Frage von viktoria25601, 79

Macht mich mein Selbstbewusstsein unsozial?

Egal ob in der Schule, mit Freunden oder vor Fremden, ich verhalte mich eigentlich immer sehr selbstbewusst. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich es direkt und rede nicht lange herum....

Vielen passt das nicht und ignorieren mich, oder beleidigen mich für meine Ansichten und Meinungen. Eigentlich stört mich das nicht, obwohl ich mich frage ob ich nicht ZU unsozial bin?!

Wie selbstbewusst sollte man sein und ab wann verletzt man schon andere?

Antwort
von Tasha, 32

Ich finde, man darf schon Selbstvertrauen haben und sicher auftreten, aber man sollte auch die andere nicht außer Acht lassen. Wenn man merkt, dass man öfter andere Menschen vor den Kopf stößt, könnte man das aus Rücksichtnahme unterlassen.

Wenn ich weiß, dass jemand gerade sehr verletzlich ist, weil sein Vater gestorben ist, muss ich keine Sprüche wie "killt ihn" oder so machen, wenn ich weiß, dass jemand von seiner Freundin verlassen wurde, muss ich nicht mit meiner Beziehung "prahlen" (oder davon stolz reden), wenn ich weiß, dass jemand mit seinem Aussehen hadert, muss ich das nicht verstärken, indem ich selbst auf die Punkte hinweise, in denen er unsicher ist.

Man kann auch rücksichtsvoll seine Meinung sagen. Man muss nicht sagen "Dein Shirt ist total hässlich", sondern man kann sagen "mein Geschmack ist es jetzt nicht gerade, aber es sieht gut an Dir aus", wenn man weiß, dass die Bestätigung für den anderen wichtig ist.

Wenn man nicht an Gott glaubt und ein Freund sehr gläubig ist, kann man seinen (Nicht-) Glauben mal thematisieren, man muss ihn aber nicht jedes Mal, wenn er über Gott redet, lächerlich machen. Oder man meidet das Thema bewusst, weil man weiß, dass man nicht übereinstimmen wird und er sich verletzt fühlt, wenn man Gegenargumente bringt.

Man kann allg. sachlich und verständnisvoll mit Menschen reden, statt einen ironischen, herablassenden oder demütigenden Ton anzuschlagen. Man kann Worte vermeiden, die den anderen herabsetzen oder verletzen würden. Man kann seine Meinung als eine von vielen möglichen äußern anstatt als alleinig gültige. Man kann sagen, dass man etwas für sich selbst ablehnt, aber nichts dagegen hat, wenn andere es vertreten (dann darf man sich aber nicht über sie lustig machen etc.).

Ich persönlich finde Menschen, die andere mit ihrer "Ehrlichkeit" verletzen, unsozial. Das ist einfach nicht nötig und ich überlege dann immer, was für Probleme diese Menschen selbst haben, um so etwas nötig zu haben. Wenn meine Nachbarin anfängt zu joggen, aber über 100 kg wiegt, kann ich sie doch mal loben, auch wenn sie nach 10 m außer Atem ist und in der Jogginghose unvorteilhaft aussieht. Ich weiß aber, dass es ihr schwer fällt und dass sie Angst hat, aufgrund ihres Gewichts abgelehnt zu werden. Ich muss sie nicht beschämen, über sie lachen oder Fragen stellen, die sie entmutigen (wie lange sie laufen kann, ob sie keine andere Hose hat oder so). Vor allem nicht, wenn ich weiß, dass sie jede Art von Kritik sofort zum Aufgeben bringen würde und sie dann das Gefühl hätte, eine hässliche Versagerin zu sein.  Also allgemein kein Salz in die Wunde streuen.

Meine Einschätzung ist meistens: Wenn jemand es nötig hat, andere zu demütigen oder sich zum Richter über alle aufzuschwingen  - bspw. auch als Veganer allen anderen ständig ihren "Leichenschmaus" vorzuhalten etc. - dann hat derjenige selbst ein Problem, ist nicht mit sich im Reinen und muss so Frust abbauen. Sonst wäre er gelassener und hätte diese Aggression - etwas anderes ist es in meinen Augen nicht - nicht nötig. Dann könnte er akzeptieren, dass andere andere Erfahrungen als er gemacht haben, andere Werte und Vorlieben haben und man nicht immer übereinstimmen muss, aber die Meinung des anderen trotzdem respektvoll anhören muss. So ein Gespräch kann ja auch interessant sein, wenn keiner den anderen überzeugen *muss*.


Wer sich wie die Axt im Walde benimmt und ständig anderen seine Meinung aufdrücken muss, hat Kommunikation nicht verstanden oder genießt die Macht, andere zu verletzen. Wenn man sich geeinigt hat, dass man nicht die gleiche Meinung oder Haltung teilt, kann es interessant sein, die Gründe und Ausführungen des anderen zu verstehen!

Kommentar von JuliusSt ,

Gut "zusammengefasst"

Antwort
von Interesierter, 28

Was der Eine als "selbstbewusst" ansieht, empfindet der Andere als "arrogant". 

Was der Eine als "geradlinig" ansieht, ist für den Anderen "spießig". 

Selbstbewusstsein ist gut, sollte aber spätestens dort, wo Andere eingeengt werden, aufhören. Es sollte nicht auf Kosten Anderer gehen, denn die finden das gar nicht toll. 

