Brustkrebs) und ist dann auch daran gestorben. Sie hatte keine Schmerzen. Der Arzt sagte damals, da die Leber ein Weichteil ist, gibt es da keine Schmerzen. Ich hatte sie auch in den letzten Wochen mit meiner Schwester zusammen betreut. Sie gewaschen und zur Toilette gebracht, sogar den Po abgeputzt, wo ich früher dachte, das könnte ich niemals. Aber wenn es nötig ist, kann man alles. Sie ist zuhause eingeschlafen, und das war auch gut so für uns alle. Das war 1995, und trotzdem tut es heute noch weh, wenn ich daran denke. Ich bin inzwischen 65 und denke immer noch an sie. Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit., und lass ihn gehen, wenn seine Zeit gekommen ist, so schwer der Gedanke auch sein mag.

Antwort
von Xen16, 18

Bitte macht euch nicht die Mühe auf meine Frage zu Antworten. Schlimm genug das ihr mit dem Lesen genug Zeit verplempert habt.

Ich werfefe diesen Gedankengang und werde einfach täglich für ihn da sein.

@dandy100 - Vielleicht waren Sie oder sind Sie in dieser Situation... aber ich würde in Zukunft, wenn Sie einen Rat verfassen, auf Gefühle und Gedankengänge von betroffen Personen achten und diese sogar evtl. respektieren. Eine lange Antwort zu verfassen, die Ihre Zeit kostet und eigentlich nur die "bekloptheit" der anderen Person darstellt...können Sie sich sparen sowie den Fragesteller/in.

Ich wünsche allgemein noch einen angenehmen Abend und eine erfolgreiche Woche!

Antwort
von danino29, 31

Ich rate dir davon ab, solange du das nicht mit einem Arzt besprochen hast oder willst du eventuell deinen Opa auf dem Gewissen haben??

Hut ab für deine Fürsorge, ich denke, das tut deinem Opa besonders gut, Menschen, die für ihn da sind, sich mit ihm befassen! Mach weiter so!

Mit dem Morphium sieht es wohl so aus, dass man davon ausgeht, dass dein Opa bald Schmerzen bekommen könnte und die fallen evtl. härter aus ... deshalb halt für den Notfall!

Alles alles Gute wünsch ich Euch!

Kommentar von dandy100 ,

Hut ab vor dem Gedanken einem Schwerstkranken nicht zugelassene Amphitamine zu verabreichen, um ihn nochmal künstlich ins Leben zurück zu zwingen?

Das hat mit Fürsorge nichts - aber auch gar nichts - zu tun!

Das ist nichts weiter als Egoismus und nicht Loslassen können


Kommentar von danino29 ,

@dandy ... sorry, also deine Kommentare sehen stark nach Verbitterung aus ..... ist es so?

Kommentar von Xen16 ,

Nun, ich hätte mich wohl besser ausdrücken oder konzentrieren sollen beim verfassen dieser Frage. Es kling tatsächlich egoistisch... Ich hätte erwähnen sollen: Wie mein Opa auf jede Frage versucht eine Antwort zu geben, es jedoch nicht kann obwohl er es von Herzen will. Ich sehe es in seinen Augen wie traurig er ist, dass er mir keine Antwort geben kann außer ein leises "ja" oder "nein". Nun, im allgemeinen war meine ursprüngliche Frage ein spontaner Gedanke evtl. etwas im Sinne eines Hilferufs.

Kommentar von danino29 ,

@xen:

Meine Oma hatte zwar keine Krebserkrankung, konnte aufgrund einer anderen Erkrankung irgendwann dann leider auch nicht mehr sprechen.

Ich kann nachvollziehen, wie es dir ergeht, wenn dein Opa dir etwas mitteilen möchte. Ich denke, du verstehst ihn gut und er ist glücklich, dass du ihm fast an den Augen ablesen kannst, was er sagen möchte. So war es bei meiner Oma und mir zumindest, du konntest erkennen, dass sie sich freut, dass sie verstanden wird, obwohl sie keine Worte benutzen konnte.

Dass du seine frühere Art vermitsst, ist völlig verständlich, diese wird man kaum zurückholen können. Und bitte keine Versuche, die du hinterher bereust!

Alles Gute

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