Frage von stallingbird, 24

Max Weber behauptet in "Wissenschaft als Beruf", dass die Wissenschaft die Welt notwendig entzaubern würde. Kann man diese Aussage heute noch bejahen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ulrich1919, 13

JA.
Je mehr man weiss und erklären kann, um so mehr geht die Faszination für das Unverständliche zurück. Selbstverständlich ist die Welt durch die klassische Wissenschaft weitestgehend entzaubert und die moderne Wissenschaft bewegt sich auf Gebieten weit ab vom täglichen Leben, aber es gibt immer hier und dort noch ,,zauberhafte" Erfahrungen, die wissenschaftlich noch nicht vollständig erklärt wurden.

Kommentar von SlowPhil ,

Mich fasziniert schon immer ein Zusammenhang, den ich begriffen habe, mehr als etwas, das ich nicht verstehe.

Antwort
von Nobody42111111, 6

im grunde ja, weil die wissenschaft im gegensatz zu der zauberei schlüssig erklärbar ist, die zauberei aber keine erklärung, sondern unerklärliche kräfte hat. 

zum beispiel erklärt die wissenschaft erdbeben durch konvektionsstörme in der erde die dann zu einem druck an den erdplatten führt und sich dann entlädt, was aus menschlicher sicht als erdbeben wahrgenommen wird. 

in der zauberei gibt es eine solche erklärung von erbeben wegen konvenktionsströmen nicht, sondern göttinnen und götter die durch unerklärliche kräfte ein erbeben als strafe verursachen. 

die schlüssige nachvollziehbare erklärung in der wissenschaft für einen vorgang mag durchaus faszinierend sein aber zauberei ist die wissenschaft dadurch trotzdem nicht, weil unerklärliche kräfte kein gegenstand der betrachtung für die wissenschaft  sind, die nur vernünftig schlüssig nachvollziehbare erklärungen sucht und regelrecht methodisch behandelt. 

Antwort
von rolfmengert, 9

Versuchen wir doch zunächst zu bestimmen, was man in dieser Aussage als  Zauber verstehen kann. Es ist sicher nicht der Zauber, der das naturwissenschaftlich dechiffrierte Geschehen außer Kraft setzt, also ein Zauber im Sinne Harry Potters. Zauber wird hier doch im Sinne von "Bezaubern" gebraucht, also mit Bewunderung erfüllen, Erleben mit Glücksgefühlen oder faszinieren, so dass eine Sehnsucht nach "mehr davon" entsteht. 

Wenn nun aber die Welt der Geheimnisse vor dem Einsetzen der Wissenschaft bezauberte, dann waren das meist Gestimmtheiten, dass das Wirken Gottes doch wunderbar sei, weil sich alles irgendwie harmonisch zueinander verhielt. Viele Lieder berichten von diesem Glück des Gläubigen, dass sein Gott alles so wunderbar gefügt habe.

Zweifellos wurde nun durch die Wissenschaft diese Weltsicht dechiffriert. Das Wunder der Zeugung wurde entmythologisiert durch die Einsicht der Geschehnisse auf dem Zellniveau - Mitose/ Meiose - Befruchtung - Embryonalentwicklung, usw. Die Wirkmächtigkeit von Sonne und Mond, oder der Sternenlauf wurden Keplerschen Gesetzmäßigkeiten geopfert. Gewiss, da gab es Ernüchterungen und wohl auch Enttäuschungen wie bei Kindern, die über den Weihnachtsmann oder den Osterhasen aufgeklärt werden. 

Doch nun betrachten wir doch mal die Positivseite des Wissenschaftsgeschehens. Was für faszinierende Welten haben sich uns nicht durch die moderne Astronomie eröffnet. Welch unbeschreiblich beeindruckende Ansichten des Kosmos wurden uns nicht durch die Hubble-Bilder geschenkt. Die heute erkennbaren Dimensionen des Weltalls sind doch um ein mehrfaches beeindruckender als der antike Himmel mit seinen fixierten Glitzersternchen.

Auch die biologisch-medizinischen Erkenntnisse sind Ehrfurcht erzeugend. Die Evolutionstheorie gibt uns doch eine Kunde vom Werden des Lebens, die weit spannender ist als der biblische Schöpfungsmythos. Selbst unsere Erde mit ihren Vulkanen, tektonischen Bewegungen, ihren Wetterphänomenen und klimatischen Prozessen ist wissenschaftlich viel faszinierender als sich nur einem unberechenbaren Treiben eines Wettergottes ausgesetzt zu fühlen.

Bilanz: Wir können heute sagen, dass uns durch die Wissenschaft die Welt weit mehr verzaubert wird, als dass wir einige lieb gewordene Geheimnisse durch die Aufklärung des dahinter liegenden Geschehens verloren haben.

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