Frage von luisaavuneo, 39

Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933?

War Hitler der ausschlaggebende Punkt zur Erlangung der Macht?

Antwort
von OhneRelevanz, 35

Vor der Wahl 1933:

Was gerade bei der Nationalsozialistischen Partei auffällt ist, wie sie Wähler in allerlei Schichten erreichte. Einerseits betonte man den angeblichen "sozialistischen" Teil des Parteiprogramms, welches besonders der armen Bevölkerung und der Arbeiterschaft gefallen hat. Gleichzeitig wurde der Nationalismus betont, was besonders der damaligen Oberschicht gefallen haben dürfte, die noch aus der Zeit der Monarchie stammte und entsprechend nationalistisch geprägt war. So konnte man nach belieben die Bevölkerung ansprechen.

Dazu wurden Feindbilder geschaffen: Besonders Demokraten (damals eine Minderheit), Sozialisten (Sozialdemokraten (SPD), Kommunisten (KPD) und Anarchisten) sowie Juden und Sinti und Roma waren die "Sündenböcke", die für vielerlei Missstände in der Gesellschaft und in der Welt verantwortlich gemacht wurden. So z.B. sprach man vom "Weltfinanzjudentum" und behauptete, dass die Juden - als Rasse - für die Armut der Bevölkerung verantwortlich wäre, während sie selbst angeblich alle reich seien.

Die Sozialisten wurden oft damit kombiniert. Abgesehen von der grundsätzlichen Diskrepanz zwischen der sozialistischen und nationalsozialistischen Ideologie, folgen die Sozialisten ja einer Ideologie, die maßgeblich von Juden geprägt wurde (Karl Marx war bspw. Jude), natürlich waren sie also auch "Parasiten".

Sinti und Roma und Polen, recht große Minderheiten der Weimarer Republik galten nicht als "arische Deutsche" und waren somit minderwertig.

Arbeitslose, Behinderte und Verbrecher wurden pauschal als "Asoziale" betitelt, sie würden keinen Anteil zur Gesellschaft leisten und müssten deshalb ausgemerzt werden. 

Oben genannte Gruppen waren meist Minderheiten und bis auf die Sozialisten und Demokraten, die eigene paramilitärische (Straßen-)Kampftruppen (Rotfrontkämpferbund oder Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold) bildeten, waren sie selten wehrfähig. Somit waren sie den Angriffen durch SS und SA auf der offenen Straße ausgeliefert, diese Kampfverbände gewannen wiederum immer mehr an Stärke. Nach und nach geriet auch die Presse in de Hände der Nationalsozialisten, es wurde noch einfacher die "Volksfeinde" zu diskreditieren. 

Es gibt noch einige weitere Gründe, weswegen letztendlich die Nationalsozialisten die Macht erreichten. Zu viele, als das ich sie alle nennen könnte. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und Nationalismus immer noch sehr stark in der Gesellschaft waren und das dieser besonders von der NSDAP aufgegriffen wurde. Diese Strömungen gab es aber nicht erst in der Weimarer Republik, gerade der Antisemitismus hat in Europa eine Jahrhunderte lange Tradition. Der Nationalismus, relativ jung damals, stammte aus der Zeit noch vor dem 1. Weltkrieg.

Nach der Wahl 1933:

Die Reichtstagsbrandverordnung (Reaktion der nationalsozialistischen Regierung auf eine vermutlich linke Brandstiftung am Reichstag in Form verschiedener Gesetze, die u.a. Meinungs-und Pressefreiheit angegriffen hatten).

Die Ermächtigungsgesetze Hitlers, die mit der Unterstützung der rechtsradikalen Parteien und der konservativen Zentrumspartei beschlossen wurden und dazu geführt haben, dass Hitler im Endeffekt die Weimarer Republik in eine Diktatur verwandeln konnte. (Der wohl ausschlaggebendste Punkt)

Konzentrations- und Vernichtungslager, sowie die akribische Verfolgung der Widerstandskämpfer waren auch relevant dafür, dass die Faschisten ihre Macht halten und festigen konnten. Nicht nur die Juden, sondern auch Gewerkschaftler, Demokraten, einzelne Religiöse und Sozialisten wurden in den Konzentrationslagern zur Arbeit gezwungen und in den Vernichtungslagern vergast. So konnte größtenteils der Widerstand innerhalb der Bevölkerung ausgeschaltet werden - wenn auch nicht ganz.

