Mehrheitswahl- wieso gibt es klare Mehrheitsverhältnisse?

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3 Antworten

Im Mehrheitswahlrecht werden kleine Parteien benachteiligt, weil nur der Kandidat, der die meisten Stimmen bekommt, ins Parlament kommt. Damit ihre Stimme nicht verloren geht, vergeben die Wähler ihre Stimme taktisch, oft nicht an den Kandidaten der Randgruppe den sie eigentlich wollen, sondern geben sie einem Kandidaten unter den zwei oder drei mit den besten Chancen die Wahl zu gewinnen.

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Kommentar von sveaneymarlove
01.12.2015, 22:04

Vielen vielen Dank!:)

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Das ist ganz einfach:

Mehrheitswahl: z.B. USA oder England: In jedem Wahlkreis gewinnt der, der die meisten Stimmen hat. Alle anderen Stimmen für Kandidaten die nicht gewonnen haben verfallen. Somit hat man immer einen klaren Sieger. ABER das ist keine Garantie gegen eine Zersplitterung. Bei 200 Wahlkreisen könnten es ja theoretisch auch 200 Wahlkreissieger von 200 Parteien geben.

Verhältniswahl: Partei A bekommt insgesamt 30 % der Stimmen und Partei B 40% und C 30%. B hat gewonnen, aber auch Stimmen die nicht "gewonnen" haben, also auf den Sieger gingen werden berücksichtigt.  Aber theoretisch könnten ja alle eine Partei wählen, somit gäbe es keine Zersplitterung.
Der "Vorteil" der klaren Verhältnisse beim Mehrheitswahlrecht siehst du sehr gut am Bsp. Deutschland. Wir haben beides. Die Erststimme erfolgt nach dem Mehrheitswahlrecht, die Zweitstimme nach dem Verhältniswahlrecht. In den 299 deutschen Wahlkreisen gewinnen fast ausschließlich CDU/CSU und SPD, also die großen Parteien. Die kleinen Parteien werden erst in der Zweitstimme berücksichtig. 

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Hallo sveaneymarlove,

Hinsichtlich der Mehrheitsverhältnisse ist hoboes' Antwort erschöpfend.

Ergänzend kann man an einem Rechenbeispiel zeigen, dass das Mehrheitswahlrecht auch sehr ungerecht sein kann:

Wahlkreis 1: Partei A = 51 %, Partei B = 49 %

Wahlkreis 2: Partei A = 51 %, Partei B = 49 %

Wahlkreis 3: Partei A = 1 %, Partei B = 99 %

Gesamtergebnis: Partei A = 34,33 % 2 Sitze, Partei B = 65,66 % 1 Sitz

Das ist natürlich völlig schematisch gerechnet, aber es zeigt, dass das Mehrheitswahlrecht nicht in der Lage ist, die Mehrheitsverhältnisse korrekt abzubilden. Deswegen gibt es in Deutschland die Kombination und, wenn die errungenen Sitze den Stimmanteil übersteigt, werden Ausgleichsmandate vergeben.

Gruß Friedemann


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