Daher solltest du dir schon das eine oder andere Mal die Frage stellen, wie du dich fühlen würdest, wenn du in der Situation deines Gegenübers wärest. 

Antwort
von Suboptimierer, 22

Du hast Glück, dass du zu denjenigen gehörst, die auch mal den Mund auf machen können. Du hast Pech, dass das, was aus deinem Mund kommt, vielen nicht passt.

Gibt es denn gar nichts, was du sagst, dass andere als positiv empfinden könnten? Weil wenn nicht, dann befindest du dich in einem Dilemma: Wie viel deiner Individualität bist du bereit, für Sozialität aufzugeben?
Ich meine, theoretisch könntest du als Einzelgänger durchs Leben wandeln oder du wirst zu einem sozialen, angepassten Herdentier. Das sind die Extreme.

Es fällt mir schwer, dir den Rat zu geben, sei so und so. Ich finde, du musst selbst heraus finden, mit welchem Maß Individualität / Sozialität du am besten zufrieden bist.

Dabei müssen das nicht einmal Gegensätze sein, nur bei dir scheint das der Fall zu sein. Es gibt auch Menschen, deren Individualität "zufällig" von der Masse angenommen wird. Von außen kann man dann nur nicht mehr die Individualität erkennen.

Aber wie gesagt, das muss jeder für sich entscheiden, auch die Herdentiere - und wenn es nur das ist, was sie entscheiden ;)

Antwort
von Pusteblume8146, 17

Das, was du da beschreibst, klingt für mich nicht rein selbstbewusst, sondern ein bisschen arrogant, bzw. einfach wenig einfühlsam. Klar, ein gutes Selbstbewusstsein ist viel wert und das ist gut, wenn du das hast. Aber ich verstehe unter Selbstbewusstsein, dass man - sich seiner selbst bewusst ist. Dass man weiß, wer man ist, was man will und das man all das auch nach Außen tragen kann, Grenzen setzen kann. Und trotzdem heißt es für mich auch, dass man andere achtet (Jemand der selbstbewusst ist, hat es nicht nötig, sich selbst immer in den Mittelpunkt zu stellen und rein sich selbst sieht). Dass man sich selbst liebt, und daher diese Liebe auch an Andere weitergeben kann.

Du meinst es bestimmt nicht böse, aber achte doch einfach mal darauf, ein bisschen mehr auf deine Mitmenschen einzugehen und aufmerksamer zu sein. Das muss nicht heißen, dass du selbst zurückstecken sollst. Und wenn du eine Meinung anbringen möchtest, dann tu das gerne, aber das kann man auch nett tun, und den Tonfall/ die Worte dementsprechend anpassen.

Antwort
von Dhalwim, 28

So direkt sollte man nicht sein. Ist gerade 2 Tage her, wo Ich nen alten Freund vergrault habe mit meiner "offensiven" Art. Natürlich kann man direkt sein, und selbstbewusst auch, nur sollte das sich in Grenzen halten (sowie bei allen anderen Dingen auch.)

Würdest du zum Beispiel, es gut finden, wenn jemand dir seine / ihre ehrliche Meinung über dich sagt (und das nicht mal ein wenig konform?)

Mach dir da mal vorerst keinen Kopf, man sollte schon selbstbewusst sein, aber trotzdem in Grenzen. Zuviel ist nie gut, egal von was.

LG Dhalwim

Antwort
von skyberlin, 3

Du kannst solange selbstbewußt sein, wie Du niemanden durch Überheblichkeit, Herabsetzung, Herablassung, Gehäßigkeit oder Kränkung verletzt.

Und eine ordentliche Portion grundsätzlicher Empathie im Umgang mit Menschen, kann dem schon ganz gut vorbeugen.

Das wirst Du intuitiv spüren oder erlernen.

Vorlesungsende.

PS: ein Kränkung gegenüber einem anderen Menmschen kannst Du nicht mehr zurückholen oder heilen!

Bleib auf'm Teppich!

Expertenantwort
von JZG22061954, Community-Experte für Schule, 10

Auf den ersten Blick und sozusagen aus dem Stegreif könnte ich sagen, prima das Du so selbstbewusst und auch so direkt bist und dennoch es gibt da auch noch den zweiten Blick und der besagt, es ist manchmal durchaus angebracht zwar immer noch selbstbewusst aufzutreten, aber eben auch nicht immer so ganz direkt auf das Ziel hinbrausend. Von daher ist es angebracht manchmal etwas besonnener sprich zurückhaltender aufzutreten und das nicht nur um den anderen nicht zu verletzen sondern auch um selber nicht zu Schaden zu kommen.

Antwort
von Hunkpapa, 12

sei so wie du eben bist, auch oder gerade wenn es anderen nicht passt. sozialer als offen und ehrlich zu sein geht nicht.

Antwort
von soprahin, 5

Andere zu beleidigen geht garnicht. Es ist auch nicht damit getan, es als Selbstbewußtsein zu verkaufen, denn offensichtlich bist du Dir nicht bewußt, dass es auch gesellschaftliche Verhaltensregeln gibt. Deine Meinungen sind zwar o.k., aber andere damit beleidigen, denunzieren oder sonstiges nicht.

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