Was ich noch hervorheben möchte ist der heute viel zu oft vergessene Völkermord an den Sinti und Roma. Man nennt ihn Porajmos (https://de.wikipedia.org/wiki/Porajmos).

Antwort
von Hegemon, 35

Hitler als Person war austauschbar. Ursprünglich verstand er sich als "Trommler der Bewegung". Beim Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 war noch Ludendorff die führende Rolle zugedacht gewesen. Ludendorff war schließlich schon 1916-18 Militärdiktator - zusammen mit Hindenburg als 3. OHL. Der Putschversuch von 1923 war auch nur einer von mehreren (sh. Kapp-Lüttwitz-Putsch, Küstriner Putsch...).

Entscheidend war der Wille der Eliten, eine Diktatur zu errichten und die Demokratisierungsprozesse als Folge der Novemberrevolution zurückzudrängen und umzukehren. Vergleichbare faschistische Tendenzen und Bewegungen als Reaktion auf die Demokratisierung nach Verschwinden der Monarchien gab es zu dieser Zeit in halb Europa.

Ohne die monströse Propagandaschlacht des Dunstkreises um Alfred Hugenberg (Rüstungsunternehmer, Medienmonopolist, Ruhrlade, Alldeutscher Verband) hätte der extrem schnelle Aufstieg der NSDAP so nie stattgefunden.

Um die Erfahrungen des italienischen Faschismus auf Deutschland zu übertragen, bildete sich ein Zusammenschluß aus führenden Wirtschaftseliten und Nationalsozialisten (Gesellschaft zum Studium des Faschismus).

https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft\_zum\_Studium\_des\_Faschismus

Die Errichtung der Diktatur war auch nicht ein Vorgang von wenigen Wochen sondern vollzog sich über mehrere Jahre. So war das Deutsche Reich bereits seit 1930 eine Präsidialdiktatur. Auch der Preußenschlag 1932 (Staatsstreich) trug wesentlich zur späteren Zentralisierung der Machtverhältnisse bei. Das alles waren Prozesse, an denen Hitler noch keinen Anteil hatte.

Antwort
von zehnvorzwei, 32

Hei, luisaavuneo, das kann man  so sagen: Hitler und seine Partei - dadurch, dass der Reichspräsident H. mit der Regierungsbildung beauftragte, war nicht ohne Regierungsbeteiligung der NSDAP möglich. Es ging ja nicht nur ums "Pöstchen" des Reichskanzlers, sondern um die Bildung einer Regierung. Und so. Grüße!

Antwort
von earnest, 21

Nein, Hindenburg - der den "böhmischen Gefreiten" die Macht auf dem Silbertablett servierte und ihn zum Reichskanzler ernannte. 

Es war keine "MachtERGREIFUNG", sondern eine MachtÜBERTRAGUNG.

Gruß, earnest

Kommentar von earnest ,

-upps: dem "böhmischen Gefreiten"

Antwort
von Kuestenflieger, 39

das gleiche was die ..... heute ausnutzen : hohe arbeitslosigkeit .

Kommentar von PatrickLassan ,

Die Arbeitslosenzahl ist derzeit so niedrig wie lange nicht mehr.

Kommentar von Deepstyler ,

ja, ist blöde, wenn eine linke phrase die andere frisst

Kommentar von Utyos ,

Wenn du die tausenden mies bezahlten Beschäftigungsverhältnisse, von denen keiner leben kann, Arbeit nennst, dann hast du wohl Recht. Und wenn hier berechtigterweise von Fachkräftemangel die Rede ist, dann wirft das ein bezeichnendes Licht auf bundesdeutsche Bildung und Ausbildung, worauf man nicht stolz sein muss.

Kommentar von Deepstyler ,

wo haben wir heute hohe arbeitslosigkeit?

wir haben einen FACHKRÄFTEMANGEL

der nur durch fachkräfte aus so fortschrittlichen staaten wie syrien, eritrea oder dem balkan behoben werden kann!

Kommentar von Kuestenflieger ,

die frage war nach braunhemden .

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