Frage von Joshua9338, 59

Macht ein minimalistisches Leben Glücklicher?

Ist ein minimalistisches Leben schöner oder nicht? Ich frage mich das schon sehr oft und manchmal denke ich das wir schon vieles haben was wir gar nicht benötigen. Macht es auch Glücklich wenn man weniger hat als man villeicht benötigt oder gernen haben hätte. Hat da jemand eine Erfahrung oder Kennt sich zu diesem Thema aus?

Antwort
von Tasha, 11

Generell würde ich das schon vermuten. 

Dabei würde ich zwei Aspekte hervorheben:

Vereinfachter Alltag, weil man im Haus und ggf. an anderen Stellen weniger Arbeit hat - man muss nicht so viel putzen, aufräumen, man muss nicht immer Schränke etc. nachkaufen, weil man mehr Sachen hat, man hat weniger Stress beim Umzug, muss nicht alle möglichen alten Sachen verwalten. Viele Sachen nutzt man ja gar nicht mehr, sondern bewahrt sie nur auf. Wenn man es schafft, sich von (fast) allen Erinnerungsstücken zu trennen - nicht unbedingt Omas Fotoalbum, sondern Sachen, die man nicht mehr benutzt aber aus Erinnerungswert aufbewahrt - wäre man sicher langfristig glücklicher, weil man weniger Arbeit und mehr Stellfläche hat.


Verringerung der Wünsche und damit glücklicheres Leben. Wie oft spart man auf einen größeren Wunsch hin? Möchte etwas dringend haben? Hat besondere Vorlieben (nur eine bestimmte Sorte eines Lebensmittel, nur eine bestimmte Marke eines Kleidungsstücks usw.), denen man nachjagt.  Wie oft geht dafür viel Zeit - richtige Sache finden - und Geld drauf, weil man die Sache auch später nicht mehr haben will (wenn der Trend vorbei ist)?

Eine Freundin von mir schämt sich für ihr altes Auto. Das Auto sieht gut aus, ist gepflegt, fährt gut - nur das Fabrikat ist alt, es gibt schon mehrere "Nachfolger". Ständig meint sie, das Auto verteidigen zu müssen, ständig hat sie Angst, dass sie jemand fragt, warum sie so ein altes Auto fährt. Dabei nutzt sie es wirklich nur als Transportmittel. Das könnte sie ja einfach sagen, aber sie hat große Angst, dass jemand auf sie herabsieht, weil sie sich kein neues Auto leisten kann bzw. will (sie könnte schon, müsste dann aber an anderer Stelle knappsen). So etwas ist doch verrückt! Warum sollte man sich schämen, weil der Gebrauchsgegenstand Auto, der noch funktioniert (!), nicht dem neuesten Stand entspricht?!

Minimalisten hätten solche Gedanken gar nicht.

Ich habe einen Röhrenfernseher. Das haben schon einige Besucher angemerkt. Er funktioniert aber noch, Fernsehen ist mir nicht so wichtig, dass ich ihn ersetzen würde, bevor er kaputt ist, der Fernseher ist für mich kein dekoratives Möbelstück und ich will möglichst wenig Geld für Sachen ausgeben, an denen ich nicht emotional hänge. Ich spare damit Geld (wenn ich mir einen Flachbildfernseher kaufe, werden diese günstiger und besser sein als die jetzt in dem Preissegment angebotenen) und Stress (immer das neuste Fabrikat haben zu müssen und dafür evtl. auch Entbehrungen - Sparen - auf mich zu nehmen, weil zu schnell Geräte mit neuen Funktionen oder anderen Designs neu rauskommen).

Ich höre sehr oft von verschiedenen Leuten "das gibt es schon! und ich habe immer noch das alte!" - obwohl ihnen die Sache an sich unwichtig ist. Sie sind bereit, Geld auszugeben für etwas, das ihnen unwichtig ist, nur weil es eine Neuerung gibt, die beworben wird!


