Frage von FreakiiLoveee, 54

Mein Arzt hat erfahren dass ich depressiv bin, schweigepflicht?

Also mein Arzt hat erfahren dass ich depri bin und mich ritze.. und ehm ich will aber nicht dass sie es meinen Eltern sagt. Ich bin streng religiös und meine Eltern würden das niemals verstehen.. ich würde nur mehr in das "Loch" hineinfallen. Mein Arzt will es ihnen aber sagen.. was soll ich machen? Darf er das überhaupt? Bitte versteht mich nicht alle Eltern reagieren fürsorglich und liebevoll zu ihrem Kind wenn soetwas passiert... :( Ärzte haben doch eine schweigepflicht oder? Bin grad am verzweifeln

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von nachdenklich30, 5

Hallo FreakiiLoveee,

sprich bitte mit Deinem Arzt darüber, welche Befürchtungen Du im Blick auf Deine Eltern hast. Dann könnt Ihr gemeinsam überlegen, was für Dich das Beste ist.

Was mir nicht ganz klar ist: Bist nur Du selber so streng religiös oder sind es Deine Eltern auch?

Ich bin selber Geistlicher, und es tut mir in der Seele weh, dass Dein Glaube Dich in einer solche Leidenssituation hinein geführt hat.

Einer der wichtigesten Bibelverse für mich findet sich in 1. Kor 13,13: Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Glaube ist sehr wichtig. Aber Paulus sagt zu Recht, dass es etwas noch Wichtigeres gibt als den Glauben, und das ist die Liebe.

Die Liebe zu Gott, die Liebe zum Nächsten - und die Liebe zu Dir.

Mein Gefühl ist, dass Ihr in Eurer Familie den Glauben so lebt, dass für die Liebe zu Dir gar kein Platz mehr ist. Und immer wenn das so ist, dann ist auch an diesem Glauben etwas falsch.

Wir feiern gerade das Jahr der Reformation. Martin Luther hat unheimlich religiöse Anstrengungen unternommen, um Gott gnädig zu stimmen. Er hat sich unter einen fast unerträglichen Druck gesetzt, und er hat damit seine Klosterbrüder ebenfalls so sehr unter Druck gesetzt, dass die es nicht mehr aushalten konnten. Seine wichtigeste biblische Erkenntnis war dann zum Glück: Wir müssen Gott nicht gnädig stimmen, weil Gott schon immer ein gnädiger Gott war und ist und bleiben wird.

Ich weiß jetzt nicht, ob Du Christ bist oder Moslem oder etwas anderes.

Aber ich würde Dir wünschen, dass Du Dich auf den Weg machen kannst, diesen gnädigen Gott kennen zu lernen (auch im Islam ist übrigens die wichtigste Gottesbezeichnung "der Erbarmer"!).

Wenn Dein Glaube Dir den Weg versperrt, darüber mit Deinen Eltern zu sprechen, und wenn der Glaube Deinen Eltern den Weg versperrt, mit Dir so darüber zu sprechen, dass Du Dich nicht mehr ritzen musst, gäbe es für dich auch die Möglichkeit, zunächst für eine Weile bei Deinen Eltern auszuziehen.

Wir haben in unserer Familie selber Pflegekinder (bei Dir müsste man ja fast schon "Pflegejugendliche" sagen) in Deinem Alter in der "Bereitschaftspflege" gehabt, die einen solchen Weg gegangen sind. Sie haben sich beim Jugendamt gemeldet, dort ihre Schwierigkeiten benannt und gesagt, dass sie auf keinen Fall nach Hause zurück können und sind auch dabei hart geblieben. Das Jugendamt hat dann unmittelbar nach Möglichkeiten gesucht, diesen Jugendlichen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen, in dem sie sicher und ohne den unerträglichen Druck leben konnten. Und so lebten sie einige Wochen bei uns.
Manche dieser Jugendlichen haben dann im Laufe der Zeit beschlossen, dass sie wieder zurück zu ihren Eltern können. Andere haben von uns aus andere Wege gefunden, über die sie vom Jugendamt beraten wurden, und bei denen sie vom Jugendamt unterstützt wurden.

