Mathematikstudium ((Erfahrungen, etc ... )?

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3 Antworten

Erstmal vorweg: Ob dein Abiturdurchschnitt (denn das meinst du wohl mit NC) bei der Zulassung zum Mathestudium eine Rolle spielt, hängt von verschiedenen Dingen ab, welche Uni, wie gut sein deine Konkurrenten um einen Platz usw. Das läuft ja so ab: Die Uni legt fest, ob die Anzahl der Studienplätze für ein Fach im nächsten Anfangssemester begrenzt ist (das ist dann eine beschränkte Anzahl, und das ist der numerus clausus). Wenn nein, dann bekommt jeder einen Studienplatz, der sich darum bemüht. 

Wenn ja - und das ist der häufige Fall - dann werden die Bewerber um einen Platz nach dem Abiturschnitt (meistens) sortiert, es werden solange welche zugelassen, dann wird geschaut, welchen Schnitt die schlechtesten noch genommenen Bewerber hatten, und dieser Wert ist dann der, der später (fälschlich) als NC überall steht. Werden alle genommen, gibt es so einen Wert, ansonsten lag der bei Mathe im letzten Semester zwischen 1,3 und 3,3 - je nach Universität. Da das von vielen Dingen abhängt, nämlich z. B. davon, ob eine  Uni zum Beispiel plötzlich weniger (dann braucht man einen besseren Schnitt) oder mehr (schlechteren Schnitt) Studienplätze anbietet oder sich mehr oder weniger bessere oder schlechtere Studienbewerber finden, lässt sich im Voraus nur sehr schlecht vorhersagen, wie es aussehen wird.

Wenn du also auf der sicheren Seite sein willst und dir deine Wunschuni aussuchen willst, dann sieh zu, dass dein Notenschnitt gut ist. Wenn es dir egal ist, wo du studierst, dann wirst du sicher auch mit einem schlechten Schnitt einen Studienplatz in Mathematik finden - irgendwo. 

Jetzt zum Studium: Schwer zu beschreiben. Es ist komplett anders als die Schulmathematik, es ist anstrengend, es brechen  sehr viele das Studium wieder ab, weil sie es sich anders vorgestellt haben. Es wird vom ersten Tag an fast ausschließlich mit abstrakten Begriffen gearbeitet, konkrete Rechnungen wirst du wenig finden. Man muss am Ball bleiben, sich mal einige Zeit hängen zu lassen. wird schnell bestraft - weil man dann einfach nur noch Bahnhof studiert. Am besten versucht man, sich mit anderen gemeinsam durchzubeißen, dann klappt es auch. Ansonsten: Welche Wissenschaft könnte schöner sein als die Mathematik? Das Studium bietet große Glücksmomente, wenn man merkt, dass man etwas verstanden hat, dass man sieht, wie sich Dinge zusammenfügen. Das ist faszinierend!

Warum willst du denn Mathematik studieren? Was gefällt dir an diesem Fach? 

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Ich studiere Mathematik in Bonn.

Der Anfang ist sehr schwer, ich dachte ich hätte das erste Semester gut überstanden (1,3 Schnitt in den Klausuren), ab dem zweiten würde es bestimmt einfacher, und habe im zweiten Semester eigentlich nur gesoffen und fast garnicht gelernt. Dementsprechend bin ich fast überall durchgefallen und darf jetzt 7 anstatt 6 Semester machen :/

Es macht mir trotzdem sehr viel Spaß und die Themen sind unglaublich interessant. Das Mathematikstudium unterscheidet sich sehr stark nicht nur von der Schulmathematik sondern auch von allen anderen Studienfächern. Die Vorlesungen sind sehr trocken, aber sie werden auch nicht langweilig, du bist zu sehr damit beschäftigt Wissen aufzunehmen. Jede Woche gibt es in jedem Modul jeweils einen Übungszettel mit einigen schweren Aufgaben (Beweise, die etwas mit der Vorlesung zu tun haben, aber noch einen "Trick" benötigen, auf den du dann selbst kommen musst), du hast eine Woche Zeit, deine Zettel werden bewertet und sorgen dann für deine Klausurzulassung. Sie haben in der Hinsicht keine Rolle auf deine Note, dass 50% ausreichen, um zugelassen zu werden, es ist also egal ob du 51% oder 99% der Punkte in den Übungen hast, du wirst zur Klausur zugelassen und die Klausur ist 100% deiner Note.

