Frage von Flohrianus, 50

Mein Eindruck: Jeder der früher einfach als Unfreundlich oder A-Loch bezeichnet worden wäre ist Heute gleich Ausländerfeindlich/Rassist/Chauvinist?

Liebe Leute,

was ich mit obriger Frage meine ist am Besten mit folgender Geschichte zu erklären. Zwei Kollegen (beide ausländische Doktoranden) unterhalten sich über eine Sekretärin. Beide erzählen Geschichten wie unfreundlich diese ist und äußern die Meinung dass die Sekretärin Ausländerfeindlich sei. Ich selbst (aus Bayern) sitze im Büro und nachdem ich erzählt habe, dass ich das selbe erlebt habe und die Frau einfach nur unfreundlich ist, schauen mich die zwei ungläubig an.

Das war lediglich ein Beispiel. Aber ich meine insgesamt, dass die Begriffe wie Rassist oder ähnliches absolut inflationär verwendet werden, und das unfreundliche A-Loch existiert kaum noch.

Habt Ihr den selben Eindruck?

Antwort
von DerKleineRacker, 35

Ja das passiert sicherlich viel zu oft. Es ist gefährlich, bestimmten Gruppen ein Monopol der Opferposition zuzusprechen. Die meisten Menschen denken sehr selektiv und so etwas kann dann passieren. 

Auf der anderen Seite gibt es natürlich realen Rassismus. Der beste Ansatz wäre wohl: Maßnahmen ergreifen, statt Geschichten erzählen.

Kommentar von Flohrianus ,

Welche Maßnahmen?

Einem Rassisten kann man gegenübertreten und wiedersprechen.

Gegen das andere kenne ich aber keine Maßnahmen. Vorschläge gerne gesehen.

Antwort
von Bswss, 31

Bitte "Ausländer,  "ausländerfeindlich" usw beim nächsten Mal richtig schreiben.

Und ja: Die Wörter "Rassismus", rassistisch" usw. werden zurzeit inflationär verwendet.

Ob aber das "A-loch" eine viel bessere Form der Kritik ist, wage ich sehr zu bezweifeln.

Kommentar von Flohrianus ,

sagen wir es so, ein A-Loch ist einfach nur unfreundlich, aber seine Argumente in einer Diskussion werden noch immer berücksicht. Die Argumente eine Rassisten müssen aber gar nicht mehr berücksichtigt werden.

Bezeichne deinen Gegner als A-Loch und du musst dich weiterhin mit Ihm beschäftigen. Steck ihn in eine Kategorie wie Rassist und du hast die Auseinandersetzung bereits gewonnen.


p.s. danke

Kommentar von atzef ,

Das ist bemühter und sehr gezwungen an den Haaren hebeikonstruierter Unsinn. Umgekehrt würde eher ein Schuh daraus: Ein Rassismusvorwurf istargumentativ objektivierbar - ein Alochvorwurf nicht.

Kommentar von Flohrianus ,

Falls ich mich nicht verständlich ausgedrückt habe, bitte ich das zu entschuldigen. Ich sagter:

du musst dich weiterhin mit Ihm beschäftigen

hast die Auseinandersetzung bereits gewonnen.

Meine Aussage war somit nicht welcher Vorwurf aktuell argumentativer ist, sondern dass ich mit einem der beiden Vorwürfe eine Diskussion, zumindest in Deutschlan, beenden kann.

Kommentar von Flohrianus ,

OK, um meinen letzten Kommentar etwas zu erklären:

Wenn mich jemand als A-Loch bezeichnet stört mich das nicht. Es ist seine Meinung. Ich kann die bisherige Diskussion fortführen.

Wenn mich jemand als Rassist bezeichnet, ist die Reaktion entweder das man die eigentliche Diskussion abbricht um Argumente zu schmieden diesen Vorwurf zu entkräften, oder die Diskussion zu beenden indem man sagt, dass "es gar nicht so gemeint" war.

