Medizin studieren (Kosten etc.)?

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4 Antworten

Was kostet ein Studium in der Medizin?
Man zahlt keine Studienkosten, jedoch einen kleinen Semesterbeitrag. Dieser ist von Uni zu Uni unterschiedlich. In Bochum bezahlt man z.B. 303,04€ pro Semester - unabhängig vom Studiengang.

Was muss man selber kaufen an Büchern und Materialien?
Meistens kann man welche in der Bibliothek ausleihen. Wenn diese gerade in Benutzung sind bzw. du über längere Zeit lernen möchtest oder grundsätzliches was du immer brauchst, kannst du diese natürlich kaufen. Materialen wären z.B. Präperierbesteck, Kittel, etc. das bekommst du alles noch rechtzeitig mitgeteilt.

Welchen NC braucht man? Was ist das maximal zulässige?
Der NC ist jedes Jahr fast gleich und liegt bei 1,0-1,1. Es gibt ja nicht nur den Weg über die Abiturbestenquote.
Die ZVS (Zentrale Vergabestelle von Studienplätzen, heute hochschulstart genannt) ist deine Anlaufstelle nach dem Abi. Diese hat 3 Kategorien aufgestellt: Abiturbestenquote, Wartezeitquote und das AdH. Die Abiturbestenquote (NC:1,0-1,1) belegt 20% aller Studienplätze in Medizin. 20% macht die Wartezeitler aus (zurzeit 13 Wartesemester : 6 1/2 Jahre). Dann gibt es noch das AdH (Auswahlverfahren der Hochschulen) das 60% aller Studienplätze ausmacht. Die Hochschulen haben alle unterschiedliche Kriterien, die man bei der zvs nachlesen kann. Dort wird man zu einem Gespräch eingeladen und muss überzeugen. Wenn du den Weg über die Wartezeit gehst, kannst du ja in der Zwischenzeit eine medizinische/pflegerische Ausbildung machen - diese wird angerechnet bzw. berücksichtigt. Wichtig ist, dass du während deiner Wartezeit nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben bist, sonst wird das nicht als Wartezeit angerechnet.
Außerdem gibt es den TMS (Test für medizinische Studiengänge). Dieser Test findet einmal im Jahr statt (Termime auf der Webseite tms-info) und ist freiwillig. Dieser Test kann aber deine Abidurchschnittsnote aufwerten, das heisst du hast vielleicht ein 2,0er Abi und durch den Test kannst du den Schnitt auf z.B 1,7 senken (je nach Ergebnis).
Wenn du im Ausland studieren willst, kannst du ja Österreich in Betracht ziehen. Dort werden alle gleich behandelt. Du brauchst nur Abi, deine Durchschnittsnote zählt nicht, denn dort wird nur ein Test, nämlich der MedAt gemacht. Dieser Test ist verpflichtend, dafür darf jeder mit Abi an dem Test teilnehmen.

Was lernt man am Anfang des Studiums (und in den nachfolgenden Semestern)?
Auch uniabhängig. Beispiel Würzburg: http://www.fachschaft.medizin.uni-wuerzburg.de/studium/2_semester/

Wie viele und ab wann macht man Praktika?
Krankenpflegepraktikum: https://m.thieme.de/viamedici/vorklinik-pflegepraktikum-1503/a/krankenpflegepraktikum-fuer-medizinstudenten-3870.htm
Famulatur: https://m.thieme.de/viamedici/klinik-famulatur-1524/a/wichtige-infos-famulatur-4043.htm

Wie ist das Lerntempo in dem Studium?
Jeder sieht das anders. Wenn man interessiert ist, lernt und das ganze auch am besten versteht ist es machbar. Haben ja auch tausende vor dir geschafft.

Was sind die besten Unis, wo man Medizin studieren kann?
Das sollte erstmal egal sein. Man kann wirklich froh sein einen Studienplatz zu bekommen. Die ,,besten" sollen Mainz, Heidelberg, Mannheim und Berlin sein.
Siehe hier bei den unterschiedlichen Kriterien:
https://m.thieme.de/viamedici/vor-dem-studium-infos-zum-medizinstudium-1493/a/uni-ranking-welche-uni-ist-die-beste-26686.htm?r=1&p=all

Was passiert wenn man in einer Prüfung durchfällt? Muss man dann das Semester wiederholen oder hat man noch eine zweite Chance und kann die Prüfung selbst noch ein mal machen?
Prüfungen kann man dreimal wiederholen. Wenn du es dann immer noch nicht geschafft hast, darfst du deutschlandweit kein Medizin mehr studieren.

Gibt es Teile des Studiums, wo es "ekelhaft" ist?
,,ekelhaft" ist subjektiv zu beurteilen. Der Präpkurs ist für viele Studenten nicht sehr angenehm.

