Frage von dondorano, 52

Mein 3 j. Hafi ist gleich beim kauf entwurmt worden(viele Weiße Würmer) nach 2 Wochen wieder entwurmt und jetzt nach 2 Wochen im Mist Würmer ist das normal?

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 12

Sichtbefunde kann man nicht beurteilen. Zweimal hintereinander Medikamente eingeben ist jedoch grober Unsinn und bringt das Darmimmunsystem völlig durcheinander. Warum Tierärzte das anordnen, kann ich mir nur damit erklären, dass die es für viele verschiedene Tierarten gelernt haben und da wohl gelegentlich was verwechseln oder Parasitologie einfach nicht ihr Spezialgebiet ist. Die Medikamente wirken je nach Wirkstoff meist 6 bis 8 Wochen und in der Zeit werden tatsächlich die toten Würmer ausgeschieden, was ja auch Sinn der Sache ist. Entsprechend bringt es gar nichts außer zusätzlicher Belastung, da nochmal nachzuballern.

Wichtig ist heute, da man in der Vergangenheit schon viele Wurmpopulationen auf die diversen Wirkstoffe resistent gemacht hat, weil man einfach los geballert hat, erst mal den Status zu ermitteln. Die Laborverfahren dazu heißen "McMaster" und "kombinierte Sedimentation / Flotation". Untersucht Dir jemand per reiner Flotation, lass Dich nicht drauf ein, den Befund kannst beim Pferd in aller Regel in die Tonne kippen, für die meisten Parasitenfälle ist der unsinnig.

Am besten suchst Dir einen Parasitenspezialisten, der nach den Regeln der Zeitgemäßen Selektiven Entwurmung (ZSE, oft auch SE oder ZE) arbeitet, einem Konzept, das genau dafür entwickelt wurde, nicht tausend Resistenzen zu erzeugen und wenn's drauf ankommt, hilft nichts mehr. Das Konzept ist aber noch so neu, dass viele Tierärzte, wenn sie ihre jährlichen Fortbildungen nicht ausgerechnet zu dem Thema machen, noch gar nicht genau wissen, wie das geht und nur so ungefähr machen oder sogar noch davon abraten, weil sie sich noch nicht genau genug damit befasst haben. Vorgehen wird Dir dort geraten:

Beim Dreijährigen je nach gegebenem Wirkstoff und Randbedingungen 6 Wochen nach der letzten Eingabe beproben. Beim ersten Mal immer nach beiden Laborverfahren, weil die komb. Sed./ Flot. Aufschluss drüber gibt, von welchen Parasitenarten wir überhaupt sprechen und im McMaster festgestellt wird, wieviele Eier pro Gramm Kot von den Wurmarten vorliegen. Da wird also quantitativ gezählt. Dann hat man einen Messwert. Liegt der unter einer Schwelle, von der man sagt, bis dahin sind die Würmer dem Pferd sogar nützlich, so behandelt man nicht. Aber wenn ein Schwellenwert überschritten wird, wo man davon ausgeht, dass das Pferd die Wurmpopulation nicht mehr selbst auf einem gesunden Maß halten kann, dann behandelt man. Beim Jungpferd ist das öfter so, denn das Gleichgewicht halten macht das Darmimmunsystem, das in den ersten Lebensjahren erst mal trainiert wird. Übrigens haben von Geburt an selektiv entwurmte Pferde meist schon mit drei ein top Darmimmunsystem, mit dem sie das alles selbst regulieren können, wohingegen erwachsene Pferde länger nach dem Konzept gemanaged werden müssen, um das zu erreichen. Welchen Wirkstoff man im Fall einer Behandlungsnotwendigkeit einsetzt, wird an Randbedingungen festgemacht. Diese können sein: Die Entwurmungshistorie des Pferdes, der Befund natürlich, die Entwurmungshistorie des Bestands, in dem das Pferd lebt und vieles mehr. Dazu wird man in einem Anamnesebogen eingehend befragt von den ZSE-Profis.

Um auszuschließen, dass man einen Wirkstoff erwischt hat, auf
den die Parasitenpopulation resistent ist, macht man zwei Wochen nach
Eingabe eine Wirksamkeitskontrolle. Wieder per McMaster, nimmt den sich
daraus ergebenden Zahlenwert und sieht nach, wieviele Prozent der
Wurmeier verschwunden sind.

Prinzipiell besagt inzwischen die Erfahrung mit dem Konzept, dass man praktisch alle Pferde (bis auf ein paar wenige Ausnahmen, meist welche, wo der Darm mit anderem überlastet ist, z.B. auch mit falschem Futter) runter bringt zum Null- oder Niedrigausscheider. Nullausscheider sind keine armen Pferde, die ohne Würmer leben müssen, sondern welche, die es schaffen, ihre Parasitenpopulation so niedrig zu halten, dass sie immer unter der Nachweisgrenze liegen. Ab und zu wird zu einer Larvenanzucht geraten, weil durch Importpferde auch die großen Strongylidenarten wieder da sind, die es in DE praktisch nicht mehr gab und die schwieriger im Rahmen zu halten sind und man das im Auge behalten möchte. Ob man nun kleine oder große vor sich hat, sieht man den Eiern nicht an und meines Wissens den Würmern auch nicht, lediglich den Larven unter dem Mikroskop sieht man es an. Also nimmt man Kot mit Eiern und züchtet, bis da Larven zu finden sind. Da sieht man dann, dass sich aus einer größeren Menge Kot doch auch bei einem Nullausscheider das eine oder andere Würmchen entwickelt. Niedrigausscheider sind welche, die zwar immer ein paar Eier ausscheiden, aber die Schwelle, ab der man behandelt, nicht überschreiten.

