Marke, Label schützen / gründen. Brauche umfangreiche Hilfe!?

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2 Antworten

Man muss tatsächlich darauf verweisen, dass die Frage so umfangreich in der Beantwortung ausfallen würde, dass das nicht nur die 5.000-Zeichen-Begrenzung vielfach sprengen würde.

Ich will Dir keinen Spiegel vor halten, sondern nur deutlich machen, dass das alles nicht so einfach ist. Lasse mal das Marketing weg. Denn die Anzahl der 25 Marketing-Instrumente wird bereits in vier Gruppen untergliedert. Hinter den jeweiligen Instrumenten fängt die Arbeit erst an.

Dabei kommt es auf das Produkt an, welche zum Einsatz kommen.

Es wird immer wieder geglaubt, man bräuchte nur die Ware irgendwie zu zeigen und wie von Zauberhand ist die Ware beim Kunden und das verdiente Geld auf dem Konto.

Vorher muss man bereits den Markt genau unterteilen. Nehmen wir ein kurzes Beispiel und vereinfachen dieses. Bademode ist da wohl gut geeignet.

Für den Mann oder die Frau? Für die Frau. Badeanzug, Bikini, Tri-Kini oder so ein Teil für die moslemische Schwimmerin? Badeanzug zum Baden oder den Sportbereich? Kürzen wir ab. Ein Badeanzug für den Freizeitbereich in Übergrößen, der gleichzeitig Stützelemente bzw. Körperformung unterstützt.

Dann kümmert man sich natürlich um die direkte Konkurrenz. Was machen denn die? Was gibt es in den anderen Bereichen für Konkurrenz? Wie machen die das?

Was muss man von den anderen übernehmen? Einfach weil der Weg zum Kunden so funktioniert. Hierbei heißt es nicht, den Anbietern hinterher zu laufen. Es kann ja sein, dass das eigene Produkt am Besten durch Shopping-TV zu vertreiben ist und man entscheidet sich nur dafür und verzichtet auf den stehenden Einzelhandel.

Um hier entscheiden zu können, da muss man wissen: Wer wird diesen Badeanzug wenn überhaupt kaufen? Wo habe ich die besten Chancen meine Kundinnen zu treffen? Es kann aber auch der eigene Versandhandel sein oder oder oder.

Zur Bewertung dieser Möglichkeiten braucht man ein genaues Bild von der Zielgruppe. Was für einen Geschmack haben die? Welches Einkommen? Was lesen die? Was haben die für ein Freizeitverhalten usw. Hinter dem usw. verbirgt sich auch wieder alles mögliche. Da kann es sogar um den Musikgeschmack gehen. Der Badeanzug für Country- und Western-Fans (keine Ahnung wie der aussehen würde, könnte aber denkbar sein!?).

Aufgrund der eigenen Kollektion geht es dann darum, ob die eher konservative Schnitte und Stoffe bevorzugen oder auch was ausgefalleneres sich vorstellen können. Möchte die Zielgruppe eher was besonderes im Sinne von Exklusivität oder von Innovation haben? Es gibt dazu eine ganz Studie über die Milieus und auch andere Katalogisierungsmöglichkeiten.

Dabei ist überhaupt noch nicht betrachtet, wie man sich rechtlich aufstellen will. Soll es ein klassisches Einzelunternehmen sein, eine GmbH oder vielleicht sogar eine Aktiengesellschaft? In diesem Zusammenhang kann sogar die Frage interessant sein, ob man national oder international auftreten will.

Aber auch welche Kenntnisse im Bereich Recht hat man denn? Niemand kennt da alles, also was für Spezialwissen muss vertreten sein? Wie intensiv wird dieses Genutzt werden müssen? Braucht man täglich den Anwalt für Markenrecht und sollte den besser gleich anstellen oder ist das so unwichtig, dass man bei Bedarf ins Branchenbuch sieht?

Steuerberatung wäre ein ähnliches Thema. Weniger rechtlich, sondern eher von irgendwelchen Abläufen, wie wichtig kann ein Unternehmensberater sein?

Sind eigene MitarbeiterInnen zu führen? Auch hier gibt es rechtliches und natürlich auch die Frage der Führung. Bildet man bereits erste Abteilungen?

Es geht darum, dass Du Dir selbst einen roten Faden schaffst. Eine Art Routenplanung für Dein Unternehmen. Von der Gründung bis zum Ziel. Soll der Ziel denn der Verkauf des Unternehmens in etwa fünf Jahren sein? Das wollen nur ganz wenige, trotzdem muss dieses möglichst am Anfang klar sein.

Jede richtige Entscheidung kostet Geld. In der Regel kosten die richtigen Entscheidungen weniger Geld und sind gleichzeitig lukrativer als die anderen. Meine Schätzung aus der Beratung in den Bereichen Steuern und viel mehr noch aus der Unternehmensberatung ist, dass bei einem Anfangskapitalbedarf von 10.000 Euro etwa eine Fehlinvestition im Bereich von 3.000 bis 5.000 Euro dabei ist.

Beispiel: Zum Besuch des Großhandels wird für die Kollektion ein Auto benötigt. Die Reisestrecken sind lang, man kauft sich ein Auto, dass dieses möglich macht und entsprechend repräsentativ ist. Schließlich sind wir im Bereich Mode und Design unterwegs.

