Frage von Jim1788, 42

Meditation im tibetischen buddhismus?

Was für Meditationsarten werden im tibetischen Buddhismus praktiziert? Im Zen wird ja hauptsächlich Zazen praktiziert. Wie sieht es da mit dem tibetischen Buddhismus aus?

Antwort
von Draggyblackdots, 14

Außer den spezifischen Meditationspraktiken des Varjayana, werden auch alle Meditationsarten des Buddha gelehrt. Wichtig sind hierbei Shamatha und Vipassana.

Wenn du dich im Forum Buddhaland anmeldest bekommst du Rat von Vajayana Buddhisten ( schreib im Unterforum tibetischer Buddhismus). Du musst zunächst nichts ändern falls du bereits eine Meditationsart praktizierst. 

http://www.buddhaland.de/

Wichtig ist dann erst mal die Beschäftigung mit den vier edlen Wahrheiten. Die Grundlagen die der Buddha lehrte werden auch von Vajrayana Buddhisten erklärt, im Internet, Büchern, oder einem Buddhistischen Zentrum. Diese Grundlagen sind notwendig, da wird man immer wieder dran erinnert.

Als Varjayana spezifische Meditation könntest du z. B. Guru Yoga ausprobieren. Das erklären wir dir dort. Traditionell kommt nach den vier Edlen Wahrheiten noch eine weiterer Sutra-Text vom Buddha. Guru Yoga gehört dann zu den ersten Meditationen auf dem Vajrayana-Pfad,  die vom Buddha Padmasambhava stammen.( Begründer des Vajrayana-Buddhismus)

Später praktiziert man tantrischen Buddhismus und Dzogchen. Es wird viel geredet über den Varjayana Buddhismus, das ist meist alles falsch weil die Leute kein Dzogchen studiert haben, das ist der Kern des Vajrayana. Tantra beeindruckt so, dass die Leute nur darüber reden. Tantrischer Buddhismus ist nicht möglich zu praktizieren ohne Dzogchen Verständnis.
Das ist alles sehr anspruchsvoll, daher muss man dann eben etwas ausprobieren wie Guru Yoga und sich erst mal darauf beschränken eigene Erfahrungen zu machen mit dem, was man verstanden hat.

Es ist auch möglich eine Tantrische Praxis in einem Zentrum mit zu machen und diese erst mal als Shamatha-Übung anzusehen, also einfach versuchen sich so gut wie möglich zu sammeln dabei.

Oder man liest halt gleich den Autor Longchempa also Dzogchen.....

Kommentar von Jim1788 ,

Danke für deine Antwort. Ich frage dich auch gleich, was du vom Dalai Lama hältst. Ich hab das Buch sehr gut gefunden: https://www.amazon.de/Die-Essenz-Lehre-Buddhas-Zeitlose/dp/3778782355

Kommentar von Draggyblackdots ,

ich kenne den Dalai Lama als Autor nicht. Habe nur gehört, dass seine Bücher sehr anspruchsvoll sein sollen im Vergleich zu anderen tibetischen Autoren. 

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 29

Im Vajrayana-Buddhismus gibt es unterschiedliche Formen der Meditation.

Dabei sind für einige davon so genannte Einweihungen durch einen Lama notwendig, der die korrekte Meditationspraxis lehrt und zB geheime Mantras übermittelt, und deshalb nicht für jeden Praktizierenden zugänglich.

Zu den meditativen Praktiken gehört im Vajrayana-Buddhismus beispielsweise die Wiederholung von heiligen Formeln (Mantras) und bildhafte Vorstellung (Visualisierung) bestimmter Wesen.

So kann man beispielsweise die "grüne Tara" vor seinem inneren Auge visualisieren und dabei ihr Mantra wiederholen.

Derartige Übungen sollen beispielsweise positive Eigenschaften, wie etwa liebevolles Mitgefühl stärken und negative Aspekte transformieren können.

Um welche Qualitäten und Hindernisse es dabei konkret geht, hängt von der jeweiligen Wesenheit ab. Das können Bodhisattvas, Vajrayoginis, zornvolle Gottheiten usw. sein.