Antwort
von beglo1705, 16

Kotprobe zum Tierarzt und die Art der Würmer bestimmen lassen. 

Pauschalentwurmung schürt Resistenzen und schädigt den Organismus deines Pferdes. 

Entwurmt wird bei mir nur nach Analyse des TA, nur so ist die effizienteste Wirkung mit dem wenigsten an Risiko möglich. Kostet irgendwo zwischen 20 und 30 Euro. 

Antwort
von WinniePou23, 34

Huhu,

das ist dann normal, wenn man nicht das passende Entwurmungsmittel hat. Nicht jede Wurmkur tötet jeden Wurm.

Am besten wäre es, eine Kotprobe mit den Würmern über den Tierarzt ans Labor zu geben und sich dann die passende Wurmkur vom Tierarzt geben zu lassen.

Liebe Grüße

Kommentar von Baroque ,

Dass da was ausgeschieden wird, deutet eher auf die gute Wirkung hin, nicht darauf, dass der Wirkstoff nicht wirkt.

Kommentar von WinniePou23 ,

Nur kommen die Würmer bei der Fragestellerin erst zwei Wochen nach der Entwurmung aus dem Pferd raus. Nach meinen Erfahrungen kommen die Würmer immer deutlich früher raus, wenn die Wurmkur angeschlagen hat.

Antwort
von FelixFoxx, 23

Nein, die Würmer sollten per Kotprobe bestimmt werden, wenn der Befall so enorm ist, muss die Wurmkur vielleicht mehrfach intravenös gegeben werden.

Kommentar von Baroque ,

Bitte nie, nie, nie intravenös geben! Es hat seine Gründe, dass das für Equiden nicht zugelassen ist. Umwidmen darf der Tierarzt nur dann, wenn kein Equidenmedikament verfügbar ist - sonst macht er sich strafbar. Nach dem, was man heute drüber weiß, was passiert, wenn man injiziert, bin ich schwerst erstaunt, warum Tierärzte sich immer noch so weit aus dem Fenster lehnen.

Dass die Injektion nicht bis maximal wenige Prozent der Wirkung des eingegebenen Medikaments hat, ist inzwischen nachgewiesen und die Nebenwirkungen, die doch ziemlich häufig auftreten, sind schlimmst.

Ich such mal, ob ich den Artikel wiederfinde, den neulich ein paar Parasitologen dazu herausgegeben haben.

Kommentar von FelixFoxx ,

OK, ich wußte nur von einem Fall, wo das bei einem Isländer gemacht wurde, ist aber mindestens 15 Jahre her. Zum Glück waren unsere eigenen Pferde nie so stark verwurmt...

Antwort
von Secretstory2015, 28

Nein, es ist nicht normal. Man muss schon auch nach Gattung entwurmen, nicht gegen jeden Parasiten hilft jede Wurmkur gleichermaßen. Also, Kotsammelprobe machen und ab ins Labor damit. Und dann entsprechend weiter entwurmen. Und bitte, sobald die Viecher weg sind, den Darm wieder aufbauen.

Kommentar von Baroque ,

KEINE Sammelproben!

Erstens nicht von mehreren Tieren, man muss wissen, welches Tier zu entwurmen ist.

Und zweitens nicht von mehreren Tagen, weil diese Befunde dann niedriger sind als die von einem Kothaufen und sofort ab zur Post. Im ungünstigen Fall ist der Befund eines behandlungsbedüftigen Pferdes dann fälschlicherweise unter dem Schwellenwert.

Mehrtagesproben hat man früher empfohlen, zu Beginn der Forschung, als man noch nicht wusste, dass die Werte über die Tage konstant sind und empfiehlt es noch für den Fleischfresser, weil der ganz andere Parasitenarten hat. Heute weiß man, wenn die Proben im Tütchen auf ihre Untersuchung warten, schlüpfen Larven aus den Eiern, sterben ab und schrumpeln so zusammen, dass man sie unter dem Mikroskop nicht mehr findet. Deshalb sollte man bei Paketversand auch immer eine Expressoption wählen oder bei wenigen Pferden per Maxibrief versenden (Achtung, Briefe laufen durch Walzen bei der Post, nicht dass die Tüte platzt!).

Wenn ein Labor, das die Erkenntnisse der ZSE wirklich kennt, heute eine Mehrtagesprobe bekommt, die getrennt verpackt ist, wirft es das von Tag 1 und 2 sofort weg, Tag 3 wird untersucht. Erfährt das Labor, dass eine Mehrtagesprobe in einer Tüte ist, wird es eine neue Probe anfordern. Teilt man es dem Labor nicht mit, ist man am falschen Ergebnis selber schuld.

Kommentar von Secretstory2015 ,

Da habe ich andere Erfahrungen gemacht mit dem Labor, mit dem ich zusammen arbeite^^
Zudem sagte ich auch nicht, dass die Probe von mehreren Tieren stammen soll.

Antwort
von LyciaKarma, 31

Hast du getestet und gezielt entwurmt? 

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