Bekommt man in jedes Gebiet der Medizin einen Einblick?
Einblick ja, die Vertiefung kommt nach dem Studium.

Was sind die momentan gefragtesten Spezialisierungen?
Augenärzte und Radiologen verdienen am besten, niedergelassene Hausärzte am wenigsten. Vom Gehalt sollte man das dennoch nicht abhängig machen. Schließlich macht man das wahrscheinlich sein Leben lang, wenn man es schon studiert hat und da sollte das Interesse ganz oben stehen.

Hat jemand Erfahrung damit, bei der Bundeswehr Medizin zu studieren? Wie sieht es dort aus? Muss man dann ins Ausland? Wird das Studium von der Bundeswehr bezahlt? Studiert man dann an einer Uni der Bundeswehr oder wo?
https://m.thieme.de/viamedici/vor-dem-studium-infos-zum-medizinstudium-1493/a/medizinstudium-bei-der-bundeswehr-22027.htm?r=1

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Kommentar von TobiSurvival
30.09.2016, 12:55

Vielen Danj für diese wirklsich sehr ausführliche Antwort! Hat mir auf jeden Fall schon sehr weitergeholfen!

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Ich kann dir nicht alle deiner Fragen beantworten, hoffe aber, es hilft dir ein bisschen weiter.

Zu studieren ist generell teuer, sei dir dessen bewusst. Bei Studiengängen wie Medizin, die sehr lernintensiv sind, ist es wirklich von Vorteil, eine Familie zu haben, die einen finanziell unterstützen kann. Den größten Teil nehmen Miete und Lebensmittel (,insofern du Nährstoffe wertschätzt) ein. Ersteres ist stark von der Stadt abhängig, rechne für ein WG-Zimmer im Durchschnitt schon mal mit 450 Euro. Bedenke, dass du dir ab und zu auch mal ne Jacke, Schuhe kaufen möchtest und auch Freizeitaktivitäten, Hobbys, Reisen Geld kosten!! Ach so und Semesterbeiträge gibt's auch noch.

Du wirst nicht drum rum kommen, dir Bücher zu kaufen. Gerade Anatomie ist sehr teuer.

Der NC ist uniabhängig. Wenn du über die Abibesten rein möchtest, solltest du aber schon 1,0 oder besser haben. Ansonsten kannst du dir über das Hamburger Auswahlverfahren , Wartezeit, Ausbildung etc. zusätzlich Punkte verdienen. Jede Uni hat ein anderes Hochschuleigenes Auswahlverfahren, darüber informierst du dich am besten über hochschulstart.de.

Das Lerntempo ist hoch angesetzt.

Es gibt nicht DIE Uni, aber ehrlich gesagt hat man auch nicht wirklich eine Wahl. Bei Medizin bist du froh, wenn du überhaupt genommen wirst.;)

Klar kannst du eine Prüfung wiederholen, sollte nur nicht zu oft passieren.

Kommt auf deine Definition von "ekelhaft" an. Du solltest nicht empfindlich sein, dann ist das nichts für dich.

Praktika kannst du ja auch schon vor dem Studium machen. Es gibt natürlich einen praktischen Teil, mehr musst du erstmal nicht wissen.

Bekomm' erstmal deinen Studienplatz, überstehe die ersten Semester und dann irgendwann dein Staatsexamen, danach kannst du über alles weitere nachdenken.

Grüße

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Kommentar von TobiSurvival
30.09.2016, 11:24

Danke für diese ausführliche Antwort!

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Noch eine Ergänzung zu allem was schon gesagt wurde:

Man hat für jede Klausur drei Versuche inkl. Nachklausur. Man darf also genau genommen jede Klausur 6 mal schreiben bevor man endgültig rausgeschmissen wird. (1. Versuch+Nachklausur, 2. Versuch+ Nachklausur, 3. Versuch+ Nachklausur.) Das ist ein Luxus den Bachelor oder Master Studenten nicht haben.

Wenn man durch die Nachklausur gefallen ist muss man in der Regel den Kurs im nächsten Semester wiederholen. Wenn es zeitlich passt kann man während dessen die anderen Fächer natürlich weiter studieren so das man im besten Fall kein Semester zusätzlich machen muss. Trotzdem kann man das nicht immer verhindern.

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Kommentar von TobiSurvival
30.09.2016, 15:29

Gut zu wissen! Vielen Dank :)

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Momentan gibt es für das Studium Humanmedizin eine Wartezeit von 14 Semestern, also 7 Jahre. Der  NC von 1,0 berechtigt den Zugang bei 20 Prozent aller Plätze. Nur in Niedersachsen und Schleswig Holstein ist der NC  1,1.

Weitere aktuelle Infos im Deutschen Ärzteblatt Nr.38 vom 23.9.2016. Thema dort auf S.1356 ist:

"Geprägt von Mangel und Frust"

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