Frage von J757623, 19

Mahnbescheid vom Stromanbieter - lohnt sich ein teilweiser Widerspruch?

Mein Fragen wurden leider durch andere hier gefundene Themen nicht beantwortet.

Ich bin im Frühjahr diesen Jahres ausgezogen und habe, nachdem mein Stromanbieter die Kündigung bestätigt hat, wie gefordert einen Brief mit Zählerstandsmessung bei Wohnungsabnahme sowie mit meiner neuen Adresse verschickt.

Auf meine telefonische Nachfrage ein paar Monate später, wo denn die Rechnung bleibe (ich wollte noch mit meinen damaligen Mitbewohnern final abrechnen), bekam ich, nachdem die Bearbeiterin am Telefon meine neue Adresse erfragt hatte, eine Rechnung mit zusätzlichen 20€ Kostensperrandrohung, 3€ Mahnkosten sowie 2€ Auskunftskosten für jeden damaligen Bewohner.

In einem weiteren Anruf behauptete der Stromanbieter, keinen Brief mit meiner neuen Anschrift erhalten zu haben, weswegen sie versucht hätten, von jedem Beteiligten die neue Adresse zu erfahren, und weswegen auch die zusätzlichen Kosten angefallen seien. Ich habe den Brief nicht als Einschreiben oder ähnliches verschickt, habe das ja nicht geahnt.

Frage 1: Wer bekommt in solch einem Fall nicht zugestellter Post im Zweifel Recht?

Einer meiner damaligen Mitbewohner hatte einen Nachsendeauftrag bei der Post gestellt, durch den aber keine Post vom Stromanbieter kam. Außer mir (ich habe ja meine neue Adresse nochmal telefonisch angegeben) hat bis heute auch keiner Post bekommen, auch wenn die Auskunftskosten suggerieren, dass sich der Stromanbieter ja kundig gemacht hätte. Auch die Mahnbescheide an alle Bewohner habe ich an meine Adresse geliefert bekommen.

Frage 2: Sind die angegebenen Auskunftskosten glaubhaft?Frage 3: Wie kann der Stromanbieter überhaupt Mahnkosten und eine Sperrandrohung berechnen, wenn sie offenbar keine Adresse hatten, an die sie sie hätten senden können? An unsere alte Adresse haben sie sie aufgrund des Nachsendeauftrags ja wohl nicht geschickt.

Ich will nun - auch, weil die vom Stromanbieter geschätzten Abrechnungskosten zu hoch sind - einen teilweisen Widerspruch einlegen.

Frage 4: Sollte ich mir einen Anwalt nehmen? Der Widerspruchsbescheid suggeriert, man solle einen Prozessbevollmächtigten einsetzen. Das kann aber ganz schön ins Geld gehen, ich sehe jedoch nicht ein, warum ich all diese - in meinen Augen nicht von mir verschuldet entstandenen - Kosten tragen soll.

Beim Versuch des klärenden Gesprächs am Telefon wurde ich auf mein 'Ich sehe nicht ein, warum ich diese Zusatzkosten bezahlen sollte.' abgewimmelt mit 'Klären Sie das mit den anderen Beteiligten. Zahlen Sie einfach.' Gespärchsbereitschaft sieht für mich jedenfalls anders aus.

Was von all dem ist vor Gericht überhaupt rechtskräftig? Reicht deren Behauptung (die ich ihnen ja durchaus auch abnehme), es sei nie ein Brief angekommen, zur Rechtfertigung weiterer Kosten für mich?

Ich werde nach Rücksprache mit meinen ehemaligen Mitbewohner denke ich versuchen, das Ganze außergerichtlich zu klären. Kann aber sein, dass sich der Anbieter querstellt.

Danke im Voraus für Ihre hilfreichen Antworten!

Antwort
von mepeisen, 8

In einem weiteren Anruf behauptete der Stromanbieter, keinen Brief mit meiner neuen Anschrift erhalten zu haben

Da stellt sich doch direkt eine Gegenfrage: Woher wusste der Anbieter dann den Zählerstand bei Auszug? Offenbar hat er geschätzt. Das erklärt aber nicht, warum nie Briefe ankamen. Weggeworfen hat die der Nachmieter/Vermieter ja auch nicht, sonst hätten sie keinen Anlass gehabt, Adressen neu zu ermitteln.

Frage 1: Wer bekommt in solch einem Fall nicht zugestellter Post im Zweifel Recht?

Nun, im Endeffekt wärest du beweispflichtig dafür, dass den Anbieter die Post erreicht hat. Ansonsten wärest du für die Folgekosten haftbar. ABER: Nur soweit es die Adressanfrage über deine Person betrifft. Das kostet beim Meldeamt auch maximal 10€. Wenn du Vertragsnehmer bist für eine WG, dann ist es persönliches Privatvergnügen des Anbieters, für alle Personen eine Adressauskunft einzuholen.

Einer meiner damaligen Mitbewohner hatte einen Nachsendeauftrag bei der Post gestellt, durch den aber keine Post vom Stromanbieter kam. Außer mir (ich habe ja meine neue Adresse nochmal telefonisch angegeben) hat bis heute auch keiner Post bekommen, auch wenn die Auskunftskosten suggerieren, dass sich der Stromanbieter ja kundig gemacht hätte.

Das wiederum würde ich mir als schriftliche Aussage von den Mitbewohnern nochmal geben lassen. Nur für alle Fälle, denn die absurde Geschichte des Anbieters bröckelt hier bereits.

Frage 2 und 3 würde man vor Gericht stellen (wenn die jemals klagen sollten) und dann wäre ich auf die Antwort gespannt. Davon abgesehen: Eine Sperrandrohung kostet nichts. Für so etwas darf nichts berechnet werden.

Wenn du in etwa abschätzen kannst, wie viel nachzuzahlen ist (ohne Gebühren) würde ich exakt das direkt bezahlen. Im Verwendungszweck "Nur Hauptforderung gemäß übermittelten Zählerstand" oder ähnliches. Danach würde ich dem Mahnbescheid komplett (!) widersprechen. Insbesondere weil man ohne Mahnung erst mal nicht in Verzug war.

Hier könnte es Streitpunkte geben. Ggf. dafür dann einen Anwalt engagieren, wenn die dann klagen wollen. Du bist Student o.ä.? Dann steht dir ein Beratungsschein zu.

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