Frage von Till87, 58

Meditation auch im Schneidersitz möglich oder ist der Schneidersitz aus irgendeinem Grund ungeignet?

Zu Hause, aber auch wenn man eine Meditiationsgruppe besucht? Mich lenkt der Schneidersitz am wenigsten ab, weil mein Rücken gerade ist, wenn ich auf einem Zafu sitze, und mir die Knie nicht weh tun.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Sukadev, 17

Ja, du kannst natürlich im Schneidersitz meditieren. Im Yoga gilt der Schneidersitz als eine der klassichen Sitzhaltungen und heißt auf Sanskrit Sukhasana. Hier ein Video mit den verschiedenen Sitzhaltungen für die Meditation:

Kommentar von Till87 ,

Wird der Schneidersitz auch akzeptiert, wenn ich z. B. in eine Meditationsgruppe gehe? Oder muss man da zumindest im halben Lotus sitzen? Ich hab gehört beim Zazen ist wichtig, dass die Knie auf dem Boden sind.

Kommentar von Sukadev ,

Im Normalfall wird das in einer Meditationsgruppe akzeptiert, mindestens in allen Meditationsgruppen, in denen ich bisher war.

Antwort
von derMannohnePlan, 30

Meditation 

Man ist mit diesem Wort sowohl im Osten wie im Westen in einer höchst unglücklichen Weise umgegangen. 

Es gibt verschiedene Meditationsschulen, verschiedene Methoden und Systeme. Es gibt Systeme, die sagen, „Beobachte die Bewegung Deiner großen Zehe, beobachte sie, beobachte sie, beobachte sie.“ Es gibt andere Systeme, die empfehlen in einer ganz bestimmten Haltung zu sitzen, regelmässig zu atmen oder Bewusstheit zu üben. 

Das alles ist äusserst mechanisch. Eine andere Methode gibt Ihnen ein bestimmtes Wort mit dem Hinweis, dass Sie eine ungewöhnliche transzendentale Erfahrung haben werden, wenn Sie es ständig wiederholen. 

Das ist reiner Unsinn. Es ist eine Art von Selbsthypnose. Wenn Sie das Wort Amen oder Om oder Coca-Cola unaufhörlich wiederholen, werden Sie gewiss eine bestimmte Erfahrung haben, weil Ihr Geist durch die Wiederholung ruhig wird.

Es ist ein wohlbekanntes Phänomen, das seit Jahrtausenden in Indien praktiziert worden ist – Mantra-Yoga wird es genannt. Durch Wiederholung können Sie bewirken, dass der Geist freundlich und sanft wird, aber er bleibt ein kleinlicher, minderwertiger, unbedeutender Geist. 

Meditation bedeutet, eines jeden Gedankens, eines jeden Gefühls gewahr zu sein, niemals zu sagen, sie seien richtig oder falsch, sondern sie einfach zu beobachten und ihnen nachzugehen. 

In diesem Betrachten beginnen Sie alle Regungen des Denkens und Fühlens zu verstehen. Und aus diesem Gewahrsein erwächst das Schweigen. 

Ein Schweigen, das vom Denken zustande gebracht wurde, ist Stagnation, ist unfruchtbar; aber das Schweigen, das entsteht, wenn das Denken seinen eigenen Anfang, sein eigentliches Wesen verstanden hat, wenn es begriffen hat, daß alles Denken niemals ungebunden ist, sondern immer mit der Vergangenheit beladen ist – dieses Schweigen ist Meditation, in der es keinen Meditierenden gibt. Der Mensch hat in diesem Zustand der Vergangenheit aus sich entlassen.

Wenn Sie dieses diesen Text eine Stunde lang aufmerksam gelesen haben, ist das Meditation. Wenn Sie nur ein paar Worte mitgenommen haben und ein paar Ideen gesammelt haben, um darüber später nachzudenken, dann ist das keine Meditation mehr. 

Meditation ist ein Zustand des Geistes, der auf alles mit vollkommener Aufmerksamkeit schaut, der das Ganze betrachtet und nicht nur Teile. Und niemand kann sie lehren, achtsam zu sein. Wenn irgendein System Sie lehrt, wie Sie achtsam sein können, dann wenden Sie sich von diesem System ab.

Meditation ist eine der größten Lebenskünste, vielleicht die größte, und man kann sie unmöglich von jemanden erlernen; darin liegt ihre Schönheit. 

Sie hat keine Technik und daher keine Autorität. Wenn Sie sich selbst kennenlernen, sich selbst beobachten, sich betrachten, wie sie gehen, wie sie essen, was sie sagen, das Geschwätz, den Haß, die Eifersucht – wenn Sie das alles in sich ohne jede Rangfolge wahrnehmen, ist das Teil der Meditation.

Sie können meditieren, wenn Sie in einem Bus sitzen oder durch einen Wald gehen voller Licht und Schatten wandern oder dem Gesang der Vögel zuhören oder in das Gesicht Ihrer Frau, Ihres Mannes oder Ihres Kindes blicken.

Meditation zu verstehen, heißt zu lieben, und Liebe ist nicht das Produkt von Systemen, von Gewohnheiten; sie wird nicht durch das Befolgen einer Methode erzeugt. 

Liebe kann nicht durch Denken entwickelt werden. Liebe kann vielleicht im vollkommenen Schweigen entstehen, in einer Stille, in der der Meditierende gänzlich fehlt. 

