Frage von Imago8, 147

Macht die Schule uns zu voreingenommenen Menschen?

Die Schule konfrontiert die Schüler mit Antworten auf Fragen, die sie noch nicht gestellt haben, oder mit Lösungen für Probleme, die noch gar nicht in ihrem Leben aufgetreten sind, oder mit fertigen Erklärungen für aktuelle oder historische Geschehnisse.

Ich frage mich/euch:

Macht uns die Schule wirklich klüger/ wissender oder werden wir dadurch eher voreingenommen(er)?

Antwort
von Grautvornix16, 37

Hi, ich denke "Ja", das tut sie. Und sie kann es auch gar nicht anders. Wenn du mal alle politischen Einflüsse zwischen Kultusministerien und Lehrplan und der Person des Lehrers selbst  wegläßt bleibt immer noch der zeitaktuelle Wissenshorizont. Stell dir mal vor, ein Lehrer von 1810 würde heute vor die Schüler treten und den gleichen "Denk-Gehorsam" von ihnen verlangen wie damals: lustig, nä? Und so wird das auch in 200 Jahren sein wenn dann einer deine Frage stellt und es diese Seite noch geben sollte.

Schule hat (leider bis heute) noch nie so funktioniert wie sich das Wilhelm von Humboldt (der Bruder von Alexander von Humboldt, dem Entdecker) mit seiner Bildungsreform und dem damit verbundenen "Humboldt'schen Bildungsideal" (vielleicht ja schon mal gehört) vorgestellt hat. - Diese ganzen Fächer in der Schule wurden nicht eingeführt, um immer nur was "Nützliches" zu vermitteln (wenn ich das schon immer höre...) sondern dem Kind einen Eindruck von der Vielfalt und Tiefgründigkeit der Welt zu vermitteln und damit eine Grundlage sowohl für Neugier und Entdeckergeist als auch für eine spätere Wahl für Schwerpunkte und Spezialisierung zu legen. Allgemeinbildung im klassischen Sinn eben als Ausgangspunkt für die Qualifizierung, einen eigenen Weg gehen zu können und dabei in Zusammenhängen denken zu können. - Kein Modell für "Arbeiterameisen" und abgerichtete "Trüffelschweine".

Aber bei dem Begriff der "Qualifizierung" kommt dann auch der Sinn und die Bedeutung des Lehreres von vor 200 Jahren heraus.

Denn es gilt die alte Küchenweisheit: "Wer guten Jazz spielen will muß vorher die Klassik lernen und verstehen". Oder anders: Das was ich wiederlegen oder variieren will muß ich vorher gelernt und verstanden haben, um seine offenen Fragen und Möglichkeiten (auch Widersprüche) zu verstehen. Zudem hilft "das Alte" zu lernen, mit Denkdisziplin in Konzepten zu denken (auch Jazz hat ein Konzept). Und genauso ist es z. B. bei Einstein gelaufen. Er hat das "Alte" gelernt und verstanden und deshalb konnte er auch die "Ungereimtheiten" darin erkennen in in einem alternativen Konzept schlüssig darstellen.

Es sind immer die Lehrter, die von ihren Schülern eines Tages ergänzt oder widerlegt werden. Aber ohne diese Lehrer gäbe es auch diese Schüler nicht.

Das dabei der Staat / die Politik / die Mächtigen (heute ist es vor allem die Wirtschaft)  immer versuchen Einfluß auf die Bildung zu nehmen und dabei eher Ausbildung in ihrem Sinne meinen ist eine Binsenweisheit und sollte jedem bewußt sein.

Der entscheidende Unterschied besteht in einem Schulbetrieb und einem Lehrer, der seinen Stoff als Angebot versteht Neugier und Entdeckergeist zu fördern, den Widerspruch als kreativ und nicht als Aufstand gegen seine Autorität begreift und dessen größtes Anliegen dabei die Förderung des freien Denkens ist ohne jedoch dabei darauf zu verzichten, seine Schüler zu logischer Qualität und auch Disziplin in ihrem Denken zu ertüchtigen und in in diesem Sinne auch Anstrengungen zu verlangen.

Dann wäre Schule das was sie eigentlich sein sollte - ein Mittel zur Emanzipation des Menschen weil sie der Ort wäre wo der Mensch sein Grundrecht auf Bildung wahrnehmen kann - wenn er den will.

Gruß


Antwort
von Maeeutik, 48

In der Schule / Hochschule etc unterrichten Menschen und die sind niemals völlig neutral.

Nachdem man Grundfertigkeiten erlernt hat (Schreiben, Lesen usw) kann man weiter an den Lippen der Unterrichtenden kleben oder fragen ob die jeweilige Aussage allgemeinverbindlich ist.

