Frage von Antimonit, 33

Meditation, hohe Herzfrequenz?

Wenn ich mal so anfange zu meditieren, in dem Fall auf die Atmung achtend, erhöht sich meine Herzfrequenz ungemein, sodass der Körper zu beben beginnt. Letzteres ist natürlich sehr störend. Kann mir jemand sagen was ich falsch mache?
Die Atmung hab ich schon variiert, von tief, langsam über flach und schnell.
Manchmal muss ich auch ständig gähnen.
Körperlich bin soweit aber fit.
Gibt es noch andere Meditationsübungen bei denen man unbewusst weiter atmen kann?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, 20

Ich habe ein paar Jahre Meditationserfahrung und werde sehen, ob ich vielleicht ein paar Hinweise zu deinem Problem geben kann.

Atmung

Sei im Bezug auf die Atmung ein Beobachter, kein Aktiver. Du musst den Atem nicht regulieren. Du atmest ganz von alleine. Kein Grund für Anstrengung.

Lasse lange  Atemzüge einfach lang und kurze einfach kurz sein.

Der Atem ist nur ein Meditationsobjekt, auf dass du deine Achtsamkeit richtest, nichts, was du willentlich kontrollieren musst.

Meditation ist nichts was man macht, sondern ein Zustand entspannter Achtsamkeit der geschieht. Also kein Grund, irgendetwas besonderes zu machen

Gähnen

Das lässt darauf schließen, dass du zu angespannt, zu konzentriert bist. Das ermüdet den Geist und du beginnst zu gähnen.

Ein Tipp; Nutze als Handhaltung mal folgendes: Lege die rechte Hand in den Schoß, Handfläche nach oben. Lege deine Linke darauf. Lass die Daumen einander berühren. So wie hier

https://www.flickr.com/photos/terapiahumanista/6553510929

Der Vorteil dabei ist, dass diese Handhaltung dir einen Hinweis auf den Zustand deines Geistes gibt. Fallen die Daumen nach unten zusammen, bist du zu entspannt. Sind sie fest aneinandergepresst und bilden womöglich schon eine Zwiebelform, bist du zu angespannt.

Ziel

Du solltest bei der Meditation kein Ziel haben, sondern dich ganz deiner Praxis widmen. Wenn du Erwartungen hast, ein Ziel, wird sich dein Geist damit beschäftigen wollen und für Unruhe sorgen.

"Einatmen...Ausatmen...bin ich schon entspannt?...Einatmen...Ausatmen... Ja, der Buddhist im Fernsehen sah entspannt aus...sehe ich jetzt auch so aus? Oh, ich wollte ja den Atem beobachten..."

Am besten ist also, einfach dein Meditationsobjekt zu beobachten, wie etwa den Atem und keine Wunder, Visionen, oder ähnliches erwarten.

Meditationsobjekt

Sich alleine auf die Atmung zu konzentrieren ist leicht, aber zugleich auch schwer. Deshalb raten manche Lehrer dazu, die Atemzüge zu zählen, oder ähnliches.

Mein Ratschlag ist,  offen zu sein für deine Sinnesempfindungen, versuche nicht sie zu verdrängen - das macht nur wieder müde. Akzeptiere sie einfach und lasse sie vorbeiziehen, wie Wolken am Himmel.

Du musst deine Achtsamkeit nicht auf den Atem beschränken, sondern kannst sie auch auf deinen Körper ausdehnen, ihn achtsam Wahrnehmen...deine Haltung...den Kontakt zum Boden...Verspannungen...

Theoretisch könntest du statt Haltung und Atmung auch ganz andere Meditationsobjekte wählen - etwa Visualisierung, oder die Wiederholung eines Mantras.

Ich persönlich bin bei Mantras skeptisch, da sie statt Achtsamkeit auch zu einer Art "weißem Rauschen" im Geist führen können. Andere sind dagegen von dieser Praxis überzeugt. Finde also selbst raus, was dir liegt.

Ich habe neben Zazen (Sitzmeditation im Zen-Buddhismus) auch positive Erfahrungen mit Vipassana und Metta Meditation (zur Entwicklung von Mitgefühl) gemacht.

Alles Gute. :-)

Kommentar von Yogamag ,

eine wunderschöne, aufrichtige und erklärende Antwort!

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank. :-)

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :-)

Antwort
von Yogamag, 19

Nur mal so nebenbei gefragt:

  • was für eine Sitzposition nimmst du ein?
  • benutzt du einen Meditationshocker oder Kissen oder Stuhl?
  • sitzt du dabei frei im Raum oder lehnst du dich an eine Wand?
  • veränderst du deine Atmung wenn du auf sie achtest oder ist es dir möglich sie einfach fliessen zu lassen ohne die Symptome?
  • verändert sich deine Körperhaltung während der Meditation (zusammensacken im Oberkörper, bei tiefem Sitzen kommen die Knie hoch, der Bauch wird fest...)
Antwort
von Araklaus, 12

Ich mache seit 5 Jahren Hathayoga.und hab vor vor ca 8 Monate zum ersten Mal meditiert. Dabei sitze ich ca.45 min. auf meinem Meditationshocker. Durch die "Yogavollatmung" atme ich 2,5 bis max. 3 mal pro Minute. Entsprechend geht auch der Puls herunter. Vor meiner Leistenbruch OP musste ich zum EKG.Der erste Versuch sah nicht gut aus, da ich total aufgeregt war. Als ich meine Atmung kontrollieren  konnte, sah die EKG Kurve gut aus.


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