Mal was zum Nachdenken: Viele Tiere sind oft wie bessere Menschen?

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5 Antworten

Eine äußerst interessante Fragestellung! Ich sträube mich eigentlich immer dagegen, vom Menschen definierte Maßstäbe, Muster und Eigenschaften auf Tiere zu übertragen. So auch bei den Adjektiv "gut" und dessen Komparativ "besser", die der Mensch mit seiner Sprache erschaffen hat, um Verhaltensweisen andere Menschen und Lebewesen zu klassifizieren. Allerdings würde ich jetzt auch nicht behaupten, dass der Moralbegriff alleinig bei der menschlichen Spezies anzutreffen ist - auch wenn wir gerne Emotionen und Empfindungen wie Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Versöhnung, und Gerechtigkeitsempfinden für uns beanspruchen und anderen Spezies rigoros absprechen (Gnade uns Gott, wenn wir anderen Arten aufgrund ihrer Gefühle plötzlich Persönlichkeitsrechte einräumen müssten!). 

Ich bin einfach nur der Überzeugung, dass diese menschlichen Maßstäbe der Tierwelt nicht gerecht werden und sich hier auch schlecht anwenden lassen. Darum finde ich es auch nicht gut, wenn tierische Verhaltensweisen "romantisiert", sprich: Tiere als "bessere" Menschen bezeichnet werden, denn sie sind es schlicht und ergreifend nicht.   

Ein Hund beispielsweise denkt nicht von sich selbst "ich führe den blinden Mann, darum bin ich gut"... sondern er wurde auf dieses spezielle Verhalten konditioniert. Tiere nehmen also nicht selber wahr, ob sie "gut" oder "böse" sind, vielmehr schreiben wir Ihnen als Mensch diese Atribute zu. Und genau hier beginnt mein Problem: Ist der Delfin "gut", weil er mit Menschen interagiert  (z.B.: spielt) und der Hai "schlecht", weil er eben selbiges nicht tut (zumindest nicht in der Art und Weise, wie es gesund für den menschlichen Organismus ist)? Ich glaube nicht. 

Die Frage die mich und viele anderen Menschen weltweit beschäftigt ist doch, inwiefern man den Begriff der Moral tatsächlich auch auf die Tierwelt ausweiten kann.

Früher war es noch relativ einfach: Man dachte, Tiere reagieren automatisch auf Reize oder folgen gefühllos ihrem genetischen Programm. Löwe hat Hunger und frisst Gazelle. Punkt.

Das ist natürlich keine falsche Feststellung, doch gibt es inzwischen auch Hinweise auf viel komplexere Prozessen in tierischen Verhaltensschematas. 

Beispielsweise bei Vampirfledermäusen: Diese leben unter wirklich widrigen Bedingungen (nur Blut als Nahrung, schneller Stoffwechsel = häufige Nahrungsaufnahme, oft wenig Wirtstiere als Nahrungsquelle). Nun haben Forscher beobachtete, dass Tiere, die Erfolg bei der Nahrungssuche hatten, etwas Blut für Artgenossen hochwürgen. Wenn es sich bei den gefütterten Artgenossen um Verwandte (sgn. "Verwandtenselektion") handelt, dann macht das Ganze evolutionistisch gesehen natürlich durchaus Sinn (Genpool der eigenen Familie überlebt...) ABER: Es werden nicht nur Verwandte, sondern auch völlig fremde Tiere der Kolonie gefüttert - allerdings nur jene, die selber einmal etwas hergegeben hatten. Die Fledermäuse entscheiden also ganz bewusst, dass sie gewissen Tieren (Egoisten, die ihre Nahrung noch nicht geteilt haben) nichts abgeben - sprich: sie handeln nach den Erfahrungen und Beobachtungen, die sie früher gemacht haben und füttern nur "Freunde". 

Wenn die Tiere einander Futter anbieten, dann lässt sich hier durchaus darauf rückschließen, dass die eine Fledermaus "weiß", was der anderen fehlt. Das kann zugleich auch bedeuten, dass die Fledermaus den Hunger ihres Artgenossen nachempfindet (Empathie). Außerdem erwartet das Tier über kurz oder lang eine Gegenleistung (wenn es selbst mal hungrig ist) - hier kann man also mE durchaus schon von Planung sprechen. Warum sonst werden Feldermäuse, die nicht Teilen, mit Nahrungsentzug sanktioniert? Scheinbar ist "Nettigkeit" hier eine Art Überlebensstrategie, die sich bewährt hat...