Da kann dir aber sicher ein Vajrayana-Buddhist mehr zu sagen, als ich.

Kommentar von Jim1788 ,

Was hältst du von der Metta-Meditation? Ich hab die als sehr positiv erlebt. https://de.wikipedia.org/wiki/Metta

Kommentar von Enzylexikon ,

Nun, die wird ja schon im Theravada-Buddhismus gelehrt.

Ich habe sie früher, als ich gelegentlich in einen Theravada-Tempel gegangen bin, dort gemeinsam mit anderen geübt und fand sie auch sehr hilfreich.

Mittlerweile übe ich nur noch Zen-Praxis.

Kommentar von Jim1788 ,

Was ist für dich der Unterschied zwischen der Theravada-Tradition und Vajrayana? Wie hast die Theravada-Tradition erlebt?

Kommentar von Enzylexikon ,

Theravada

Die Theravada-Tradition beruft sich ausdrücklich auf die Lehrreden des Buddha im Palikanon und betont die strikte Einhaltung der Ordensregeln des Vinaya für Mönche und Nonnen.

Laienanhänger haben im Theravada einen geringeren Stellenwert, hoffen jedoch durch Spenden an die Mönche karmischen Verdienst zu erwerben, so dass sie im nächsten Leben selbst Mönch werden können.

Es gibt auch Theravada-Lehrer die erklären, es sei für Frauen zunächst eine Wiedergeburt als Mann erforderlich, damit sie als Mönch schließlich Befreiung finden können.

Ideal des Theravada ist der Arhat, also jener der für sich selbst die Befreiung erlangt hat und nach dem körperlichen Tod nicht mehr dem Kreislauf der Wiedergeburt unterliegt, sondern ins Nirvana eingeht.

Natürlich respektiere ich den Theravada-Buddhismus, aber mir persönlich ist er zu beschränkt, auch wenn durch das Weitergeben der Lehre zum Wohle aller Wesen beigetragen werden soll.

Vajrayana

Der Vajrayana-Buddhismus ist eine Kombination der Lehre Buddhas mit verschiedenen psychologischen Übungen und ursprünglich hinduistischen Ritualpraktiken, wie etwa Feuerzeremonien.

Es gibt eine starke Symbolsprache, viele Gestalten und Wesen, die in anderen Formen des Buddhismus nicht vorkommen.

In Tibet gab es zudem vermutlich eine Übernahme von Elementen aus dem vorbuddhistischen Bön-Schamanismus, was sich zB an den "Trance-Orakeln" zeigt.

Vajrayana gibt es aber nicht nur in Tibet, sondern unter dem Oberbegriff "esoterischer Buddhismus" (Mikkyo) gelangte es über China auch nach Japan, dort heißen die Traditionen Shingon und Tendai.

Mir persönlich ist das Vajrayana einerseits zu kopflastig, andererseits sprechen mich aber auch die Vielzahl der unterschiedlichen Schulen und Praktiken nicht an.

Persönlich

Aus diesem Grund bin ich eben Buddhist der Soto-Zen-Tradition, da ich mit dieser Form des Buddhismus für mich selbst einen besseren Zugang zur Buddhalehre und der Praxis gefunden habe.

Die Praxis des absichtslosen Sitzens (Shikantaza) und das ganze Leben als Ort der Zen-Übung zu sehen, sprechen mich einfach mehr an.

Kommentar von Jim1788 ,

Aber der Zen-Buddhismus ist ja auch stark vom Daoismus geprägt (mit dem ich mich leider noch kaum beschäftigt habe).