Der Verkauf klappt oder nicht. In jedem Fall entsteht jetzt ein Problem: Kann die Ware mit dem Fahrzeug auch noch ausgeliefert werden? Wenn ja - Was für Kosten entstehen pro Kilometer? Wie groß muss die Bestellung sein, damit man sie auf dem Weg verteilen kann?


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Kommentar von Dirk-D. Hansmann
05.11.2015, 02:57

Bleiben wir jetzt ruhig bei diesem beliebten Thema Auto. Vielleicht wäre ein Transporter mit Kleiderständern viel sinnvoller gewesen? Geringere Kosten pro Kilometer und die Kundenpflege bei der Auslieferung ist möglich, da man keinen Logistiker benötigt. Kann aber auch eine sinnvolle Alternative sein. Verschicken per Paketdienst. Dann wäre der Transporter auf einmal vollkommen verkehrt. Man muss also den Einzelfall ganz genau im Auge haben. Und das überfordert, da einfach die Erfahrungen nicht vorhanden sind.

Eine ganz schnell entschiedene Fehlinvestition. Folglich ist Geld für andere sinnvollere Dinge nicht mehr zur Verfügung. Eine Erklärung warum mindestens 90% der Gründungen die Gründungsphase nicht überleben.

Jetzt kommt also mein absoluter Standard-Tipp: Erstelle einen Businessplan. Stelle hohe Anforderungen an die darin getroffenen Entscheidungen. Sorge bereits bei der Aufstellung des Plans dafür, dass Du später immer wieder vergleichen kannst, ob noch alles im Planbereich liegt. Unter Umständen muss der Plan auf neue Entwicklungen angepasst werden. Oder aber, man stellt fest, dass die Chance, die sich bietet zu einem ganz anderen Weg führt. Will man das? Will man das Angebot annehmen, in dem es heißt: Produziere ausschließlich für mich. Dann ist Dein Jahreseinkommen von 120.000 Euro sicher.

In einem guten Plan steht bereits drin: Ich will für einen Abnehmer produzieren. Oder alternativ: Ich will eine Vielzahl von Abnehmern haben. Diese Entscheidung kann natürlich in der Situation nochmals geprüft werden. Das ist nicht der Punkt. Aber die Entscheidung dann ist vermutlich besser, als wenn Du aus dem Bauch entscheiden musst. Denn genau dann, weil der Bauch keinen Vergleich hat, dann fängt der an und bekommt Bauchschmerzen - in beide Richtungen.

Um aber diese Bewertungen wirklich richtig gemacht zu haben, dazu benötigt man m.E. Unterstützung. Ein entsprechend qualifizierter Berater ist bei weitem günstiger, als das falsche Auto zu haben.

Ich hoffe, dass ich Dir hier die kommenden Probleme durch diese kleinen Beispiele gut aufzeigen konnte. Schlimm ist eben, in der Gründungsphase gilt oft: Was schief gehen kann geht auch schief. Was das für die Zukunft bedeutet, dass ist vielleicht auch nachvollziehbar geworden.

Viel Erfolg.

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Ein Laie gründet sowas am besten überhaupt nicht. Ich arbeite selbst seit meinem ersten Tag im Berufsleben in der Textil- und Modebranche und kann die ganzen gescheiterten Existenz gar nicht mehr zählen.. Arbeitserfahrung und Kontakte sind in dieser Branche das A und O - als Laie kannst du weder das eine noch das andere vorweisen, egal wie sehr du dir das schön redest. Wo du herstellen sollst, solltest du doch selbst am besten wissen - ach nee stimmt, da sind wir wieder bei den fehlenden Kontakten. Grosse Modenamen lassen sehr wohl in Europa herstellen und das nicht nur in Osteuropäischen Ländern, sondern auch in Frankreich, der Schweiz und Italien. Du kennst diesen Markt viel zu wenig, wie willst du dich da beweisen können? Auch in welcher Form du die Ware verkaufst, solltest du selbst rausgefunden haben. Sowas kristalisiert sich heraus, wenn man sich über Jahre hinweg intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Ich hoffe jetzt mal nicht, dass deine Ware bedruckte Shirts oder sonst was sind... 

Ich würde dir sehr gerne weiterhelfen, aber das ist wirklich unmöglich. Ein Studium und eine Ausbildung in der Mode- und Textilbranche (+ in deinem Fall im kaufmännischen Bereich wegen der Selbständigkeit) sind gerade mal die Grundlagen, um überhaupt darüber nachdenken zu können, ob eine Selbständigkeit in diesem Bereich sinnvoll ist. Wissen und das ganze drumherum kommt nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern muss sich zuerst über Jahre angeeignet werden. Dann kommt die ganze Arbeitserfahrung dazu, die du gar nicht haben kannst, wenn du noch nie über mehrere Jahre hinweg für einen Designer oder in einem ähnliche Bereich gearbeitet hast. Ich weiss ja nicht wie alt du bist und was du in deinem Leben schon alles erreicht hast, aber dieses Vorhaben ist einfach nur naiv und bereits jetzt zum Scheitern verurteilt. 

Es hört sich ja immer toll an, wenn man sagen kann, dass man Designer ist und ein eigenes Label hat, aber da steckt viel viel mehr dahinter. 

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