Frage von Guteman, 48

Mein Cousin nimmt 'Crystal Meth'! Was soll unsere Familie tun?

Guten Abend Gute Frage.net Community. Ich hoffe ihr könnt uns helfen.

Mein Cousin wurde im letzten halben Jahr quasi zu einem anderen Menschen. Aber nicht zum schlechten: Er wurde sich viel sozialer,freundlicher und hilfsbereiter.. Wie ausgewechselt. Doch seit 2 Wochen benimmt er sich unglaublich überhelblich und "überklug" Wegen seinen starken Stimmungsschwankungen vermutete mein Onkel nun, dass er Drogen nehme.

Gestern gab er nach langer Diskusion mit meinem Onkel und Tante zaghaft zu, er nehme seit einem halben Jahr Crystal Meth.

Er sagt, er möchte ja eh selber damit aufhören und selbst einen Entzug machen. Als wir ihm einen Krankenhaus Drogenentzug geraten haben lehnte er aggresiv ab. Er meint, er schaffe das schon alleine. (was wir nicht glauben :( )

Mit seinen Eltern(also meinem Onkel und Tante) kann er nicht in Ruhe reden. Was sollen wir seinen Eltern raten? Was wäre eine gute Entscheidung?? (reden scheint nicht helfen)

Antwort
von VegasEditing, 12

Er meint, er schaffe das schon alleine. (was wir nicht glauben :( )

So wird er es auch sicher nicht schaffen. Ich hoffe ihr habt ihm das so nicht gesagt.

Hat er vorher schon Drogen konsumiert? Hatte er schon mal einen Entzug?
Wenn nein, dann ist es nach einem halben Jahr durchaus möglich, dass er es ohne klinischen Entzug schafft.
Allerdings schafft er den Entzug mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht alleine. Deshalb müsst ihr ihm helfen.
Seid ihr dazu bereit? Bereit ihn von seinen schlechtesten Seiten kennen zulernen und trotzdem noch zu ihm zu stehen? Dann könnt ihr es auch zusammen mit ihm schaffen.

Der körperliche Entzug geht nur einige Tage und sollte nach einem halben Jahr Konsum nicht un-schaffbar sein.
Gebt ihm eine Woche Ruhe und kümmert euch um ihn wie um einen schwer Kranken, denn genau das ist er.
Ist der körperliche Entzug geschafft ist es aber noch lange nicht vorbei, denn das ist der leichte Teil des Entzugs.
Danach kommt die Psyche und das kann echt hart werden.
Er muss immer wen haben der für ihn da ist, dem er vertraut und dem er sich auch anvertraut.
Bestenfalls ist er durchweg mit irgendwas beschäftigt, denn sobald Langeweile aufkommt, fängt auch sofort die Sucht an den Kopf zu f*cken. (Sorry für die Ausdrucksweise, aber das Wort beschreibt den Zustand am besten)

Kifft er? Gras kann einem sehr sehr gut helfen eine Sucht zu überstehen. Falls er also kiffen will solltet ihr als Familie dem nicht im Weg stehen, denn wenn er Methamphetamin konsumiert ist Gras das kleinste Problem. Außerdem ist ein Entzug von zwei Substanzen gleichzeitig, auch wenn er nicht wirklich abhängig vom Gras ist, nochmal um ein vielfaches schwerer als ein "normaler" Entzug.

Kommentar von Guteman ,

Erstmal Vielen Dank für deine hilfe! er hatte mir 18 schonmal einen entzug wie er meinte. er habe es alleine geschafft. Aber seit einem Halben Jahr ist er wird rückgällig geworden.. ich bezweifle das er es schaft.. alleine. da er von seinen Eltern und Großeltern denkt, sie wollen ihn nur in eine klinik 'abschieben' weil sie sich schämen würden glaube ich, dass er sich nicht von den Eltern helfen lassen möchte. glaubst du das hat er nur in seinem 'Wahn' gesagt oder meint er das ernst??

Kommentar von VegasEditing ,

Ich denke schon das er es Ernst meinte. 
Natürlich hat er Angst davor in eine Klinik zu kommen, ich mein wer will das schon?
Deshalb wird er wahrscheinlich anfangs auch kein Vertrauen haben und denken, dass ihr ihn nur dort reinstecken wollt.
Wenn ihr ihm wirklich helfen wollt müsst ihr dieses Vertrauen wieder aufbauen, ihm zeigen, dass euch wirklich was an ihm liegt, das ihr an ihn glaubt und ihn unterstützt. 
So ein Vertrauen baut sich aber nicht von jetzt auf gleich auf. Man braucht dabei sehr viel Geduld.