In den Wandlungen der Phänomene verwirklicht jedes Ding und Wesen spontan seinen eigenen „Weg“, sein eigenes Dao. Es wird als ethisch richtig erachtet, dieser Spontaneität ihren Lauf zu lassen und nicht einzugreifen, also Wu wei, „Nicht-Eingreifen“, „Nicht-Handeln“ oder „Nicht-Erzwingen“ zu praktizieren. Die Dinge und ihr Verlauf werden als sich selbst ordnend und sich selbst in ihrer Natur entfaltend und verwirklichend angesehen. Es erscheint dem Weisen als sinnlos, seine Energie in einem stetigen Willensakt der Handlung (des Eingreifens in das natürliche Wirken des Dao) zu verschwenden. Vielmehr sollte das Tun angemessen sein. Durch den angestrebten reinen und nicht selbstbezogenen Geist soll ein Handeln möglich werden, das nicht durch eigene Wünsche und Begierden verblendet wird. Der Mensch soll einfach „geschehen lassen“.

https://de.wikipedia.org/wiki/Daoismus

Ich frage mich aber auch, warum es unbedingt erstrebenswert sein muss die ursprünglichste Version der Lehre Buddhas zu finden, wenn eigentlich eh jeder Mensch ein Buddha werden kann, bzw. er auch nur ein Mensch war.

Ich muss aber sagen, dass ich es ansprechend finde, zum Wohle aller Menschen die Erleuchtung zu erlangen, um auch ihnen zu ermöglichen in Frieden zu leben und glücklich zu sein. Der Dalai Lama sagt z. B., dass man Glück dadurch findet, indem man sich darum bemüht, andere Menschen glücklich zu machen, ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten.

Ich glaube auch wirklich, dass diese Welt ein Wille zum Glück ist und selbst eine Pflanze, wenn du ihren Topf um 180 Grad drehst, wieder in Richtung der Sonne wächst, weil sie darum bemüht ist, ihr Wohlergehen und Glück sicher zu stellen (Wenn auch nicht bewusst). Der Wunsch nach Glück ist, denke ich, der Kern, der uns alle antreibt.

Wie lange beschäftigst du dich jetzt schon mit dem Buddhismus?

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich frage mich aber auch, warum es unbedingt erstrebenswert sein muss die ursprünglichste Version der Lehre Buddhas zu finden, wenn eigentlich eh jeder Mensch ein Buddha werden kann, bzw. er auch nur ein Mensch war.

Der Sinn hinter der Lehre des Buddhismus ist letztlich, dass das Rad nicht neu erfunden werden muss.

Wenn jemand bereits das Ziel erreicht hat, den Weg dorthin erklärt und dafür Verhaltenstipps gibt, die den Weg erleichtern - warum sollte man sich dann durchs Gestrüpp schlagen?

Natürlich sollte man prüfen, ob die Aussagen schlüssig und wahr sind - denn behaupten kann man ja bekanntlich viel. Der Buddha fordert im Kalama Sutta ausdrücklich zu dieser Prüfung auf.

Der Buddha lehrt also die Ursache für das Leiden, wie man das Leiden überwindet und gibt Hinweise zum Verhalten, um Leiden auch für andere Wesen zu reduzieren.

Aus buddhistischer Sicht ist es durchaus möglich, auch auf einem anderen Weg zur Befreiung zu gelangen. Der Buddhismus erhebt nicht den Anspruch auf alleinige Wahrheit.

die ursprünglichste Version der Lehre

Was die "ursprünglichste Version" angeht - nun, das Theravada dürfte dem Urbuddhismus noch am ähnlichsten sein.

Allerdings bedeutet "älter" nicht automatisch "besser" und so gab es schon immer Anpassungen an andere Kulturen und Zeiten.

Andere Orte und Zeiten benötigen manchmal eben Änderungen der Praxis, oder eine zeitgemäße Vermittlung der Lehre.

Wie lange beschäftigst du dich jetzt schon mit dem Buddhismus?

Auch hier muss man erst einmal sagen, etwas "lange" zu üben heißt nicht, dass man es auch wirklich umfassend versteht.

Man kann sein ganzes Leben lang exotische Rituale durchführen, Texte rezitieren, oder herumphilosophieren, ohne das man tatsächlich etwas verstanden hat.

Ich bin seit etwas über 20 Jahren praktizierender Buddhist.

