Meditiere ich richtig?

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9 Antworten

Ich bin Buddhist und habe ein paar Jahre Erfahrung mit Meditation, daher werde ich versuchen, dir bei deinem Problem zu helfen.

Wenn du Begriffe wie "akribisch" und "angespannt" nutzt, hast du möglicherweise nicht verstanden, was Meditation überhaupt ist.

Was ist Meditation

Meditation ist keine Tätigkeit, sondern ein geistiger Zustand entspannter Achtsamkeit, der weder in schläfrige Trance noch angespannte Konzentration abgleitet.

Bei der Praxis der Meditation geht es nicht darum, etwas bestimmtes zu erreichen, beispielsweise optimale Konzentrationsfähigkeit. Das ist höchstens ein angenehmer Nebeneffekt, denn Meditation vergisst das Leistungsdenken vollkommen.

Wer denkt "ich muss mich konzentrieren" oder "heute sitze ich aber schlecht" hat meiner Meinung nach ein zu leistungsorientiertes Denken.

Bei der Meditation muss man nichts erreichen. Es reicht völlig, den Moment der Gegenwart bewusst wahrzunehmen.

Also kein Grund für Akribie und Anspannung, sondern sich einfach der Erfahrung öffnen.

Meditationsobjekt

Das Meditationsobjekt, auf das man seine Aufmerksamkeit richtet, kann beispielsweise die Atmung sein. Dabei geht es aber nicht darum, den Atem zu kontrollieren, oder geistig zu fixieren. Es geht nur um das Beobachten.

Konzentriert man sich zu sehr auf sein Meditationsobjekt, kann das sowohl zu geistiger Erschöpfung, aufgrund großer Anspannung, als auch zu einem Trancezustand führen. Beides ist nicht Ziel der Meditation.

Man sollte also sein Meditationsobjekt nie zu mehr machen, als es eigentlich ist - ein Punkt, auf den man seine Achtsamkeit richten kann, wenn man wieder geistig abschweift.

Schneidersitz

Ich halte den Schneidersitz für eine der am ungeeignetsten Haltungen für längere Meditation - selbst wenn man ein Sitzkissen benutzt.

Beim Schneidersitz sind einige Teile des Körpers in ständiger Anspannung, darunter auch ein Bereich der Oberschenkelmuskulatur (nicht umsonst heißt der entsprechende Muskel "musculus sartorius" - Schneidermuskel).

Außerdem wird Zug auf die Kniegelenke ausgeübt, was langfristig ebenfalls sehr schmerzhaft werden kann.

Insbesondere wenn man ohne Sitzkissen übt, ruht viel Gewicht auf dem Körperschwerpunkt im Bauchraum, was die Atmung nicht gerade erleichtert.

Außerdem ist die Haltung nicht "geerdet" - das Gewicht des Körpers konzentriert sich auf die Sitzhöcker am Gesäß und wird nicht gleichmäßig verteilt.

Meiner Meinung nach sollte man auf den Schneidersitz verzichten.

Andere Sitzhaltungen.

Allgemein ist jede Haltung empfehlenswert, die eine aufrechte Haltung fördert, die Atmung nicht behindert und ausreichend körperliche Stabilität bietet.

Stuhl

Man kann somit auch auf einem Stuhl meditieren, so lange man die Füße auf dem Boden hat und den Rücken entspannt aufrecht hält (dabei kann ein Keilkissen oder zusammengefaltetes Handtuch helfen).

Man sollte sich also nicht in den Sessel zusammengammeln, sondern mit aufrechtem Rücken sitzen, was auch die Atmung erleichtert.

Lotossitz

Der Lotossitz ist vielen Menschen zunächst zu extrem, bietet aber in der Tat einige Vorteile, wie ich finde.

Den Lotossitz sollte man mit einem festen Meditationskissen (Zafu) und einer Sitzunterlage (Zabuton) üben, um den Körper möglichst gut zu unterstützen.

Alternativ tun es ein paar fest zusammengelegte Handtücher, oder eine fest aufgewickelte Stoffdecke als Kissen und eine doppelt gelegte Fleece-Kuscheldecke als Sitzunterlage.

Sitzt man im Lotossitz auf Kissen und Unterlage, verlagert sich das Körpergewicht gleichmäßig über Sitzhöcker am Gesäß und die Knie auf eine große Fläche, so dass weniger Gewicht auf dem Bauch lastet.