Zeigt ihm einfach, dass ihr ihm wirklich helfen wollt. Biete ihm immer wieder Hilfe an und sagt ihm, dass ihr auch einen "privaten" Entzug akzeptieren würdet und ihm dabei helfen wollt.

Hat er enge Freunde die davon wissen? Gerade Freunde können einem in einer solchen Situation sehr viel Kraft geben.

Kommentar von Guteman ,

Danke für die Antwort! Lerne sehr viel aus denen Auskünften! Das Problem ist, sein gesamter Freundeskreis(aus dem Dorf) macht das ganze Drogennehmen gemeinsam. Sie Fahren hin und wieder nach Tschechien um Nachschub zu besorgen. Sollen wir versuchen ihn vom Freundeskreis loszureißen, oder versuchen den ganzen Freundeskreis zum Entzug zu bewegen. Die Eltern/Verwandte vom Freundeskreis wissen aber von nichts. Sollen wir es den Eltern sagen? Oder erst direkt mit seinen Freunden reden? (was aber aufjedenfall zu agressiven Handeln ausaten wird) was würdest du machen??

Kommentar von VegasEditing ,

Ok das macht es etwas schwieriger.
Hat er keine Freunde die nicht konsumieren oder zumindest nichts in der Richtung?

In vom Freundeskreis loszureißen wird nicht funktionieren und selbst wenn nicht viel bringen. Erstens, wenn er will wird er weiter mit ihnen Kontakt haben, nur eben hinter eurem Rücken. Zusätzlich wird er noch das letzte Vertrauen in euch verlieren und sich komplett vor euch verschließen.
Auch den ganzen Freundeskreis zum Entzug zu bewegen wird kaum klappen. Erstens muss es nicht heißen, dass alle abhängig sind nur weil sie konsumieren. Es gibt auch einige die gut mit klar kommen und es gelegentlich als Genussmittel, nicht als Suchtmittel konsumieren. Auch muss es nicht sein, dass selbst wenn jemand abhängig ist, er auch bereit für einen Entzug ist.
Konzentriere dich lieber erstmal auf deinen Cousin. Einen Entzug mit "nur" einer Person wird schon anstregend genug werden.

Auch den Eltern der Freunde würde ich nichts sagen, das ist deren Aufgabe, nicht deine. Außerdem weißt du nicht wie die Eltern darauf reagieren.

Mit den Freunden reden könnte was bringen. Würde ich aber erstmal auch nicht machen.

Redet zuerst mal mit der Person um die es euch geht, mit deinem Cousin. Redet ruhig, ohne Vorurteile und ohne Schuldzuweisungen und Vorwürfe mit ihm.
Sagt ihm das ihr ihm helfen wollt, nochmal über einen Entzug nachgedacht habt und auch der Meinung seid, dass er es schaffen kann ohne sich in einweisen zu lassen.
Sprecht mit ihm ab, wann ihr mit dem Entzug anfangen wollt und lasst ihn, wenn er es von sich aus fragt, auch nochmal ein letztes Mal als eine Art "Abschluss" konsumieren.

Macht ihm klar, dass ihr wirklich an ihn glaubt und der festen Überzeugung seid, dass er es schaffen kann.
Lebt er noch zu Hause oder allein? Wenn er alleine lebt bietet ihm an, dass er für die Zeit des Entzugs zu euch zieht.

Das wichtigste am Entzug ist, dass er es will. Er muss einsehen, dass es ihm nach dem Entzug besser gehen wird und dass er die Droge nicht braucht in seinem Leben.

Genauso muss er auch verstehen, dass er es sich mit seinem Freundeskreis nur unnötig schwer macht. Wenn er sich weiterhin mit Menschen umgibt, die das konsumieren, wovon er loskommen will, wird der Suchtdruck extrem hoch sein.
Freunde sind in vielen Fällen der Grund warum (Ex-)Süchtige wieder rückfällig werden.
Geht er noch zur Schule? Auch ein Schulwechsel kann helfen sich von diesem Freundeskreis zu lösen und schnell neue Freunde zu finden. Aber nur, wenn er das auch will.