Je weiter man zurückgeht, desto eher hat man eine Produktkategorie ersehnt, nicht eine bestimmte Marke. Kinder wollten Schokolade, nicht Milka. Eltern wollten Schuhe kaufen, nicht bestimmte Schuhmarken. Kinder hatten eine Schultasche, deren Marke sie nicht kannten usw. Heute kann man fast allem, das man besitzt, einen Markennamen zuordnen. Z.B. Milch im Glas oder Butter auf dem Brot sind eigentlich Milch und Butter (besonders, wenn man kein Bauer ist!). Gestern hörte ich Werbung für Butter, "verschiedene Sorten". Was denn für Sorten? Butter ist Butter! Mag ja sein, dass es inhaltliche Unterschiede gibt, vermutlich aber auch große Unterschiede in der Vermarktung. Ja, ich habe auch mal im Café teure Butter gegessen (kam beim Frühstück in Einzelverpackung) und evtl. hat die "besser" geschmeckt als "normale" Butter, aber deshalb würde ich sie nicht in dem Bewusstsein kaufen, jetzt "bessere Butter" zu essen. Man achtet auch meist nur auf das, was mit Markenname vertrieben wird. Man isst teures Brot, teure Butter, trinkt teurere Milch, aber nimmt irgendwelche Möhren, weil die ohne Markenname verkauft werden.

Früher wäre man zum Krämer gegangen und hätte aus Großbehältern - Fässern etc. - Butter, mMilch etc. mitgenommen. Heute sieht man Unterschiede, weil die Verpackungen anders sind! Das gilt nicht nur für Lebensmittel!

Der Minimalist, dem Marken komplett egal sind, wäre glücklicher, weil er viel Geld sparen und sich viele Gedanken ersparen würde. Der Markenfreund kann sich sogar einreden, dass die "falsche" Butter, Milch etc. schlechter schmeckt als die gewohnte. Oft sind mMn die Unterschiide eingebildet oder eingeredet (Werbung). Stellt Euch mal vor, man könnte z.B. ein Buch in verschiedenen Ausfertigungen kaufen: Gebunden in Stoff oder Leder, Hardcover, Taschenbuch, mit dünnem oder dicken Papier, mit Farbigen Überschriften, bebildert, mit Fotos oder nur Text. Plötzlich würde man sich einreden, dass man ganz bestimmte Ausgaben braucht oder bevorzugt! Da wir meist nur zwischen Taschenbuch, Hardcover und E-Book wählen können, machen wir uns gar keine Gedanken um andere Präferenzen. Eine größere Auswahl würde Stress verursachen und evtl. unnötig höhere Kosten (den Leinenband mit dem dicken Papier und den roten Überschriften bitte!).

Ganz krass wird es bei Luxusprodukten wie Wasser. Die meisten Menschen schmecken "Wasser", aber wenn die Flasche mehrere Euro kostet oder den Gegenwert eines Kinoabends hat, redet man sich plötzlich ein, dass "das Billigwasser" nicht mehr schmeckt. Dabei könnte man auch Leitungswasser trinken, denn meist hat man Durst und schmeckt dann gar nichts heraus.


Minimalisten, die nur haben, was sie nutzen und wertschätzen, die nicht aus Mehrwert kaufen (weil eine Marke ihnen ein besseres Gefühl gibt), die durch Werbung keine Kaufgelüste oder sogar einen Kaufzwang verspüren, die entspannt vor Bekannten vertreten können, dass sie nicht das neueste Smartphone und ein altes Auto haben, die sich für ihre kleine Wohnung nicht rechtfertigen müssen, die gebrauchte Kleidung mit Stolz tragen und ihre Lebensmittel vielleicht so weit möglich selbst herstellen können, haben es an vielen Stellen bestimmt leichter und sind glücklicher.

Alle anderen, die enttäuscht sind, wenn sie nicht das richtige Produkt bekommen, für bestimmte Produkte sparen, sich ihrer alten Sachen schämen und vielleicht sogar umziehen, weil  sie nicht mehr genug Platz für ihre Sachen haben, nehmen damit unnötige Belastungen auf sich. So ganz kann sich vermutlich fast keiner davon frei sprechen. Aber man kann daran arbeiten, in Lebensbereichen, in denen man keinen Wert auf bestimmte Marken oder den Besitz bestimmter Dinge legt, zu reduzieren und wegzugeben (am besten an andere, die es brauchen).

Meine Großtante hat 40 Jahre im gleichen Haus mit den gleichen Möbeln gewohnt und sich nur etwas Neues gekauft, wenn das alte kaputt war - und das war selten. Sie war glücklich, sie legte Wert auf bestimmtes Luxusessen (teuren Lachs wenn Besuch kam), aber ihr fehlte völlig der Gedanke, dass man sich jetzt etwas Neues kaufen müsse, weil das alte "out" ist. Oder regelmäßig etwas Neues kaufen sollte (Musik, Bücher, Kleidung nach der neusten Mode, neues Smartphone/ neue Kamera/ neuen Computer). Dadurch hatte sie viel Geld (gespart). Ihr kam in 40 Jahren nie der Gedanke, dass man jetzt mal die Möbel umräumen oder ersetzen müsste, "einen neuen Akzent" setzen, "den alten Tisch durch einen modernen ersetzen" sollte. 