Der NC-Wert spielt keine Rolle. Offiziell gibt es in Bonn einen NC, dieser hat aber in den letzten 10 Jahren kein einziges Mal gegriffen, jeder Bewerber wurde also genommen. Die Professoren sind kompetent, nett und beantworten in den Sprechstunden gerne Verständnisfragen und beraten einen generell gerne, auch wenn du außerhalb der Übungen an etwas arbeitest (ich hatte bis jetzt nur 8 verschiedene Dozenten kennengelernt, habe aber ausschließlich sehr positive Erfahrungen gemacht, fachlich war dein Mathelehrer eine Niete dagegen).

Fazit: Versuchs einfach. Das Mathematikstudium kann ich nur empfehlen, auch wenn du keinen Abschluss machst weil du nach z.b. 4 Semestern aufhörst, hast du einiges mitgenommen was du überall gebrauchen kannst. Besonders empfehle ich Bonn wenn du hier in der Nähe wohnst, mir fällt kein Negativpunkt am Mathestudium in Bonn ein, vielleicht nur das Chaos im ersten Semester, weil es da einfach zu viele Leute sind (wie gesagt, jeder wird genommen). Ab dem zweiten Semester ist die Hälfte weg und es sind kleine Gruppen, die Leute sind nett und du wirst schnell Freunde finden.

LG

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Deine Abschlussnote spielt an den meisten Unis keine Rolle, da der Studiengang meistens zulassungsfrei ist. In den Fällen, in denen er zulassungsbeschränkt ist, wirst du keinen guten Schnitt brauchen. Oft werden sogar alle Bewerber angenommen.

Das Studium bereitet mir sehr viel Spaß, es fordert einen intellektuell sehr heraus. Allerdings unterscheidet sich das Studium bzw. "die Hochschulmathematik" sehr stark von der Schulmathematik. Es geht viel mehr darum, in Strukturen zu denken, Hintergründe zu verstehen. Es wird wenig gerechnet, eher bewiesen. Wöchentlich sind i.d.R. Übungsaufgaben abzugeben. Bei diesen Abgaben muss man meistens eine gewisse Punktzahl erreichen, um die Klausur im entsprechenden Modul schreiben zu dürfen. Diese Übungsaufgaben sind nicht mit Dingen aus der Schule vergleichbar, die sind eher mit Knobelaufgaben vergleichbar. Man hat eine Woche Zeit für die Bearbeitung und die sollte man auch nutzen.

Auf jeden Fall sollte man eine sehr sehr hohe Frustrationstoleranz mitbringen und bereit sein, viel Zeit (gerade am Anfang) zu investieren. In den ersten zwei, drei Semestern fällt einem das Studium sehr schwer, da eine ganz andere Denkweise als in der Schule gefordert wird und man sich da erst mal anpassen muss. Danach wird es zumindest subjektiv besser, das Studium wird zwar nicht leichter (eher schwieriger), aber man selbst wird eben auch besser. Die Lernkuve im ersten Jahr ist, wenn man immer schön seine Aufgaben macht, sehr steil. Die Devise lautet daher anfangs vor allem: Durchhalten und Überleben!

Je nachdem, was für einen Prof man in den Anfängervorlesungen bekommt ist das mehr oder weniger leicht möglich.

Gegen Ende des Studiums wirst du feststellen, dass du ganz anders denkst, strukturierter an Probleme herangehst und insgesamt intelligenter wirst (bedingt durch verbessertes analytisches Denkvermögen). Du kriegst also indirekt neben dem Fachwissen auch andere Dinge durch das Studium vermittelt.

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