Und der Geist kann nur still sein, wenn er die Regungen seines Denkens und Fühlens versteht. Um diese Regungen zu verstehen, dürfen wir sie nicht verurteilen, während wir sie beobachten. In dieser Weise zu betrachten, ist wahre Disziplin, und diese Art der Disziplin ist beweglich, frei, es ist nicht die Disziplin der Gleichförmigkeit.“

(Es ist die Disziplin der Freiheit)


Kommentar von waseinTag ,

Wau, wie gut ist das denn! Danke

Kommentar von derMannohnePlan ,

Dankeschön. Danke fürs Kompliment.

Kommentar von triunitas3in1 ,
Kommentar von derMannohnePlan ,

Ja, eine der größten Seelen des letzten Jahrhunderts. Leider kennt ihn kaum jemand! 

Kommentar von gottesanbeterin ,

"Meditation bedeutet, eines jeden Gedankens, eines jeden Gefühls gewahr
zu sein, niemals zu sagen, sie seien richtig oder falsch, sondern sie
einfach zu beobachten und ihnen nachzugehen. "

Der meditative Zustand ist jenseits von Gedanken, er wird ja auch "gedankenfreier" Zustand oder "Gedankenstille" genannt.

Antwort
von Enzylexikon, 19

Hallo :-)

Da du ein Zafu nutzt, sehe ich keinen besonderen Sinn, ausgerechnet den aus meiner Sicht unvorteilhaften Schneidersitz zu nutzen.

Ich habe hier mal begründet, weshalb der Schneidersitz aus meiner Sicht alles andere als optimal ist, und man zumindest den Halblotos oder burmesischen Sitz nutzen sollte

https://www.gutefrage.net/frage/kann-man-auch-im-schneidersitz-meditieren

Hier habe ich noch etwas mehr zur Bedeutung der Sitzhaltung geschrieben:

https://www.gutefrage.net/frage/wie-wichtig-ist-die-sitzposition-beim-meditieren

Vielleicht sind diese Informationen ja auch für dich interessant und du kannst etwas mit ihnen anfangen.

Solltest du noch Fragen haben, helfe ich gerne weiter. :-)

Kommentar von Till87 ,

Mir tut der burmesische Sitz oder der Halblotus, die ja fast gleich sind, aber weh. Dann gibt es ja noch den Sitz, bei dem man auf den Schienbeinen sitzt und das Kissen unter dem Hintern hat. Der ist am Schlimmsten.

Kommentar von Enzylexikon ,

Hast du bereits vorher schon irgendwelche Beschwerden an den Knien oder Beinen gehabt? Sportverletzungen, o.ä. ? Das sollte man nämlich berücksichtigen.

Der Schneidersitz ist meiner Meinung nach langfristig ungesünder für die Knie, weil die Oberschenkel dabei unter Spannung stehen.

Mir fällt dazu eigentlich nur ein Punkt ein, den du möglicherweise nicht ganz richtig machst:

Wie sitzt du auf dem Zafu? Wenn du dich ganz in die Mitte setzt, bekommst du die Knie auch nicht vernünftig auf den Boden und das tut natürlich weh.

Besser ist es, im vorderen Drittel des Kissens zu sitzen, wie eine Art Sitzkeil, so dass das Becken ganz natürlich nach vorne gekippt
ist und die Beine einfacher den Boden berühren.

Es gibt den Satz "man muss das Gefühl haben, als ob der After die Sonne betrachten wolle".

Durch das gekippte Becken verteilt sich das Körpergewicht dann gleichmäßg auf das Dreieck aus Wirbelsäule und Knien, so dass längeres Sitzen möglich sein sollte.

Hier habe ich ein deutschsprachiges Video, bei dem man das mit dem Zafu gut sieht (ab 1:21, aber es lohnt sich, das ganze Video zu schauen)

https://www.youtube.com/watch?v=JYOxDblXFvk

Ich hoffe, dir damit etwas geholfen zu haben. :-)

Kommentar von Till87 ,

Könntest du vielleicht auch meine anderen Fragen zum Buddhismus beantworten? Vor allem die zum Zen-Buddhismus und Metta.

Antwort
von FataMorgana2010, 28

Du kannst auch als Kugel zusammengerollt meditieren, wenn das DEINE Position ist. :-) Auch wenn das natürlich für die meisten Menschen nicht ihre Position ist, aber es geht ja um deine Konzentration und deinen Fokus. 

Schneidersitz ist völlig ok. Jede Position, bei der du wach und entspannt bist und keine Schmerzen hast, ist für die Meditation geeignet. 

Antwort
von purushajan, 13

ja, der schneidersitz ist für viele menschen die bequemste und natürlichste Sitzhaltung zum meditieren. einfach so weitermachen.

Antwort
von dhammo, 15

Meditation ist in erster linie eine Übung für den 'Geist' und der Körper sollte so plaziert werden, dass er sich entspannt und wach anfühlt. von daher ist jede Sitzposition geeignet. Also ist der Schenidersitz vollkommen in Ordnung, auch auf einem Stuhl zu sitzen ist okay - man kann auch im liegen meditieren, aber da besthet die "Gefahr", dass man einschläft.

[+++ durch Support editiert +++]


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