Die meisten Leute denken heute anders. Dadurch wird viel weggeworfen und viel unnötig ersetzt, obwohl das alte noch funktionierte und in Ordnung war. Und es entsteht ein unnötiger Druck, "mithalten" zu müssen, wenn sich "die Mode" ändert.

Antwort
von Othetaler, 28

Das kommt sicher schwer auf den Einzelnen an.

Natürlich gibt es immer wieder Personen, denen es reicht, etwas zu essen zu haben, ein Dach über dem Kopf und die nötigste Kleidung. Jedes mehr an Besitz belastet die nur.

Andere müssen (nur als Beispiel) für jeden Zweck das passende Werkzeug zuhause liegen haben. Es könnte ja mal was sein. Und die werden nervös, wenn ein Spezialschraubendreher fehlt. Oder sie brauchen hunderte Bücher, DVDs oder was auch immer, selbst wenn die nie gesehen oder gelesen werden.

Antwort
von tofuschwein, 7

Also ich kann mir das schon vorstellen. Den kaufen befriedigt meist nur für kurze Zeit. Wenn man das Produkt dann auch eigentlich gar nicht braucht, ärgert man sich meist früher oder später darüber.

Dazu kommt die Werbung, sie animiert einen immer wieder zum kaufen und beeinflusst einen das man so viele Sachen möchte und sich Dinge wünscht das es einen schon wieder unglücklich macht.

Oder auch das Überangebot heute kann man zwischen (geschätzt ) 30 pizzasorten wählen, und wenn man bei jedem Produkt so eine Auswahl hat, kann das auch überfordern.

Ich denke das hat auch ganz stark was mit der Einstellung zu tun. Man muss bewusst leben und Dinge schätzen zu wissen um glücklich minimalistisch leben zu können.

Antwort
von beabeardedlady, 3

Minimalismus ist etwas, was mich bereits seit langer Zeit schon beschäftigt und auch mein Interesse geweckt hat. Ich finde, dass Minimalismus eine Kunst ist. Kein Kleinkram, nur persönliche und wirklich wichtige Dinge im Besitz und kein Chaos oder großes Gerümpel. Das beste Beispiel ist der Keller. Menschen lagern dort so so so viele Dinge, die sie aber niemals rausholen werden. Wenn man mal all seine Sachen auf einen Haufen legt, wird einem Bewusst, wie wenig von diesem Zeug man eigentlich wirklich braucht und auch benutzt. Ich sortiere oft aus, weil ich mir den Minimalismus als "Vorbild" nehme. Ich brauche doch nur Dinge, die ich wirklich benutze. Ich glaube, dass Minimalismus gut für uns ist, zumindest ein Stück weit. Ich würde nie aufs ganze gehen und Minimalist werden. Sachen wegschmeißen, die man eigentlich nie brauchte ist ein wunderbares Gefühl. Man räumt nicht nur äußerlich sondern auch innerlich auf.

Antwort
von MindShift, 22

Zuerst sei gesagt: Minimalisten haben nicht weniger als sie benötigen, sondern sie versuchen nur das zu haben, was sie brauchen. Ich selbst habe letztens mein ganzes Zimmer umgekrempelt und fast alles entsorgt, was ich nicht benutze. Das ist eine große Erleichterung und fühlt sich gut an ^^

Antwort
von Nenkrich, 19

Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, wenn mich was interessiert kauf ich mir das, das könnte ich als minimalist nicht mehr. Ich bastle gerne mit elektronik rum, ohne das wäre mir verdammt langweilig. Ausserdem würde es unserer Wirtschaft schaden wenn alle minimalistisch sind. Dann lieber ab und zu mal was aussortieren wenn man es nicht mehr braucht :)

Kommentar von GluecklicheKuh ,

man kann ja alte sachen verkaufen, tauschen oder verschenken :)

Kommentar von Nenkrich ,

Richtig. :)

Antwort
von GluecklicheKuh, 20

Ob es glücklicher macht, hängt von jedem Menschen selbst ab.

Ich finde, zu viel Konsum und Minimalismus sind zwei Extreme. Der Mittelweg ist für mich der angenehmste. 

Kommentar von Joshua9338 ,

Ja da hast du recht.

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