Frage von forfaen, 42

Mahngericht + kosten gerechtfertigt (siehe Details)?

Hallo, aufgrund einer ungerechtfertigten Beschuldigung mussten wir uns einen Anwalt nehmen, den wir monatlich bezahlen wollten. Leider gerieten wir einen Monat damit etwas in Verzug (Lohn vom Arbeitgeber kam nicht rechtzeitig) - daraufhin hatte der Anwalt gleich einen Vollstreckungsbescheid vom Mahngericht an uns rausgeschickt mit zusätzlichen Kosten von 275 EUR - finden wir etwas übertrieben, aber ok.

Daraufhin erfolgte die Zahlung unsererseits wieder pünktlich, dennoch kam letzten Monat das Selbe nochmal ins Haus geflattert, diesmal mit zusätzlichen Kosten von 275 EUR, was wir ungerechtfertigt finden. Die Zahlung unsererseits war erfolgt und wir finden es zudem unnötig, dass unser Anwalt damit direkt zum Mahngericht geht statt uns eine normale Mahnung zu schicken.

Können wir da irgendetwas gegen machen? Noch einen Anwalt wollen wir uns nicht nehmen, die Kosten für einen reichen uns jetzt definitiv, deswegen hier die Hoffnung auf hilfreiche Ratschläge... vielen Dank im Voraus.

Antwort
von mepeisen, 2

1. Frage: Wie hoch ist denn die Restschuld? An der bemessen sich die erlaubten Gebühren. Kannst du mal auflisten, was da genau im Vollstreckungsbescheid steht?

2. Die nachträgliche Zahlung der Rate heilt weder das vorherige Versäumnis noch macht es den Mahnbescheid ungeschehen.

3. Was exakt habt ihr bekommen? Zwei verschiedene Mahnbescheide wäre Schwachsinn. Habt ihr dem ersten Mahnbescheid widersprochen? Oder ist das zweite, was kam, nun der Vollstreckungsbescheid?

Man kann sich vielleicht hinstellen und dem Ganzen widersprechen, dann stur weiterhin die Raten pünktlich bezahlen. Begründung wäre, dass der Anwalt die Ratenzahlungsvereinbarung nie gekündigt hat. Das ist aber wackelig. Denn das Versäumnis der einen Rate diskutiert das nicht weg.

Theoretisch kann man auch beim Arbeitgeber reklamieren. Er hat den Schaden ausgelöst und müsste die Anwaltsgebühren für MB/VB nun bezahlen. Aber auch hier ist schwierig, ob man sich mit dem eigenen Arbeitgeber anlegen sollte. Gibt es einen Betriebsrat? Dann vielleicht mal mit dem Betriebsrat reden, dass der vielleicht eine Klärung herbeiführt für den Schaden. Und vielleicht gewährt der Arbeitgeber auch einen zinslosen Arbeitgeberkredit, damit man das mal endgültig bezahlt.

Sofern ihr vor Gericht gewinnt, bekommt ihr das Geld, was ihr für den Anwalt ausgebt, von der Gegenseite ja sowieso zurück (soweit da was zu holen ist).

Antwort
von Kartoffelrudi95, 29

Grundsätzlich kann jeder einen Mahnbescheid beantragen, ob die Forderung gerechtfertigt ist prüft das Amtsgericht nicht, man kann dem Bescheid binnen 14 Tagen widersprechen und dann eben entweder vor Gericht gehen wenn der Gläubiger das so anstößt oder man bekommt einfach nichts weiter.

Wenn ihr in Verzug wart, etwa durch das Brechen einer Ratenvereinbarung, kann direkt ein Mahnbescheid beantragt werden, eine normale Mahnung ist nicht notwendig, reine Kulanz.

Wenn ihr die Forderung inklusive aller Verzugszinsen die man aus dem Bescheid berechnen muss beglichen habt in der Frist, einfach dem zweiten widersprechen und abwarten, vor Gericht würdet ihr dann gewinnen wenn wirklich alles rechtzeitig nachweisbar bezahlt wurde.

Kommentar von forfaen ,

Vielen Dank, wir werden uns über deinen Vorschlag beraten. Deine Infos haben uns jetzt schon jedenfalls weitergeholfen.

Antwort
von OnkelSchorsch, 7

Hm. Ist schon sonderbar. Ihr hattet Ratenzahlung vereinbart, somit war dem Anwalt ja klar, dass ihr finanziell ein wenig unter Druck steht. Üblicherweise herrscht zwischen Anwalt und seinen Klienten schon ein gewisses Vertrauensverhältnis. Mir sind durchaus Fälle persönlich bekannt, wo die Vereinbarung sinngemäß "Sie zahlen mir fünfzig Euro pro Monat, und wenn Sie mal nicht können, sagen Sie eben Bescheid, ist nicht schlimm" lautet.

Habt ihr denn dem Anwalt mitgeteilt, dass ihr die fällige Rate später zahlen würdet? Wäre gut gewesen.

Nun, was könnt ihr tun? Ihr könntet die Angelegenheit bei der zuständigen Anwaltskammer melden. Denn vorbildlich ist so ein Verhalten eines Anwaltes ganz sicher nicht. Versucht das mal, vielleicht bringt das was.

Kommentar von mepeisen ,

Ihr könntet die Angelegenheit bei der zuständigen Anwaltskammer melden.

Wieso denn?

Da gibt es nichts zu beanstanden. Mag sein, dass es nicht sonderlich höflich war. Aber rein rechtlich ist erst mal alles korrekt.

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Na und? Kann man dennoch bei der Anwaltskammer melden. Eventuell ist der RA bereits mehrfach wegen derartiger Dinge aufgefallen.

Antwort
von kevin1905, 6

Ein VB ergeht nur, wenn man vorher einen Mahnbescheid unbeantwortet gelassen hat.

Der Arbeitgeber hat seine Hauptpflicht aus dem Arbeitsvertrag verletzt, nämlich das pünktliche Überweisen des Lohns, daher haftet er für die euch daraus entstandenen Schäden.

Schick diesem eine Mahnung mit Aufforderung die Kosten zu erstatten.

Antwort
von mondfaenger, 17

statt uns eine normale Mahnung zu schicken

Der Anwalt muß euch keine Mahnung schicken. Ihr hattet doch außerdem eine Ratenzahlungsvereinbarung.
Wenn ihr eine Zahlung nicht einhalten könnt, dann hättet ihr euch mit dem Gläubiger in Verbindung setzen müssen.

Kommentar von forfaen ,

Danke für deinen Denkanstoß, nur bringt er uns jetzt leider nicht mehr viel ;) Zudem ging es dabei nur um ca. 3 Tage, wir hatten gehofft, dass der Anwalt deswegen nicht gleich solche Maßnahmen ergreift, aber jeder lernt hoffentlich aus seinen Fehlern.

Kommentar von mondfaenger ,

Auch wenn es nur um 3 Tage ging, hättet ihr auf jeden Fall den Anwalt informieren müssen. Das Ganze ist ja nun nicht einmal, sondern zweimal passiert. Das hätte euch doch beim ersten Mal zu denken geben müssen.

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