Bei den Naturwissenschaften dürfte die Prüfung allerdings stets ergeben, dass Lehrer die Wahrheit sagen.

Antwort
von Barney123, 17

Hallo Imago8,

Beides. Aber ich weiß da keine bessere Lösung. Die Schule lehrt
einerseits Allgemeinwissen. Aber zu allen Themen die gelehrt werden,
gibt es natürlich auch andere Ansichten, die in der Schule nicht
unterrichtet werden. Die Lehrpläne beschränken sich in der Regel auf
gängige Lehrmeinungen. Nur in besonderen Ausnahmefällen werden auch
andere Theorien besprochen, wie in der Religion die Schöpfungsgeschichte
und in Biologie die Evolutionstheorie oder in der Oberstufe in Physik
Newtons Korpuskulartheorie im Gegensatz zum Welle-Teilchenmodell der
modernen Physik. Es geht auch gar nicht, alle unterschiedlichen Theorien
nebeneinander zustellen und das würde auch gar keinen Sinn machen, denn so manche Theorie würde ich als Absurd bezeichnen und sie ist daher
reine Zeitverschwendung. Natürlich hat das auch Auswirkungen. Das, was
wir in der Schule lernen, prägt uns. Ganz klar. Aber ich finde, das ist
auch gut so. Denn so wird eine Vorauswahl getroffen durch Leute, die
recht gut beurteilen können, was wahrscheinlich Richtig ist, und was
Falsch ist. Und das hat noch weitere Folgen: An den Modellen und
Theorien lernen wir, wie wir die Welt beurteilen und entwickeln unser
Denken. Das ist natürlich gerichtet und wir werden die Denkmodelle in
unserem weiteren Leben auch auf andere Situationen anwenden. Das ist
schon Voreingenommenheit.  Aber wir lernen auch, dass es verschiedene
Theorien gibt, und die Erklärungen dieser unterschiedlichen  Theorien
macht uns auch mit unterschiedlichen Denkmodellen vertraut, auch durch
die unterschiedlichen Disziplinen die wir lernen. Also ich denke, das
ist schon recht ausgewogen.

Problematisch ist das andere Modell, das die Moslems durchleben. Es gibt
eine Studie über Moslemische Kindergärten in Wien. Dort lernen die
Kinder ab einem Alter von vier Jahren den Koran auswendig und ihnen wird
immer und immer wieder eingetrichtert, dass das die Wahrheit Gottes
ist, und alles andere falsch ist. Wer das nicht glaubt, ist ein Zweifler
und darf je nach Richtung getötet werden. Solche Menschen werden
niemals in ihrem Leben ertragen können, wenn jemand eine andere Meinung hat. Eine andere Meinung erschüttert zutiefst ihr Selbstverständnis, und wenn das bedroht wird, werden solche Menschen oft auch richtig
aggressiv.

Unsere Schulen lehren auch Toleranz und dass viele Wissenschaftliche
Theorien immer verbessert werden oder manche sich als falsch erweisen
und dann durch neue bessere Theorien abgelöst werden. Auch das lernen
wir in der Schule. Wir lernen auch, dass sich im Wettstreit der  Argumente die bessere Idee durchsetzen soll. Deshalb lernen wir in der Schule, wie man sich Informationen erarbeitet, um sich eine Meinung zu bilden. Das wird in den Zeiten moderner Kommunikation und Internet immer wichtiger, denn dort kannst Du wirklich jede noch so abstruse Idee finden, und viele Leute sind davon überzeugt. Dazu gehört, die Meinungsfreiheit, dass sich neue Ideen entwickeln können die dann mit Argumenten verteidigt und beworben werden.

Dass nicht alle Menschen mit dieser Meinungsvielfalt umgehen können,
merken wir daran, dass es nicht wenige Leute gibt, die selbst an die
Abstrusesten Ideen glauben. Geh mal nach Youtube und suche nach "die
Mondverschwörung" Sieh Dir mal ein Video mit Dr. Axel Stoll an. Der
Doktortitel ist echt. Aber der redet gequirlten Unsinn. Schau Dir mal
an, was die Leute sonst noch so für einen Mist verbreiten. Mit einer
halbwegs guten Schulbildung, kann man da leicht die Spreu vom Weizen
trennen. Ich denke, unsere Schule gibt zwar nicht allen, aber doch
vielen Menschen die Chance das Denken zu lernen und sich gegen manchen Unsinn zu wehren.