Kommentar von Guteman ,

Du machst dir echt mühe um unser problem ! herzlichen dank dafür! In dem Dorf wo er lebt gibt es nicht viele gleichaltrige. Und die in seinem Alter sind hängen da mit drinnen. Duech Meth zerstört man sich ja das Gehirn und Körper. Glaubst du nicht, dass wir uns ewig Vorwürfe mechen, wenn wir es den Eltern der Betroffenen nicht sagen? Die könnten ja irgendwann mal selbst dahinter kommen (mann sieht es den freunden ja bereits an dass es bergab geht.. haben eingefallene haut und 'glasrige' adern.. Dx) Gobt es keine andere Lösung? Und mein Cousin arbeitet in einer Firma, in der auch andere Drogensüchtige Freunde von ihm arbeiten. Ich weiß.. klingt auswegslos

Kommentar von Guteman ,

PS: lebt noch bei seinen eltern

Kommentar von VegasEditing ,

Ich helfe gerne und habe viele Drogenkonsumenten in meinem Bekanntenkreis, von denen einige auch (Ex-)Abhängige sind. Diese Erfahrungen die ich mit ihnen gemacht hab teile ich gerne.

Ausweglos ist die Situation keinesfalls. Nur der Ausweg ist, gerade für deinen Cousin sehr unbequem.
Er muss es wirklich wollen und einsehen, dass er sich von seinem jetzigen Lebensstil und somit auch von seinem Umfeld verabschieden muss.
Nach dem was du so erzählt hast, würde eine relativ "drastische" Maßnahme mir am sinnvollsten erscheinen. Ich kenne auch jemanden den diese Maßnahme aus 6,5 Jahren Heroin- und Benzosucht geholfen hat.
Zunächst müsste dein Cousin seinen Job kündigen und sich für die nächste Zeit bei euch aufhalten. Dort kann er dann die erste Zeit des Entzugs verbringen, mindestens bis der körperliche Entzug vorbei ist. Danach sollte er sich in einer weiter entfernten Stadt einen Job und Wohnung suchen und dort versuchen erneut anzufangen. Dafür muss er aber psychisch sehr stark sein, da er die erste Zeit alleine sein wird und dem Suchtdruck so alleine widerstehen muss.
Wie gesagt, einem Bekannten hat es geholfen einen deutlich härteren Entzug durchzustehen, aber nur, weil er es wirklich wollte und sich komplett darauf eingelassen hat. Wenn dein Cousin dagegen ist, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht funktionieren.

PS: Ich kann dir nicht garantieren, dass irgendetwas, von dem was ich sage, klappt. Ich spreche hier nur aus Erfahrungen die ich mit Süchtigen gemacht habe oder aus Erzählungen von (Ex-)Süchtigen.

Kommentar von Guteman ,

danke. ich hoffe es wird alles gut

Antwort
von Ille1811, 12

Hallo!

Zusätzlich zur Drogenberatungsstelle nehmt mal Kontakt zu Naranon
http://www.naranon.de/
auf. Das ist eine Selbsthilfegemeinschaft für Angehörige und Freunde von Drogenabhängigen.

Kommentar von Guteman ,

danke

Antwort
von helfertantchen, 34

Wie alt ist er denn? Wenn er 18 ist, ist das ganze etwas schwieriger was Behandlung und Therapie betrifft, da er selber entscheiden darf

Kommentar von Guteman ,

er ist über 18. wir wollen ihn aber nicht zwingen.. sonst verliert er den halt in der familie komplett

Kommentar von helfertantchen ,

Da muss er wohl leider erstmal selbst auf die Schnauze fallen und sehen was er da mit sich selbst anrichtet. Ihr als Familie könntet euch bei Drogenberatungsstellen informieren und bei Psychologen..seid einfach für ihn da wenn er jemanden braucht.

Kommentar von Guteman ,

danke. besteht eine Selbstmordgefahr, wenn wir in "fallen lassen"?

Kommentar von helfertantchen ,

Das kann man so nicht sagen, aber bei Drogen muss man generell aufpassen da sie einen auch psychisch mega zerstören wie es leider ist...bei Selbstmordgefahr kann er zwangseingewiesen werden nach richterlichem Beschluss.

Kommentar von Guteman ,

ok vielen dank würdest du ihn rausschmeißen? rät zumindest die Drogen-hotline

Kommentar von helfertantchen ,

Würde ich nicht. Ich würde aber seine Drogen sofort wegschmeißen wenn ich so etwas zu Hause sehen würde. Aber wenn er immer weitermacht mit den Drogen und sich nicht bessern will, dann muss man leider etwas hart sein und ihm ein Ultimatum stellen.

Kommentar von Guteman ,

ok , aber wäre is gut, wenn er sich selbst dazu entschließen muss, die drogen wegzuschmeißen, also wirklich selber

Kommentar von helfertantchen ,

Ja, natürlich aber er muss es natürlich wollen. Ich selbst würde es einfach nicht ertragen Crystal Meth bei mir zu Hause zu sehen oder sonstige Drogen.

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