Egal, an wen Du Dich da wendest: Du kannst alle bitten, Dich erst ohne Kontakt zu Deinen Eltern zu beraten, wie Dir geholfen werden kann.

Nochmal zum Thema Glaube: Ich habe es immer wieder erlebt, dass Religionen behaupten, es stünde etwas so und so in den Heiligen Schriften. Und vielleicht kann man manchen Wortlaut auch so verstehen, wie er in diesem Vers steht. Aber im ganzen Zusammenhang dieser Heiligen Schrift kann man den Vers auch ganz anders verstehen. Das haben sie einem aber nie verraten. Sie behaupten dann, wenn man es anders sieht, man sei vom wahren Glauben abgefallen. Leider habe ich es viel zu oft selber erlebt, dass man mich dabei belogen hatte. Gerade auch frommen Menschen kann man in Glaubensdingen nicht immer vertrauen. Das zu erkennen war für mich nicht einfach. Wenn der Glaube Dir so sehr zusetzt, dann bin ich sicher, dass an diesem Glauben etwas nicht stimmt - und nicht an Dir, der Du so darunter leidest.

Dein Glaube macht es Dir gerade so schwer, Hilfe von außen anzunehmen.

Ich wünsche Dir die Kraft, die Du brauchst, um "über Deinen Schatten zu springen" (wie man so schön sagt) und einen Weg zu finden, auf dem Du die Hilfe bekommst (und annehmen kannst!), die Du jetzt brauchst.

Kommentar von FreakiiLoveee ,

Ich bin Moslem und meine Eltern sind streng religiös. Das mit der Pflegefamilie hört sich gut an, aber dass darf ich nicht.. also von zu Hause raus. Meine Eltern würden mich nur noch mehr hassen.. D:

Kommentar von nachdenklich30 ,

Hallo FreakiiLoveee,

da hast Du es wirklich schwer.

Weil im Islam noch stärker als in manchen christlichen Gruppierungen die Familie wichtig ist und das Verständnis für psychiatrische Fragen noch geringer ist.

Zum Arzt: Wenn Du mit ihm offen über Deine familiäre Problematik sprichst, wird er sich gegen Deinen Willen sicher nicht an Deine Eltern wenden. Aber vielleicht kannst Du mal schauen: Ich weiß von einer psychiatrischen Sprechstunde eines türkisch-muslimischen Arztes an der Klinik in Krefeld:

http://www.klinik-koenigshof-krefeld.de/behandlungsangebote/tuerkischsprachige-a...

(Wobei: Wenn Du Moslem bist, musst Du ja nicht automatisch Türke/türkisch-stämmig sein.)

Aber der Arzt (zumindest der, den ich dort in einer Fortbildung kennen gelernt habe) ist praktizierender Moslem, vielleicht kann er Dir auch aus muslimischer Sicht Hilfe vermitteln.

Und auch das Jugendamt steht zunächst einmal unter Schweigepflicht. Gerade in einer Situation wie bei Dir werden die nichts ohne Dein Einverständnis machen. Aber sie können Dir gerade in Deiner sehr schwierigen Situation helfen, Hilfsangebote zu finden.

Ich kenne Deine Eltern nicht. Aber manchmal kann man von ihnen überrascht werden - zum Guten und Positiven. Vielelicht braucht es einmal das Gespräch von außen, um ihnen klar zu machen, wie sehr Du sie jetzt brauchst, aber dass sie ihr Verhalten Dir gegenübe rauch ändern müssen. Wenn Du mithilfe des Jugendamtes und Deines Arztes muslimische Gespärchspartner finden solltest (manchmal gibt es auch im Jugendamt muslimische Mitarbeitende!), könnte das eine große Hilfe sein.

Wenn es aber hart auf hart kommt, musst Du wissen,

1. dass Du der wichtigste Mensch in Deinem Leben bist. Mit Depressionen ist nicht zu spaßen und mit seinen Suizidgedanken noch weniger. Wenn Du darüber nachdenkst, wirst Du für Dich die Reißleine ziehen und Deine Familie zumindest für eine Zeit verlassen müssen.

