Frage von mazzeron, 203

Mein Chef hat bei einer Weihnachtsfeier gestanden, dass er seine Ausbildung nicht bestanden hat. Würdet Ihr ihn trotzdem für voll nehmen?

Anerkennung Chef wegen fehlender Ausbildung

Antwort
von Kuro48, 112

Wieso solltest du ihn nicht für voll nehmen? Das ist doch das Problem was wir generell im Arbeitsleben haben. Leute werden an ihren Abschlüssen gemessen und müssen schnell, schnell alles schaffen. Dein Chef ist doch kein Idiot deswegen. Vielleicht war das nichts für ihn, vielleicht hatte er private Probleme, vielleicht wollte er in Wirklichkeit was ganz anders.

Wenn er ein netter Typ ist und seinen Laden zu führen weiß, solltest du lieber froh und stolz sein bei ihm zu arbeiten. Denk an dem Punkt erst einmal nach wie schwer es ist auch noch ohne Abschluss im Leben was zu erreichen, wenn viele genauso denken wie du und ihn lieber heute wie morgen in irgendeine Hilfsarbeit gesteckt hätten. Unter den Umtänden sowas aufzubauen und am laufen zu halten wenn man gerade zu Beginn eher noch um Anerkennung buhlen muss, ist eher eine wunderbare Leistung. Denk da auch mal 5 Minuten dran wo du stehst. Dieser Mann zahlt dir dein täglich Brot aus und scheint einen ziemlichen Teil an Vertrauen in dich zu stecken und musste bis zu dem Punkt sehr hart arbeiten und wird es wohl heute noch.


Kommentar von mazzeron ,

Ja das stimmt er ist ein Workaholic und er hat sich das von ganz unten aufgebaut er sagt er verlangt von jeden nur das was er auch von sich selbst verlangt. Erhält damals Verkäufer gelernt und ist beim Kaufmann im Einzelhandel durchgefallen. Heute ist er in der Baubranche und sagt unseren Ingenieuren was Sie zu tun haben. Es ist ja nicht so das er kein Abschluss hat, er hat nebenbei weil er wohl auch Probleme damit hatte das er damals durchgefallen ist den Betriebswirt in Handwerk gemacht hatte eine Ausnahme Genehmigung bekommen weil er schon 8 Jahre selbstständig war.

Kommentar von mazzeron ,

Er sagt aber auch das es für ihn keine Zeugnisse Noten zählen sondern der Mensch der was leistet

Kommentar von mazzeron ,

aber ich wundere mich warum er das gesagt hat, ich meine jetzt macht er sich ja angreifbar, Wen er mal hart durchgreift kann jetzt der ein oder ändere sagen was will der den ist doch sogar mal durch die Ausbildung gefallen und selber doof.

Kommentar von Kuro48 ,

Er vertritt doch nur seine Meinung. Für ihn zählt der Mensch und nicht nur die Noten. Er geht danach wer was leisten will und seiner Meinung nach ein guter Mensch ist. Für ihn ist der Angestellte nicht nur die Anzahl seiner erreichten Noten oder Abschlüsse, sondern ein individuelles Wesen, von dem er einfach nur Leistung möchte, egal was das Papier über ihn sagt. Womit er auch nicht falsch liegt. Der motivierte Schulabbrecher kann am Ende besser sein als ein Abiturient der meint nur das Nötigste tun zu müssen.

Damit ist er das Paradebeispiel, das eben auch er aus eigener Kraft weiter gekommen ist weil er es wollte, weil es vielleicht ebenso Menschen gab die ihm eine Chance gaben und nicht nur weil das Papier ihn als fähig auswies.
Wer selbst mit diesem Vertrauen von ihm eingestellt wurde und dann so über den Chef denkt, sollte sich eher in Grund und Boden schämen.

Davon ab ist es noch immer der Chef, so nett er auch der Kumpel sein mag. Was er sagt gilt. Er hat ja scheinbar sogar einen Abschluss noch nach gemacht und viel wichtiger, Erfahrung in dem was er macht. Als Selbstständiger steht da seine Existenz auf dem Spiel und dementsprechend hat man auch nicht selbst nach seiner Meinung rumzucaspern, weil man meint toller als der Chef zu sein.