Kommentar von rudelmoinmoin ,

@Bswss

so fängt schon das Schikanieren an 

Bitte "Ausländer,  "ausländerfeindlich" usw beim nächsten Mal richtig schreiben.
aber lesen konntest du es schon ? was er meinte 

Kommentar von atzef ,

Bitten um eine bessere Rechtschreibung als "Schikane" zu betrachten, ist reichlich albern.

Kommentar von Bitterkraut ,

Na ja, wer sich so mit dem Thema beschäftigt und Doktorand ist, sollte ein so simples Wort wie Ausländer schon richtig schreiben können. Um einen Tippfehler handelt es sich ja offensichtlich nicht.

Kommentar von Flohrianus ,

So Leute, ich habe es verstanden.

Aber da sieht man wie weit die Meinungen auseinander gehen. Ein und der selbe Satz wird von einem als "Schikane angesehen", vom nächsten als "freundlicher Hinweis" (mein erster Gedanke).

Im zusammenhang mit Bitterkrauts letztem Hinweis würde ich es, falls er es geschrieben hätte, als "liebenswerte Neckerei " auffassen.

Antwort
von atzef, 24

Vielleicht hat sich ja das Problemverständnis und die Kompetenz zu sprachlicher Präzision erhöht und du hinkst halt noch etwas hinterher...?

Kommentar von Flohrianus ,

Möglich.

Insbesondere dein Punkt "sprachliche Präzision" könnte richtig sein. Ich versuche immer meinem Gegenüber als guten Menschen zu betrachten und suche nicht nach einer Möglichkeit wie ich das Gesagte möglichst bösartig deuten kann.

Deinen Beitrag könnte ein gehässiger Mensch auch als persöhnlichen Angriff falsch verstehen und nicht als konstruktiven Beitrag.

Antwort
von peace1287, 29

Es kommt auch auf das WIE an! 

Wenn zb 2 Deutsche sich über einen Araber lustig machen, dann kann das durchaus rassistisch aufgefasst werden. Die Körpersprache kann außerdem auch vieles unbewusst, deutlich machen.

Allgemein muss ich sagen, dass ich es gut finde wenn das Thema Rassismus sensibel behandelt wird! Den es ist eine Schande, dass Rassismus im 21. Jahrhundert immer noch nicht der Vergangenheit angehört! (Ein Armutszeugnis für die Intelligenz unserer Spezies!)

Wenn dann Rassismus sehr sensibel und penibel ausgelegt wird, so hat das meiner Meinung nach, einen Erzieherischen Charakter. Welcher in diesem Zusammenhang aber auch seine Berechtigung hat! Den wie gesagt! Wir leben im 21. Jahrhundert! Und da sollten Dinge wie Rassismus, langsam aber sicher der Vergangenheit angehören!

Also jammert nicht! Sondern lernt endlich moderne, Weltoffene Menschen zu sein! 

Kommentar von Flohrianus ,

Und da sollten Dinge wie Rassismus, langsam aber sicher der Vergangenheit angehören!

Da stimmen wir hoffentlich alle zu. Aber deine andere Aussage empfinde ich absolut gefährlich:

Wenn dann Rassismus sehr sensibel und penibel ausgelegt wird, so hat das
meiner Meinung nach, einen Erzieherischen Charakter. Welcher in diesem
Zusammenhang aber auch seine Berechtigung hat!

Wenn dann Rassismus sehr sensibel und penibel ausgelegt wird, so hat das
meiner Meinung nach, einen Erzieherischen Charakter. Welcher in diesem
Zusammenhang aber auch seine Berechtigung hat!

Gerade das inflationäre Benutzen des Begriffs Rassismus bewirkt dass dieser einerseits verharmlost wird und andererseits wird hierdurch Rassismus erzeugt wo früher keiner war.