2. dass Deine Familie mit einen Suizid nicht wirklich leben kann. Nach muslimischer Auffassung ist Suizid nicht nur verboten, sondern verlierst Du gewissermaßen Dein Anrecht auf den Himmel. Das sehe ich anders, und wenn dies wegen Deiner Krankheit geschieht, war es ja nicht Dein freier Wille. Gott, der Barmherzige, wird Dich nicht im Stich lassen. Das wird Deine Familie aber nur schwer verstehen können - bis an ihr Lebensende.

Wenn Du das bedenkst, ist vielleicht im schlimmsten Falle eine Trennung sowohl für Dich (denn Du willst doch leben! Aber nicht so wie jetzt) und für Deine Familie (selbst wenn sie Deinen Schritt gerade nicht versteht) die für alle Seiten bessere Lösung.

Aber sprich damit vertraulich mit Menschen, die Dir helfen können.

Ich wünsche Dir noch mal alles Gute und viel Kraft!

Antwort
von AriZona04, 31

Die Schweigepflich gilt!

Du tust mir unendlich leid, weil Eltern gerade in solchen Situationen für Ihre Kinder da sein sollten. Gut, hast Du Dir natürlich nicht ausgesucht. Könntest Du mit Eurem Vertrauenslehrer darüber sprechen, vielleicht kann der vermitteln?

Antwort
von Akka2323, 28

Es kommt darauf an, wie alt Du bist und ob Du Dich gesundheitlich gefährdest. Da darf er nicht schweigen. Er könnte auch das Jugendamt informieren.

Antwort
von Maaaryyy, 19

Unter 18 hat der arzt zwar schweigepflich aber er darf es deinen Eltern erzählen. Es darf es nicht anderen menschen erzählen z.B deinen Nachbarn

Antwort
von CharaKardia, 30

Mit 15 ist der Arzt verpflichtet, es deinen Eltern zu sagen und dir/euch Hilfe zukommen zu lassen. Auch wenn Ritzen bisweilen "in" ist, ist eine ernstzunehmende Problematik und absolut kein normales Verhalten.

Kommentar von FreakiiLoveee ,

ich mache es ja nur selten wenn es mir wirklich richtig schlimm geht aber ich will nicht das er es weitererzählt

Kommentar von CharaKardia ,

Er wird es nicht jedem x-beliebigen weitererzählen, das darf er nicht. Er MUSS es aber deinen Eltern sagen, sie sind erziehungsberechtigt und du aktuell offenbar nicht in der Lage, eigenverantwortlich zu agieren. Die Schweigepflicht für Minderjährige gilt nur dann, wenn sie selbst einsichtig genug sind und damit umgehen können. Innerhalb einer Depression bezweifel ich das stark.

Kommentar von FreakiiLoveee ,

Nein meine Eltern werden aber nicht so wie andere Eltern reagieren einer der Gründe wrm ich überhaupt angefangen habe mich zu ritzen

Kommentar von CharaKardia ,

Dann bekommst du vielleicht Hilfe beim Vertrauenslehrer, Sozialarbeiter oder Seelsorger deiner Schule oder beim Jugendamt.

Antwort
von datboi1, 17

Ja, wenn er etwas sagen sollte, macht er sich höchst strafbar und das sollst du ihm klarmachen, damit ers nicht macht

Antwort
von Kuestenflieger, 24

wer soll denn sonst helfen, wenn nicht die eltern  -- oder ist das mal wieder trollerei vom schüler ?

Kommentar von FreakiiLoveee ,

Meine Eltern würden mir nicht helfen sie würden sich - wie jetzt auch- für mich schämen, da es bei uns verboten ist!

Kommentar von Kuestenflieger ,

wer verbietet ? nur idiotische mähr von sehr dummen anführern.

Antwort
von markarete, 30

Wie alt bist Du denn? Wenn Du unter 18 bist, könnte ich mir vorstellen das er von der Schweigepflicht gegenüber Deinen Eltern befreit ist.

Weiß es aber nicht 100%

Kommentar von FreakiiLoveee ,

bin 15..

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