Es ist völlig belanglos was früher war. Jetzt hat er das Wissen, wenn auch auf einen anderen Weg (warum muss es denn immer derselbe sein?) und ist der Chef, Ende. Wer so oberflächlich ist seinen Arbeitgeber danach abzuwerten, der möge sich dann doch einen Arbeitgeber suchen, der seine Ansprüche erfüllt oder es besser machen. Wäre ich der Chef würde ich jeden der meint sich toller zu fühlen mal zurechtweisen oder rauswerfen sofern Eigenmächtigkeiten etc. kommen. Da ist dann die Frage wer schlechter darsteht. Der ohne Abschluss im Chefsessel oder der mit Abschluss bei der Jobsuche.

Kommentar von mazzeron ,

Da wirst du vielleicht recht haben. aber sollte seine Existenz einmal auf den Spiel stehen, oder die Firma geht Insolvenz was ich ja nicht hoffe dann sieht das in sein Lebenslauf wiederum nicht so gut aus .

Kommentar von Kuro48 ,

Wieso sollte er? Er ist mittlerweile Betriebswirt und kann bis dahin mit seiner Firma X Jahre Erfahrung und Erfolg nachweisen. Meinst du wenn jemand schon so einige Jahre gearbeitet hat und bei weitem aussagekräftigere Erfahrungswerte vorweise kann, würde irgendwer noch groß danach krähen was er vor...wie alt ist er? 10, 20 Jahren in seiner Ausbildung für eine Note hatte. Das ist überspitzt gesagt, als hättest du bei deiner Ausbildung zur Bewerbung das Grundschulzeugnis vorlegen müssen.

Es gibt im Leben nicht nur einen Weg und scheinbar läuft es doch, warum sollte er mitmal pleite gehen? Außer alle bei euch denken wie du und fahren dank Alleingängen den Karren an die Wand. Allein die Logik ist doch für den Mülleimer. Jemand mit Kaufmannsausbildung soll besser sein als euer Chef der sich das mühsam erarbeitet hat und sich viel Fachwissen in Eigenregie aneignete? Auf den Chefsessel könntest du nicht jeden setzten, nur weil er diese eine Ausbildung hat. Davon ab steht der Betriebswirt über dem normalen Kaufmann. Wenn man nicht gut genug zum Kaufmann wäre, würde man auch nicht den Betriebswirt schaffen.

Ich frage mich auch welches Recht deinerseits besteht ihn anzuzweifeln. Stell dir vor du hättest ein Abitur und dein Chef "nur" Hauptschule, wäre dann das Denken auch da? Baut ihr euch erst mal ein Unternehmen der Art eures Chefs selbst auf und haltet ihr euch dann am Markt, dann kann man weiter reden. Man kann in dem Punkt das ganze auch umdrehen, viele von euch werden trotz dieses Abschlusses immer nur die kleinen Angestellten bleiben. Ich frag mich allerdings ob man die Ausbildung nicht eh umgestalten müsste, wenn nicht mal darin Respekt vor dem chef gelehrt wird.

Würde jeder Abiturient in einer Ausbildung so auf seinen Chef runter blicken, der vielleicht einst "nur" Realschule oder ähnliches machte, könnte man alle Abiturienten in den Mülleimer schmeißen. Kein Betrieb braucht Leute die sich selbst wegen ein paar Papieren für toller als alle anderen halten. Das ist falscher Hochmut.

Davon ab, was euer Chef im Ernstfall machen würde, geht euch auch nichts an. Der hat sich bis jetzt immer weiter nach, oben gekämpft, der weiß schon wie er nach Misserfolgen wieder aufzustehen hat.

Kommentar von mazzeron ,

Ja mit den Betriebswirt hast du recht der steht sicherlich über den Kaufmann aber schon komisch das er dann den Kaufmann damals nicht geschafft hat! Ich frage mich nur warum man Abitur und Ausbildung macht wenn man es auch so schaffen kann wenn das Schule machen würde hätte ja keiner mehr Bock zur Ausbildung und würde sagen das schaffe ich auch so.

Vielleicht verstehe ich es auch nicht wie er dann so etwas aufbauen konnte ich habe immer gedacht um ein Gewerbe Anzumelden braucht man eine Ausbildung so mal wir selber 2 Auszubildende haben wenn die wissen das der Chef selber seine Ausbildung damals nicht geschafft hat ist das doch eigentlich auch wieder blöd. Aber du hast recht wahrscheinlich überrascht es mich nur so weil ich das nie von ihn Erwartet hätte weil er nicht so einen Eindruck macht und auch  unsereIngenieuren grossen Respekt vor ihm haben.