Also ich denke, die Schule macht uns tatsächlich klüger und bereitet uns
auch bis zu einem gewissen Grad aufs Leben vor. Natürlich gibt es da
auch Qualitätsunterschiede zwischen den Schulen und das hängt auch von
der Zusammensetzung der Schüler ab.  Und natürlich wird den Schülern bei
uns die Demokratie als die beste Staatsform näher gebracht. Das ist
schon Meinungsmache. Aber ich denke das ist auch in Ordnung. Ich kenne
keine bessere Staatsform. Und wir haben ja die Möglichkeit, an unserer
Demokratie zu arbeiten und sie zu verbessern. Auch finde ich gut, dass
unsere Schule das wissenschaftliche Weltbild als das Richtige vermittelt
und nicht die Biblische Schöpfungsgeschichte oder eine andere Abstruse
Idee. Deshalb bin ich der Meinung, die Schule macht uns zwar
voreingenommen, aber das in die richtige Richtung. Und keiner soll
glauben, am Ende der Schule wüssten wir 'alles. Wir leben Heute in einer
Welt, in der selbst Fachleute ihr Fachgebiet nicht mehr überblicken.
Auch das kann man aus der Schule mitnehmen.

Also, alles nicht so schlimm.

LG

Antwort
von devinha35, 57

voreingenommen würde ich so nicht sagen, aber ich hatte nie wirklich das Gefühl viel wichtiges oder gar nützliches in der Schule gelernt zu haben. Hat mich oft sehr frustriert dort Zeit abzusitzen.

War gerne zu hause und habe gelernt wozu ich wirklich Lust hatte. 

Antwort
von Virginia47, 16

Ich glaube nicht, dass die Schule uns voreingenommen macht. 

Ich habe zwar ein anderes Bildungssystem durchlaufen als das jetzige - und kann es daher nicht so richtig einschätzen. Aber ich habe viel gelernt in der Schule. 

Auch vorgefasste Meinungen. Aber auch die Möglichkeit zu hinterfragen und selber zu denken. 

Klar habe ich in Aufsätzen auch geschrieben, was ich dachte, das der Lehrer lesen will. Aber dennoch war ich klug genug, mir meine eigene Meinung zu bilden. 

Und ich bin später gern in Schulungen gegangen. Da lernte ich auch von Problemen anderer, die ich noch nicht kannte. Aber ich hatte eine Antwort parat, wenn ein solches Problem bei mir auftreten könnte. 

Ich glaube eher, dass die Schule dazu da ist, aus uns gebildete Menschen zu machen. Eben welche, die selbst denken können. 

Antwort
von Pflanzenflavor, 1

Kurz und knapp, ja! Es formt die Persönlichkeit eines Menschen so, wie es der Staat eben braucht. Wir sollten es aber auch zu schaetzen wissen. Man lernt eben auch viel sinnvolles. Eine studie besagt schueler haben so viel angst wie psychiatrie patienten, was ich auch nachvollziehen kann. Gibt wie über all vor und Nachteile

Antwort
von DrHouseJunkie, 63

Das geht meistens von den Lehrern aus und deren Lehrmethoden aus.

Die leicht beeinflussbaren Schüler macht es oft voreingenommen. 

Später (ab der 9./10. Klasse) fangen Schüler an zu hinterfragen ob alles so ist wie es vermittelt wird. Bei mir ist es auch oft vorgekommen, dass Schüler Lehrer mit ihren eigenen Aussagen mit geschickten Gegenfragen "in die Ecke gedrängt" haben und somit sich eben nicht voreingenommen gemacht lassen haben.

Antwort
von adianthum, 18

Voreingenommener werden dadurch nur die Personen, denen man das selbstständige Denken und das Hinterfragen aberzogen/verboten hat.

Die Hinterfrager macht es klüger!

Antwort
von FooBar1, 55

Wärst du nicht ne ganze ecke dümmer wenn du nicht da gewesen wärst

Kommentar von Imago8 ,

das weiß ich nicht. Habe ja keinen Vergleich...es gibt mich (leider oder zum Glück) nur einmal...

Kommentar von FooBar1 ,

Dann schau doch mal in Länder ohne Schulpflicht. In Afrika oder sonstwo.

Kommentar von Hooks ,

Ähm, da bist Du aber falsch informiert. In ganz Europa gibt es keine Schulpflicht.

Außer Deutschland und einigen Kantonen in der Schweiz hat nur noch Bulgarien eine Schulpflicht.

Kommentar von FooBar1 ,

Ich spreche auch von keinem Schulwissen. Schulpflicht auf öffentlichen Schulen vs. Homeschooling ist ein ganz anderes Thema. Bin übrigens auch gegen home schooling. Wer sowas macht hat nicht andere Meinung als die Allgemeinheit. Gegen Evolution, gegen sexualkunde, gegen was weis ich nicht. Darunter müssen dann die Kinder leiden.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community