Frage von Dolo11, 80

Lohnt sich ein Pharmazie Studium?

Hallo Leute,

da ich bald in die Oberstufe kommen werde, mache ich mir natürlich Gedanken, ob ich später studieren oder eine Ausbildung machen möchte. Ich muss sagen, dass mich der Beruf des Apothekers interessiert, weil man Kontakt zu Menschen hat und ich mich für Arzneimittel interessiere. Auch die Apotheke als Arbeitsort könnte ich mir gut vorstellen. Nun habe ich aber auch erfahren, dass man eine PTA Ausbildung machen kann. Anfangs dachte ich, dass man in diesem Beruf nur hinten im Lager ist und sich nur im die Bestellungen und andere Dinge kümmert. Mittlerweile habe ich erfahren, dass diese Personen aber auch Medikamente verkaufen dürfen und Kunden beraten. Ich frage mich jetzt, ob es sinnvoll ist ,Pharmazie zu studieren, da man ja mit der PTA Ausbildung quasi den Apotheker mehr oder weniger ersetzen kann. Irre ich mich da oder hat man als Apotheker vielleicht doch ein paar Aufgaben, die der PTA nicht durchführen kann? Natürlich verdient man als Apotheker mehr Geld und hat mit dem Studium mehr Möglichkeiten (Industrie usw.) aber kann es sein, dass irgendwann vllt. nur PTA's in einer Apotheke eingestellt werden, weil sie weniger Gehalt bekommen und trotzdem fast alle Aufgaben des Apothekers übernehmen können?

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von Christianwarweg, 53

Ein Pharmaziestudium lohnt sich auf jeden Fall - ob es das Richtige ist, hängt davon ab, was du machen willst.

Als PTA (man kann übrigens auch nach der PTA-Ausbildung noch studieren gehen; ich kenne sehr viele, die das gemacht haben) kann man ebenfalls Medikamente verkaufen und ist die Fachkraft bei der Herstellung von Rezepturen und Defekturen in der Apotheke. Apotheker selbst machen das eher selten.

Abhängig von der Apotheke darfst du als PTA nicht alle Medikamente verkaufen und zu allem beraten, das hängt von der Apothekenleitung ab. Meiner Erfahrung nach gibt es da wenig Einschränkungen (und in vielen Apotheken verkaufen auch PKAs Medikamente, aber psst... das ist eigentlich verboten).

Finanziell ist PTA auch nicht übel (aber auch nicht übermäßig toll), allerdings verdienen Approbierte mehr, müssen dafür aber auch Nacht- und Notdienste übernehmen und insgesamt sind die Arbeitszeiten in der Apotheke halt nicht so toll (ca. 8:00 - ca 19:00 in der Regel).

Apotheker können natürlich auch in der Pharmaindustrie arbeiten und verdienen da richtig gut; PTAs finden sich daher eher nicht. Die Stellen für Apotheker in der Industrie sind sehr unterschiedlich, von Qualitätskontrolle (niemand hat es so leicht wie Apotheker, Qualified Person zu werden) über Marketing, Zulassung, Forschung (hier ist aber die Konkurrenz durch Mediziner, Biologen, Chemiker groß) und natürlich Produktionsleitung (kaum Konkurrenz durch andere, da Pharmazeutische Technologie nur wenige andere Studiengänge anbieten).

Das Studium ist eher anspruchsvoll und die wenigsten schaffen es, ohne ein Semester zu wiederholen. Machbar ist es aber.

Du solltest dafür ein großes Interesse an Naturwissenschaften, insbesondere Chemie und Biologie, mitbringen. Physik ist nicht gar so wichtig, aber totales Unverständnis für dieses Fach wird dir das Leben sehr schwer machen.

Man sagt immer, dass Pharmazeuten viel auswendig lernen müssen. Das ist nur halb richtig. Fachwissen ist natürlich wichtig. Ebenso wichtig ist es aber auch, Zusammenhänge herzustellen. 

Man kann das Pharmaziestudium in 4 Jahren (Regelstudienzeit) schaffen, hat dann aber wenig (nicht keine) Zeit, nebenher andere Dinge zu tun (z.B. Hobbies, arbeiten, ...).

Wenn du konkrete Fragen hast, melde dich z.B. per Kommentar.

Antwort
von WildTemptation, 41

Was genau meinst du mit der Frage, ob es sich lohnt? Das kommt doch darauf an, was du willst.

Es lohnt sich insofern, als dass du nach dem Studium ziemlich sicher einen guten Job haben wirst. Die Arbeitslosigkeit unter den Absolventen ist unter allen Studiengängen mit am geringsten.