Halber Lotos/Burmesische Sitzhaltung

Diese Sitzpositionen bieten ähnliche Vorteile wie die Lotoshaltung - gerader, unverkrampfter Rücken, gute Atmung, Gewichtverteilung über größere Fläche.

Es heißt manchmal, man solle sich langsam an den Lotossitz als eine Art Ideal heranarbeiten - es gibt aber auch genug Menschen, die ihr ganzes Leben lang nur im halben Lotos, oder in burmesischer Haltung sitzen.

Liegend

Ich würde Meditation im Liegen nicht empfehlen, sofern man nicht gerade krank ist, denn wenn man liegt, tendiert man eher zu Schläfrigkeit.

Bei allen Tipps zur Haltung sollte man nicht vergessen, dass Meditation ein Zustand der Achtsamkeit ist, der auch während alltäglicher Tätigkeiten geübt werden kann - ohne Kissen, Roben, Räucherstäbchen.

Schmerzen

Schmerzen können bei der Meditation immer wieder mal auftauchen. Meiner Meinung nach fühlen sie sich subjektiv um so dramatischer an, je mehr man bewusst versucht, sie beiseite zu schieben.

Also sollte man darauf verzichten, sich geistig aktiv gegen den Schmerz zu richten, denn dann geht der innere Kampf erst richtig los.

Es gibt zwei Empfehlungen die ich geben kann:

Erstens: Den Schmerz akzeptieren und ihn dann loslassen. Manchen Menschen hilft es, ihn zu benennen "Schmerz im Knie", um dann diesen Gedanken loszulassen. Die meisten Schmerzen verschwinden hierdurch.

Zweitens; Den Schmerz als Warnsignal verstehen und die Haltung anpassen. Ständige Schmerzen bei der Meditation sind Zeichen für eine schlechte Haltung. Man sollte daher sowohl seine körperliche Position, als auch seine geistige Haltung korrigieren.

Meditationszeit

Ich würde grundsätzlich niemals länger meditieren, als mir selbst gut tut. Jeder Mensch hat mal einen schlechten Tag und ich sehe keinen Sinn darin, mich 45 Minuten lang herumzuquälen.

Meditation ist keine Kasteiung, die den Körper untwerfen soll, weil Körper und Geist bereits eine Einheit darstellen. Es gibt somit keinen Grund, sich zu quälen.

Ich empfehle Anfängern immer 15 Minuten. Wenn du 30 Minuten schmerzfrei sitzen kannst, ist das natürlich sehr gut - es sollte aber wirklich ohne schwerwiegende körperliche Schmerzen sein.

Wie ich schon sagte, ist Meditation nichts, was auf einen bestimmten Zeitraum, an einen bestimmten Ort mit bestimmter Atmosphäre festgelegt ist, sondern ein Zustand des Bewusstseins.

Das wars soweit erst einmal. Solltest du noch Fragen haben, helfe ich gerne weiter.

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Kommentar von Enzylexikon
01.01.2017, 23:08

Vielen Dank für den Stern. :-)

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Danke, für deine Frage.

Wie hier schon geschrieben wurde, geht es nicht um Akribik und Anspannung. Meditation soll u. a. entspannen und den Geist beruhigen.

Deshalb würde ich dir empfehlen, höchstens 20-30 Minuten täglich  zu meditieren, es soll weder Qual noch Arbeit sein. Es macht sicherlich Sinn verschiedene Meditationspraktiken auszuprobieren und sich eine persönliche Anleitung von einem erfahrenen Praktizierenden (Lehrer) geben zu lassen. Die Erfahrung in einer Gruppe zu meditieren, ist auch etwas völlig anderes als alleine zu meditieren. Es gibt auch Meditations-Wochenend-Workshops.

Es gibt viele verschiedene Meditationsrichtungen und die Konzentration auf den Atmen ist nur eine von ihnen. Im Christentum gibt es z. B. das Herzgebet, wo man sich auf ein bestimmtes Wort/Begriff konzentriert. Oder im tibetischen Buddhismus gibt es Meditationen auf den Medizin-Buddha oder auf Chenrezig auch "liebevolle Augen" genannt. 

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Hallo DerRambo,

nein, sorry, das erinnert stark an Leistungssport und damit hat Meditation nichts zu tun. Dein Fokus liegt zu stark darauf, dass Du 'die Zeit steigerst' und 'akribisch und angespannt' atmest. Meditation ist nicht etwas angespannt tun, sondern etwas entspannt fließen lassen.