Genauso dein Beispiel. Wenn ich mit und über einem Teil meiner Freunde scherzen kann wie ich will, über die andere Hälfte meiner Freunde aber nicht, da ich mir jedes mal überlegen muss ob ein dritter dies als rassistisch oder sonstwie versteht entsteht Spaltung.
Gerade in unserer Deutschen Geschichte hat dieser Begriff eine absolute Abstemplung zur persona non grata.

Mit anderen Worten, genau diese "erzieherische Wirkung" wie du es nennst erzieht die Leute (uns) dazu dass es zwei Gruppen gibt. Deutsche über die wir reden dürfen wie wir wollen. Alle anderen bei denen mann überlegen muss, wie man etwas formuliert. Das ist die wahre Auswirkung dieser Handhabung.

 

Kommentar von WeicheBirne ,

Wenn dann Rassismus sehr sensibel und penibel ausgelegt wird, so hat das meiner Meinung nach, einen Erzieherischen Charakter.

Genau wie Flohrianus sehe ich solche Äußerungen mit großen Bedenken. Am Beispiel der USA siehst Du wo so etwas hinführen kann.

Dort gibt es inzwischen den Begriff "cultural appropriation". "Cultural appropriation" bezieht sich darauf, daß sich eine Person kulturelle Elemente "aneignet" die nicht zu ihrer Kultur/Ethnie/Rasse gehören.

Das klingt vielleicht erst einmal abstrakt, aber ich möchte Dir einige Beispiele bringen, die ich relativ absurd finde.


1) Einige soziale Aktivisten behaupten, daß "cultural appropriation" Kostüme für Halloweenfeiern miteinbezieht. Hier mal beispielsweise ein Beitrag von so einem Aktivisten

http://www.bustle.com/articles/114814-7-culturally-appropriative-halloween-costu...

Du willst als Indianer gehen? Nicht ok. Als Zigeuner? Nicht ok. Geisha? Nicht ok. Im Sari? Nicht ok. Ägyptische Gottheit? Nicht ok.

Wenn wir das bald in Deutschland haben dürfen wir zum Karneval weder als Rabbiner noch als türkischer Sultan gehen -es sei denn natürlich Du hast jüdische oder türkische Wurzeln.


2) Für einige bezieht "cultural appropriation" die Verwendung der Symbole aus anderen Kulturen mit ein. Hier eine Frau, die sich schämt, daß sie sich einen Traumfänger auf die Haut tätowieren lassen hat.

http://www.xojane.com/it-happened-to-me/cultural-appropriation-tattoo

Darfst Du Dir in Deutschland dann bald kein Tatoo aus arabischen Schriftzeichen auf die Haut tätowieren lassen wenn Du keine arabischen Wurzeln hast? Und was ist mit einem Doppelkreuz wenn Du nicht christlich orthodox bist?


3) Wehe Du trägst mal ein Kleidungsstück aus einer anderen Kultur. Das Museum of Fine Arts in Boston hatte eine Ausstellung über Kimonos, in der Besucher auch mal einen Kimono anprobieren konnten. Dagegen gab es so viele Proteste, daß das Museum die Austellung schloß.

http://www.wbur.org/artery/2016/02/08/mfa-kimono-controversy

Darfst Du in Deutschland dann bald keinen Kaftan tragen wenn Du keine arabischen Wurzeln hast?


4) Einige soziale Aktivisten finden es nicht ok wenn ein Restaurantbetreiber Gerichte aus einer anderen Kultur anbietet.

http://www.npr.org/sections/thesalt/2016/03/22/471309991/when-chefs-become-famou...

Darfst Du dann in Deutschland keine Dönerbude aufmachen wenn Du keine türkischen Wurzeln hast.



Eine extrem penible Auslegung von Rassismus wird irgendwann in eine Verhaltensdiktatur umschlagen. Das entzweit uns als Gesellschaft statt uns zu vereinen und macht uns gerade weniger weltoffen.