Das Pharmaziestudium ist aber relativ anspruchsvoll bzw. man braucht recht viel Disziplin und Motivation, um immer genug zu lernen. Aber es kann auch sehr viel Spaß machen, weil der Stoff wirklich interessant ist und man auch immer viel Bezug zur Praxis hat. Ich studiere auch Pharmazie und bin sehr glücklich damit, auch wenn ich teilweise weniger Freizeit habe als Freunde, die etwas anderes studieren.

Ich habe auch einige Freunde, die eine PTA-Ausbildung gemacht haben. Das kann man mit einem Pharmaziestudium nicht wirklich vergleichen. Im Studium lernt man noch sehr viele tiefgründige Zusatzinformationen über den wissenschaftlichen Zusammenhang, die in der Ausbildung nicht einmal erwähnt werden. Wenn du naturwissenschaftliches Interesse hast, würde das Studium also besser passen.

PTA werden auch nie die Apotheker ersetzen. Natürlich machen sie teilweise das gleiche wie Apotheker, aber es muss immer ein Apotheker anwesend sein und bei ihm liegt letztendlich die Verantwortung. Außerdem können Apotheker natürlich noch in die Industrie, Forschung oder zu Prüfstellen gehen.

Ich finde es zwar super, dass du dir jetzt schon Gedanken über deine Zukunft machst, aber lass dir lieber noch ein paar Optionen offen und denke später nochmal darüber nach. Wer weiß, was sich in den nächsten zwei Jahren noch alles so ändert, was z.B. deine Interessen angeht.

Es wäre gut, wenn du in der Schule schon grundlegendes naturwissenschaftliches Interesse (besonders Chemie und Bio) hättest, aber zwingend notwendig ist es eigentlich nicht. An der Uni ist sowieso alles anders als in der Schule. Gute Noten in der Schule bedeuten auch nicht, dass du in der Uni besonders gut sein wirst oder umgekehrt. Man muss nur immer ausreichend Motivation finden und fleißig sein, dann kann man alles schaffen :-) 

Antwort
von polarbaer64, 69

Mein Sohn hätte auch gerne Pharmazie studiert. Er hat Praktikum in der Apotheke gemacht und es war  ganz seins. Er hat sich schon die Unis angesehen, wo man das studieren kann, ist jetzt aber doch davon abgekommen und studiert ab dem Wintersemester Chemie.

Warum? Pharmazie ist ein NC-Studiengang, wo nur die Guten genommen werden. Die weniger Guten kommen auf eine Warteliste und rücken irgendwann mal nach, was unter Umständen Jahre dauern kann. - Dann gibt es bei Pharmazie immer noch ein Staatsexamen. Wenn man das nicht besteht, ist man raus.

Pharmazie ist ein tolles Gebiet und Apotheker ein super Beruf. Aber hast du auch super Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern, dass du das schaffen kannst?

Ein PTA wird einen Apotheker nie ersetzen, da er keine Apotheke leiten kann. Deswegen werden Apotheker immer gebraucht, z.B. auch an Krankenhausapotheken. An der Uni am Infotag haben sie gesagt, dass in Deutschland für jeden fertig studierten Pharmazeuten eine Stelle da ist, wenn man bereit ist, auch in einer anderen Stadt zu arbeiten. Die Chancen, einen Job zu bekommen, sind also gut. 

Jetzt musst du abwägen, ob deine Noten bis zum Abitur im einskomma-Bereich sind, oder ob du besser etwas ohne NC studierst.

Nutze unbedingt die Infotage an den Unis!!!

Kommentar von Dolo11 ,

Die Wartezeit für Pharmazie beträgt laut Hochschulstart.de seit 5 Jahren 2 Wartesemster, was umgerechnet ein Jahr bedeutet, somit wäre ein Jahr eigentlich kein Problem mit einem FSJ.

Kommentar von polarbaer64 ,

Wenn man es unbedingt will, könnte man es so machen. Ich befürchte nur, dass derjenige, der Wartesemester schieben muss, nicht gut genug ist, das Staatsexamen zu schaffen. Ich weiß leider nicht, wie hoch die Durchfallrate ist, kannst du etwas dazu sagen, Dolo11? Meinem Sohn war es zu riskant, womöglich ein komplettes Studium umsonst zu machen, daher geht er den für ihn einfacheren Weg und studiert Chemie ;o) .

Kommentar von Christianwarweg ,

Mal zum Relativieren: Mit mir haben ca. 40 Leute angefangen, Pharmazie zu studieren.

In Regelstudienzeit sind 2 fertig geworden, nämlich ich (Abischnitt 1,9, für NC-Fächer also eher schlecht) und eine Freundin, die ebenfalls 1,9 hatte und durch Nachrücken reinkam, weil andere abgesprungen sind- viele Personen, die einen Schnitt 1,0 - 1,2 haben mindestens ein, wenn nicht mehr, Semester verloren.

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