Tut mir leid, wenn das erstmal etwas hart klang, aber es ist wirklich nur gut gemeint, um Dir klarzumachen, dass leider schon der Ansatz, etwas erreichen zu wollen der falsche ist. Nichts erwarten, nur geschehen lassen.

Ich habe Dir mal ein paar Anleitungen herausgesucht, die hilfreich sind und Dir alle Fragen optimal beantworten:

Hier zunächst zwei Links mit allgemeinen Informationen zum meditieren:

http://www.asanayoga.de/blog/meditieren-lernen/

http://changenow.de/meditation-lernen/

Der folgende Link ist eine gut verständlich Anleitung der Metta-Meditation:

https://pagewizz.com/die-metta-meditation-liebevolle-guete-ist-heilsam-und-macht-gluecklich/

Wenn Du weitere Anleitungen suchst, findest Du über Google eine große Auswahl. Vor Videos würde ich wegen der Gefahr von Subliminals abraten.

Gut wäre evtl. ein Meditationskurs oder eine -gruppe, da man dort eine gute Anleitung und einen hilfreichen Austausch vorfindet. Viele buddhistische Gruppen bieten das an, bitte gehe aber nicht in eine des Diamantweges.

Meditative Entspannung wünscht Dir

Buddhishi

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Nein, lieber DeRambo,

natürlich meditierst Du NICHT richtig!

Ich selber aber auch nicht (obwohl ich Buddhist mich nenne) ... ´wer kann schon behaupten, er meditiere richtig!?

Lass Dir mal sagen, wie die Nichiren-Buddhisten meditieren: Ich bin einer geworden, weil ich auf die "klass. Meditation" nie Bock hatte und es trotz anfänglicher Versuche auch nie gekonnt habe.

Die Nichirens setzen sich so bequem wie es geht (doch ohne sich zu lümmeln) vor eine Schriftrolle und chanten dazu das mantra des Lotus Sutra "NamMyohoRengeKyo"

...zur Not stundenlang, ohne Schmerzen zu bekommen.

Auch DAS reinigt die Sinne und Du brauchst Dich nicht zu verkrampfen!

Probier`s einfach mal aus - Du kannst es ja dann auch wieder lassen:)

(Tina Turner macht das sehr gut vor auf YouTube:


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Ich meditiere indem ich an der Wand sitze bzw. wie es für mich gemütlich ist. Wenn du Schmerzen hast, ist das nicht besonders hilfreich ^^
Ich mach das aber auch nicht oft und nicht lang, eher nach Bedarf, also richtig helfen kann ich da wahrscheinlich auch nicht.

Ich denke der Zustand, den du erreichen willst, bekommst du irgendwann automatisch. Mach dir keinen Stress bei der Stressbewältigung :D

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Auch ich empfehle unbedingt den Kontakt zu anderen Menschen, die sich in gleicher Weise üben. In einer Gruppe macht man schneller Fortschritte und tiefgründigere Erfahrungen.
Noch ein Hinweis aus eigener Erfahrung: www.eiab.eu

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Es gibt so viele Varianten der Meditation. Probier mal auch etwas anderes aus. Du könntest auch gerne im Stuhl meditieren, wenn es Dir bequemer ist oder im Liegen. Wichtig ist dabei entspannt zu sein, ohne Urteilen und sozusagen spielerisch. Mehr über verschiedene Mediationstechnicken, zum Beispiel, hier gute Information: http://www.om-room.de/meditation-darmstadt/

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Schon alleine die Frage ob du "richtig" meditierst, legt nahe, das du nicht wirklich verstanden hast worum es in der Meditation geht.

Vielleicht solltest du dich erstmal um das Grundverständnis kümmern, Meditation ist nämlich kein Leistungsport. 

Wurde aber alles schon von anderen Usern geschrieben.

In dem Sinne

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Probiere mal ein kleineres Meditationsobjekt zu nehmen. Bei der Atmung ist das üblicherweise die Empfindung an den Rändern der Nasenlöcher, wenn die Luft aus- und einströmt.

Und mache es nicht akribisch und angespannt, sondern mit entspannter Sorgfalt, dass Du den Geist immer wieder sanft zum Meditationsobjekt führst, wenn er Dir mal auf Wanderschaft gegangen ist.

Ferner versuche so wenig wie möglich ZU MACHEN. Es muss größtenteils von selber passieren. Also versuche die Kontrolle zu minimieren.


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