Rassismus bekämpft man nicht indem man Menschen unter rassistischen Generalverdacht stellt (Dein Kommentar klingt ein wenig danach). Rassismus bekämpft man am besten wenn man offen mit gegenseitigen Unterschieden umgehen und diese angstfrei erforschen kann. 

Dazu gehört auch, daß man mal gemeinsam über Stereotypen lachen kann oder auch mal Fragen stellen darf, die auf den ersten Blick unangebracht scheinen. Wenn Du all das penibel als rassistisch brandmarkst wirst Du die Verständigung unterbinden und Rassismus fördern.

Antwort
von Bitterkraut, 22

Bei der ganzen ausländerfeindlichen Hetze, die z.Zt. in De abgeht, muß man sich nicht wundern, wenn sich Ausländer betroffen fühlen.

Antwort
von thetee99, 17

Sehr richtig. Willkommen in der Welt der "political correctness"...

Jemanden als A-loch zu bezeichnen, unabhängig von seiner Religion, Hautfarbe oder Herkunft ist das unrassistischste und gleichberechtigste auf der ganzen Welt! ;) Menschen die Unfreundlichkeit direkt auf ihre Herkunft beziehen, sind in Wirklichkeit selber Rassisten.

Kommentar von atzef ,

Dummes Zeug. Rassismus kann ja gerade die entscheidende Ursache dafür sein, jemanden als A-Loch zu beleidigen! Insofern ist das automatisch weder das "unrassistischste" noch "gleichberechtigste", sondern in einer zivilisierten Gesellschaft zunächst immer eine strafbare Beleidigung. Scheinbar möchtest du die Strafbarkeit von Beleidigungen abschaffen...?

Kommentar von thetee99 ,

Natürlich soll es nicht Salonfähig sein, jemanden rüde zu beschimpfen... aber ich denke das klassische "A-Loch-sein", kennt keine nationalen Grenzen, Hautfarben oder Religionen. Jeder von uns hat ein A-Loch und es zeigt doch wunderbar, dass wir im Inneren alle gleich sind.....! :)

Antwort
von Malavatica, 17

Das ist schon so. 

Heute darf man überhaupt keine Kritik mehr äußern. 

Kommentar von koten ,

Der letzte Satz ist reiner Schwachsinn.

Kommentar von Malavatica ,

Träume weiter. 

Kommentar von Miesepriem ,

Klar ist das so! Sobald man eine andere Meinung vertritt z.B. bezüglich der Flüchtlingspolitik ist man fremdenfeindlich, rassistisch und ein Nazi.

Kommentar von koten ,

Davon sprach aber Malavatica nicht. Er schrieb "überhaupt keine Kritik". Das ist etwas anderes!

Kommentar von atzef ,

Das liegt aber nicht pauschal an der "Andersartigkeit" der Meinung, sondern daran, dass sie möglicherweise inhaltlich als "fremdenfeindlich, rassistisch" und neonazistisch bewertbar ist. :-)

Kommentar von Bitterkraut ,

Ich glaub, du hast die Frage nicht verstanden.

Antwort
von Neutralis, 12

Nein, wenn jemand einfach einen anderen beleidigt ist er unfreundlich. Wenn das jemand wegen rassistischen Hintergedanken macht, ist er rassistisch/ausländerfeindlich. Habe noch nie mitbekommen, das sich 2 Autofahrer als rassistisch beleidigt haben, weil der eine den anderen geschnitten hat.

Kommentar von Flohrianus ,

Das sehe ich ja genauso. Aber ich habe schon mitbekommen dass die Zuschauer eines solchen Streits die Teilnehmer in eine Kategorie einteilen.

Kommentar von woflx ,

Wenn der Geschädigte bzw. Benachteiligte bzw. sich benachteiligt Fühlende aber zufällig ein Türke ist, kann genau dieser Vorwurf sehr schnell im Raum stehen.

Kommentar von atzef ,

Und kann ebenso schnell schlicht wahr sein...

Kommentar von Flohrianus ,

kann

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