Näher betrachtet, weisen Tiere also durchaus mehr menschliche Eigenschaften auf, als uns wahrscheinlich lieb ist - allerdings nicht unbedingt nur im positiven Sinne. Darum sind Tiere für mich keine "besseren" Menschen, sondern mehr Anstoß, um über unsere Rolle/Funktion auf diesen Planeten nachzudenken.

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Kommentar von dfllothar
17.09.2016, 10:14

Großartig! Da hast du dich aber mächtig bemüht in den frühen Morgenstunden. Intressant zu lesen und dafür ein aufrichtiges  Dankeschön!

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Hallo! :-)

Ich warte einfach bloß darauf, dass andere Tierarten weder unter - noch überschätzt werden und dass das sogenannte Bambi - Syndrom oder die unnatürliche Empfindlichkeit, was die ehrliche Natur betrifft, endlich mal ein Ende hat. ^^'

Irgendwie wird es doch bei dem Thema immer wieder paradox. Entweder, es ist "nur" ein Tier oder das Tier ist besser, als der Mensch. Wie aber soll man das entscheiden können, wenn man denn gar nicht mit "seiner" Tierart artgleich kommunizieren kann? Ich rede da nämlich auch von der olvaktorischen Kommunikation. Wir Menschen behandeln andere Tierarten normalerweise ja auch anders, als unsere Artgenossen. 

Es werden Unterschiede zwischen Mensch und Tier gemacht. 

Auch andere Tierarten kennen Gier, Neid, Trauer und auch Liebe. So gibt es bei Tierarten, welche zu kognitiven denken fähig sind, auch Mobbing, Packte untereinander uvm. Der Mensch überschätzt immer wieder und setzt Grenzen, wo rein biologisch eigentlich gar keine sind. Wenn sich ein Mensch auch nur ein einziges mal wirklich und intensivst mit einer anderen Tierart beschäftigt, so wird er merken, dass es so viele Unterschiede, was das Sozialerhalten betrifft, gar nicht gibt. 

Frage mal die Leute, was sie für ein Lieblingstier haben und vor allem warum. Du wirst sehen, mindestens 90 Prozent werden schreiben "Weil es schön ist" oder "Weil er so treu an der Leine läuft ^^". Kaum einer kennt "seine" Tierart. Es muss immer dem Menschen selbst passen und uns so ähnlich, wie möglich sein, bzw. gemacht werden. Ansonsten ist das Tier eklig oder böse. 

Menschen können oft nicht begreifen, dass andere Tierarten auch andere Dinge mögen, als wir. Beispiel: Ein Hund wälzt sich mit Vergnügen im Misthaufen. Da sagt der Mensch wieder "pfeu!" und vergisst, dass andere Tierarten eben auch in bestimmten Sachen anders ticken, als wir. Jede Art hat so seine Eigenarten und auch seinen eigenen Charakter. Es sind Individuen, bei denen man, wenn man schon von "gut" und "böse" redet, sich mal besser das Verhalten unter Artgenossen anschauen sollte, statt zu einer anderen Tierart (uns Menschen). 

Es fallen immer wieder Argumente, welche behaupten, dass wir Menschen doch viel mehr geschaffen haben, als andere Tierarten. Auch hier sollte man sich mal überlegen, ob es vielleicht nicht nur an der Intelligenz, sondern auch an unserer Feinmotorik liegt. Delfine zum Beispiel, geben sich untereinander, sowie wir, Namen. Aber wie bitte, sollte ein Delfin ein Haus bauen und wofür braucht er es? :-D

Sind wir Menschen wirklich so klug, wie wir immer glauben? Oder kann vielleicht sogar ein "dummer" Affe besser mit Zahlen umgehen, als wir? 

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Ein durchaus berechtigter Gedanke. Der Mensch lebt meistens in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Er plant und reflektiert. Er kann sich eine Strategie ausdenken, um dies oder jenes zu erreichen, kann auch lügen, betrügen, intrigieren, um sein Ziel zu erreichen (versuchen). 

Tiere leben ausschliesslich in der Gegenwart, sie sind einfach. Derhalb sind sie dem Menschen unterlegen, sie können keine Pläne schmieden, ihre Zukunft planen. Aus demselben Grund sind sie dem Menschen in einigen Punkten auch überlegen: Sie kennen keine Gier, können nicht lügen, sind wahrhaftig und oft auch treu und loyal. 

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Kommentar von dfllothar
17.09.2016, 07:59

Sehr gute Erklärung! Danke für die tiefgehende Überlegung !

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Pferde können auch sehr gute Freunde sein solange du sie nicht ausnutzt oder zu streng mit ihnen bist

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Bitte hier keine Themaverfehlenden Antworten, das gilt auch euch Halbstarken!

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