Wahrscheinlich muss ich hier wirklich Umdenken da er ja sonst zwar auch ein sehr strenger Chef sein kann aber auch immer sehr fair ist.

Und unser Unternehmen ein sehr guten Ruf genießt soll es jetzt endlich auch egal sein.

Ich bewundere ja auch irgendwie sein Selbstbewusstsein! das er das so offen erzählt.

Danke für deine ausführlichen Antworten.  

Kommentar von mazzeron ,

Ach so und mein Chef ist 33 hat mit 23 die Firma aufgebaut

Kommentar von mazzeron ,

und ich glaube nur Hauptschule aber nochmal Danke für Deine Antwort.

Kommentar von Kuro48 ,

Weil es der sicherere Weg ist und nich jeder in eine Selbstständigkeit geht. Dies zu erarbeiten erfordert um einiges mehr, als nach einer Ausbildung jeden Tag seine 8 Stunden weg zu arbeiten.

Muss man im übrigen nicht. Ein Gewerbe kann vom komplett Unausgebildeten bishin zum Professor der Philosophie jeder betreiben. Für die Azubis sollte das nichts anders machen. Ein Chef kann auch Branchenfremd sein oder ein Quereinsteiger aus einer anderen Berufsgruppe oder eben erst durch ein Studium dorthin gekommen sein. Ein Azubi ist an der Stelle eh für sich selbst verantwortlich. Bei einer Ausbildung ist man in der Regel mindestens 16, in dem Alter sollte man reflektieren können, dass das eigene Leben nicht so sein muss wie das des Gegenüber.

Ich denke ein Umdenken wäre da wirklich gut. Stell dir vor du hättest in deiner Schullaufbahn irgendwas falsch gemacht oder durch eine Situation die du nicht beeinflussen kannst deinen gerade Lebensweg erst einmal verloren. Sollte man dir dann nun ein Leben lang vorhalten, dass in der Situation etwas schief lief oder sollte man nicht viel mehr stolz sein, wo man es dann nach so einer Schwierigkeit hin geschafft hat? Das Leben ist nicht zu jedem nett und viele haben eben ihr Päckchen zu tragen.

Kommentar von mazzeron ,

Ich hätte nicht gedacht das es Leute gibt die so reflektiert darüber denken wie du .

Du scheinst intelligent zu sein.

Und wenn ich ehrlich bin kann ich Deinen Argumenten nichts mehr entgegensetzen.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit hast du recht.
Er muss damals irgend ein Grund bzw.. Auslöser gehabt haben seine Prüfung nicht zu schaffen.
Und wenn man neben der Selbstständigkeit sein Abschluss als Betriebswirt schafft und sein Unternehmen führt kann man nicht blöd sein.
wahrscheinlich war ich nur Überrascht weil es nicht der übliche Weg  bzw. es eher selten ist das man mit so einer Historie so etwas aufbaut die meisten hätten wahrscheinlich den Kopf hängen lassen. Und er hat wohl trotz alle den an sich geglaubt.

Ich danke Dir für Deine Kluge Sichtweise der Dinge ich werde auch Dank deiner Sichtweise meinen Chef morgen bei der Arbeit mit anderen Augen sehen.

Man ist wahrscheinlich in Deutschland so geprägt   nur auf Zertifikate zu gucken obwohl wie du sicherlich recht hast die Leistung und Erfahrung  wichtiger sein sollte danke Dir .

Antwort
von wurstkaesesalat, 115

ja natürlich!!

Immerhin hat er es trotzdem geschafft Chef zu werden. Und als Chef ist er dein Vorsitzender. Nur weil ihm die Ausbildung fehlt, die du vielleicht sogar hast, ist er nicht gleich nicht mehr als voll zu nehmen!

Ein Chef hat meiner Meinung nach allen respekt verdient, einige wissen glaube ich gar nicht wie viel Aufwand und Arbeit es ist ein Chef zu sein!

Antwort
von Grauspecht, 81

Auf jeden Fall, schließlich hat er es ja dazu gebracht, das er heute dein Chef ist.
Früher waren andere Zeiten.
Ich kenne einige, die keine richtige Ausbildung haben, aber jetz z.T. in höheren Positionen arbeiten.

Kommentar von mazzeron ,

Ich glaube er hätte es wohl auch nicht gesagt wenn er nicht ein bisschen beschwipst gewesen wäre ich war nur überrascht weil er wirklich was großes aufgebaut hat und wirklich Ahnung hat .

und selbst immer Wert auf Ausbildung gelegt hat.

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