Kommentar von Jim1788 ,

Ich frage mich aber auch, warum es unbedingt erstrebenswert sein muss die ursprünglichste Version der Lehre Buddhas zu finden, wenn eigentlich eh jeder Mensch ein Buddha werden kann, bzw. er auch nur ein Mensch war.

Der Sinn hinter der Lehre des Buddhismus ist letztlich, dass das Rad nicht neu erfunden werden muss.

Wenn jemand bereits das Ziel erreicht hat, den Weg dorthin erklärt und dafür Verhaltenstipps gibt, die den Weg erleichtern - warum sollte man sich dann durchs Gestrüpp schlagen?

Natürlich sollte man prüfen, ob die Aussagen schlüssig und wahr sind - denn behaupten kann man ja bekanntlich viel. Der Buddha fordert im Kalama Sutta ausdrücklich zu dieser Prüfung auf.

Der Buddha lehrt also die Ursache für das Leiden, wie man das Leiden überwindet und gibt Hinweise zum Verhalten, um Leiden auch für andere Wesen zu reduzieren.

Aus buddhistischer Sicht ist es durchaus möglich, auch auf einem anderen Weg zur Befreiung zu gelangen. Der Buddhismus erhebt nicht den Anspruch auf alleinige Wahrheit.

Ich hab damit auch nicht gemeint, dass man bei Null anfangen muss. Ich meinte damit eher, dass auch diese Weiterentwicklungen seiner Lehren zur Erleuchtung führen können, auch wenn das bei Zazen nicht angestrebt wird.

Welche Meditationstechnik, glaubst du, hat der Buddha praktiziert, um Erleuchtung zu erlangen? Oder weiß man das?

Kommentar von Enzylexikon ,

Welche Meditationstechnik, glaubst du, hat der Buddha praktiziert, um Erleuchtung zu erlangen? Oder weiß man das?

Gesichertes Wissen darüber gibt es meiner Meinung nach nicht und jede religiöse Schrift ist nur so glaubwürdig, wie ihre Verfasser.

Natürlich wird vermutlich fast jede buddhistische Tradition eine ihrer Übungsformen zu Buddhas authentischer Praxis erklären.

Laut der buddhistischen Überlieferung saß er unter einem Baum, ohne den Geist zu sehr anzuspannen, oder übermäßig zu entspannen.

Er soll dabei Visionen bzw. Halluzinationen von Maras Töchtern gehabt haben, die ihn dazu verführen wollten, sich wieder sinnlichen Freuden hinzugeben.

Fast jeder, der längerfristig Zazen übt, kennt diese Trugbilder, die auf japanisch "Makkyo" genannt werden. Vermutlich sind auch Übenden des Vipassana solche Sinnestäuschungen bekannt.

Der ausgeglichene Zustand von Körper und Geist als Einheit kann vermutlich sowohl durch Zazen, als auch durch Vipassana, oder eine andere meditative Praxis erlangt werden.

Später gab er Anleitungen zur Beobachtung des Atems als Meditationsobjekt, etwa im Anapanasati Sutta, was Ansprüche des Theravada-Buddhismus stärken würde..

Meines Wissens nach "wissen" wir aber letztlich nur, dass er dort saß und sich dabei mit Anhaftungen und Trieben konfrontiert sah.

glaubst du

Da du nach meiner persönlichen Überzeugung fragst, so gehe ich von der Zazen-Praxis des Buddha Shakyamuni aus, auch wenn dies vielleicht nicht historisch belegt werden kann.

Genau wegen solcher Aspekte ist der Buddhismus aus meiner Sicht eben eine Religion und keine reine Philosophie - weil man sein Vertrauen in eine bestimmte Lehre und Praxis setzt.

Antwort
von amrita1, 4

Hinzufügen kann ich  z. B. die Diamantgeist-Meditation, Die Meditation auf Chenrezig auch "liebevolle Augen" genannt oder die Meditation auf den Medizin-Buddha. Diese Meditationen beinhalten alle Mantra-Phasen.

Diese Meditationen kannst du auch googeln.

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